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Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen.
kenes Mischvvlk, das an der Küste entstanden, Religion, Kleidung und Sitten der Orientalen angenommen hat. so. gering ihre Bildung so äußerlich ihre Religion fern mag, so sehr sie allen alten afrikanischen Aberglauben dabei beibehalten haben mögen, fa vielleicht gerade darum sind sie dem Afrikaner ein verwandtes, verständliches und Tank der rücksichtsivsen Blutarbert ihrer arabischen Vorgänger doppelt gefürchtetes Volsi Ihre Sprache ist die Handelssprache geworden. Ern großer, Teil des Handels liegt iil ihren Händen, namentlich des Kleinhandels, .der sie überall binführt, und sie treiben diesen Handel nut dersKmn skruvellosen Rücksichtslosigkeit gegen das Land und den Ein- gebvrcnen, den sie in der Schule „der Araber gelernt .haben so sind sie eine schwere Gefahr für eine gesunde wirtschaftliche Entwickelung der Kolonie. Zugleich sind sie, wo sie auch erscheinen, die Vorläufer des Islam und bereiten ihm den J&.g, m?an fnnn freilich das Land weit durchziehen, ohne etwas von diesen Folgen ihrer Anwesenheit zu merken, ^ch Mssrerte eimm Kamp mit mehreren Hunderten von Eingeborenen. Em Weg- oder Brückenbau hatte sie zusammengefuhrt. Der emw- väische Leiter desselben erzählte voir seinem ..eben nut den Eingeborenen. Vor einem Jahre noch hätten sie, wenn er einmal ein ^Wildschwein erlegte, jubelnd die Beute heimgehvlt und sich wohlschmecken lassrm. Heute rühre niemand das „unreine Falsch an^ Ms er gekommen, wären die Leute aufs armseligste g^ kleidet gewesen, nur ein Grasbüschel hätte sie gedeckt. Heut trngeil sie Kleider, heut „lernten sie, sie wollten nicht langer Waschensi sein, — seitdem Handwerker von der Küste un Kamp eingezogen wären. Ja beim Fasten seien Plötzlich, zwei u-vemde ausgetaucht und hätten „gepredigt". Dies em kleines Bild der Missionsarbeit des Islam. Er hat eine Waffe, vor der sich der Afrikaner beugt, die souveräne Verachtung der Herden! Wenn die Mission säumt, diese Gebiete für das Ghrrsteisium zu gewinnen, so gewinnt sie langsam aber sicher der Islam.
* Die Gefährlichkeit der Primel. ES sind eine ganze Reihe von Fällen bekannt geworden, in ocnen sich dre Primel, wie wir sie sehr häufig als Zimmerzierde finden, als eine sehr gefährliche Freundin gezeigt hat, rind zwar handelt es sich bisher fast 'stets um Hautkrankheiten oder um Augen-- entzündungen, die auf den Einfluß der scharfen Härchen ent et I bestimmten Primelart (Primula vbconica) zurückzuführen sind. Daß dadurch aber auch noch ernsthaftere Leiden entstehen können, geht aus einer Mitteilung im „Lance" hervor. Eine Frau tnt Alter von 29 Jahren litt gerade an der Influenza, als sie on einer Primel roch und gleichzeitig ihre Nase rieb. Die letztere schwoll ziemlich schnell an, bekam eine tiefblaue Färbung und eine ganze Reihe von Eiterstellen wie bei Karfunkeln. Damit war es aber noch nicht abgetan, sondern es bildete sich eine, richtige Blutvergiftung heraus, wobei Schwellung beider Äkugenlider und dann zerstörende Vorgänge in den tieferen Gewebsschichten des vorderen und des behaarten Teiles des Kopses folgten. Nach einer Woche starb die Patientin mit den Anzeichen der Lungenentzündung und eine Sektion ergab die Richtigkeit der Diagnose; zugleich fand sich aber auch eine Vereiterung der Lungen. Ter betreffende englische Arzt hatte schon vorher zwei andere ähnliche Fälle beobachtet, in denen das eine Mal ebenfalls der Tod eintrat, das andere Mal jedoch Genesung erfolgte, aber erst nach langem Siechtum.
* Stammbaumgeschichte der Blutbuche. Wer seinen Wald und seine Bäume liebt, hört auch wohl gern mal etwas aus ihrer engeren Familiengeschichte. Ta ist zum Beispiel unsere Buche; Rotbuche, Waldbuche wird sie auch genannt. Schon bei Nennung ihres Namens geht dem deutschen Menschen das Herz auf; ihm steigen alsbald die Stunden empor, da er andachtsvoll durch ihre hohen, schweigenden Hallen schritt oder bei Sonnenbrand im Schatten ihrer breiten, weitausgreifenden Laubfchirme rastete. Er nimmt aber auch gern Kenntnis von Tingen, die die „Stammesgeschichte" des Baumes angehen. Seine berühmteste Abart oder Spielart ist die Blutbuche mit den tiefdunkeln purpurnen Blättern. Bis vor kurzem mußte angenommen werden, daß all die schönen blutlaubigen Stämme und Stämmchen, denen wir in Anlagen, Parken, Gärten, begegnen, von der bekannten großen Vlutbuche der Hainleite im Revier Oberspier bei Sondershausen stammten. Dieser sorgsam gehegte Baum (vergl. H. v. Salisch, Forstästhetik), der im Jahre 1772 erstmalig erwähnt wird, der demnach rund 200 Jahre alt ist, hat in Brusthöhe 1 Meter Durchmesser, ist 27 Meter hoch und beschirmt einen Umkreis von 22 Meter Durchmesser. Seine Mast (so nennen Forst- und Weidmänner die Eicheln, Bucheckern und Kastanien) ergibt bei der Aussaat 50 bis 60 Proz. Blutbuchen, das übrige schlägt in die grünlaubige Stammart zurück. Wie ist der Baum an seinen Standort gekommen? Aller Wahrscheinlichkeit nach spontan, das heißt also von selbst, ohne menschliches Zutun, aus einem Samenkern, dem, obgleich er von einer grünen Buche stammte, die Tendenz innewohnte, eine purpurblättrige Pflanze hervorzubringen; er schlug eben aus der Art, sie das ja auch in Menschenfamilien vorkommt. Noch
wenig bekannt ist nun die Feststellung von Professor Jäggr in Zürich, daß schon fast hundert Jahre srüher (1680) drei beieinander stehende Blutbuchen in Buch am Jrchel, Kanton Zürich, beschrieben worden sind und zwar ausdrücklich als eine sonst nirgends vorkommende Erscheinung. Als solche werden dieselben Bäume auch in einer späteren Schilderung, in Schenchzers Naturgeschichte des Schweizerlandes (Zürich 1706) hingestellt: „Dreh Buchen, welche von der gemeinen in ganz Etiropa bekannten Art darinn abweichen, da sie ihr buntes Kleid beizeiten, zu anfang des Sommers nnlcgen und sonderlich um das H. Pfingst-Fäst eilte wunderlich schöne Rothe dem Gesicht vorstellen, sodaß die rund in die zwey Stund umher wohnende Bliuren dannzumal häuffig sich herbey sammeln um von diesen blutroten Bäumen Blätter und Aestlein abzubrechen und auf den Hüten nach Hanß zu Hauß tragen." Einer der drei Bäume (von 2.91 Meter Umfang, aber nur 5Vs Meter Höhe) ist noch am Leben. Des weiteren ist bei Rovereto in Tirol eine Stelle bekannt, wo die Blutbnche spontan aufgetreten ist. Auch in der Gemeindesörsterei Manderscheid (Regierungsbezirk Trier) ist eine ebenfalls auf 200 Jahre geschätzte Blutbuche vorhanden, die nach dem Zeugnis des dortigen Oberförsters, zweifellos nicht von Menschenhand gepflanzt worden ist. Die jüngste, erst fünf bis sechs Jahre alte, neuerdings erwähnte Blutbuche findet sich in der Oberfiftsterei Rötgen (Reinland) und entstammt der natürlichen Aussaat einer grünlaubigen Mutter (S. Verhandlungen, des Naturhistorischen Vereins der Nheinlande 1905, I. Bonn). Von der Familiengeschichte unseres Baumes ist nach dem allen also nun so viel b.tannt, datz die allberühmte Blutbuche von Sondershausen weder der älteste noch der einzige ansehnliche, Stamm seiner Art in den Ländern deutscher Zunge ist (Pftopslinge natürlich ausgenommen) und daß auch heutzutage noch hier oder da einmal ein Samenkern [eine grüne Tradition in den Wind schlägt und einen jungen Baum zur Welt bringt, der sich in Purpur kleidet. Darauf zu warten, würde aber eine ebenso starke wie unnötige Geduldsprobe fein, indem uns die vorhandenen alten Blutbuchen jungen Nachwuchs in Menge liefern. — lieber ihren ästhetischen Wert äußert Salisch, daß z. B.
I die Blutbuchen des Ettersburger Reviers bei Weimar in der Maienzeit einen herrlichen Gegensatz zu dem jungen Grün ihrer Umgebung bilden; er mahnt aber gleichzeitig zur Vorsicht, tnbem die allzu zahlreiche Verwendung dieser auffälligen Holzart das Waldbild unruhig machen würde. Sehr richtig. Aber em Quartier alten geschlossenen Blutbucheiibestaudes, an gewählter Stelle des Forstes postiert, möchte, zumal in Stunden, wo fein purpurfarbiges Laubwerk von der hochstehenden Sonne durchglüht tmrd, ein Schaustück höheren Ranges sein. T.
Heldentat des Leutnants Helwig am 15. Oktober 1806.
Schon am Tage nach der unglücklichen Schlacht bei Jena ergab sich ohne Schwertstreich Erfurt mit 80 000 Verwundeten und 6000 Unverletzten nebst 120 Kanonen. Es war em Teil der Trümmer des preußischen Heeres unter Möllendorf und dem Prinzen von Oranien. Von diesen Gefangenen wurden 9000, die transportabel waren, nach Eisenach unter ganz schwacher Bedeckung abgeführt. Voran ging eine Kompagnie französische Linieninfanterie, 140 Voltigeure zogen zu beiden Seiten der Gefangenen, den Schluß des Zuges bildete wieder eine Kompagnie Infanterie. , _ , . ,
Durch die Gefechte bei Saalfeld abgeschnitten, stand m der Gegend von Eisenach das preußische Hufarenregiment von Plötz; dabei war der kühne Unterleutnant Helwig. Er erfuhr, daß die Bedeckung der Gefangenen nicht groß sei, und da er über den Gang der Dinge empört war, lag ihm nichts daran, um» j zukommen, wenn er sich nur an den Franzosen rächen konnte.
Er machte darum seinen Vorgesetzten den Vorschlag, die Gefangenen zu befreien, .die durch Eisenach kommen sollten. Mml fand das Unternehmen zwar abenteuerlich, aber man gab ihm doch 50 Husaren und fünf Unteroffiziere von der zweiten Schwadron. Major Graf von Götzen übernahm die Verantwortlichkeit bei dem König. Mit diesen 55 Mann legte sich Helwig ins Gehölz an der Straße. Der Zug kam heran. Er ließ die Vorhut und die Voltigeure vorbei; als aber die Nachhut herankam, fiel er blitzschnell aus dem Gehölz auf die ahnungslosen Franzosen. Diese wagten keinen Widerstand, sondern streckten die Gewehre. Die übrigen Franzosen stoben nach allen Richtungen auseinander. Alle Gefangenen waren nun frei. Für feine Heldentat erhielt Helwig ans den Händen der Königin Luise den Verdienstorden, und der König ernannte ihn zum Rittmeister.
Logogriph.
Mit m des Landes Stolz und Ehr, Mit h entwertet, hohl und leer. W.
Auflösung in nächster Nummere
Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummer r Das Clavier.


