Ausgabe 
4.5.1907
 
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1907

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Dem Irrlicht nach.

Roman von Alexander Römer.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Was ist, Vera? Schenken Sie mir Ihr Vertrauen." Er war in einem Rausch. Wir schön war sie heut abend, bei ihr war kein Hauch von jener nüchternen Prosa, die ihn stets so er- Miete, die ganze Atnwsphäre um sie her war Poesie, Romantik.

Sie schüttelte bien Kops.

«Ich habe nichts zu vertrauen unsere russischen Verhält­nisse taugen nicht für daA Verständnis eines Ausländers! und nm solche handelt cs sich um einige Papiere, diedie ich nicht gerne fremden Händen überliefert sehen möchte. Wollen Sie sie mir hüten?"

Ist cs nur das?" fragte Roderich enttäuscht.Wenn Ihnen mein Koffer in der Rue Byron ein sicherer Anfbcwahrungsbvt dafür dünkt aber in der Tat ich verstehe eigentlich nicht"

Sie sollen. Sie brauchen auch nicht zu verstehen das ist es ja gerade hier, meine Landsleute, Anna Kaduschda" so hiess die arme Verwandtesie ist wohl taub, aber neugierig und nicht blind. Die Papiere sind teilweise fremdes Gut, ich hätte mich nicht damit befassen sollen sie beunruhigen mich, sie rauben mir den Schlaf. Aber seien Sie aufrichtig wenn Sie sich auf solchen dunklen Handel nicht einlassen wollen "

Sie sah ihn au, nicht zweifelnd an seinem guten Willen ober spöttisch, sondern ernst fragend. Ihn elektrisierte der Blick; welche hoheitsvolle Macht lag in den Augen dieser Frau!

Wie können Sie so fragen, Vera? Wenn ich Ihnen Ruhe schaffen, Ihnen eine Sorge abnehnicn kann, und wäre selbst Gefahr für mich damit verbunden, ich biete ihr die Stirn!"

Er erhob sich in diesenr Augenblick über sich selbst, ihre Schönheit, ihr königliches Wesen berauschten ihn, auch seine Eitelkeit feierte ihren Triumph, wenn er der Bevorzugte war, dem sie ihre geheimsten Angelegenheiten anvertraute, so hob er alle seine Nebenbuhler aus dem Sattel.

Sie sah ihn eine Weile starr au, wieder mit dem ab- wesenden Blick.

Ich danke Ihnen, Monsieur Roderich: v, ich danke Jhneir. Gefahr? Nein für Sie nicht was gehen Sie, den Deutschen, unsere russischen Verhältnisse an!"

Sie erhob sich und schritt durch das Zimmer nach ihrem Schreibtisch. Ihr lang nachschleppendes Gewand aus weicher weißer Wolle streifte über den dunkelroten Teppich, das schwarze Haar hatte sich gelöst und fiel über den Nacken herab.

Sie schloß ein geheimes Schiebfach ihres Sekretärs auf und entnahm dort ein in dickes Pergamentpapier gehülltes Paket »Hit einigen russischen Chiffern auf dem Unkschlag. Sie be­trachtete es einen Moment, schlug es dann in einen neuen tveißen Bogen ein,, verklebte die Ränder und sagte:

So jetzt schreiben Sie mit Ihrer Handschrift darauf; ».Familienpapiere". DaS innere Kuvert öffnen Sie .nie, bis ich es von Ihnen zurückfordere. Mollen Sie ?."

Sie sah ihm weich und fragend ins Gesicht, eine ganz ungewöhnliche Bewegung zitierte in ihren Zügen.

Roderich trat heran und schrieb, was sie geheißen. Einest Augenblick zuckte etwas wie Zaudern und Verdacht in ihm aus, Was übernahm er da? Was beglaubigte er da mit seiner Schrift? Warum schenkte sie ihn: nur ein halbes Bertrmwn? Er öffnete den Mund zu der Frage:Darf ich nicht wissen,, was diese Schriften enthalten?" Aber er verbannte die Ge­danken als die Regungen eines Feiglings. Es waren Familien-! Papiere, und wie durfte er da ein Vertrauen heischen, welches! sie nicht freiwillig gab. Es schienen traurige Verhältnisse sitz ins Ausland getrieben zu haben, sie hatte ihm schon frühest Aehnlichcs angedeutet, vielleicht ja, sicher trat er ihr der-! einst so nahe, daß sie keine Geheimnisse mehr vor ihm verbarg. Und dann in seinem Blute wallte heißes Begehren, ihr Besitz wog die größten Opfer auf.

Sie stand vor ihm, ihre Hand ruhte leicht aus feinest Schulter, ihr Auge senkte sich in das feiste.

lich ein Kavalier bsantworten wird."

Dann wandte sie sich plötzlich ab, als ob sie Worte, welche sich ihr aufdrängten, ungesprochen lassen wolle.

Und nun gehen Sie, Roderich." sagte sie in einem leisen/ gepreßten Ton,gehen Sie, ich bin so sehr miide. Mvrgest sollen Sie mich wieder unverändert finden."

Roderich zauderte, er hielt ihre Hand fest und bedeckt: fist mit glühenden Küssen; sie war selbst ergriffen, nicht so bist Herrin ihrer selbst als sonst. Sollte er diese schwache Stunde nicht zu seinen Gunsten nützen. Er wollte reden miedest dieses Stammeln was ihm sonst nie eigen luctr magneti­sierte sie ihn? War es ein mystischer Bann? Ihr Blick traf ihn er sah ihn nutz' durch! einen NeNelh er erhob sich von seinen Kuieen, er taumelte empor- er sprach von unbedingter Ergebenheit, und ihre Altstimme tönte an seinen: Ohr:Gute, Nacht Sie guter Schwärmer!"

Er staild draußen im Vorzimmer, seine Stirn glühte, Iwan half ihm in den Ueberrock, Ta das Paket Papiere es brachte ihn zur Wirklichkeit zurück, er barg es in der weiten Tasche seines Paletots er nickte Iwan zu und trat hinaus auf den Flur.

Unten auf der Treppe begegnete ihm Paul Hendrichs. Ev »nah ihn nrit einen: verwunderten Mick.

Sahst du Vera Petruschka?" fragte Paul.

Gewiß! Findest du Verwunderliches darau?" Roderichs Stimmung war plötzlich gereizt. Dem Schulfreund gegenüber fand er seine brüske Eigenart wieder.Wir hatten wichtigst und ernste Dinge zu verhandeln," setzte er in überlegenen^ Ton hinzu,und Vera Petruschka ist sehr müde und angef! griffen, ich glaube schwerlich, daß sie dich noch enchfangen wird."

Paul fixierte Roderich einen Moment scharf, er beachtete! augenscheinlich auch das Paket Papiere in seiner Tasche. Er zuckte dann die Achseln, griißte, und stieg, immer drei Stufest auf einmal nehmend, die Treppe vollends hinauf.

Roderich sah ihm wütend nach,

/.Unverschämter Patron!" murmelte er, >,Eifersucht, natito-