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Der Zentral-Ausschuß war sich selbstverständlich der sehr er- Leblichen, ja außerordentlichen Schwierigkeiten voll bewußt, die dem Plane, besonders in Anbetracht der heut noch unzureichend Vorhandeilen Spielplätze und Lehrkräfte, wie auch mbezug auf die Freimachung der Spielnachmrttage vom Schulunterricht, ent- geqenstanden. Er stellte daher an die Spitze seiner Grunchatze den Satz, daß der verbindliche Spielnachmittag nur auf dem Wege einervollkommenfreienEntwicklungzur vollen Be- deutuiig und Geltung kommen könne. Wenn man letzt an einzelnen höheren Lehranstalten, besonders in großen Orten, diesem neu zu schaffenden freien Nachmittage in erster Stme zum innigeren Zusammenleben der Eltern mit ihren Kindern, zur größeren Erholung und zur erweiterten Pflege individueller Ner- mntqen das Wort redet, den Schülern aber schulseitig zugleich Gelegenheit zum freiwilligen Besuch der Jugendspiele und anderer Hebungen in freier Luft geben will, so stehen diese den örtlichen Verhältnissen angepaßten Bestrebungen keineswegs m Widerspruch mit den vom Zentralausschuß ausgestellten Gruno,atzen, da der Forderung, die Schule möchte die größtmöglichen Einrichtungen für die Leibesübungen treffen, Rechnung getragen ist, und der Zentral-Ausschuß, wie bereits angegeben wurde, die freie Form der Durchführung nicht nur billigt, sondern sie zur allseitigen Erreichung seiner Ziele auch bestens begrüßt. Die auch weitverbreitete Ansicht, als sordere der Zentral-Ausschuß den obliAatv- rischen Spielnachmittag üuf einmal für alle Schulen, ist also irrig: er hat in! einer an den preußischen Kultusminister gerichteten Eingabe vom 18. Februar 190a nur die Bttte ausgesprochen, den Gemeinden, die freiwillig den obligatorischen Sptel- nachmittag für einzelne Klassen oder für ganze Schulen emsuhren I wollen, die Genehmigung hierzu zu geben. . Nur als Endziel I strebt der Zentral-Ausschuß die verbindliche Einführung an, doch, was man gewöhnlich übersieht, ohne irgend etne Vermehrung der heutigen Pflichtstundenzahl; denn die pflichtmaßige Einführung ist die logische Forderung der Grnndauffassung, daß der Spielnachmittag eine Erweiterung des Turnunterrichts bildet, dte, wie dieser, nicht nur einzelnen Schülern, sondern der Gesamtheit der Schüler zugute kvmmen soll. Wollte man den Besuch der- Spielnachmittage den Schülern für alle Zeiten freistellen, so würde man die Entwickelung dieser hochwichtigen Frage m die Hand einer unmündigen Instanz legen.
Der Zentral-Ausschuß ist seit langen Jahren bemüht, im wesentlichen das in die Tat umzusetzen, was der Chef der preußischen Unterrichtsverwaltung, der Kultusminister von Goßler, in seinem denkwürdigen Erlasse vom 27. Oktober 1882 tn so begeisterter Weise über die Bedeutung und Pflege der Jugend- fpiele und anderer Leibesübungen in freier Luft zum Ausdruck brachte. Der Minister hat ihm das selbst im Jahre 1894 anläßlich des 1 deutschen Kongresses in einem eingehend begründeten Schreiben bestätigt. Dieser Erlaß des Ministers v. Goßler, der von weitsichtigen Gesichtspunkten und von dem tiefernsten Bestreben getragen wird, ebenso Jugend- als Gemeinioohl zu fördern, bildet für alle Zeiten ein hervorragendes Ruhmesblatt tn der Geschichte der preußischen Schulverwaltung. Er feiert in dreiem Jahre sein Wjähriges Jubiläum, das der Zentral-Ausschuß auf seinem am 7. ünd 8. Juli stattsindendeu 8. Kongresse zu Straßburg i E. auch feierlich begehen wird. Möchten sich daher tn die-em Jubiläumsjahre alle Freunde körperlicher Ertüchtigung in Jugend und Volk um diesen einstigen edlen Streiter zu kräftigem einmütigen .Handeln zusammenscharen. Unsere Jugend und unsere Zeit bedürfen wahrlich auch heute iwch dieser vollen Hingabe an dieses erhabene, schöne Ziel. Darum rufe ich allen Freunden der Jugend und des Vaterlandes ein „Vorwärts!" „Vorwärts!" auf diesem Gebiete zu. Gilt es doch, schon von der Schule her kraft- und lebensvolle Persönlichkeiten dem Leben zuzuführen, die körperlich und geistig gerüstet sind, den Kampf des Lebens aufzunehmen, und gleichmäßig ger- mattischer Friedenslultur wie der Verteidigung des Vaterlandes zu dienen. _____________
Warum man FnngßeseKe bleibt.
So lautet die Umfrage, die eine Stockholmer Zeitung dieser Tage an ihre Leser gestellt hat und deren Beantwortung, auch außerhalb der lebenslustigen „Königin am Mälar" Neugierige finden wird. Gibt es doch keinen internationaleren Gegenstand als den der Liebe und Ehe!
Da ausgesprochene Gegner der Ehe dte Antwortenden sind, so kommen die Frauen nicht allzu gut dabei fort. Der eine schreckt dem bindenden Jawort zurück, weil die meisten Frauen nach semrr Beobachtung die Zeit mit Briefschreiben oder Telephvngesprachen verbringen. Ein anderer wiederum, weil dte Frauen nur Stint für Putz haben, und das ist der häufigst wtederkehrende Rctm Die Frauen von heute sind „zu anspruchsvoll. Eine Hochzett mit einem Haufen Gäste, eine Wohnung mit fünf elegant em- gerichteten Zimmern muß schon der Anfang sein, — das i]t dte Anklage eines der Ehefürchtenden. Gegen diese Vorwurfe wehrt sich nun im Namen ihrer Mitschwestern eine Leserin desselben Blattes ganz energisch. Sie schreibt, daß in den meisten Fallen doch die Frau die Entbehrende in der Ehe sei. Wievielr Frauen
leben nur für das Wohl von Mann und Kindern, und wenn diese lebenslustigen anklagenden Hcrrlein ihre Wirtschaftsbücher studieren wollten, würden sie sehen, daß das Meiste vom Htaushaltsgelde für die Bequemlichkeit und für den Magen des Gatten verwendet wird. Und wie viele Mädchen wagen es aus Liebe zu dem Auserwählten, einen Hausstand ohne jede dienstbotliche Hilfe z.it begründen, und unterwerfen sich all den groben Hausarbeiten, die sie vielleicht früher nur vom Hörensagen kannten. Keinem der starken Herren würde es wohl einfallen, ein ähnliches Opfer zu bringen.
Die Schreiberin dieser Zeilen hat gewiß Recht und das Ergebnis der Umfrage sollte mancher Mutter, die ihre Tochter nicht fein genug herausstafsicren kann, weil sie gar zu gern Schwiegermutter werden möchte, zu denken geben,
Die jungen Mädchen gehen heute im Allgemeinen so elegant gekleidet, daß es sehr begreiflich erscheint, wenn die Freier sich erschreckt fragen, wie sie sich erst als Fvanen werden kleiden wollen! Wer kann solchen Staat bezahlen!
Manche Familie gibt es, wo der Magen karrt, weil der Pub der heiratsfähigen Tochter Vaters schmales Einkommen so stark in Anspruch nimmt. Warum? Weil man glaubt „so vornehm wie möglich" ums den Bällen, in bett Konzerten, tun Strande, kurz überall, wo der Heiratsmlarkt seine Zelte ausschlägt, erscheinen zu müssen.
Und es ist tragikomisch', daß man gerade durch diese anscheinende Prunksucht, die garntcht persönlichem Lebensbedürfnis sondern ängstlicher Berechnung entspringt, am Ziel vorbeischießt, — daß man sich selbst, unter teuren Opfern, die Nieten in der Ehelotterie in die Hand drückt.... E. v. D. ! ,
Nemnischtss.
* Vermag die Schlange ihre erköre ne Beute zu hypnotisieren? Diese Frage beanttvortet der „Kosmos" in Stuttgart wie folgt: Nach Brehm hat man schon häuiig beobachtet, daß mlanche Tiere, z. B. Mäuse oder Vögel, sich Schlangen — nicht wie die Frösche unter ängstlichem Quaken — ganz ohne Furcht näherten, von denen sie später gesungen und verschlungen wurden; andererseits sah man auch Vögel mit höchster Besorgnis Schlangen umflattern, die ihre Brut oder sie selbst bedrohten, bis sie sich schließlich versahen und ebenfalls ergriffen wurden. Da der sonst Tiere vor ihren Gegnern warneitde Naturtrieb sich in diesen Fällen nicht geltend machte, so nahm man früher eine Zauberkraft der Schlangen an, während man ihnen neuerdings die Fähigkeit zuschreiben will, jene Tiere durch ihren Blick zu hypnotisieren. Nach Brehms zahlreichen Beobachtungen an gefangenen Schlangen liegt vielmehr die Sache so, daß die vermeintlich bezauberten Tiere in der Schlange gar nicht das gesährliche Raubtier erkennen, das sic ist (wovon natürlich bei dem in Todesangst quakenden Frosche keine Rede sein könnte), sondern einfach a us Neugier handeln. Das ängstliche Gebaren verschiedener Vögel am Neste angesichts einer sich nähernden Schlange beruhe dagegen auf den bekannten Verstellungsküns.c , durch welche die Vögel gern die Aufmerksamkeit des Feindes (der hier also als solcher erkannt worden wäre) von ihrer Br: t ab- und sich zulenten. Die Frage scheint uns gegenwärtig no.p nicht spruchreif. Daß von einer „Zauberkrast des Schlange, blicks" keine Rede sein kann, ist selbstverständlich; ob die Schlange aber in der oben angegebenen Weise ihre Beute zu hypnotisieren vermag, müßte erst noch durch weitere, in jeder Beziehung einwandfreie Beobachtungen erwiesen werden.
Logogriph.
(Nachdruck verboten.)
Mit F hast bu uns oft gesehn, Wenn dte Natur tvill scitlaien gehn; Tu findest, trägt sie sotche Zier, Ter Reinheit Ebenbild in ihr. Tu hast uns G an's Haupt gesetzt: Weithin tönt unsre Stimme jetzt. Wir reden laut, doch mancher Thor Leiht unsrem Rus zu spät sein Ohr. Nintm uns das Haupt, dies Wörtlein spricht. Was unser Amt und unsre Pflicht.
Toch wird dies Wörtchen groß geschrieben. Wirst Du's an jungen Mädchen lieben. W.
Auflösttng in nächster Nummer.
Auflösung der Dcchiffrtr-Aufgabe in voriger Nummer: Es giebt nur ein Glück: Die Pflicht, Nttr emen Trost: Tie Arbeit, Nur einen Genuß:
Tas Schöne. Carnten Sylva.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersttäts-Buch- und Slemdruckerrt, 5t Lange, »tefe«.


