vermischte».
* Woher füllt öie K ülte? Die Kältewelle des Januar, die für Mitteleuropa mit so erstaunlicher Plötzlichkeit und seltenem Tcmperaturstrom eingesetzt hat, wird die Meteorologen noch viel beschäftigen. Vorläufig lassen sich über die Ursachen nur allgemeine Angaben machen. Besonders lehrreich ist in dieser .Hinsicht die Wetterkarte vom 19 Mannar mit einem ausgedehnten Hochdruckgebiet, das sich von Südfrankreich in nördlicher Richtung bis nach dem nördlichen Finnland erstreckt. Nach den Erfahrungen, die bisher über die Entstehung und den Verlauf von Kältewellen gemacht worden sind, wird angenommen, das; bei ihreni Zustandekommen der Umstand initwirkt, daß in der Nähe eines Hochdruckgebiets und zwar südlich davon, ein Bereich niederen Luftdrucks gelegen sein muß. Ein derartiges Verhältnis prägt sich freilich auf der Wetterkarte vom 19. Januar scheinbar nicht aus. Allerdings lag an diesem Tiage über Ungarn ein relatives Minimum des Luftdrucks, das aber doch noch über den mittleren Barometerstand von 760 Mm. hinausreichte. Dennoch scheint sich zwischen diesem Minimum und dem barometrischen Maximum von mehr als 775 Mm. wegen der großen Ausdehnung des letzteren eine ungewöhnlich starke Wechselwirkung entwickelt zu haben, denn an der Grenze zwischen beiden wiesen die Orte Wien, Breslau, Lemberg, 'Neufahrwasser, Memel häufige bis stürmische Winde auf, die selbstverständlich von dem Gebiet des Hochdrucks nach dem des Niederdrucks hin, also ungefähr gegen Südost gerichtet waren. Gleichzeitig strömte zum Ersatz Luft ans Nordosten gegen Mitteleuropa hin. Diese Rordostwinde mußten zu einer weiteren Steigerung des Hochdrucks und der Kälte über Mitteleuropa führen, da sie von den stark abgekühlten Landmassen Rußlands und Nordasiens kamen. In der'durch diese tatsächliche» Angaben angedeuteten Richtung wird vermutlich die Erklärung liegen, die von unseren meteorologischen Instituten erst nach genauerer Verarbeitung des Materials zu geben sein wird. Solche Kältewellen gehören übrigens in Mitteleuropa vergleichsweise zu den Seltenheiten. Auch hjie Bezeichnung „Kältewelle" ist nicht in unserem Erdteil entständen, sondern von Amerika her übernommen worden. In Nordamerika sind diese Witter»ugsvorgauge. iveit häufiger und besitzen dort auch eine ganz außerordentliche wirtschaftliche Bedeutung, wie man sich nach de» setzt bei uns gemachten Erfahrungen wohl vorstellen kann. Erst vor kurzer Zeit ist von einem Beamten des Wetterbureaus der Bereinigten Staaten ein« züsammenfassende Arbeit über Kältewellen veröffentlicht worden, worin ein chronologischer Bericht über historische Kälteperioden seit 1717, namentlich aber aus den letzten beide» Jahrzehnten gegeben und durch hunderte von Wetterkarten erläutert ivorden ist. Zunächst wird in dieser wichtige» Arbeit auf den schon früher aufgestellten Satz erwiesen, daß die Ausdehnung und die Intensität der Kältewellen von der Größe der Landmassen und ihrem Abstand vom Aeguator Abhängig ist. Ans dieser Regel würde sich die größere Häufigkeit der Kältewellen in Nordamerika freilich nur zum Teil erklären lassen. Die Landmassc ist freilich drüben weit gewaltiger, als in dein kleinen und von mehreren Binnenmeeren zerrissenen Europa, dafür liegt aber der größere Teil der Bereinigten Staaten dem Aeguator näher als unser Gebiet. Sehr wesentlich ist ferner die Feststellung, daß in einem Gebiet hohen Barometerstandes die Luft stagniert, so daß die von der Erdoberfläche ausstrählende Kälte auf eine immer stärkere Abkühlung der unteren Schichten bei; Atmosphäre hi »wirkt. Außerdem wird, wie schon in der europäischen Wetterlage vom 19. Januar angedeutet wurde, das Vorhandensein eines südlich vom Hochdruckgebiet gelegenen Bereichs niederen Barometerstandes für eine notwendige Bedingung der Entstehung einer Kältewelle gehalten, weil dadurch starke Winde von nördlicher Komponente veranlaßt werden. Leider muß noch bemerkt werden, daß die Wettervoraussage bei dem diesnwnatlichen Naturereignis ziemlich versagt hat, denn noch für den 20. Januar ist in der Prognose nichts von der Voraussicht eines derartigen Wetterumschlages zu finden, während doch im östlichen Teil Deutschlands an diesem Tage bereits ein außerordentlich starker Frost einsetzte.
* Der Reichtum der Vereinigten Staaten. Der erste Statistiker des Zensus-Bureau? zu Washington, Powers, hat in einem Rückblick auf das verflossene Jahr einen Vergleich gezogen zwischen dem Reichtum der Vereinigten Staaten und dem der europäischen Länder mid kommt dabei zu dem überraschenden Ergebnis, daß der Reichtum der Vereinigten Staate» täglich uni rund 40 Millionen Mark wächst, der des nächstreichen Landes, Englands, aber nur nm 34 Millionen wöchentlich. Da man in den Vereinigten Staaten keine Einkommensteuer kennt und die Steuerveranlagung überhaupt sehr lax gehandhabt wird, in den meisten europäischen Ländern dagegen die Steuerbehörden geivisseuhaft vorgehen, so ist drüben nur eine Schätzung möglich, lvährcnd hier die konkreten Zahlen vvrliegen. Powers schätzt den Reichtum der Bereinigten Staaten int Jahre 1900 auf 354000000 000 Mk., int Jahre 1904 aber auf 428 000 000 000 M. Die letzten Schätzungen des Vermögens der europäische» Länder stammen von dem bekannten Statistiker Mul- hall aus dem Jahre 1896. In diesem Jahre kam der Reichtum Englands und Rußlands genau dem der Vereinigten Staaten
do» 1900 gleich, und da der Reichtum der letzteren, wie wohl zugegeben werden muß, rascher gewachsen ist als der Rußlands und Englands, dürsten die Vereinigten Staaten heute mehr Geld besitzen als diese beiden Länder zusammen. Ebenso stand das Vermögen Deutschlands und Frankreichs im Jahre 1896 dem der Vereinigten Staaten 1900 fast genau gleich, und dieses Verhältnis dürfte sich im Jahre 1906 gleichgeblieben sein.
* Die Helle. Die ans Ziegelsteinen und Lehm geformten Oese» der arltcn Bauernhäuser standen gewöhnlich auf einer Seite von der Wand soweit entfernt, daß ein breiter Zwischenraum, die Helle (Hölle), gebildet wurde. Dort herrschte natürlich int Winter eine mollige Temperatur, in der sich namentlich der Großvater oder die Großmutter behaglich fühlten. Entweder stand der Großvaterstuhl in der Helle, oder die Ofenbank reichte in diesen Raum hinein. Sic hieß alsdann die Hellbank. War sie so breit, daß sie den ganzen Raum iausfüllte, so diente die Hellbank auch wohl als nächtliche Lagerstätte. „Was gut gegen die Kälte ist, ist", nach altem Sprichwort, „auch gut gegen die Hitze." Darum war fyte Helle int Sommer eine Art Erfrischungsraum. „Urahne gebückt sitzt hinter« Ofen im Pfühl", heißt es in dem bekannten Gedicht von Schwab („DaS Gewitter"). Bor allem aber saßen dort die Alten ungestört und waren niemand int Wege. In neuerer Zeit verschwinden die Oefen mit der Helle immer mehr und mehr, aber sie kommen noch vor, selbst in Nordlirol (z. B. „auf der Scharnitz" bei Mittenwald) gibt es Oefen mit einer Helle und mit der Hellbank.
* B o in Bind e st r i et). Es ist eine iveit verbreitete Klage, daß man int Deutschen mit dem Bindestrich nicht mehr umzugehen wisse, daß man ihn nicht allein ans Inschriften und Schildern und in Anzeigen, sondern allenthalben falsch «»gewendet sehe, daß er da stehe, wo er fehlen müsse, und fehle, wo ev nicht zu eirtbehren fei. So sieht man vielfach angeschriebeu „Rind und Schweinemetzger", aber „Butter-Käse-Eier", „Lindeu Platz", aber „Villa-Maria" usw. Ferner aber benutzt man nun auch den Bindestrich geradezu als Mädchen, für alles, und verwendet ihn in letzter Zeit namentlich dazu, Präpositionen zu ersetzen: so steht er in Mühlheim-Ruhr, Reustadt-Hardt sün „an der", in Forst-Lausitz für „in der", in Homburg-Höhe für „vor der", in Frankfurt-Main für „am" usw. usw. Besonders beliebt ist er aber für „in" oder „aus": da heißt es Professor Hähnel- Kiel, Schmidt-Bingen, Müller-Meiningen; nur an die Herren Goethe-Weimar, Jmmermann-Düsseldorf, Mozart-Wien u. ä. hat man sich noch nicht heranaewagt. Dafür gibt es aber nun, namentlich in Namensverzeichntsse», so schöne Verbindungen wie: H. Müller, Schreinermeister-Köln; E. Schmidt jr.-München: Dr. SJ. Schneider, Chemiker-Posemuckel: Sic. H. Meyer, Pfarrer-Metz; Fran Generaldirektor Th. Weuigmann-Hofheim: Frau K. Reich- mann-das. (was „daselbst" heißen soll!): ferner aber schreibt man auch vom Festabend des Bahern-Bereins-Köln, vom Stiftungsfest der Concordia-Gießen oder vom Gesangwettstreit des Männergesangvereins Orpheus-Krähwinkel. Das Allerneueste aber ist eS, nun auch die.. Straßennamen wie die Ortsnamen so an Personennamen anzuhängen, demnach schreibt man jetzt: im Gasthaus zum Adler-Markt, in der Wirtschaft von W. Miillev- Grünbergerstraße. Wenn nun auch int parlamentarischen Leben solchen Fügungen wie Müller-Meiningen eine gewisse Berechtigung nicht abgesprochen werden daift, so muß doch die Ausdehnung dieses Gebrauches wirf immer weitere Kreise als ein M i stör auch bezeichnet werden. Ein Komma genügt meist vollkommen, wenn man „in, aus, au der" usw. nicht setzen will oder kann, noch deutlicher aber ist die Klammer; also: Müller, Köln oder Müller (Köln), aber nicht Müller-Köln; Mühlheim, Ruhr oder Mühlheim (Ruhr), aber nicht MiMheiimRichr.
Gitterrätfel.
Nachdruck verboten.
~ t In die Felder nebensie-
— ———--------। Heu der Figur sind die Buch-
I[j staben a a a, b b b b b b, ä
<1, eeceeceeeeeee, — — — g g g g, i i, 1 1, n u, o o, r
______2_____' r r r, s, ft, ii ü derart eilt- j | znlragen, -daß die senkrechten
und wagerechienRetheu gleich-
— — — lautend Folgendes ergeben:
_________________ I. Wenig schmeichelhafte Be- | I zeichnuug.
! 2. Ort in Oesterreich.
— — 1— 3. Schmackhaftes Gemüse.
Auflösung in nächster Nummer.
Anslöstmg des Bilder-RätselS in voriger Nummer: Ausgeschoben ist fast immer aufgehoben.
Redaktion: Ernst — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'jchev UmvrrsilätZ-Buch- «nb Slrtndruckeret. K. Lange. Gießen-


