Areitag den 4. Januar
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Menjchenlköen, bis fugen.
Nonmu von H. Ehrhardt, Verfasserin von „ivtitlellose Mädchen".
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Als der Kaffee aus der großen Veranda serviert ivurde, stand die Sonne schon tief. Sie tauchte Hannas Kopf in Flammengluten und malte das blasse Gesicht der am Tisch sitzenden Dame mit trügerischem Rot. Adele Kronau war die jüngste der drei Schwestern des Rittmeisters und die einzige, 'welche unvermählt geblieben war, während die anderen sehr vornehme aber wenig gut situierte Männer geheiratet hatten und sehr oft die Hülfe des „Erbonkels" für sich beanspruchten. Durch eine trübe Jugenderfahrring ernst und verschlossen geworden, hatte das Leben und die Geselligkeit keinen Reiz für Adele gehabt und sie hatte sich mit großer Pflichttreue der Waise ihres Bruders angenommen, als diese, ein bildschönes achtjähriges Kind nach Balldorf gekommen war, aber zwischen Hannas und ihrer Weltanschauung lag eine zu große Kluft, als daß sie im Zusammenleben mit der erwachsenen Nichte hätte Befriedigung finden können.
Steif und gerade saß sie, in ihrem schwarzen, die große hagere Gestalt eng umschließenden Kleide da, wie die verkörperte Etikette. Ihre hellblauen Augen, die einen müden, glanzlosen Blick hatten, hingen an der bräutlichen Nichte, welche, ungeniert auf der weinlaubumrankten Balustrade sitzend, sich damit vergnügte, den Verlobten mit den Beerenfrüchten des wilden Weins zu bombardieren.
„.Hanna, komm hierher, das schickt sich nicht!" befahl sie endlich geärgert.
Das junge Mädchen sah nur flüchtig nach ihr hin, ohne ihr Spiel zu unterbrechen.
Der Rittmeister lachte über das ganze weingerötete Gesicht.
„Laß mir doch das Mädel in Ruh, Dele!" sagte er, gut gelaunt, „mag sie die Freiheit noch ein bißchen genießen, Gerhardt wird ihr später schon die Tollheiten austreiben. Nicht wahr?"
Der Regierungsassessor war aufgestanden und legte, neben Hanna tretend, den Arm um ihre schlanken Hüsten. Sie drückte den Kopf leicht an seine Schulter.
„Jst's wahr, Oskar?" flüsterte sie, „wirst Du sehr streng zu mir sein?"
Er küßte sie rasch und heiß.
„Ich glaube kaum, Liebling." Und zu den beiden am Tische gewandt, setzte er hinzu: „Sie ist noch ein Kind, ein sehr törichtes, reizendes Kind, — es wäre schade, ihr diese Kindlichkeit gewaltsam zu nehmen."
Adele hatte die Lippen herbe zusammen gekniffen und hüllte sich in eisiges Schweigen. Tie beiden Herren sprachen über die Fassung der Verlobungskarten. Hanna warf lebhafte BemerÄngen dazwischen. Ihrer besten Pensionsfreun- bht, Marga von Tressenberg, würde sie zuerst auch nur
eine gedruckte Anzeige schicken. Schade, daß sie ihr erstauntes Gesicht nicht sehen konnte.
„Und nicht wahr, Oskar, einladen darf ich mir die Marga doch bald, wenn Ivir verheiratet sind?" schmeichelte sie, „das arme Ding hat so sonderbare Eltern, die keinen Verkehr im Hause haben und ihre Tochter zu keinem Vergnügen lassen, weil sie nicht wollen, daß sie heiratet: Es macht mir ja einen Riesenspaß, diesen Rabeneltern einen Streich zu spielen und Marga zu verheiraten. Willst du helfen, Schatz? Darf ich sie einladen?"
Der Mann sah entzückt in ihr lebhaftes, kindliches Gesichtchen.
„Wenn du es gern willst, soll sie kommen!" versprach er herzlich, „und ich will ihr auch gern zu einem guten Manne verhelfen. Ich wüßte sogar einen für sie. 'Aber sie muß hübsch und nett sein und — sie muß Geld haben."
Hanna klatschte in die Hände.
„Hat sie, hat sie!" jubelte sie ausgelassen, „und hübsch und nett ist sie auch. Also wer ist's? Kenne ich ihn?"
Der Gefragte schüttelte den Kopf.
»Ich glaube kaum!" sagte er mit der freundlichen 9i he, die sein ganzes Wesen kennzeichnete, „es ist der Oberleutnant von Poseck, Sechster Artillerist in B."
„Den sollten wir doch kennen!" warf der Rittmeister ein, „er lag während der großen Schießübungen im vorigen Jahre vierzehn Tage lang hier bei uns im Quartier. Ein hübscher, blonder Kerl, sehr musikalisch. Fragen Sie Hanna. Es hat sie nie wieder jemand zu ihrem Singsang so gut begleitet, pflegt sie noch heut zu behaupten. Wir mochten ihn alle sehr gern."
Adele nickte sehr energisch Beifall. Das junge Mädchen aber sagte auffallend ruhig:
„Er' war auch wirklich ein netter Mensch. Und er ist dein Freund? Wie merkwürdig!"
„Ja, sogar mein liebster Freund noch von der Schulbank her. Ich war jahrelang täglicher Gast im Hause seiner Eitern, nun lebt ihm nur noch die Mutter. Wie mich das freut, daß Ihr Euch kennt! Ich hätte ihm sonst ein Bild von dir entwerfen müssen, und dich würdig zu beschreiben Lieb, dazu ist keine Feder fähig."
Hanna errötete verschämt.
Gerhardt hätte sie gern geküßt, aber er wagte es nicht ein zweitesmal in Gegenwart der Verwandten. Ihm schien's, als sei seine vorherige Zärtlichkeit Hanna peinlich gewesen.
Ter Rittmeister kam ihm zu Hülfe.
„Bei Poseck fällt mir ein — singe uns doch was, Hanna!" sagte er plötzlich. „Gerhardt wird dich wohl auch begleiten können. Karl kann dir die Lichter drinnen anzünden."
„Ist nicht nötig", wehrte das junge Mädchen ab und erhob sich hastig, „ich sehe noch genug und begleiten Werb' ich mich lieber selbst. Aber Oskar mag mitkommen und mir die Noten mnwenden."
Sie sagte es mit reizend koketter Herablassung und


