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i den Rauchfang in die Zimmerluft abführte, daun war dreLaterne" gewiß kein angenehmer Aufenthaltsort; aber dre meisten der damaligen Mitglieder gedenken wohl noch heute gern der traulichenLaterne" und der darin i verbrachten Stunden. Später, als weitere Mitglieder hin- | zugetreten waren, wurde im Souterrain der Wohnung eines anderen Wikingers eilt Zimmer vermittels Pack- | Papier kunstvoll alsGrotte" hergcrichtet. Und hier, im I weihevollen Raume, entfaltete sich recht eigentlich die ernst- | hafte, zielbewußtc Tätigkeit des Wikingerbundes. Während I sv ersten Zeit, wie es wohl in solchen Lesekränzchen I Brauch ist, noch ein unklarer, unreifer, schülerhafter Di- 1 lettantismus in Prosa und Poesie sein Wesen trieb, begann jetzt eine praktisch-nutzbringende Tätigkeit; in den Sams- | tagssitzungeu sie hießenThings" wurden fast nur | noch klassische Dramen mit verteilten Rollen gelesen und | die Erläuterung der Charaktere und dergl. zu geben ver- I sucht. Auf das Einüben der Rollen wurde emsiger Fleiß verwandt; später wurden die weiblichen Rollen sogar

I durch befreundete junge Damen gelesen; und da einzelne | Damen und Mitglieder nicht unbedeutende deklamatorische I und schauspielerische Fähigkeiten besaßen, so kamen des öftern sehr genuß- und gewinnreiche Abende zustande. Auch an dramatische Aufführungen wagte man sich. Eine be­reits vorbereitete Ausführung, welche in der Freintanrer- loge zu einem wohltätigen Zweck vor dem Logenpublikum stattfinden sollte, unterblieb nur infolge des Todes des Vaters eines Mitgliedes. Im Sommer wurden auch zu-

| weilen im grünen Wald, an einem romantischen Plätzchen, | Dramen gelesen, woran sich dann gewöhnlich eine feucht- ! fröhliche Nachsitzung bei mitgebrachten Vorräten oder in 1 einer benachbarten Waldwirtschaft anschloß. Daß über­haupt die Wikinger mit idealer Denkweise auch Geschmack an mehr realen Genüssen verbanden, das zeigen die nicht allzu seltenenSitzungen", die zu allen Jahreszeiten an Stelle der Lesethings in einem benachbarten Bierdorf ab­gehalten wurden und als Kneipen bezeichnet werden konn­ten. Auch nächtliche Trinkgelage in den unterirdischen Räumen der Burg Gleiberg und sogar hoch oben auf dem Gipfel des Dünsbergs, jener uralten Malstätte, wurden beim Schein eines Feuers und gewürzt durch Vorträge und Reden abgehalten. Daher wurde auch einmal von feiten mißgünstiger Mitschüler mit Denunziation des Wi­kingerbundes als geheimer Verbindung gedroht; aber die erfolgte nicht, und sie wäre auch nicht notwendig gewesen, da die Existenz des Bundes der Schulbehörde bekannt war, wenn diese auch natürlich nicht vollständig in die zeitweiligen Uebertretungen der Schulgesetze durch die sreiheitsdurstigeu Wikingerrecken eingeweiht war.

So herrschte in dem kleinen Kreise ein angeregtes und anregendes, von ideal-romantischem Streben erfüll­tes und von den Gefühlen herzlicher Freundschaft ver­schönertes Leben. Solche Lesekränzchen sind ja gerade nichts Seltenes an höheren Lehranstalten; aber die lange Dauer seines Bestehens, der Ernst und die Gewissenhaftigkeit, mit welcher die einzelnen Mitglieder die freiwillig über­nommenen Arbeiten und Pflichten durchführten, sowie die gewinnbringende Verbindung mit weiteren Gesellschafts­kreisen verleihen dem Wikingerbund eine gewisse Bedeutung. Und daher gedenken auch seine ehemaligen Mitglieder, welche heute längst eines Amtes Bürde tragen, wohl mit pietätvoller Wehmut ihres schönen Jugendbundes. Wie wenig die inneren, uns heute wohl hyperromantisch er­scheinenden Formen und Formalitäten, mit denen der Wikingerbund umkleidet war, doch nur leere Formen waren, das zeigt sich auch darin, daß einzelne Wikinger ihre Wikingernamen durch die Studentenzeit hindurch int engeren und sogar im weiteren Freundeskreis behalten haben.

Da kam im März 1884 die Auflösung des Wikinger­bundes; die Ablegung der Maturitätsprüfung erschloß der Mehrzahl der Wikinger die Hallen der alma mater. Zur Nachtzeit versammelten sie sich bis auf zwei, welche.

dem SchüterMen drsOymnastNins in Kirßerr. j

Zur dritten Säkularisier.

Weihnachten 1881 hatte der damalige Direktor des j «peßener Gymnasiums eine bedeutsame Rede gehalten, die fünf Schülern der Anstalt, meist Obersekundaueru, die un­mittelbare Anregung gab, ein Lesekränzchen zu grün- ! den. Am 14. Januar 1882 gründeten sie diesen und stellten sich die Ausgabe, gemeinsam Gedichte und Dramen zu lesen, j bu besprechen und in Aussätzen zu behandeln, überhaupt gemeinsam das Studium der Literatur zu betreiben. Der I VEebe für die nordische und deutsche Mythologie fol­gend, nannten sich die Mitglieder dieses literarischen Kränz- i chensW i kinger" und jeder einzelne wählte sich aus I ber deutschen Heldensage oder Literatur einen Namen, I welchen er im engeren Kreise der Mitglieder führte. Diese .Namen der Mitglieder, die allmählich auf zwölf ange- I wachsen waren, hießen: Beowulf, Erck, Freidank, Reinecke, Trturel, Ortwin, Harald, Parzival, Volker, Rüdiger, Jwein, Lohengrin. j

Jeden Samstag nachmittag versammelte man sich in der I Bude" eines Wikingers,Laterne" genannt, einem kleinen I Mansardenzimmer mit schräger Decke und einer Dachluke, das ehemals als Küche gedient hatte; für seinen Zweck I erhielt es auf gemeinsame Kosten einen neuen Anstrich in I pompejanischem Rot. Im Hochsommer, wenn die sengen- I ben Strahlen der Sonne auf dem Dache lagen und dar- I unter eine dumpf-bleierne Schwüle erregten, oder wenn im ! Winter .der altersschtvache Herdofen den Rauch statt in |

Kat seither jeglichen Umgang aufgegeben und lebt streng zurück­gezogen."

Wie stcht es mit dem Sohne der ist aus der Art geschlagen?" erkundigte sich der Rat.

. Der Revierleutnant zögerte mit der Antwort.Ich möchte ihn nicht gemde als Tunichtgut hinstellen. So viel man be­obachten konnte, herrschte zwischen Vater und Sohn niemals ein herzliches ^Einvernehmen. Man meint allgemein, Eilenburg habe seinem «Lohne den frühen Tod der Mutter nie verzeihen können. Diese ist im Wochenbett gestorben. Jedenfalls hat er den sehr lebertslustig veranlagten jungen Menschen auffallend knapp gehalten. Man will wissen, Eilenburg habe sich das vor­enthaltene Taschengeld heimlich zu verschaffen verstanden. Ein besonderes Kirchenlicht ist er übrigens nicht, denn er hat cS in der nicht einmal bis zum Einjührigenzeugnis gebracht; das mag seinen Vater auch gewurmt haben. Ich bin wenigstens häufig dabei gewesen, wenn er sich über seinen Sohn in unzwei­deutig wegwerfender Weise geäußert hat. Der Junge mußte als Gemeiner beim Train dienen. Nachher war er im väterlichen Geschäft tätig, bis die leidige Geschichte dazwischen kam . . eine Holzerei im Tanzlokal mit obligater Messerstecherei. Ich habe den jungen Eilenburg damals selbst verhaften müssen. Seine ^.at war unglaublich roh. Niemand hatte ihn bis dahin einer solchen fähig gehalten. Er ist auch empfindlich genug bestraft worden."

Der Rat nickte nachdenklich; er unterrichtete den Rebiervor- : stand über das nächtliche Vorkommnis auf dem' Eilenburgschen Grundstück und machte auch aus seiner Vermutung keinen Hehl, wonach die Droschke nur mit Vorwissen des Fuhr Herrn aus dem ; Hinterhof entfernt worden sein konnte. ' j

Das glaube ich nicht!" widersprach der Leutnant sehr be- s stammt.Eilenburg ist ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle. Ich kenne ihn persönlich nun schon in die zehn Jahre und bin, wenigstens bis zum Frühjahr, fast täglich mit ihm in Berührung gekommen. Auf sein Wort kann man bauen. Freilich, der Vorfall an sich erscheint mir schleierhaft. Ich kenne die Wach­samkeit der Hunde auf seinem Grundstück; sie haben erst vor etwa j gtuei J«hreu einen Einbrecher fast in Stücke zerrissen. Ich m-chte beinahe behaupten, daß die Entfernung von Wagen und Pferd I vom Grunkchück ohne Vorwissen des Besitzers schlechterdings un­möglich ist."

iv/'r i!, ba p^öen wir's ja!" warf Hansemann unmutig ein. I i,, Eilenburg war übrigens ganz baff über die Entdeckung. Er I Müßte ein vortrefflicher Schauspieler sein, vermöchte er sich der- I artig zu verstellen. Dabei liefert seine junge Frau einen an- i scheinend unanfechtbaren Alibibeweis für ihn .... Eilenburg I i stch unlängst wieder verheiratet?" fragte er dazwischen.

(Fortsetzung folgt.)