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steigen wir ab und wandern, um den Tieren Erholung zu schaffen.
Gegen 51/2 Uhr langten wir in Schimacha an. Tie Nacht verging unter dem gewohnten Hundegebell usw. und die aufgehende Sonne fand uns wieder beim Einpacken. Trotz der frühen Morgenstunde schauten wieder zahlreiche Dorfbewohner uns zu, um sich, als wir zu Pferde stiegen, der weggeworfeneu leeren Wein- und Mineralwasserflaschen fotoie, Konservenbüchsen zu bemächtigen. Sogar Apfelsinenschalen, selbst Papierabfälle wurden sorgfältig gesammelt, nicht etwa nur von Kindern.
So freundlich sich die Marokkaner zeigen, wenn man ihnen kleine Geschenke macht, und so artig sie sich jedesmal mit einem „Baraca allahou sie" bedanken, so viel-wortig auch ihre sonstigen Höflichkeits-, Begrüßungs- usw. Formeln sind, so end- und maßlos sind auch ihre Schimpfereien. Hier, kurz hinter Schimacha, war es, wo uns von der Höhe eines am Wege liegenden Torfes nur ein freundliches: „Verfluchter Christenhund" mit auf den Weg gegeben wurde. Ueberhaupt gingen uns die Eingeborenen möglichst aus dem Wege. Tie von einem Schriftsteller auf seiner Reife zwischen Tanger und,Fez angeblich gemachte Beobachtung, daß ihm gegenüber die Eingeborenen stets freundlich gewesen seien, ihm sogar, ohne dafür etwas zu nehmen, Brot oder Orangen angeboten hätten, machten wir auf unserer Reise niemals, wie es uns auch nicht passierte, daß jeder unseren Weg Kreuzende uns einen „Guten Tag" gewünscht hätte. Bei dem unter den Arabern tief eingewurzelten Christenhaß halte ich das auch nicht für wahrscheinlich, es sei denn, daß sie zuerst freundlich angeredet und allesamt beschenkt 1 worden sind.
(Schluß folgt.)
Ernmcvmrg an das Tubiläumsfest der Lrrdovic'mna/)
Mel.: Die Musi komint . . .
1. O Jubiläumszeit
Wie hast du uns erfreut;
Mit Wehmut denk ich dein Und all der Lumperei'n, Die du hast mitgebracht.
Wer hätte das gedacht,
- Daß unser stilles Nest
So froh gewest.
Du hast die ganze Welt
Grad uff de Kopp gestellt. Professor so und so, Tie Jungfer Rosalind, Sogar das Wickelkind War'n alle miteinand Aus Rand und Band.
Vormittags so um 11 erum
Ging der Kommers schon los — Tsching-Bum!
Da löscht man auf dem Brand den Brand, Ta waren alle bei der Hand.
Is aach von gestern Owend her
Vom Fackelzug der Kleeskopp schwer;
Ta Hilst kei Sträube und kei Ziern, Jetzt gehts ans amüsiern.
2. Man klettert — ach wie nett — Aus'm Jubiläumsbett, Des is en Strohsack bloß, Darauf schläft Klein und Groß. Tie richtigen Betten sind Für Festbesuch bestimmt.
Vielleicht auch — Sakrament — Sind sie verpfänd'!.
Wie sauber alles glänzt, Mit Tannenzweig bekränzt, Girlande, Fahnezeig, Dazu spielt Flöt' und Geig'. Prost Bruder, schallts voll Freud', Tenn so viel fremde Leut '
*) Das letzte „FunlzigeA'-Fest, die gemeinsame Feier der ihren 50. Geburtstag irr diesem Jahre begehenden Gießener, verlieh wie im „Gieß. Anz." berichtet wurde, gar frohsinnig bei Sang und Klang. Arrs der Fülle der Originallicder, die, von Fünfzigern verfaßt, bei der Feier gesungen wurden, sei das obenstehende, die „Fidelitns" einleitende, wiedergegeben.
Noch nie die Gießner Stadt Gesehen hat.
Von Darmstadt her, vom große Wog, Ta kam sogar der Großherzog.
Un Professore wäre da Bon Butzbach un Amerika. — Von Lauterbach un Watzeborn, Von Kirchgons, Grinierg, Bottehorn, Bon Bieber, Rebgeshan un Troh Ta war'n se alle do!
3. Un uff em Festplatz, seht. Tie Faßhall drowe steht. Tie Trepp nuff geht's gemach, Tie Sonn' brennt eint uffs Dach^ Bon rechts un links gestumpt Mer langsam uffwärts humpt. Ta kreischt e Fraa — 0 Schmach — „Mei Hühneraag'!" — Un is mer rechts enuff. Kriegt mer von vorn en Puff Daß mer ganz stillvergnügt Links wieder nunner fliegt. Tie Festhall', was e Pracht, Befonners erscht bei Nacht; Herrjeh, was e Gewiehl'— Ta werd's eint schwiehl.
Un hinne uss em Podium Ta krauche als e Paar erum, Un suche links un suche rechts Mit leisent Fluche und Gekrächz- An der Beleuchttlng hin und her, Ta suchen sie die kreuz und quer: Ob net für 50 Pfennig wo Liegt Kabel nutzlos do. —
4. An alle Tisch' ringsum E riesig Gaudium.' Ganz unbekannte Leut' Tie küsse sich vor Freud'. „In dulci jubilo" Singt alles frisch und froh. Tie Harfenjttle — bum! — Tie spielt schrumm schrumm! Beim Feuerwerk erst gar Ter größte Zores war. Manch' alte Jungfer kam. Poussiert sich krumm und lahm. Manch anner Mädche schennt. Weil sie der Herr Student Im Trubel drickt eso — Doch bleibt se do! -—
Das quietscht, un brüllt, un pseift, un kracht Bis lange noch nach Mitternacht, Tie Stimm werd raulh die Zung werd schlapp, Uff beide Ohre is mer daab.
Un geht dantr schließlich noch, 0 Graus, Uff amol die Beleuchtung aus, Tann stolpert alles müd und lahm Mit Kind und Kegel Ham.
Goldene Worte.
Deine Reue sei lebendiger Wille, fester Vorsatz'. Klage und Trauer über begangene Fehler sind zu nichts nütze.
Platen-
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Je mehr der Mensch sich im Aeußern bespiegelt, desto sicherer verliert er die Fähigkeit, sich im Innern zu beschauen..
O- von Leixner.
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Was in der erhabenen, Hellen Stunde erkannt ist, in dcw dumpfen, drüben, tierischen auszuführen, — das eben ist die Arbeit des Lebens- A. Schopenhauer.
Man Muß nur nicht mit Ostentation den Idealisten und Schwärmer hervorkehren, sondern die innere Wärme mit äußerer ruhiger Schärfe decken, so wird man mit edeln Grundsätzen die naseweisen Philister mehr beherrschen, als sie je ahnen; denn mn Ende bleibt ihnen nie etwas anderes übrig, als den wahrhaft Guten nachzuhinken und zuzujauchzen- G. Keller.
Redaktion: P. W i t t k 0, — Rotationsdruck und Verlag der V ru hl sichen Universitäts^Luch- und Steindruckerei, R. Lange, Gr eßen.


