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werde der Ausdruck unfreundlich, wenn nicht beleidigend, wie: „Der physiologische Schwachsinn des Weibes"; „Da werden Weiber zu Hyänen"; „Diese Weiber" nsw. Denn mit der bisherigen Männersprache, die Kraft und Energie mit Männlichkeit identifiziere, sei das Weib allein der Vertreter der Schwäche, Unselbständigkeit und Unaufrichtigkeit. Das schlimmste Schimpfwort, das der Mann für sich erfunden habe, sei: Weib! womöglich: Waschweib! oder noch besser: Altes Weib! Die „Schürze" sei ihm das Sinnbild des Verächtlichen, er spreche von „Unterrockspolitik", „Weiberröcke" seien das Zeichen der Unselbständigkeit und im Französischen sei der Ausdruck „C'est une fille" (in dem Sinne von Dirne) die Bezeichnung für einen absolut charakterlosen Mann. Selbst die weiblichen Tiere hätten ihren Teil zum männlichen Schimpfwörterschatz beisteuern muffen: „Baches" sei eine Beleidigung, die der Pariser Strolch dem Polizeisoldaten zurufe, und obgleich der Eber ihr sicher darin nidft nachstehe, sei die Unreinlichkeit nicht in ihm, sondern in der Sau verkörpert worden.
Könne der Mann den Mann nicht ärger beschimpfen als durch das Wort „Weib", so glaube er das Weib am höchsten zu ehren dadurch, daß er es Mann nenne. Was könne aber logischerweife eine „Weiblichkeit" bedeuten, deren Krönung in der „Männlichkeit" liege. Einige Proben davon: „Die Pianistin spielte mit männlicher Kraft". Ernest Renan nenne die hochbegabte Cle- menee Rotzer „fast einen Mann von Genie". George Sand schrieb den Schlußsatz: „Sie hatte einen mächtigen, männlichen Kopf". Das Seltsamste an diesem Mißbrauche der Worte sei, daß Frauen ihn mitmachen. Selbst sie ließen sich von dem „Männlichen" bezaubern, und die Worte „viril", „male", „masculin" als höchstes Lob fänden sich gerade bei weiblichen Schriftstellern häufig. Tiefes Sinnen habe der Verfasserin der Satz verursacht: „Er trug sein Leiden als Mann". Ihrer Erfahrung nach werden die schlimmsten Schmerzen von Frauen ertragen, wortlos, klaglos, in der furchtbaren Abhängigkeit und körperlich-geistigen Sklaverei unglücklicher Ehen. Kein Mensch aber denke daran zu sagen: „Sie trug ihr Leiden als Frau", und sagte mau'S, es würde wiederum nur einen Tadel bedeuten, etwas Kleinliches und Schwächliches.
Eine derartige Klassifizierung aufrechtzuerhalten, sei stets ein Mangel an Logik und oft eine Roheit. Hier müßte man umdcnken nnd darum ruft Frl. Dr. Schirmacher: „Weg aus dem Sprachgebrauch mit Geschlechtsvorurteil und Geschlechtsdünkel."
VermLschtss.
* Präsident Roosevelt und die Reiherfedern. An das Staatsoberhaupt von Nordamerika hatte sich der Bund der amerikanischen Vogelschutzgesellschaften (Audubon Societies) mit der Bitte gewandt, Frau Roosevelt als die höchststehende Frau des Landes möge ebenso wie es in Großbritannien die Königin Alexandra durch einen Brief getan hat, ein öffentliches Zeichen »ihrer Mißbilligung über das Tragen von Reiherfedern auf Darneuhüten geben, weil damit der Mode des Aigrettenschrnuckes mehr entgegengewirkt werden könne, als durch mouatelange Tätigkeit der Vereine. Hierauf hat Präsident Roosevelt am 18. Juli 1906 folgendes geantwortet:
„Gestatten Sie, Ihnen sowohl von Mrs. Roosevelt als auch von mir selbst zu sagen, wie herzlich wir beide mit dem Werk der Äudubon-Gefellschaften sympathisieren, nicht nur im allgemeinen, sondern auch im besonderen mit ihren Anstrengungen, dem Verkauf und Gebrauch der sogen. ,,Aigrettes" (der Federn der weißen Reiher) Einhalt zu tun. Wenn möglich, empfindet Mrs- Roosevelt in dieser Sache sogar noch stärker als ich.
Ihr aufrichtig ergebener Theodore Roosevelt."
Eine solche Kundgebung von höchster Stelle ivürde in den Staaten des europäischen Festlandes nicht minder nützlich sein. Verschwindet die Mode des Reiherfederhutschrnucks j nicht, so wird das Geschlecht der Reiher bald ausgerottet sein.
* Buche v on Wildenberg. Diese von der Bahn k Probstzella-Lichtenfels unweit Kronach aus sichtbare Buche l ist mit einem Umfange von etwa 8 Meter einer der stärksten ! und ältesten Bäume dieser Art und durch Sagen nnd Ge- ; bräuche zu einem Wahrzeichen der ganzen Gegend ge- : worden. Durch Abstürzen eines Astes wurde offenbar, daß der Baum sich anscheinend bereits im Stadium der Alters- ■ schwäche befand, und daß sein Eingehen in absehbarer ! Zeit zu befürchten stand, wenn nicht geeignete Maßregeln zur Erhaltung geschehen würden. Da die Gemeinde nicht imstande war, diese Mittel herzugeben, so hat die Königliche Regierung von Oberfranken, gestützt auf das Gutachten des Landesausschusses für Naturpflege und angesehener Fachleute, die Mittel zur Erhaltung angewiesen. Es zeigte
sich dabei, daß die Buche im allgemeinen noch gesund war, und daß durch geeignete Maßregeln, die bereits eingeleitet sind, sich die Erhaltung noch für eine Reihe von Jahren gewährleisten läßt. Diesem dankenswerten Vorgehen ist es zuzuschreiben, daß der auf ein Alter von 800 Jahren geschätzte Baum als Naturdenkmal erhalten bleiben wird. Vorgesehen sind: 1. Das Auskratzen und Ausstreichen der Löcher mit Schiffteer, das Schließen derselben und Ausmauerung unter Verwendung von Ziegelbrocken und Zement. 2. Tas Anstreichen der durch den Absturz einzelner Aeste entstandenen bezw. dilrch das Abschneiden schadhafter Aeste entstehenden Wundflächen unter Verwendung von Holzteer und Abschließen der horizontalen Wundflächen durch Schutzbleche. 3. Das Anbringen von Schlau- dern mit Ringen zur Fassung der beiden Gabelstämme.
* Große Köpfe und geistige Begabung. Wenn ein Kind mit einem großen Kopf geboren wird, so pflegt man im Volke äit sagen, daß etwas drin steckt, ivomit man meint, daß das Kind begabt ist. Mroße Männer wie Menzel und Wind- Horst haben sich z. B. durch besondere Schädel ausgezeichnet, wobei sich die überraschende Tatsache herausstellte, daß sie nach dem Befunde der Hirnsektion in der Kindheit Anlage zum Wasserkopf gehabt haben mußten. Tr. Röse hat in seinen Beiträgen zur „Europäischen Rassenkunde" (Archiv für Rassen- und Ge- sellschaftsbiologie, Berlin) festgestellt, daß sich große Köpfe tatsächlich im allgemeinen auch durch höhere Leistungsfähigkeit auszeichnen. Dagegen bedarf es noch viel ausgedehnterer Untersuchungen im ganzen deutschen Reiche, ehe die 'Frage über die Beziehung zwischen Kvpfform und geistiger Leistungsfähigkeit als gelöst gelten kann. Die lange Kopfform an und für sich stellt durchaus keine höhere Entwicklungsstufe dar. Im Gegenteile, gerade die tiefstehenden Menschenrassen, wie Neger, Trawidas u. a. sind ausgesprochen langköpfig. Allerdings handelt es sich bei diesen Rassen fast stets um Hinterhaupts-Langköpfigkeit und um kleinere Köpfe. Dagegen zeichnet sich die langköpfige, blonde Nord- landsrasse zugleich durch bedeutendere Kvpfgröße aus. Tas Auftreten der Borderhaupts-Langköpfigkeit deutet außerdem darauf hin, daß bei der nordischen Rasse im Durchschnitte auch eine feinere Gliederung und Faltung der Großhirnrinde vorhanden ist.
* Kindliche Anschauungen. Mein kleines ckjähriges Töchterchen stand bei dem letzt ar Gewitter am Fenster und sah stumm dem herniederrauschenden Regen zu. Endlich lösen sich in der Kleinen Vorstellung Gedanken los, indem sie meinte: „Gelt, Papa, Wenns regnet, daun pumpt der liebe Gott das Wasser!" — „Mer, woher kommt denn das Donnern?", meinte ihre etwa 4 Jahre ältere Schwester, worauf die kleine Forscherin erwiderte: „Ach, da wird !vohl die Pumpe nicht ge- schmie rt fein!" — Ein Stöhnen vom Bettchen der kleinen Elli ruft die Mutter in das Schlafzimmer. „Mama, mein Daumen tut mir weh." Sorgfältig sieht die besorgte Mama beide Daumen nach, um die Ursache des Schmerzes festzustellen, findet aber nichts. Heftig schnellt die Kleine ein Beinchen auf die Decke und ruft weinerlich: „Ich meine ja den Daumen am Fuß."
Häusliche Wittkc.
Um recht dünne Brotscheiben zu schneiden/ tauche man das Messer öfters iir heißes Wasser, die Arbeit wird dadurch sehr erleichtert.
Um das Anbrennen der Milch zu verhüten, koche man in dem Milchgefäß zuerst ein paar Löffel voll Wasser, gerade genug um den Boden zu bedecken. Wird die Milch dann in den Tops gebracht, so wird sie niemals anbrennen, auch nicht aus starkem Feuer.
Bilderrätsel.
Nachdruck verboten.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Keine Antwort ist auch eine Antwort.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»


