Ausgabe 
4.2.1907
 
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wie in Tübingen, bis in die neueste Zeit erhalten hat. Wenn erwähnt wird, daß sich 1693 ein Heinrich Breit-- haupt,der die Glocken auf dem Kirchturme zu versehen hatte", um die Stelle einesmusikalischen Informators" an der Universität bewarb, so müssen die Studenten nicht ohne musikalische Versorgung gewesen sein. Mr Vokal­musik war er jedenfalls nicht angestellt, sondern nur für Instrumentalmusik; denn Lei festlichen Gelegenheiten er­schienen die Studenten oft mitPauken und Tronrpeten". Im allgemeinen wurde die Musik in Gießen von den Stadtmusikanten besorgt, die auch bei hohen kirchlichen Festen das Blasen vom Kirchturm auszuführen hatten. Vielleicht war der Musikdirektor Bieler, der 1775 die Leitung des Gesanges am Gymnasium übernahm, auch musikalischer Informator" au der Universität. Aus der musikalischen Gesellschaft", die im Winter 1796 öffent­liche Konzerte imHegelschen Saale" in denneuen Bauen" für 48 Kreuzer ankündigte, hat sich möglicherweise derKonzertverein" entivickelt.h

Wann soll der Schulbesuch beginnen?

In der ZeitschriftMode von heute" finden wir den Hinweis eines Arztes auf die wichtige Frage: in welchem Lebensjahre soll das Kind die Schule besuchen? Der Verfasser tritt mit Nachdruck für die Ansicht ein, daß es unbedingt vorzuziehen sei, das Kind erst mit dem vollendeten siebenten (nicht dem sechsten) Jahre zur Schule zu schicken, soweit sich dies unter den heutigen Verhältnissen irgend ermöglichen lasse. In seiner Begründung dieses Grundsatzes sagt er u. a.:Das siebente Lebensjahr ist als wichtiger Abschnitt in der Entwickelung des Kindes anzusehen. Zunächst fallen die Milchzähne aus, das defi­nitive Gebiß tritt an ihre Stelle. Außerdem findet ein erhebliches Wachstum des Gehirns statt. Das sind freilich durchaus physio­logische normale Vorgänge, die nichts mit Krankheit zu schaffen haben, aber sic erheischen doch eine sorgsame Pflege und rücksichts­volle Schonung. des Gesamtorganismus, damit sie ungestört ver­laufen. Ob aber insbesondere letztere vereinbar ist mit den Anfor­derungen, welche die Schule stellt, ist mehr als fraglich. Gerade im ersten Schuljahr nimmt das Kind eilte Fülle von neuen Ein­drücken in sich auf und hat sie geistig zu verarbeiten, es wird in dieser Zcitperiodc ein gewaltiges Pensum bewältigt, verhältnis­mäßig höher als je nachher. Die Folge davon ist, daß auch bei gesunden Knaben und Mädchen rticht selten eht Erschöpfungs­zustand beobachtet wird, der ihre Fortschritte hemmt, von schwäch- lichen ' ganz zu geschweige». Umgekehrt wird übereinstimmend von Aerzteu und Lehrern berichtet, daß Schüler, die erst mit ungefähr sieben Jahreit die Schule besuchen, den nun einmal unvermeidlichen Anstrengungen durchweg vollkommen gewachsen sind. So fest diese Tatsache auch steht, so gewiß >vird der Einwand gemacht werdet:, daß ja Tausende vott Kindern heute so gut wie je zuvor mit sechs Jahrett in die Schule geschickt sind, ohne dadurch Schaden genommen zit haben. Es sei darauf folgendes erwidert: Die jungen Pferde werden gewöhnlich, wenn sie drei Jahre alt sind, zu Arbeitsleistungen herangezogen. Die Militärverwaltung indessen hält es anders. Sie kauft die jungen drei Jahre altett Tiere an und verpflegt sie ttock ein volles Lahr in den Remonte-Depots, in betten sie nur gut gefuttert und sorgsam gewartet werden. Erst bann werben sie bett Regimentern Übergeben und hier allmählich zum Reiten und Ziehen verwandt. Dieses Verfahren kostet ztvar alljährlich eine erkleckliche Anzahl hott Millionen, aber der Austvaud rentiert sich mit Zins und Zinseszinsen, beim bie Pferde sind kräftig und stark geworden I und dauern bei ihrem schweren Dienst eilte Reihe von Jahren länger an."

Zur körperliche,! Erziehung der Kinder.

Kind, geh' doch grade!"Sitz' nicht so krumm!" Wieder und wieder bekommt bie Heranwachsende Jugend die so sehr be­herzigenswerte Mahnung zu hören, die gar nicht oft genug ! wiederholt werden kann, und wie eindringlich und ernst dazu, j ->icht so, daß Lieschen sich widerwillig ein wenig aufreckt, um | tctioH, kaum daß das Wort verklungen ist, von neuem in sich | iusammenzufalleit. Wie oft sieht man aber auch Kinder, die mit j pctbett Armen auf dem Tisch liegen, den Kopf so tief, daß bie j Jiafe fast bis auf bas Buch stößt. Gerabe beim Lesen und I Schreiben vernachlässigen die Sinbee sich am leichtesten in der | Körperhaltung. Es sitzt sich sehr gemütlich in bet Sofaecke zu- I ammengekauert tttib mit untergeschlageuem Fuß, gesund ist es I »ber nicht für den jungen, im Wachstum befindlichen Körper. |

Ein bißchen flegeln und hernuMmmeln muß jedes Kind dürfen. Aber es gibt Sachen, auf die man in der Kindererziehung unbedingt achten muß. Das Schreibheft darf niemals nur gerade auf der Kante des Tisches liegen, weil vielleicht das Kaffeegeschirr noch I nicht fortgeräumt wurde oder der Mutter Näherei Platz bean­sprucht. Dann finden die Arme auf der Tischplatte nicht Halt, der rechte Ellenbogen schwebt in der Luft, und die Schultern werden schief gezogen. Auch darf der Tisch nicht zu hoch sein im Gegen­satz zum Stuhl, damit das Kind sich nicht die Anne ausreckt und die Brust drückt, ebensowenig wie das Kind auf zu hohem Stuhl sitzen und sich mit krummem Rücken über die Arbeit neigen darf. Einen unschönen Gang kann vielleicht später noch der Tanzmeister verbessern helfen, aber für kurzsichtig gewordene Augen, für schiefe Glieder und krumme Rücken sind die Heilmittel bitterer und schwerer zu nehmen Brillen und Augengläser, Geradehatter und Streckbetten pflegen nicht immer als angenehme Medizin empfunden zu werden.

VerMLsstzSss.

* Tagbtatt oder Tageblatt? Es gibt Tagülätter und Tageblätter, jene im Süden, diese im Norden. So fragt beim mancher Norddeutsche, der etivas über sprachliche Dinge nach,denkt, ob es wirklich Tagblatt heißen dürfe; und der Süd­deutsche wundert sich über das Berliner Tageblatt und andere Tageblätter. Welche Form ist nun als gutes Deutsch anzusehen? Die Antwort muß lauten: beide. Wir müssen da dem Süden lassen, was des Südens ist, und dem Norden, was des Nordens ist. Sv bestehen auch nebeneinander bie Formen Tagedieb und Tagdieb, Tagelöhner und Taglöhner, Tagewerk und Tagwerk, Tagebau und Tagbau, Tagefahrt und Tagfahtt, Tagegeld und Taggeld u. a. Die älteren Formen haben den ersten Bestandteil in deck Form taga, das sich eben später zu Tage abschwächte. Wenn nun ttn Süden Taglohn und Tagblatt gesagt wird, so hängt das mit tnundartlichen Eigentümlichkeiten, namentlich mit der här- tereu süddeutschen Aussprache zusammen, wie man beim ja auch im Süden Badhaus, Badstube, Badarzt sagt, im Norden aber Badehaus, Badezimmer und Badearzt. Auch hier hat das Alt­hochdeutsche bie vollere Form bada, also das Hauptwort, und diefe hat sich, gerade wie taga zu Tage, zu Bade abgeschwächt. Mit dem Zeitwortebaden" haben diese Zusammensetzungeit also ebensowenia etwas zu tun,, roie die anderen mittagen". Andere Zusammensetzungen hinwieder sind mit Zeitwörtern zusammen­gesetzt, io z. B. Zeigefinger, Lesezimmer, Sterbezimmer.

* Was einePariserinwertist. ImPetit Journal" schreibt em Statistiker: Man behauptet, daß es in Frankreich teilt Geld mehr gebe; aber es liegt ober läuft vielmehr auf den Straßen herum. Man berechne nur, was die Kleidung und bie Schmucksachen einer eleganten Frau wert sinb: Schuhe 80 Fr., Strümpfe 25 Fr., Hemd 100 Fr., Korsett 200 Fr., Unterbein» tleiber 200 Fr., Unterrock 300 Fr., Kostüm 800 Fr., Pelz 5000 Fr., Ohrringe und Ringe 6000 Fr., Perlenhalsband 20 000 Fr., Handschuhe 20 Fr., Hut 200 Fr., Kämme 300 Fr., Schildpatt- nabeln 60 Fr., Hutnabeln 1000 Fr., Geldtäschchen 300 Fr., im ganzen 35 085 Fr., die man auf Schritt und Tritt in dm Läden, in den Kirchen, in den Ausstellungen treffen kann. Man könnte sagen, daß ich Ausnahmen anführe; nehmen wir also bie Regel, die Frau aus dem reichen Bürgerstand. Schuhe 25 Fr., Strümpfe 6, Hemd 25, Korsett 60, Beinkleider 50, Unterrock 120, Kostüm 200, Pelz 600, Schmuck 1500, Handschuhe 5, Hut 80, Kämme 50, Hut­nadeln 30, Geldtäschchen 50, im ganzen 2800 Fr., die man auf Schritt mnd Tritt trifft .... Und dabei sind die Haare und die Zähne, die doch etwas gekostet haben, noch nicht mitgerechnetk

j Zobel

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Tattschrätsel,

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(Nachdruck verboten.)

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Licht Onkel

Keller Kops Muster

Die.Anfangsbuchstaben nebenstehen­der Wörter sind mit anderen Buch-

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staben derart zu vertauschen, daß man ebensoviete neue Wörter erhält, bereit

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Anfangsbuchstaben ein Sprichwort er­geben.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Giiterräisels in voriger Nuuunerr TAO Tagediebe

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Redaktion: Ernst Heß. RotalionSdrnck und Verlag der Brühl'lcken Unwerstläts-Buck- und Sleindruckeret. R. Lange, Vietze».