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trovöiu schon erwähnten Großvaters dec Königs, des Scheinkönigs Ferdinand, der sich «ach dem Tode von Maria da Gloria morganatisch mit einer Wiener Bühnenkünstlerin, deni zur „Gräfin von Edla" erhobenen Fräulein Elise Friederike Heusler, wieder- vermählt hatte. Der Palast war ursprünglich eilt Kloster und wurde erst um 1750 vom König Johann V. zu weltlichen Zwecken umgebaut. Er gleicht von außen mehr dem Landhaus eines reichen Privatmannes und fein Hauptreiz besteht in der Schönheit des Parkes, der ihn umgibt und in dem hundertjährige Bäume ihre Wipfel breiten und mächtige Wasserfontänen in den schwülen Monaten Kühlung spenden. Im Sommer entflieht allerdings auch der Hof, wie die übrige Gesellschaft, der versengenden Glut von Lissabon. Es steht ihm dann die Wahl frei zwischen dem herrlichen Schlosse von Cintra, das man das achte Wunder der Welt genannt hat, und den Schlössern von Qneluz, Cascaös und la Pena. Cascaöz, an der Mündung des Tejo gelegen, ist das portugiesische Modebad. In jedem Jahre siedelt der Hof 'auf einige Zeit dorthin über und die ganze elegante Welt folgt seinem Beispiele. Die Königin gibt dann regelmäßig einige Bälle und mau tanzt auf der großen Terrasse des an sich wenig beachtens- tverten Schlosses, einer ehemaligen Kaserne, im Freien, unter Guirlanden von Blumen und hunderten von Lämpchen, — ein Bild von feenhafter Wirkung.
Dom Carlos 1. und die Königin Amülie haben manche Liebhaberei gemeinsam. Er reitet, trotz seines Umfangs, noch immer gern und gut, und sie gilt als die beste Reiterin unter den Damen königlichen Standes in Europa; einen Viererzug versteht sie mit Sicherheit rund Gewandtheit zu lenken. Und dann sind beide den schönen Künsten zugetan, der Musik, aber noch mehr der Malerei. . Jeder von ihnen hat sein Atelier und läßt kaum einen Tag vorübergehen, ohne fleißig mit Pinsel und Palette zu hantieren. Beider Getnälde sind schon des öfteren, auch in Paris, ausgestellt worden; ob sie sich wirklich, wie Graf de Colleville versichert, hoch über den landläufigen Dilettantismus erheben, das wollen wir indessen dahingestellt sein lassen. Zwei Söhne sind dem Königspaare geboren worden, der bald zwanzigjährige Kronprinz Luiz Filippe, Herzog von Braganza, und der siebzehnjährige Infante Dont Manuel, Herzog von Beja. Der Kronprinz hat, wie es die Verfassung vorschreibt, bereits seinen Vater während dessen Reisen nach Frankreich und England als Regent vertreten. Man rühmt ihm einen ernsten, verständigen Charakter nach. Es heißt, daß seine Eltern ihm bald eine Lebensgefährtin zugesellt sehen möchten, und schon hat man die Namen von dieser und jener heiratreifen Prinzessin mit dem seinigeu in Verbindung gebracht. Es wird sich sonach gewiß bald auch für ihn, wie einst für seinen Vater, eine fürstliche Ehestifterin finden. Denn das Ehestiften war ja von jeher manchen Fürstinnen der Lieblingsspvrt. Dr. A. v. W.
NermiscHtss.
* Der Herr Verteidiger. In der „Zukunft" veröffentlicht Otto Reinhold folgendes Zukunftsgespräch:
Vorsitzender: Angeklagter, Sie sollen zahlreiche Betrügereien verübt, Wechsel gefälscht und Meineide geleistet haben.
Angeklagter (höhnisch auflacheud): Nach der Meinung des Untersuchungsrichters, ja!
Vorsitzender: Sie haben ihm aber doch die meisten dieser Strastaten unumwunden zugcstaudeu.
Angeklagter: Weil er mir die Geständnisse erpreßt hat! (Bewegung unter den Geschworenen.)
Verteidiger: Mein Herr Mandant behält sich, wenn er freigesprochen ist, Strafanzeige wegen Erpressung vor.
Staastanwalt: Wenn, tvenn...
Verteidiger: Ja, „wenn"! Man wird Sie dazu nicht um Ihre Erlaubnis fragen, Herr Staatsanwalt!
Angeklagter (zu den Geschworenen): Wissen Sie, meine Herren, wie Geständnisse erpreßt werden? Man hat mich meiner Freiheit beraubt (Unruhe), man hat jedes Wort, das ich aussagte, protokolliert (Murren), ja, man -tat meine Briefschaften durchstöbert und alles, was ich im Gefängnis schrieb oder an Briefschaften empfing, von Anfang bis Ende durchgelesen! (Wachsende Unruhe),
Verteidiger (feierlich): Das Briefgeheimnis ist allen Völkern heilig, meine Herren Geschworenen!
Vorsitzender: Das alles entspricht lediglich den gesetzlichen Vorschriften, Angeklagter.
Verteidiger (düster): Auch die Folter war einst Gesetz. (Ein Geschworener bricht in Tränen aus.)
Angeklagter: Man hat sich nicht gescheut, Dinge, die man durch solche Manöver erfahren hatte, gegen mich zu verwerten! K-Rufe im Zuschauerraum.) Man hat mich und andere, selbst
, die mir nicht wohlwollten, indiskret nach meinem Vorleben gefragt und meinen Ruf dadurch auf immer zu Grunde gerichtet! ' e e nun schleppt man mich hierher und will mir gar eine entehrende Strafe auferlegen!
Verteidiger: Ich frage Sie, meine Herren: Sind wir denn in Rußland? (Anhaltendes Zischen.)
Vorsitzender: Mer NngeAagter, das glanze erbrücknde weismaterial gegen Sie ... ,
Angeklagter: Ist eine Erfindung des Untersuchungsrichters.
Dieser Mensch. . .
Vorsitzender: Sie dürfen den Herrn Untersuchungsrichter hier nicht als „Menschen" bezeichnen.
Angeklagter: Nein, den Namen verdient er allerdings nicht. (Zustimmende Heiterkeit.)
Verteidiger: Ich behalte mir meine Privatabrechnung mit denk Herrn Untersuchungsrichter vor. Ich werde. . .
Vorsitzender: Ja, mir scheint aber, daß es sich hier nicht um den Untersuchungsrichter, sondern um die Täterschaft deS Angeklagten handelt.
Angeklagter: Erlauben Sie: das läßt sich garnicht trennen, denn meine Straftaten existieren nur in den Protokollen deA Untersuchungsrichters. (Rufe: Sehr wahr! Stimmt! Aha!)
Verteidiger: Mein Herr Klient hat ganz recht; und ich überlasse es Ihrem Urteil, meine Herren Geschworenen, wer hier von Rechtes wegen auf der Anklagebank sitzen müßte. (Allgemeine Zustimmung.)
Vorsitzender (auffahrend): Herr Rechtsanivalt, diese Bemerk kung. . .
Ein Geschworener: Ich bitte um Rechtsbelehrung. Herr Präsident, ob wir ntiit der Verneinung der Schuldftagen zugleich die Absetzung des Untersuchungsrichters beschließen Wunen?
Vorsitzender (in Verzweiflung): Meinetwegen!
* Ueber die Kunst der Gastfreundschaft plauderß in „Hebet Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Ber- lagsanstalt) der bekannte, englische Schriftsteller Sidney Whitman und stellt dabei interessante Vergleiche zwischen den einzelnen; Nationen an. In Frankreich, sagt er, soll es mit der Gastfteund- schast nicht weit her sein. Wenigstens kann ein Fremder dort jahrelang in guten Kreisen verkehren, ohne daß ihm entsprechende Ge-. legenheit geboten wird, etwas Wesentliches von Gastfreundschaft, geschweige von ihrer feineren Art kennen zu lernen. Schon daß der Franzose seinen Wein mit Wasser gemischt trinkt, erniedrigt für uns — die wir doch eine idealere Auffassung tum dem Weine als von einem bloßen Genuß- und Begeisterungsmittel haben — das Niveau der Gastfreundschaft und stört unser ästhetisches Behagen. Wesentlich anders liegen die Dinge bei den Russen und bei deut Deutschen. Wenn die Deutschen sich die Gastfreundschaft kaum ohne Wein denken Wnnen, so die Russen nicht ohne Schnaps, aber alt muß er sein. Dem Fürsten Bismarck — niemand, der je feine Gastfreundschaft genossen hat, wird seiner ohne Ehrerbietung und Dankbarkeit als eines Meisters der hier erörterten sinnst gedenken — wäre der Gedanke an ein Mahl mit verdünntem Wein geradezu! empörend gewesen. Die Gastfreundschaft des Zaren im Petersburger Winterpalais ist das Glänzendste, was es ans der ganzen Erde gibt, der Champagner fließt dabei in Strömen. Man denke sich zweitausend kaiserliche Gäste, die bei einem solchen Hossest int Monat Januar unter anderem sämtlich mit frischem Spargel bewirtet werden. Auch bei dem reichen russifcheil Adel wird die Gastfteundschaft als Standestugeud geübt. Allerdings soll auch, ein russischer Magen nötig fein, um das, was sie Ueberschwengliches bietet, zu vertragen. England ist das Land Par excellenee, in dem die Gastfreundschaft von altersher, durch gesellschaftliche Sitten und Wohlstand begünstigt, als Kunst am ausgiebigsten und längsten gepflegt worden ist. Auch existiert heute gewiß Mn zweites Volk, bei dem jede Einzelheit der Gastfreundschaft so genau nach Herkommen und Vorschrift durchgeführt wird. Die englische Gastfreundschaft bildet ein wichtiges Glied in der Kette jener gesell- fchaftlicheu Einflüsse, die dem England unserer Tage die soziale Hegemonie der Welt eingebracht hat.
Kreirzrötsel,
(Nachdruck verboten.)
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben b b c c e o e ceeeeeeeffggh hhhhhiiiilllln nnnnnssssss derart einzutragen, daß die wagerechten und senkrechte« Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten:
1. Einen Philosophen.
L, Findet man häufig a« Frauenkleidern u Hüten.
8. Ort in der Provinz Sachsen.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer r Flocken, Glocken, locken, Lockern
Redakuon: Ernst Hetz, — Rotationsdruck und Verlag der B r ü b Pichen UntverüiätS-Buck» und Sieindruckerei, 8t, Lange, Gieße«.


