Samsiag den 3. August
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1907
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Jun Ken unter der Asche.
Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt, livortsetzung.i
grade den Geistlichen zu ihr zu senden. z
Still lag sie in den Kissen und lauschte der weichen, mewdi- schcn Stimme, die so eindringlich und überzeugt von den wunderbaren Wegen des Höchsten zu reden wußte, den Wegen, die alle- mial zum Licht führen, sei die Nacht auch noch so dunkel. Hatte Dagmar anfangs in unbewußtem Behagen der klangvollen Stimme gelauscht, so begann sie allmählich auch den Worten zu folgen, die der Geistliche mit Takt und Geschick der Sachlage anzupassen wußte.
Mit augenscheinlichem Bedauern sah sie ihn nach kurzer Zeit gehen, doch fügte sie sich geduldig der Bitte Annas, die einen längeren Besuch auf Anordnung des Arztes nicht duldete.
Auf Dagmars Wunsch kam Müller seitdem jeden Tag, anfänglich nur auf kurze Zeit, nach und nach blieb er jedoch länger, da Dagmars Befinden sich in erfreulichster Werse besiertc. In dem gleichen Maß, in dem der Lebenswille in ihr erstarkte, schwand auch die Apathie, die dein Professor zu so ernstlichen Bedenken Anlaß gab.
Ja, Dagmar wollte leben! Sie wollte sich nicht mehr knebeln lassen von den bitteren, schweren Gedanken, wollte geduldig den Weg gehen, den eine höhere Hand sie führte — und leven um des Kindes willen. Dieser Beweggrund war es auch, der sie zu einem freundlicheren Verhalten gegen Veltlingen veranlaßte. Der ging nur zu gern auf ihr Entgegenkommen ein. ,
Es war mehrere Wochen später. Dagmar faß ihrem Wohnzimmer und stickte an einem der winzig kleinen Sächelchen, die jetzt ausschließlich ihre Handarbeit bildeten.
Stille und ernste Gedanken zogen ihr durch den öiint, aber ihr Gesicht, daß bleich und schmal war, zeigte doch nicht mehr den müden, traurigen Ausdruck, den es noch vor gar nicht langer Zeit getragen hatte. Zwar konnten einem aufmerksamen Beobachter unmöglich der feine Leidenszug entgehen, der um ihren schmalen Mund lag, aber ihre Augen blickten wieder hell und klar, wie die Augen eines Menschen, der da weiß, was das ernste Wort bedeutet — leben heißt kämpfen — und der bereit ist, danach zu handeln.
Ja, sie kämpfte, kämpfte tapfer und unverdrossen um das, was noch aus dem jämmerlichen Schiffbruch ihrer Ehe zu retten
Veltlingen zeigte sich freundlicher und entgegenkommender, als sie erwartet hatte, aber sie konnte es sich nicht verhehlen, daß ihn dazu augenscheinlich sein Schnldbcwnßtsein trieb, und sie schämte sich in seiner Seele.
Zwiespältige Empfindungen waren es, welche den Kammcr-
Die Baronin war nicht wenig erstaunt, als ihr am Nachmittag der Besuch des Pastors gemeldet wurde. Daß der sogar auf Veranlassung ihres Gatten kam, verwunderte sie noch mehr, aber sie war viel zu matt und gleichgültig, um ernstlich über den Grund nachzudenken, der Veltlingen veranlaßt haben konnte,
Herrn gegen Dagmar bewegten. Teils war es eine gewisse Dankbarkeit, die er gegen sie, als die Mutter des sehnlich -erhofftew Erben hegte, teils ein heimlicher, sich selbst uneingestandener Groll gegen sie, die unschuldige Veranlassung seiner sinnlosen Eifersucht, die ihn in die denkbar beschämendste Lage gebracht hatte. Einen Beweis für eine gewisse Berechtigung seines Empfindens glaubte er in dem erstaunlichen Entgegenkommen Dagmars zu sehen, dessen tiefster und edelster Beweggrund seiner unvornehmen Seele unverständlich war.
Eine gewisse Langeweile, die er, der durch und durch Hofmann, an dem Landleben gar keine Freude findend, immer mehr spürte, trug auch nicht dazu bei, seine ohnehin unbehagliche Sttm- Tilling zu vcTbcffent. Äuch begann iljnt bieses beständige rjii^. sammennehmen vor Dagmar immer nnbegucmcr zu werden.
Längst hatte Veltlingen vor sich, und wie er glaubte, auch vor Dagmar, das Benehmen der Lindström entschuldigt, deren helfende Hand er zur Verwirklichung seines Planes noch immer nicht entbehren zu können glaubte. Dieses Planes, der ihn: jetzt weniger denn je aus dem Sinn wollte. „ Mit Genugtuung empsing er eines Tages den Brief der Gräfin, die ihm als „treue Bundesgenossin" mittcilte, daß seine Anwesenheit bei Hose von dem rücksichtsvollen Herzog nur nicht direkt befohlen, aber sehr gewünscht werde. , .
Hastig trat er zu Dagmar in das Zimmer, ehr seine Absicht unterbreitend, die auszuführen er fest entschlossen war. Ein wenig ungemütlich wurde ihm aber doch unter ihren durchdringenden Blicken. Ungeduldig reichte er ihr endlich den Brief. Dagmar las ihn. Er tvar augenscheinlich auch für sie geschrieben. Schweigend gab sie ihn zurück. Ihr Blick glitt sinnend in das Grün der Bäume. Ungeduldig rückte Veltlingen auf fernem Stuhl
was sagst du zu diesem Vorschlag, Dagmar?"
„Ist es noch immer dein Wille, dauernd am Hof zu blewcit,- Magnus?" fragte sie sanft. . r.,
„Natürlich," entgegnete er aufgeregt. „Und da meine Chancen jetzt augenscheinlich im Steigen sind, so wird es wohl das Beste sein, ich melde mich wieder für einige Zeit zum Dienst Mm: selber erledigt solche Sachen doch noch besser als der geschickteste Anwalt."
Dagmar sah ihn ernst an. r ~
„Wenn du nur nicht die Selbstlosigkeit solches Zemides- Werkes überschätzt." , . . , .,, f'
„Herrgott, Dagmar," er lachte nervös, „sei doch Nicht so kleinlich. Tie Gräfin will mir einfach behilklich sein, daß ich den Posten bekomme. Deine Eifersucht ist einfach lächerlich. Wodurch glaubst du denn eigentlich, daß ich mich ihr gegenüber er* fc'in@in bitteres ging über daS Gesicht der Baronin. Er ’nl) Doch°höchftens durch gelegentliche kleine Geschenke," schloß ck gereizt; „oder hast du auch dagegen etwas einzuwenden?
„So lange sie in den Grenzen bleiben, nein."
Veltlingen zuckte die Achseln. Mochte sic denken, was ihr beliebte. Er konnte sie nicht daran hindern. Er war fest ent-


