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Seine ernste, feierliche Stimmung wich erst bet Tisch unter Hannas sprudelnder Heiterkeit, die ihm ein Zeichen ihres Glückempfindens schien und ihn unendlich beseligte. Die Zeit verrann ihin wie im Flug, obgleich man länger als lonst bei Tische saß.
i (Fortsetzung folgt.)
Kinas von der Apfelsine.
In vielen Läden der Stadt sind zur Winterzeit die gelben Apfelsinen in großen Mengen zur Schau ausgestellt, hausierende Händler bieten sie am Abend in den Wirtshäusern zum Verkaufe an, und leicht ist man durch das schöne Aussehen der Frucht versucht, sie zum Verspeisen oder zum Verschenken zu kaufen. Und in der Tat schmeckt denn auch das Fleisch der reifen Apfelsine ausgezeichnet, es ist saftig, würzig und erfrischend, wenn auch die Apfelsine den deutschen Apfel in keiner Weise zu ersetzen vermag; denn der säuerliche, angenehme, feine Apfelgeschmack wird von vielen Menschen der süßlichen Apfelsine vorgezogen; auch ist die Frucht nicht so leicht und einfach zu schälen, wie der Apfel, meistens wird auch nur der Saft aus dem Fleisch ausgesaugt, während man das Fleisch des Apfels vollständig genießt, abgesehen davon, daß der Apfel auch zum Kochen, zum Backen und zur Weinbereitung Verwendung findet.
Tie Apfelsine ist eine Pomeranzenart, die neben der Zitrone und Limone zu der Familie Citrus gehört, deren ursprüngliche Heimat China und Vorderindien ist, wo die Pflanzen dieser Art wegen ihrer glatten, immergrünen Blätter, ihrer köstlich duftenden Blüten und ihrer langen Lebensdauer zu den schönsten Bäumen gehören. Den alten Griechen und Römern war noch keine der verschiedenen Citrusarten bekannt, erst durch die Araber wurden sie westwärts verbreitet, und durch die heimkehreuden Kreuzfahrer, welche sie hi Syrien und Palästina kennen gelernt hatten, wurden die Zitrouen, Pomeranzen, Orangen und Limonen auch im Abendlande allgemein bekannt. Fetzt sind sie fast über die ganze Erde, tropische und suptropische Zone der Erde, verbreitet, man findet sie nicht nur in China,Indien, Nord- und Südafrika, Südeuropa, der Türkei und den Inseln des Mittelmeeres, sondern auch auf den Azoren, in Westindien und im ganzen heißen Amerika, wo fie sich überall einer sorgfältigen Kultur erfreuen. Wenn die bittere Pomeranze oder die -Orange mehr dem niedizinischen Gebrauche und der Gewinnung des Oeles aus ihrer Schale dient, so ist die Apfelsine oder die süße Pomeranze zum sofortigen Gebrauche zum Verspeisen ohne lange Vorbereitung geeignet und deshalb zu einem bedeutenden Handelsartikel geworden.
Die Apfelsine ist eine große Beere mit einer drüsigen, ölhaltigen Schale; die Frucht ist im Innern durch häutige Scheidewände in mehrere Fächer geteilt, in denen sich die dicken Kerne befinden. Die Apfelsinenbäume blühen in den Ländern ani mittelländischen Meere int April und Mai; im Dezember beginnen die Früchte gelb und weich zu werden, dann werden sie halbreif gepflückt und zum Versand gebracht. Den guten Geschmack und das volle Aroma erlangen die Früchte aber erst, wenn sie bis zum Mai am Baume hängen bleiben. Dann kann man auf demselben Baume gleichzeitig Blüten, unentwickelte und reife Früchte sehen. Von der Apfelsine gibt es eine Menge Abarten, die durch die Erfahrung dem Boden und dem Klima der verschiedenen Gegenden angepaßt sind; sie unterscheiden sich durch ihre Größe und ihr Aussehen, sind aber in ihren wesentlichen Eigenschaften nicht verschieden von einander. Am häufigsten kommt die China-Orange als Apfelfine auf unseren nordischen Markt, die Malteser- oder Blut-Orange hat eine rauhere, gelbe Schale und scharlachrot gesprenkeltes Fruchtfleisch. Die St. Michaels-Orange von den Azoren ist kleiner und von blaßgelber Farbe. Die Edelorange hat eine dünne Rinde und ist sehr süß und würzig, sie wird in China besonders geschätzt, häufig werden den Mandarinen damit Geschenke gemacht. Eine andere Art sind die Pampelmusen in Ost- und Westindien, die oft den Umfang eines Kinderkopfes erreichen, während der Adamsapfel oder die verbotene Frucht, welche die Schlange in der Mythe der Eva im Paradiese gereicht hat, eine Mittelgroße Frucht ist mit blaßgelber Haut und weißem' oder rötlichem, säuerlichem Fleisch
Me verschiedenen Arten der Pomeranzenbäume werden meist aus Zitronenkernen gezogen, weil diese Bäumchen schneller wachsen und kräftige Unterlagen geben, auf die die gewünschten Sorten von Apfelsinen durch Pfropfen und Okulieren veredelt werden; auch durch Wurzelausläufer nnd Stecklinge kann die Vermehrung geschehen. Die Oranaen- baume erreichen ein hohes Alter. Alexander von Humboldt sah am Amazonenstrom Apfelsinenbäume von 18 Meter Hohe, die er auf mehr als 300 Jahre schätzte; in unseren Orangerien gibt es Bäume, die über 500, bie ältesten sogar über 700 Jahre alt sein sollen. Reizend sind die Schilderungen, die uns mehrere Reisende, wie z, B. Alfred Meißner und Melzan, geben von den Orangenhainen und Agrumiwäldern Italiens und der Inseln des Mittelmeeres. Der Phantasie des Nordländers, der sich nach! dem schönen Süden sehnt, schweben vor allem die Hesperiden- bäume vor mit den goldenen Früchten, die' er unter seinem Nebelhimntel nur in Papier eingewickelt aus der Hand des Schiffers oder des Kaufmanns erhält. Und in der Tat, welcher Gartenbaum könnte der Orange an Schönheit und Adel den Rang streitig machen! Hoch und stattlich, mit glänzendem, dunklem, immergrünen! Laube, mit lilienartia duftenden Weißen Blüten, die das ganze Jahr hindurch hervorbrecheu, erst mit grünlichem, dann allmählich golden schimmernden Früchten, deren Schale, mit flüchtigem Oel gefüllt, aromatisch duftet, deren Geschmack je nach den Varietäten von balsamischer Bitterkeit und der strengsten, aber feinsten Säure bis zum süßesten Nektar aufsteigt, mit festem, dichtem Holze und einer Lebensdauer, die die des Menschen weit übertrifft — in welchem anderen Baume wäre so die Kraft der Sonne, der sanfte Hauch der Lüfte und der lichte Glanz des Htmtnels zusammengefaßt und vegetativ dargestellt als in dem mächtigen Orangenbaum'. Ju der fteien Natur hat der Baum feine steife Kugelgestalt verloren, er streckt seine Neste nach allen Seiten, und in seinen Kronen leuchten die goldenen Aepfel und die silbernen Blüten. Man wandelt unter einem ununterbrochenen, schattenden, schimmernden Laubdache. Eine dicke Schicht Orangenblüten deckt den Boden, kleine Bächlein sind an den mächtigen schwarzen Wurzeln vorübergeleitet, ihr Gemurmel vereinigt sich mit dem Gesang der Vögel, die in den Zweigen wohnen. Man kann in diesen Hainen der Hesperiden frei umhergehen, die Zweige beiseite biegen, die dem Wanderer ihre Blüten ins Gesicht schlagen, und, von einem Dufte ohnegleichen berauscht, sich in den Schatten von Orangen strecken, die so mächtig wie Waldbäume sind. Leider hat in den letzten Jahren die Gummikraukheit unter den Orangen großen Schaden angerichtet. G.
AruckfeHker.
Ach ja, der Druckfehler — das ist ein böses Kapitell Dieses Ungetüm ist sicher älter als sein Name, denn er trieb schon sein Unwesen, als er noch „Schreibfehler" hiest Und er sollte doch heute lange nicht mehr „Druckfehler" heißen, sondern „Setzfehler". Der falsche Name für die heimtückische Sache kommt wohl daher, daß in der Anfangszeit der Buchdruckerkunst das Druckverfahren noch ein primitives und wenig erprobtes war. Aber die Sache wird immer schlimmer, je weiter die Buchdruckerkunst fortschreitet. In welch idyllischer Vereinzelung vertrauerte ein Schreibfehler sein verpfuschtes Dasein, und wie frech macht sich sein Urenkel in vielen Tausenden von Exemplaren breit! Der Boden wird immer nahrhafter für den einzig und allein in Witzblättern so beliebten „Setzkasteukobold", der jetzt schon mehr „Setzmaschinenkobold" heißen sollte. Und damit man sich nur keine Hoffnungen mache: in der Setzmaschine schlrnri- ment noch etwa tausend Teufelchen mehr!
So wie im Märchen die Mutter beim Nachyausekommen statt ihres schönen Kindes in der Wiege ein gräßliches Geschöpf findet, das die Kobolde an Stelle ihres Lieblings dort hineingelegt hatten, so sieht der Autor aus seiner Arbeit, auf die er alle Liebe und Sorgfalt verwendete, im fertig gedruckten Exemplar höhnisch den Druckfehler grinsen. Auch der Setzer und Korrektor sehen's mit Entsetzen. Trotz aller Sorgfalt ist der Kobold hineingeschlüpst; und da steht er jetzt breit und grinst aus Tausenden von Exemplaren den Leser an. Der aber kann es zumeist gar nicht fassen, wie so ein Fehler überhaupt möglich ist. Aber auch Autor, Setzer und Korrektor greifen sich an den Kops. Und fast täglich wiederholt sich diese traurige Geschichte


