— 4
manchmal in milderen Formen, manchmal aber auch in I haarsträubendem beispielsweise einem Wiener klerikalen Blatte daß es einen Artikel über die Enzyklika des Papstes brachte. Für einen guten. Katholiken heißt aber der Papst- der heilige Vater. Aus einer großen, fetten Schrift wurde der Artikel gesetzt, und am andern Tage lasen die ent- seüten Gläubigen „Die Enzyklika des heiligen Katers". Der Laie kann sich natürlich keine Vorstellung machen, wie so ein Fehler entstehen konnte. Das ist aber sehr einfach erklärt- Im Setzkasten befindet sich das Fach für „K" ober- balb des Faches für „B". Nun war das „K"-Fach voll und einige „K" rollten ins „V"-Fach herunter. Der Titel wurde in letzter Minute, als alles schon drängte, gesetzt und das Malheur war fertig. „„„ ~
Ziemlich bekannt ist die skandalöse Drucksehlerserie in einer Kronprinzennotiz eines deutschen Blattes. Irgend ein Kronprinz war krank und es sollte dem Volke mitgeteilt werden, daß er die Nacht über vortrefflich geruht habe. Da stand am ersten Tage groß und breit: „Kornprinz". Am nächsten Tage stand natürlich eine Berichtigung: „In unseren gestrigen Bericht hat sich em unliebsamer Druckfehler eingeschlichen; es soll natürlich heißen: „Der Knorprinz hat die ganze Nacht vortrefflich geruht." Am nächsten Tage wird die Berichtigung berichtigt: Es soll selbstverständlich heißen: „Der Kronprinz, hat die ganze Nacht vortrefflich geruht." Und in dieser Berichtigung der Berichtigung stand ein neuer Drucksebler, der so schlimm war, daß man ihn gar nicht andeuten kann und daß das Blatt konfisziert wurde. So konsequent heimtückisch ist ja der Kobold nicht immer, aber es ist schlimm genug, wenn er z. B. aus einer Truckfehlerberichtigung eine Dreckfehlerberichtigung macht.
Sehr unangenehm dürfte auch jener Direktor einer Aktiengesellschaft berührt gewesen fein, als er las: „Bet der gestern abgehaltenen Generalversammlung beichtete Herr Dir. N. über die Geschäftsgebarung." — Kürzlich las ich in einer Frauenzeitschrift ein Rezept zur Bereitung von neuen Kartoffeln. Darin hieß es u. a.: . Dann
schüttle man heftig den Kopf." Mir war natürlich sofort klar, daß der Topf gemeint war. Den Kopf habe ich aber doch geschüttelt.
In einem Berliner Blatte war vor kurzem zu lesen, daß die nächsten Entschlüsse des Zaren über die Existenz des „Zentrums" entscheiden müßten. Ehe man aber diese unbefugte Einmischung des Auslandes in unsere internen Angelegenheiten energisch zurückzuweisen begann, fiel einem ein, daß es sich wohl um die Existenz des „Zarentums" handeln dürfte.
Wenn der Kobold sich aber besonders auszeichnen will, dann begnügt er sich nicht mit dem Verwechseln einzelner Buchstaben. Dann verhebt er ganze Kolumnen oder Spalten, oder würfelt die Teile zweier oder dreier Notizen bunt durcheinander, und schließt einen Bericht über ein Blutbad mit dem Lob über Regie, Zusammenspiel und Einzelleistungen aus einem Theaterreferat.
Ter Leser wie der Autor werden natürlich geneigt sein, ausznrufen: Ja, kann man denn die Druckfehler nicht ausrotten? Nein! Das kann man nicht. Man kann sie höchstens auf bescheidenes Maß reduzieren. Hauptsächlich dadurch daß man die Fehlerquellen verstopft.
Welches sind aber die häufigsten Fehlerquellen? Vor allem schlechtes Manuskript: eine unleserliche Handschrift, schleuderhafte Streichungen und Korrekturen, Auslassen von Endsilben und Interpunktionen (ein sehr wichtiges Kapitel I). Oft liegt die Fehlerquelle auch in dem sehr losen Verhältnis des Autors zur Satzlehre, in dem fehlerhaften Gebrauch der Pronomina und in den allermeisten Fällen in einer momentanen Geistesabwesenheit, die auch, z. B. beim Zettüngsbetrieb mit seiner nervenzerreibenden Hast, nur zu erklärlich ist. Für den Setzer bilden dann diese Umstände ebenso viele Fallstricke. Manchem vermag er auszuweichen, in anderen verfängt er sich Dem Korrektor, dessen Amt es ist, nach Fehlern zu fahnden, geht es nicht anders, er sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht, und zwischen zwei Fehlern, die er richtigstellt, bleibt der dritte stehen. Die geistige Abspannung mag auch für Setzer und Korrektor als Entschuldigung gelten.
Nein, ganz ausrotten wird man den Druckfehler nie
können, wovon sich einige hochgelehrte Philologen fiBieW zeugen mußten. Ihnen waren die Druckfehler und anderen! Fehler in den alten Autoren ein Dorn im Auge, und fiel setzten sich hin und verfaßten ein eingehendes Berichtigungswerk, dessen Herstellung und Korrektur an Genauigkeit alles übertreffen sollte. Und stehe: Als der erste Teil des Werkes erschien, prangte als erste Zeile am Titel: Pars primum! Ein Fehler, den der kleinste Gymnasiast nicht machen darf. Das hat uns Schülern der Wathematikpro- fessor erzählt, zum Beweis, daß auch gelehrte Philologen irren können; in der Mathematik hielt er einen Fehler aller-, dings direkt für unanständig. Es kamen aber doch einige vor. Bei uns Schülern natürliche.
Literarisches.
— Illustrierte Geschichte der Deutschen Literatur von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Von Professor Dr. Anselm Salzer. Mit 110 ein- und mehrfarbigen Beilagen, sowie über 300 Abbildungen imj Text. Erscheint in Lieferungen zu je 1 Mk. Es galt, eine „Literaturgeschichte" zu bieten, die auf voller Wissenschaft^ licher Höhe stehend, in illustrativer und künstlerischer Beziehung mit den bestehenden mindestens ebenbürtig in Konkurrenz treten konnte. Die Auswahl der Bilder ist durchs aus originell und schon darum werwoll, weil sie sich nicht auf die in den Literaturgeschichten immer wiederkehrendew Bilder beschränkt, sondern viel Neues an Wiedergaben voU Proben aus Schriftwerken alter und neuer Zeit und au Porträts der Dichter bringt. Dies gilt vor allem von den Tafelbildern, die dem Werke teils vielfarbig, teils zwei- ober einfarbig, und zwar in solcher Menge beigegeben sinch wie sie in keinem Werke dieser Art zu finden sind. Nicht minder erfreuen sich aber auch die vielen Textillustrationeu des ungeteiltesten Beifalls, weil auch sie des Herausgebers klaren Blick fiir das Charakteristische jedes Zeitalters und für das wirklich Belehrende verraten. Wie die Schriftbeilagen zu paläographischen und sprachlichen Studien anregen, so geben die in Farben, Holzschnitten, Kupfer- oder Stahlstichen beigefügten Bilder über den jeweiligen Stand der Malerei und Zeichenkunst Aufschluß. Rühmend ist hervorzuheben, daß da, wo Dinge zu besprechen sind, die ihrer Natur nach bei zart veranlagten Naturen Anstoß erregen könnten, stets der richtige Takt getroffen wurde. Fern von aller Zimperlichkeit hat der Verfasser für das sittlich Anstößige ohne nähere Ausführung das richtige Wort gefunden und in einem allgemeinen wertschätzenden Urteil das Rohe und Gemeine gebrandmarkt, das Echte und Wahre aber mit hohem sittlichen Ernst dargestellt. Mit Freude! wurde es darum selbst von fachmännischer Seite begrüßt, daß hier zum ersten Male den geschichtlichen Vorbedingungen ein größerer Raum gewährt wurde, als es sonst geschieht, und insbesondere den Einfluß der lateiuischeu auf die deutsche Literatur bis hinauf in das 18. Jahrhundert verständnisvolle Würdigung gefunden hat. Beseelt von dem Gedanken, das Jetzt aus dem Einst zu erklären, ist auch den durch ihre Leistungen unfruchtbareU Perioden, die man für gewöhnlich kurz abzutnn Pflegt, eine liebevolle Beachtung gewidmet. Die mittelalterlichen Literaturdenkmäler sind mit einer in Gesamtdarstellungen der Literatur sich sonst nirgends findenden Klarheit und Ausführlichkeit behandelt, oft nach ganz neuen Gesichtspunkten. So wird das 16. und 17. Jahrhundert dem Leser vielfach in einem neuen Lichte erscheinen. Die Darstellung! ist frei von allem Phrasentum, einfach, aber vornehm; oft aber erhebt sich die Sprache zu hohem Schwünge. Ueberall verrät sie Begeisterung für die Sache, bereit Studium sich der Verfasser zur Lebensaufgabe gemacht hat und für die er auch die Leser zu erwärmen weiß. (München. Allgemeine Verlags-Gesellschaft m. b. H.)
Logogriph.
Mit ein vielgebrauchter Gegenstand; Mit „K" nahms Mancher und verschwand. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Neujahrs-Arithmogriphs in voriger Nummerr Woüe — Orgel — Hom — Lehr — Eger — Bet) — «er — Erle — Heime — Engel — Körnen.
W oMergehen I
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Eletndruckerei. R. Langem Dieb«.


