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Lage. Auf ihm erhebt sich der mächtige Wasserturnt, von Hessen Terrassen man auf die gärtnerischen Anlagen und Wasserkünste des Platzes blickt, sowie auf dre einrahmenden Fronten schöner Bauten aus rotem Sandstein. Tas Ganze ist einheitlich nach Ent­würfen von Professor Bruno Schmitz aus Charlottmburg geschaffen.

Das' Ange ruht mit Wohlgefallen auf den schönen Formen des Rosengartens, eines von diesem Künstler in durchaus eigenartigem, an Barock anklingenden Stil errichteten Ge­bäudes, das zwei für Muzcrte, Theater und Versammlungen bestimmte Säle birgt, und dessen Inneres' ebenso harmonisch wie das Aeustere durchgeführt ist. 1

Tie abgerundete Schmalseite des Platzes begrenzen zwer pn- vate Prunkhäuser in derselben Stilart. An der Südseite soll aus Privatmitteln ein Museum errichtet werden, dahinter, mit der Front nach der Moltkestras-e, liegt die von Professor V i l l i n g aus Karlsruhe erbaute Kunsthalle, deren Kosten ebenfalls fast ganz durch Schenkungen bestritten sind. Ter würdige Bau aus rotem Sandstein enthält ivcnig Zierat, er ivirkt durch Linien­führung und die Verhältnisse, namentlich das' vorspringende Portal und der Kuppelbau erzielen eine schöne Wirkung.

Einen geeigneteren Platz hätten die Mannheimer für die ge­legentlich der Feier des 300jährigen Bestehens der totabt statt­findenden Ausstellungen nicht wählen können. Der Friedrichsplatz bildet den jwunkvollen, lockenden Vorraum für die in der Augusta- Anlage und dem angrenzenden Bauterrain untergebrachtegroße Gartenbau-Ausstellung" und die Kunsthalle beherbergt diesen Sommer, bevor sie ihrer endgültigen Bestimmung über­geben wird, die internationale Kunst-Ausstellung. Mannheim war also, wie für viele Versammlungen, auch für die 'Zusammenkunft der Kunstfreunde in den Ländent am Rhein der passende Ort.

Schon am Samstjag abend waren viele eingetroffen und lust­wandelten in den Ausstellungs-Anlagen zwischen den musizieren­den Kapellen. Der nächste Vormittag war für die Besichtigung der Kunst-Ausstellung bestimmt, und daran schloß sich mittags die Generalversammlung im Rosengarten. Halb drei Uhr sollte ein Sonderzug die Festteilnehmer nach Schwetzingen führen zum Spargelessen, zu einer Thcateräufftihrnng im Freien und sonstigen schönen Natur- und Kunstgenüssen, lieber die in jeder Beziehung fesselnde Kunst-Ausstellung versäumte ich Versammlung und Extra­zug und kam mit meiner kleinen Gesellschaft in Schwetzingen an, als die Hauptschlacht beinahe geschlagen war. Für 450 vor­gemerkte Personen hatte der Wirt gerichtet und etwa 600 waren eingetroffen. Wir wurden für unser Warten aber so reichlich entschädigt, daß >vir die gebotenen Mengen trotz unseres beträcht­lichen Hungers nicht bewältigen konnten. Bei einer beschaulichen Promenade durch den Park hatte ich 'nachher Gelegenheit, unter den vielen Verbandsmitgliedern auch einige markante Persönlich­keiten wie Thonm, Steinhausen, Teymel, den früheren Vorsitzenden von zur Nedden, sowie einige interessante Frauenerscheinungen zu beobachten. Nach und nach zogen sich dann alle Teilnehmer in die Nähe des Naturtheaters. Es ist gewiß lohnend, den Park, der voller interessanter Einzelheiten und lauschiger Platze ist, gründlich zu besichtigen; ich sah nur den direkt hinter dem Schlosse gelegenen Teil. Hohe Bäume bilden hinter dem Mittelbau des­selben ein großes Rechteck, sie stnd streng geschnitten, sodaß sie eine senkrecht aufsteigende, lebendige grüne Mauer von beträcht­licher Höhe bilden. Das Rechteck ist nicht geschlossen, dem' Mittel­bau gegenüber setzt es sich in einer Allee fort, durch die man auf wogende Getreidefelder blickt. Ans dem Platze sind int hohen Grase versteckt überall kleine Springbrunnen. Selbst in den Steigen sprudelt das Wasser «aus künstlich angelegten Quellen hervor, durcheilt schlangenförmig gewundene Rinnen und vereinigt sich in Becken. Durch Hcckengänge gelangt man zum Naturtheater. Einen eigenartigen, überraschenden Eindruck mjacht es 'auf den Be­schauer, wenn Man aus den engen Hecken in diese Lichtung tritt. Tie seitlichm Bäume wölben sich zu einem hohen Dach über den Zuschauerraum, der allmählich zur Bühne abfällt, von dieser führen seitlich Wege hinter die natürlichen Kulissen und rückwärts einen Hügel hinan zum Apollotempel. Es war von der Schriftleitung der Wunsch geäußert worden, die Damen möchten dem Park durch geeignete Wahl der Toiletten ihre Hul­digung darbringen. Die Darsteller ließen uns genügend Zeit zur Prüfung, ob die Damen diese Bitte erfüllt hatten und ich muß gestehen, daß viele der Aufforderung mit großem Verständnis nachgekommen waren, ich sah manche reizvolle Erscheinung. Wegen der schönen Kleider mögen die Trägerinnen aber bange Augen­blicke durchlebt haben. Schwere Wolken ballten sich zusammen, es fielen einzelne Tropfen und fernher rollte der Donner. Plötz­lich fuhr ein Wirbelwind durch die Bäume und herab wirbelten erst vereinzelt, dann dichter und dichter geflügelte Ulmenfrüchte. Dieser eigentümlich flimmernde Früchteregen wirkte höchst ori­ginell gleichsam als neckisches Vorspiel zu dem zu erwartenden Stück,Die Läune des Verliebten" von Goethe sollte gegeben werden. Tie NnrUhe steigerte sich aber doch, es herrschte schwüle Stimmung unten wie oben. Nach mehrfachem Klatschen $amen die Spielenden endlich auf die Bühne gelaufen. Die Darsteller warm vier Mitglieder der Dumvnt-TrUppe aus Düssel- dörf, die Fräulein Ritter und Späher und die Herren Stöckel und Lassen. Ihr Spiel war pechr. ungezwungen und natürlich, Wer die Kvstüme waren zu bunt, Wl ein Naturtheater nicht

einfach 'genug und die Stimmen verhallten im Freien. Es ist eben doch ein gewaltiger Unterschied zwischen einer Darstellung int geschlossenen Raume und in der großen Natur. Aber das! Gesamtbild hatte doch viel Reiz und Mächte einen nachhaltigen Eindruck.

Und die Darsteller sind zu loben, daß sie trotz des zeitweise eintretendelt Regens das Spiel unverdrossen zum glücklichen Ende führten. Tie Bänke leerten sich schnell, ba, dem Wetter immer noch nicht zu trauen war, und die Gäste zogen sich eilenden Schrittes in das Schloß zurück.

IM Saale gjab es itocfi eine kleine Vorstellung. Bier kleine! Schülerinnen von Miß Duncan führten nach den Flöten- und Gitarretöneir ihres männlichen Beschützers Reigentänze auf. Turch die kurzen Röcke, nackten Arme und Beine kamen die ge­fälligen Bewegungen der geschmeidigen junge» Körper sehr zur Geltung. Tic Tänze müssen namentlich für Maler mtregenb ge­wesen fein.

Inzwischen dunkelte es bereits und als der Sonderzug dis Ausflügler nach Mannheim zurückbrachte, erstrahlte dieses in hellep Festbeleuchtung. Am Eingänge zur Ausstellung, am Wasserturm^ in den Wandelhallen ivlaren alle Kvnturen durch Glühkörper hervorgehoben und gaben bereits eine Vorstellung von dem Licht­meer, in dem die Stadt au den Abenden der kurz bevorstehendes Jubiläumsfeier erstrahlen wird. Eine ungezwungene gesellige Ver- eütigung htelt die Festteilnehmer no.;dj bis spät im Ausstellungs-t park zusammen.

Am Montag abend wollte Dehmel eine Neuschöpfung vor­tragen. Leider mußte ich auf diesen Genuß verzichten, da ich bereits vorher die festliche Stadt verließ. Tie Ausstellungen habe ich mir aber noch eingehend angesehen und werde in einem weiteren Artikel auf diese zu sprechen kommen.

Drahtlose Telegraphie.

Die deutschen Systeme Brann und Slaby-Arco Nachdruck verboten.

An der Ausgestaltung der drahtlosen Telegraphie habed! außer Marconi vor allem deutsche Gelehrte einen bedeuten-, den Anteil gehabt. Einer der erfolgreichsten ist hierbei Professor Bram: in Straßburg gewesen, dessen Anordnung es ermöglicht, sehr viel größere Energiemettgen in den Sendedraht und damit in den freien Raum zu schicken. Er schaltet parallel zu drein Righischen Oscillator einen sogenannten Flaschenkreis, d. h. eine Reihe Leydenerflaschen mit sehr erheblicher Kapazität. Die Leydenerslaschen wirken derart, daß eine größere Elektrizitätsmenge in ihnen ange- häuft und in Bewegung erhalten werden kann, als in dem Sendedraht allein. Die Antenne ist dabei direkt mit dem einen Ende des Flaschenkreises verbunden nnb schöpft aus diesem sehr erhebliche Elektrizitätsmengen, die von dem Jnonktor in kleinen Beträgen, a'b'er dafür in viel schnelleren Rhythmen nachgeliefert 'werden.

Die oben geschilderte Verbindung zwischen Flaschen- kreis und Antenne nennt man die direkte Koppelung. Man kann auch den Flaschenkreis auf den Sendedraht durch Induktion wirken lassen. Dann nennt man die Koppelung indirekt oder induktiv. Diese Anordnung wird bei den von Professor Bram: konstruierten Apparaten fast immer angewandt. Ist der sekundäre Kreis der Induktionsspule (Tesla-Transformator) von dem primären soweit entfernt,, daß die von ihm erzeugten Schwingungen auf den pri­mären Kveis nicht mehr zurückwirken können, so spricht man vonloser Koppelung". Im entgegengesetzten Falle, der von derTelefunkengesellschaft System Slaby-Arco" sehr häufig angewandt wird, gebraucht man den Terminus tech- nicus:Enge Koppelung".

Dttrch den Transformator, der der Isolierung halber ganz in Oel gesetzt wird, erreicht man eine ganz außer­ordentlich hohe Spannung der Mellen auf der Antenne. Man kann diese Mrktmg des Flaschenkreises, die Kapazität des ganzen Systems zu steigern, noch dadurch erheblich vermehren, daß mau die Oberfläche der Antenne vergrößert, zum Beispiel, indem man statt eines einzigen Drahtes, ein ganzes Bündel nimmt.

Die größten Schwierigkeiten bfi der Telegraphie ohne! Draht lagen immer darin, daß die von einer Station ge­gebenen Zeichen sich nach allen Seiten in den freien Raum ausbreiten und daher guch überall von unberufener Seite ausgenommen werden konnten. Diesen Uebelständen hat zuerst Professor Braun abzuhelfen versucht, indent er das' Prinzip der Resonanz auch in die drahtlose Telegraphie einführte.

Gerade wie in der Musik eine Saite nur auf einen ganz bestimmten Ton anspricht, ,d. h., weitn irgend eine Luft- schwinguug sie trifft, von dieser unbeeinflußt bleibt, außer