Ausgabe 
5.6.1907
 
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Redaktion: P. Wittko. Rottionsdruck uni) Verlag der Brüb l'jchen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen'

Magisches Dreieck.

--------------In die Felder nebenstehender Figur sind I die Bnchstaacn aaaaeegrrssttzg --- derart cinzutragen, daß die einander ent­

sprechenden ivagrechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten:

___ 1. Eine Blume.

2, Stadt in Böhmen.

3. Einen Zeitabschnitt.

4. Ist in Aranjuez zu finden.

5. Einen Buchstaben.

Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung der Königspronienadc in voriger Nummert Der Nachtigall reizende Lieder Ertönen und locken schon wieder Die fröhlichen Stunden in's Jahr; Nun jubelt die steigende Lerche Nun klappern die reisenden Störche, Nun schwatzet der gaukelnde Star.

Kenn sie die gerade für diese Saite bestimmte Wellenlänge Kat ebenso rst es auch im Gebiet der elektrischen Gchwin- Mngen. Man konnte daher daran denken, jede einzelne Station mit einem Erreger von ganz bestimmter Schwin- Mngsdauer zu verbinden, von dessen Schwingungen nur solche Stationen etwas merken konnten, die Resonatoren von ganz genau gleicher Periode besitzen. Durch Anwendung der Resonanzerscheinungen ist es möglich, sehr starke Mr- jungen zu erhalten und bei genauer Abstimmung der Sta­tionen aufeinander, die allerdings sehr umständlich und kostspielig ist, eine Aufnahme von unberechtigter Seite fast völlig auszuschließen. Man hat jetzt Apparate konstruiert, die diese Abstimmung nicht nur verhältnismäßig leicht vor­nehmen lassen, sondern auch ein und denselben Oscillator in kurzer Zeit von einer Schwingungsdauer auf die andere zu bringen gestatten.

Gerade in Betreff der praktischen Erfolge der Tele- araphie ohne Draht hat der Telesunken-Kongreß Oktober 1906 glänzende Aufschlüsse gegeben. Hier sei noch erwähnt, daß es gelungen ist, nicht nur in horizontaler Richtung, sondern auch in vertikaler, zum Beispiel vom Tal nach der Bergspitze hinauf vom Balkon nach der Erde hinab, zu telegraphieren.

Daß jedoch die drahtlose Telegraphie jemals in die Lage kommen könnte, diegewöhnliche Telegraphie" aus dem Lande abzulösen, ist vollkommen ausgeschlossen, dagegen dürfte sie auf dem Meere die alleinige Herrschaft, die sie schon jetzt fast ganz besitzt, endgültig an sich reißen. Um ein itn letzter Zeit vielgebrauchtes Wort auch hier anzuwenden: Ihre Zukunft liegt auf dem Wasser."

Felix I e u tz s ch, Berlin.

Dom Superintendenten Mlmer«

Ein Lehrer aus dem Kreise Gießen sandte uns folgende Palmer'sche Schnurren:

Palmer begegnete einem Landpfarrer, der nach langer Jung- gesellenschast endlich in den Haien der Ehe eingelauien ist. Nachdem ihm der Pfarrer feine Frau, die nicht gerade durch Schönheit auf­fiel, vorgestellt hatte, klopfte ihm Palmer auf die Schuller mit der Bemerkung:Freindche, die stiehlt dir kahner."

Palmer begegnet nach seiner Verheiratmig mit seiner Haus­hälterin, die ihm nach Goelhe'schem Vorbilde bereits vor der Ehe ein Kind geschenkt halte, einem Bekannten. Dieser gratuliert ihm Und fragt nach seinem Befinden. Palmer antwortet:Freindche, es hat schoit mancher im Heirate a Haar gefunne, ich awer a ganz Perrückl"

Ein Landpiarrer besucht Palmer und klagt ihm, daß seine Frau ihm das Leben sauer mache. Er schließt sein Klagelied mit den Worten:Wenn ich so ivas geahnt hätte, dann wäre ich nicht in den heiligen Stand der Ehe getreten." Palmer entgegnet:Ja, Herr College, ich kannS mit Ihne fühle, Sie warn ach besser in was anneres getrerc."

Nach den Weihnachtsseiertagen bekoinmt Palmer Besuch. Es ist ein Amtsbruder vom Lande. Palmer klagt über die viele Ar­beit, die er während der Feiertage gehabt hat, da er zweimal habe predigen müssen. Ter Amtsbruder hört zu und crividert:Mir ist auch nichts geschenkt worden; ich habe sogar sechsmal gepredigt." Ist auch viel", gab Palmer zur Antwort.

In H. war Schulprüsnng. Palmer examiniert, und da die Antworten so spärlich lallen, will sich der Lehrer damit herans- helfcn, daß er den Kindern die Antworten leise vorspricbt. Palmer- Hat es aber gemerkt und ruft dem Lehrer zu:Herr Schullehrer, gehn Sie einmal nach Ihrer Fran, ich glaub, sie hat das Sauer­kraut anbrenne lasse."

Eine alte Gießener Dame erzählte uns folgendes Anekdötchen:

Palmer soll den Geistern des Weines und Branntweins sebr zugetan gewesen sein und es soll sich nicht selten zugetragen haben, daß er mit einem hochroten Kops und seiner Sinne nicht mächtig die Kanzel betreten habe. So soll eines Sonntags seine ganze Predigt in den denkwürdigen Worten bestanden haben:Matsch Katz Amen! Die Predigt ist aus!"

Von anderer Seite aber tvird uns erzählt, daß diese wunderliche Predigt nicht der Superintendent Palmer, sondern dessen Sohn, der Pfarrer in Watzenborn war, gehalten haben soll.

Dieselbe Dame wußte uns noch folgendes zu erzählen:

Palmer bereitete öfters Studenten der Theologie zmn Examen vor. Eminal soll er an solche die Frage gerichtet haben:Was Kachen die Engel im Himmel?" Und als uieinniib diese sonder- dqk Frage zn beantworten gewußt habe, da soll er selber gesagt haben:Sie singen Halleluja".

Herr Dr. G. erzählt uns folgendes?

Superintendent Palmer war ein klibenkleineS Männchen und machte oft In seinen Predigten tiefe Verbeugungen, sodaß er gänzlich hinter der Kanzel verschwand, bis allmählich die Arme und zuletzt der Kops wieder über der Brüstung austauchten.

Eilt Mann kommt fit seiner Not zu Palmer, klagt ihn» diese und bittet um Unterstützting, ansonst er gezwungen sei, sich den Hals abzuschneiden.Tun Sie das, tun Sie das, das ivird ganz sicher Effekt machen unb das Mitleid für Ihre Familie bei bett Leuten wachrnsen." __________

Literarisches.

Lateinisch-deutsche sSchulwörterbuch mit be* sonderet Berücksichtigung der Etymologie, verfaßt bon Professor Dr. Hermann Menge. Langeuscheidtsche Verlagsbuchhandlung (Prof. G. Langenscheidt), Berlin-Schöneberg. XVI, 812 S. GstpLexi- kon-Format. In eleg. Halbftlauz geb. 8 Mk. Das vorliegende Buch bildet das Seiteilstück Kn denk Griechisch-deutschen Schul- wörterbuche von demselben Verfasser, das vor vier Fahren ver­öffentlicht wurde und eine günstige Beurteilung erfuhr. Die Etymologie ist nt einem Umfange und niit einer Gründlichkeit behandelt worden, wie man es bisher noch in keinem lateinische!: Wörterbuche gewohnt gewesen ist. Den Autor hat bei der Abfassung des Buches in erster Linie der Wunsch geleitet, der Etymologie <ru den höheren Schulen zu der gebührenden Stellung zu verhelfen. Allen, die sich dem so lvichtigen und interessanten Studium der Etynwlogie widmen !vollen, wird hier ein prak­tisches, zum Nachschlagen besonders geeignetes Hilfsbuch ge- boten. Was die lexikalische Behandlung der einzelnen Wörter betrifft, so ist der Berfasser bestrebt gewesen, die verschiedenen Bedeutungen jedes Wortes übersichtlich (logisch) darzustellen und zwar: a) unter strenger Scheidung des klassischen und nicht- klassischeu Gebrauchs, b) unter weitgehender Berücksichtigung der Phrasevlogie und Synonymik, c) unter sorgfältiger Angabe der Konstruktion. Unt das Werk recht übersichtlich zn gestalten, ist, wie bei allen Werkelt der Langenscheidtschen Verlagsbuchhandlung, auf die typographische Ausstattung die größte Sorgfalt ver­wendet tvordeu. Das zeigt besonders die Gliederung längerer Artikel, die bis iits einzelne zerlegt wordett sind. Wichtig für die Benutzung des Buches ist die Einrichtung, daß jedes Wort, das nicht bei Cicero und Casar verkommt, am Kvpfe mit ver­schiedenen Zeichen gekennzeichnet ist, je nachdem es heutzutage beim Lateinschreiben zu meideit oder seine Bemttznng für not­wendig oder wenigstens ftir zweckmäßig zu erachten ist. Menges Schulwörterbuch wird Lehrern und Schülern eilt praktisches Hilfs­mittel sein, und seine vielen Vorzüge tuerbett ihm eine welle Ver­breitung verschaffen.

Sprachecke des Allgemeine« Deutschen Sprachvereins,

ein wenig günstiger.

Der Satz:Der Gesundheitszustand des Prin­zen Karl ist ein wenig günstiger" enthält eine Zwei­deutigkeit, die ohne weiteren Zusammenhang schlechterdings nicht zu heben ist. Soll es heißen: etwas günstiger? oder wenig günstig? Nach der leidigen Gewohnheit, in schlichter Aussage das Eigenschaftswort mit dem unbestimmten Artikel zu ver­sehen, ist zn befürchten, bah das zweite gemeint ist. Aber gerade wer auf gutes Deutsch bedacht ist, und in edler Ueber- schätzung solches' auch bei anderen voraussetzt, der ivird das Gegenteil herauslesen. -Der Satz ist- ein warnendes Beispiel für beit Mißbrauch, der mit der Gestaltung der eigenschafts­wörtlichen Aussage getrieben tvird. 9htt bei der Einordnung in eine Klasse ist jene Form berechtigt:dieser Winkel ist ein stumpfer": sonst muß es heißen:dieser Winkel ist stumpf".

(Aus der Zeitschrift des Allg. Deutschen Sprachvereins.)