Ausgabe 
3.7.1907
 
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wat! das doch immer erst der Anfangs zum Borwärtskommen auf dem Weg. Und es marschiert sich schlecht allein . . .

Tn kam die Jungfer und meldete, daß der Wagen eben vor­gefahren sei. Eilig begdb sich die Gräfin in die Gemächer der Herzogin. Ihre Hoheit beabsichtigte dem Kunstlaufen beizuwohnen, welches die Ulanen, die dein edlen Schlittschuhsport fast alle huldigten, heute mittag veranstalteten.

Ta Fredine ibei weitem keine so gute Läuferin wie Dagmar war, hatte sie es abgelehnt, sich an dem Preislaufen zu beteiligen, ohne zu wissen, daß Dagmar ebenfalls nicht teilnahm.

Anfangs war Beltlingen darüber sehr ungehalten gelvesen. Dem Ehrgeizigen paßte es durchaus nicht, daß sie aus einen Preis verzichtete, der ihrem meisterlichen Laufen sicher zuerkannt lväre. Aber als seine Braut ihm mit leichtem Lächeln ausein-, ander zu setzen wußte, daß ihr das Zusehen, an seiner Seite bei weitem lieber sei, gab er sich, höchst geschmeichelt, zufrieden. Ten- noch mußte die Baroneß auf seine Bitten im Eislaufkostüm er­scheinen, ein nur zu begreiflicher Wunsch, denn Dagmar sah in dem knappen, dunkelgrünen Kleid, dessen kurzer Rock ihre zier­lichen schmalen Füße frei ließ, ganz besonders vorteilhaft aus.

Ter Schwanenteich, welcher inmitten des ausgedehnten Schloß­parkes lag, war heute förmlich von Menschen belagert. Die Gärtner hatten keinen beneidenswerten Posten. Sollten sie doch das Betreten der Eisbahn durch Unbefugte verhindern, da sie dem großen Publikum für heute gesperrt war.

So gut es anging, war der Teich*und die nächste Umgebung für das Eissest geschmückt worden. Lustig flatterten zahlreiche Fähnchen in dem leichten Südost hin und her. Es war ein hübsches Bild, welches sich den zahlreichen Zuschauern darbot.

Gewandt huschten die vielen jugendfrischen Gestalten aus den blanken Stahlläufen umher, hier kleine, abgezirkelte Kreise, seltene Figuren zeichnend, dort in leichtem, geschicktem Wiegen in großen Bogen zu zweien oder mehreren über das Eis gleitend. Und zu dem allen, gewissermaßen als natürliche Kulisse für das bunte, farbenprächtige Bild, die alten, dichtbeschneiten Bäume, die so stolz und steif dastanden, als wäre ihnen der blitzende, funkelnde Kristallfchmuck, den die Sonnenstrahlen erst richtig zur Geltung brachten, für eitrige Zeiten verliehen.

Wie das gleißte und flimmerte! Man wußte wirklich nicht, was mehr blendete, der blaßblaue Winterhimmel über diesem lebendigen Kaleidoskop, ober die funkelnde Schneepracht rings­umher.

Tie Sonne meint es heute gut," blinzelnd kniff die Herzogin die Lider zusammen, während sie sich aus der girlandengeschmückten Tribüne auf einem Sessel niederließ. Der Herzog wandte sich lächelnd um.

Nun, Mama, wenn dich das alles hier schon so blendet, wie soll es daun erst nachher werden, wenn Baroneß Rolfsen uns ihre meisterliche Kunst zeigen wird?"

Er sah Dagmar scherzend an.

Ich nehme diesmal nicht am Preislaufen teil, Hoheit!" be­merkte Dagmar zaghaft, denn sie fürchtete nicht mit Unrecht, daß der Herzog versuchen würde, sie zum Laufen zu bereden.

Nicht teil, Baroneß? Ja, aber Beltlingen, wie konnten Sie denn das nur zugeben? Tas ist ja, Pardon, Baroneß, ein Raub an uns allen."

Hoheit verschätzen in gewohnter Güte mein Können," ver­suchte Dagmar abzulehnen.Beltlingen ist auch meiner Mei­nung, daß der Preis endlich einmal in andere Hände kom­men muß."

Das sehe ich nicht ein!" widersprach der Herzog lebhaft. r^re.1trt 1man sbine Kunst sozusagen das Monopol für den .Eissport erwarb, so soll man das auch ausUutzen."

Aber Tagmar war keineswegs gewillt, deni Wunsch des Fürsten ^chöukoniinen. Hatte sie doch seinerzeit, als Sprenger sie um ihre Mitwirkung bat, diese mit dem Hinweis auf Beltlingen ab­gelehnt, was ihr einen erstaunten Blick des dicken Rittmeisters emgetragm hatte, dennoch war sie bei ihrer Weigerung geblieben Mochte Sprenger denken was er wollte. Sie konnte ihm doch Unmöglich den wahren Griind sagen.

., Starr blickte die Baroneß aus das Eis, ohne zu sehen, daß ex drille, an welche sich dann die Preisverteilung schloß, rangst begann, ohne zu hören, was der Herzog zu ihlr sprach.

Beltlingen wurde förmlich nervös bei ihrer ablehnenden Art Bergaß sie beim ganz und gar, was sie ihm und ihrer Stellung erschien dem aalglatten Höfling völlig undenk- wL, 1 wk2Ullad)Ctt Wunsch des regierenden Herren nicht zu er- E machte wahrhaftig ein Gesicht, als ob

das Unmöglichste von ihr verlangt würde. Ungeduldig trat der Kammerherr von einem Fuß auf den andern.

Darum bitte ich doch hoffentlich nicht vergeblich," hörte er jetzt den Herzog noch einmal sagen.

Hoheit, ich habe gar keine Schlittschuhe hier," war Dag­mars Antwort,und dann glaube ich wirklich nicht, daß Magiius es gern sehen würde!"

Hilfesuchend sah sie Beltlingen an. Doch der war viel zu sehr Hofmann, um eine so deutlich ausgesprochene Bitte des Herzogs nicht zu erfüllen.

Wenn Seine Hoheit den Wunsch hat, dich laufen zu sehen, Dagmar, so bescheide ich mich natürlich. Ich werde dir rasch deine Schlittschuhe holen lassen."

Ehe die Baroneß noch Zeit zu einer Antwort fand, war er schon fort. Es war ein wunderlicher Blick, mit dem Dagmar Beltlingen nachsah. Ihre Lippen bewegten sich fast unmerklich.

Tu l'as voulu Georges Tiandin. . ."

Ein nervöses Zittern ging durch ihren schlanken Körper. Besorgt beugte der Herzog sich näher.

Frieren Sie, Baroneß?"

Ein wenig, Eure Hoheit."

Tann wandte der hohe Herr sich um.

Sagen Sie ntinl, Borg warbt, haben wir noch Portwein da?" .Ich werde sofort nachsehen." Gleich darauf kam er mit einer Jagdflasche an.Sie ist noch halb voll, Hoheit."

Tanke, lieber Borgwardt." Der Herzog nickte zufrieden, während er eigenhändig den silbernen Verschluß, der gleichzeitig der Trinkbecher war, abschraubte.Zum Wohl, nach Jägerbrauch, denn ich muß leider gestehen, daß ich unterwegs auch schon aus dem Becher trank. Es war gehörig kalt bei der Waldfahrt."

Mit dem ihr eignen Takt fand Dagmar sich in die Lage. Ruhig ergriff sie den Becher und hob ihn mit leichter Verbeugung ein wenig empor.,Waidmannsheil, Eure Hoheit." Sie leerte den Becher auf einen Zug. Eine wohlige Wärme durchströmte sie. Ah, das tat gut!

Mit welchem Behagen die Baroneß den fürstlichen Pokal Ian die Lippen setzt," bemerkte Aschoff mit einer Harmlosigkeit, die durch den Ton, in welchem er das sagte, Lügen gestraft wurde, zu dem Grafen Rehnen, der seit geraumer Zeit den zweifelhaften Vorzug hatte, den Rittmeister neben sich zu scheu. Der Angeredete hob das Haupt. Seine kleinen blauen Augen blitzten den Sprecher empört an.

Tie Baroneß weiß eben einen edlen Tropfen zu würdigen!" Aschoff lachte geräuschlos.

Ganz recht, Herr Graf. Besonders da er auch von edler Hand gereicht ward!"

Rehnen, ein schlechter Wortfechter, versuchte abzubrechen.

Tie Person Seiner Hoheit steht wohl zu hoch, um ernstlich iu derartigem müßigem Gerede," er betonte das Wort scharf, Anlaß zu geben."

In der Tat, Herr Graf," pflichtete der Rittmeister mit unverhehltem Spott bei. Er sah mit sprechendem Blick zu dem- Herzog hin, der Tagmar eben den geleerten Becher abnahm, um ihn von neuem zu füllen.

Waidmannsdank." Lächelnd trank er ihr zu.

Ta kam Beltlingen zurück. Zufrieden blickte er zu Dagmar hin, als er das heitere Lächeln des hohen Herrn bemerkte. Selbstgefällig sah der Kammerherr sich um, grade in Fredinens spöttische Augen. Er lächelte tvomöglich noch wohlgefälliger. Der Neid anderer deuchte ihn von jeher der beste Maßstab für die Huld der hohen Herrschaften. Höchst zufrieden hing er seinen Gedanken nach, und so vertieft war er in das Sinnen, daß er erschrocken zusammenfuhr, als die 5 rzvgin nach beendeter Qua­drille lebhaft Frau von Borgwardt und Uchdorf heranwinkte, denen sie unter huldvollen Worten die Ehrengabe überreichte. Es waren zwei völlig gleiche Briefbeschwerer, die ans je einem massiven Silberblock bestanden, auf welchem ein vergoldeter Schlitt­schuh ruhte. Ter Block zeigte außer dem Namenszug der Her-; zogin noch das Datum des Tages.

Ta die hohe Frjau während der Preisverteilnng zufällig neben Tagmar getreten war, mit welcher der Herzog noch immer zusammen stand, so war, die Baroneß eine der ersten, die dm Siegern gratulieren mußte.

Mit ungewohnter Erregtheit beglückwünschte sie Frau von Borgwardt zu ihrem Erfolg, sich gleich daraus hastig an Uchdorf wendend. Zögernd reichte sie ihm die Rechte, die er ritterlich! an seine Lippen führte. Ernst, fast vorwurssboll sah er die Erregte dabei an.

Was bist du so sonderbar," sprachen deutlich feine Augen, »weißt du noch immer nicht, daß deine Ruhe, dein Glück dM Höchste ist, was ich .noch vom Leben erflehe?"

(Fortsetzung folgt.) <