Ausgabe 
5.7.1907
 
Einzelbild herunterladen

Kreliag dsn 5° Juli

190*?

Iw

WMW--W

M

I

MLZ

MMWW

s ii

Jun Ken unter der Kfche.

Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg).

Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt.

(Fortsetzung.)

Brausend strömte Tjagniar das Blut zum Herzen. Tief erblaßt tdat sie zurück, während Uchdorf sich mit unbewegtem Antlitz zu S-rebüte tvandte, deren spähenden Blicken die Szene ,ncht entgangen wjar. Mit anscheinender Harmlosigkeit suchte sie ihn sogleich in ein längeres Gespräch zu verwickeln, wo- .muf er mit einer ihm sonst fremden Lebhaftigkeit einging. ,

Dagmar mußte derweilen das Bedauern des^Major von Fink Aber sich ergehen lassen, der ihr Fehlen beim ^Schlittschuhlaufen Noch immer nicht verwinden zu können schien.

Sie wehrte dies noch so güt es ging ab, als der Diener mit ihren Schlittschuhen heran trat. Scherzend überreichte der Herzog sie ihr. Dagmar blickte i£yn zaghaft an.

Allein mag ich aber wirklich nicht laufen, Hvhert! «te wandte sich mit kurzen: Entschluß an Frau von BorgwaM.Kathi, tue mir den Gefallen und schnalle schnell deine Schlittschuhe wieder an. Hoheit wünscht, daß ich ihm ein paar Figuren vov- laufe. 3« zweien geht das viel besser."

Doch Frau von Bochwardt sah sie lachend an.

Nicht um die Welt. Erstens bin ich wirklich müde und dann" sie blinzelte neckisch zu Beltlingen hinblamier! ich jnnch auch nicht freiwillig. Und mrders ivürde das neben dir doch nicht werden! Wenn du ab .r durchaus einen Partner haben willst, warte ein Augenblickchen. Du sollst sogar einen prers^ gekrönten bekommen!" .

Ehe Dagmlar noch antworten konnte, hatte srch die kleine, lebhafte Frau sckwu au Uchdorf gewandt.

Dagnsar durchzuckte es. Sekundenlang zog sie die feinen Augenbrauen zrisammen, wie in tiefer Seelenpein, dann sah ihr Antlitz wieder so ruhig aiis wie sonst!. Mit fast ichermenschlrcher Anstrengung zwang sie ein leichtes Lächeln auf ihre Lippen.

Außer Fredine hatte niemand wir beit Umstehenden das wech­selnde Mienenspiel Dagmars bemerkt. Sie war, auch die Einzigste, die verwundert über Uchdorss Antwort nachsann.Ich kenne ja zur Genüge Ihr tadelloses Laufen, Baroneß."

Woher hatte er diese Wissenschaft? Dagmar war tu diesem Winter doch noch gar nicht auf der Eisbahn gewesen?

Das ist recht, Uchdorf," wandte sich der Herzog lebhaft arl den "Rittmeister. Ich bin wirklich neugierig, wer von Ihnen besser laust." ... , ,

Dagmar hielt inne. Sie war tut Begriff die zur Eisbahn führenden Stufen hinabzugehen.

.Hoheit wollen gnädigst gestatten, daß wtr erst einmal ttt einfachem Bogen um die Bahn laufen. Ich bin doch noch etwas unsicher."

Der Herzog winkte lachend Gewährung. _

-.Zweimal, Baroneß, wenn Sie wollem"

Langsam stieg Dagmar die wenigen Stufen W Uchdorf folgte ihr schweigend. Mit ruhiger Selbstverständlichkeit nahm er

ihr dann die Schlittschuhe aus der Hand,.um sie ihr anzuschnalleN. Da warf Dagmar mit einer unnachahmlich stolzen Gebärde das Haupt zurück. Mochte er ihr noch einmal, ein einziges armseliges Mal den Ritterdienst leisten, wie er es früher so oft getan!

Mit geschicktem Griff hatte llchdorf inzwischen die blitzenden Dinger befestigt.

Sind es noch die alten?"

Sie neigte das Antlitz.

Id."

Die Fahrt begann. In großen, gleichmäßigen Logen sausten sie über das Eis.

Mit diabolischem Lücheltt hatte Fredine hinter Dagmar Herst gesehen.Warte mein .Herzchen, jetzt werde ich dir etwas einst brocken," stand deutlich in ihren funkelnden Augen. Unatiffälltg näherte sie sich dem Kammestherrn, der mit dem Stolz und Selbstst bewußtsein des Besitzers seiner Braut nachblickte. .

Wie leicht ttttb geschickt sie über das spiegelglatte Ets glitt 5 Es war eine Freude, ihren graziösen, eleganten Bewegungen zu-- zusehen Ein herrliches Geschöpf! Seine eingefallene Brust hob sich unter tiefen Atemzügen. Noch acht Tage! Tann war Dagmar fein ganz sein. Seine müden, wasserhellen Augen begannen! sich plötzlich zu beleben. Eine feine Röte stiege ihm an den Schläfen empor. Ja, iwch acht Tage, daun ivar dieses königliche junge Weib sein eigen. O, wenn Dagmar ahnte, was es ihn kostete, die Maske einer geschickt abgewogenen, kühlen Höflichkeit aufrecht zu erhalten, wo sich doch jede Uber seines leidenschaftlichen Emp­findens nach ihr sehnte, mit einer Glut, beten er sich selber nicht mehr fähig gehalten halte. 9iod) acht Tage...

Beltlingen war so emsig dabei, Luftschlösser zu bauen, daß er erschrocken zusammenfuhr, als plötzlich Fredines neckende Stimme neben ihm ertönte. j

Sv gänzlich in das Ansehen der schönen Schlittschuhläuferin versunken, Herr von Beltlingen, daß Ihnen kein einziger Gedanke, geschweige denn Blick für uns änderen Sterblichen bleibt?"

Eine unverzeihliche und unbegreifliche Unhöflichkeit," versuchte bet' Kammerherr sich aus der Affäre zu ziehen, ivährenb sein Blick sehnsüchtig zu Dagmar hinglitt, bie eben mit ihrem Partner hinter einet kleinen Landzunge verschwand. ,

Wie brillant die beiden Künstler zusaminen »assen, fuhr die Gräfin mit anscheinender Bewunderung fort,als wenn sw schon hundertmal miteinander gelaufen waren!' Woher kennt eigent­lich Uchdorf Ihr Fräulein Braut?" setzte sie aufs Grädelvohl hinzu, während ihre Augen lauernd an Beltlingens Genast hmgcn.

Er bemerkte es nicht. Wie lauge das währte, bis man bie beiden wieder sehen konnte! So groß war der Bogen doch Mr nicht, ben der Teich dort machte! Ungeduldig spähte der Kammer- Herr nach Dagmar aus. - f

Um einen ganzen Ton spöttischer klang da bie gleiche Frage an fein Ohr. Er sah die Sprecherin befremdet an. -

Woher Uchdorf meine Braut kennt? Vom Hosball, Gmfin! Und " fuhr er mit- leisem SMt fort,welchen Eindruck er ihr machte, hatten Dagmar und ich ja schon bald darauf Gelegenheit, allen Bekannten anzuzeigen." , , _ ,

Fredine lächelte so harmlos und ungtzduldig tote ent Kind.