Ausgabe 
3.6.1907
 
Einzelbild herunterladen

320

räparer." Alt feilten Verleger schreibt er gleichzeitig:Mais Manolesco ne perd jamäis le c-ourage." Noch bezeichnender ist ein Brief, den mir Manolesco am 21. Dezember 1906 aus Monte Carlo geschrieben hat.Mon spaule me fait beauconp souffri« jet je erains qu'il me mönsra bientöt ä la tombe. Je ne tne fais iwsi des idoes noires non plus! Mais trop optimiste je ne le uis' plus. Je serais malheureux de mourir ä cet age (36! ans), Mais ft je meurs demain je n'aurais auquun regvet que de tarier beriere moi un äuge d'epouse et mes deux enfants ! Je vous salue wrdialement" re. Hier überrascht weniger die Unwandelbarkeit seines Innern, als vielmehr die völlige innere Selbst aussöhnung Mit seiner verbrecherischen Vergangenheit, die, offenbar mtf reiner äußerlichen Absage an das Verbrechen ruhend, uns mit einem eigentümlichen Gefühle für ihre Wahrheit und für ihre Berechtl- gung erfüllt.

In Manolescos Schicksalsführung dürfen wir em höheres Malten nicht verkennen. Die Illusion seiner Jugend, durch leine reiche Heirat sich eine finanziell völlig sorgenlose Existenz zu gründen, hat sich erfüllt. Aber erst, nachdem er wenigstens äußerlich vom Verbrechen abgestanden hat, winkt ihm dieses Glück. Um ManolcSco physisch von der Bahn des Verbrechens abzuleuken, muß ihm die Natur diese virtuose diebische Agilität, welche sie ihm selbst verlieh, wiederuehmeil. Die faustgroßen Geschwüre an Manolescos rechtem Arme können auch symbolisch verstanden werden. Der Chirurg führt das Operativusmesser im Auftrage der Natur, deren Wissenschaft er vertritt, und ent­kleidet als Diener einer ewigen Gerechtigkeit seinen Patienten' dieses einen wichtigen Werkzeugs .für feine Verbrechertätigkeit.

Grausam, wie so oft, geht die Natur auch hier gegen das Individuum zu Werke, wenn die Krankheit aus der fchlechteu Heilung des Armbruchs und nicht aus tuberkulöser, in der Ge- fängnis'haft erworbeneil Grundlage erwachsen ist. Nicht in Aus­übung feiner Verbrechen, sondern nach wenigstens vorübergehender kurzer Abstandnahme von ihm, bei einer ehrlichen Arbeit, aber doch beim Graben nach Gold, diesem Abgotte seiner Seele, bricht der ehemalige Diebesfürst den Arm. Die Natur will ihm die Pein nicht ersparen, die für ihn in der Frage liegt: Hättest du Heinen Arm nicht vielleicht unbeschädigt erhalten und diese fressende Krankheit dir nicht zugezogen, wenn du nicht zur ehr­lichen Arbeit gelangt, sondern der Dieb geblieben wärst, der selbst beim Sprunge vom Dache eines Hauses heil davonkam?

So steht Manolesco vor uns als ein seltsames kriminalistisches Phänomen. Die in ihm zur Individualität gewordene furcht­bare Triebkraft der organischen Natur, wie wir sie im Urwalde erstickend wuchern sehen, läßt ihn trotz mächtiger Hindernisse wie einen Gepeitschten von Verbrechen zu Verbrechen taumeln und, ohne ihm die wahre Fähigkeit zum Genießen zu geben, von unersättlicher Begierde nach den Schätzen dieser Erde sich verzehren. Sie halt ihn, dem sagenhaften Könige Midas ähn­lich, der vom Golde betörten Mitwelt als verzerrtes Schreck­bild vor und läßt mit erfchüttemder Ironie ihn, dessen Ver- äntwvrtlichkeitsgeftlhl sie selbst ausgelöscht hatte, den Narren spielen und sich einbilden, Wahngebilde fingiert zu haben. Selbst äm Schreibtische sitzt sie ihm al-, fürchterliche Geißel im Nacken und läßt ihn in wahnwitziger Selbstbespiegelung halb bewußt, halb unbewußt seine Verbrechen in maßloser Vergrößerung sehen. Tann aber schlägt sie selbst in ihr eigenes wildes Fleisch, daß Blut und Eiter spritzen, wirst mit grausigem Hohne dem Blutenden die ersehnten Schätze der Erde vor die Füße und ver­sagt ihm bis zuletzt die Reue, die Fähigkeit zur Reue! Und doch ist sie gerecht, die Natur! Sie, die diese virtuose diebische Agilität schuf, vernichtet sie selbst wieder, ohne diese entartet« Individualität, deren Trägerin sie selbst ist, deren Spielart in der unendlichen Reihe ihrer Variationen ihr beliebte, der Pein der Gewissensbisse und der Verzweiflung preiszugeben.

Das ist die Tragik und die höhere Gerechtigkeit im Leben Georges Manolescos."

Wir empfehlen allen Interessenten das iutevessaiite Werk angelegentlich.

Reue DimLelkaurmer-Laurpeu.

'Nachdruck verboten.

Jedermann weiß heutzutage, daß der Photograph seine Platten aufs peinlichste vor Tageslicht schützen muß, sollen sie nicht unbrauchbar werden. Ebenso bekannt ist, es aber auch, daß nicht Strahlen des Sonnenlichts so schädlich wirken, d. h. die photographische Schicht verderben, sondern bloß diejenigen von ganz bestimmter Farbe, nämlich die violetten und ultravioletten, die man wohl auch unter dem Namenchemisch tvirksame Strahlen" zusammenfaßt. Die anderen Farben verändern die empfindliche Schicht fast gar nicht, um so weniger, je mehr sie nach dem roten Ende des Spektrums hin liegen.. Demnach pflegt der Photograph seine Dunkelkammer mittels einer roten Lampe zu erhellen, indem er z. B. einfach einen Zylinder aus rotem Glas auf gewöhnliche Petroleum- oder Gasglühlicht- Lampe setzt. '

Neuerdings bringt nun, wie dasJournal für Gasbeleuchtung"

mitteilt, eine deutsche Firma Lichtfilter in den Handel, die für jede gewöhnliche elektrische Glühlampe verwendet werden können. Es sind dies im wesentlichen Gefäße mit doppelter Wandung, die von außen meist wie ein einfacher viereckiger Kasten ans- sehen, im Innern sich aber der Form der Glühlampe anschmiegen. Zwischen den beiden Wandungen befindet sich nun eilte farbige Flüssigkeit wie z. B. Kaliumbichromat, Tartrazin, Fuchsin, Methyl- violett usw., die nur Licht von photographisch unschädlicher, rötlicher Färbung hindurchläßt. Damit die Lichtstärke der Glüh­lampe durch die Absorption dieser Flüssigkeitsschicht nicht zu sehr geschwächt wird, ist letztere nur 25 Millimeter stark. Die Dimen­sionen des ganzen Apparats sind nun so eingerichtet, daß infolge der Erwärmung durch die Lampe ohne Schaden ein Viertel der Flüssigkeit verdunsten kann. Dann erst, also nach ziemlich langer Zeit, hat man nötig die Lösung zu erneuern.

Daß man nun bei diesem Apparat im Stande ist, die glüssigkeit und doch damit augenscheinlich auch die Farbe des ichtfilters zu verändern, hat noch einen besonderen Vorteil., Die verschiedenen Plattensorten nämlich haben jede ihre eigene Nuance von Rot und Orange, für die sie am unempfindlichsten sind. Man kann sich daher leicht, wenn man mal eine andere Art Platten benutzt, die günstigste Farbe selbst zusammenstellew F. Jen tzsch.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nuininerr Chor, Chlor.

Königspromeuade.

Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise mit einander verbinden, daß manwie der König auf dem, Schach­brett _ stets von einem Feld aus auf ein benachbartes übergeht.

Marie von Eb n e r-Es ch en b«ch: Die Fr e i- Herren von Gemsterlein. (Volksbücher Heft 11.) Ver­lag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg- Großborstel. 82 Seiten. Mit einem Bilde der Dichterin. Preis geheftet 20 Pfg. Diese Erzählung ist eins der vor­züglichsten Werke deutschen Humors. Die Größe Marie von Ebner-Eschenbachs ist in ihrer gütigen Weltanschauung zu suchen, die sie auch die menschlichen Schwächen im goldigen Lichte edler Menschenliebe sehen und Uns darüber nur lächeln läßt. «Diese scheinbar so harmlos heitere Geschichte erhebt sich zu einem bedeutungsvollen Menschenbilde. Die Tragik, die ut den Gestalten der beiden Brüder liegt, die durch ihre Illusionen immer wieder getäuscht werden zuletzt noch als sie sich beide in ein und dieselbe Dame verlieben, um nachher zu entdecken, daß sie schon längst verheiratet ist wird nicht nur durch den erquickenden Humor der Darstellung gemildert, sondern auch durch das Jmmerwiederanfleuchten der herzlichen brüderlichen Liebe, mit der die beiden alten Knaben aneinander hängen. Daß die Dichter-Gedächtnis- Stiftung uns von diesem Meisterwerk Marie von Ebner- Eschenbachs eine billige Ausgabe beschert hat, werden ihr alle Freunde der Dichterin auf das Wärmste danken.

Von Ellen Keys populärstem BuchD as Jahr< hundert des Kindes" ist soeben bei S. Fischer, Verlag/ Berlin, eine Volksausgabe in veränderter und verkürzter Form erschienen. (Preis geheftet 1,50 Mk.) Das handlich und gefällig ausgestattete Büchlein enthält: Das Recht des Kindes, seine Eltern zu wählen, Das ungeborene Geschlecht und die Frauenwelt, Er­ziehung, Die Schule der Zukunft, Der Religionsunterricht.

lieber

reizen

ti

fahr

nun

er

de

nach

gall

in's

die

jubelt

tönen

der

locken

lich

früh

stunden

steigen

gaukeln

und

star

schon

: sten

die

de

der

de

nun

reisen

wieder

klappern

lerche

schwatzet

den

störche

die

NUN

Redaktion: V. Wittko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Uuiversitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.