MttwoH den 2. Januar
1907
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'Ter einzige männliche Insasse des Gefährts, eine )U- vendliche Erscheinung mit sympathischem, blondbärtigem Gesicht, ließ seine blauen Augen heimlich forschend über die von Spitzenstores verhangenen Fenster des ersten Stockwerks schweifen, um dann ein klein wenig enttäuscht ferne Aufmerksamkeit der sich geräuschlos öffnenden Haustur zuzuwenden. Ein älterer Diener in dunkelgrüner silberverzierter Livree kam mit der ruhigen Würde, welche den Dienern viel besuchter Häuser eigen ist, die steinerne, zu beiden Seiten reich mit Blattpflanzen besetzte Treppe hinab und schickte sich an, dem Besucher beim Airssteigen behülf-
Wenschenteöen, die lugen.
Roman von H. E h r h a r d t, Verlästern: von „Mittellose Mädchen". Nachdruck verboten.
In flottem Trabe fuhr der leichte, elegante Jagdwagen durch die bereits in gelbem Herbstschmuck prangende Lindenallee auf das schloßchenartige Gutshaus von Balldorf KU. Die kunstvollen schmiedeeisernen Torflügel des Parkeinganges waren weit geöffnet und der blutjunge, schwarz- livrierte Kutscher lenkte mit anerkennenswerter Geschicklrch- keit die beiden ungarischen Jucker um den tiefgrünen Rasenplatz vor dem Hause und hielt knapp vor der großen Frer-
lich zu sein. _
„Herr Rittmeister zu sprechen?" fragte dieser, den Fuß noch auf dem Trittbrett des Wagens.
Ter Diener verneigte sich tief.
„Ter gnädige Herr erwarten Herrn Regierungsassessor bereits in seinem Zimmer", meldete er.
Tas lebhaft gerötete Antlitz des Mannes durchzuckte eme leichte Bewegung. Er sprang schnell zur Erde nieder.
„Fahren Sie'hinüber in den Hof, Franz, und bewegen Sie die Pferde!" befahl er hastig, schon im Begriff, tue Treppe hinauf zu steigen.
„Also nicht ausspannen?" wagte der etwas schüchtern dreinblickende junge Mensch zu fragen.
„Vorläufig noch nicht!" klang es zurück.
Und während die heißgesahrenen Rappen flch langsam nach den Hofgebäuden zu in Bewegung setzten, betrat der Regierungsassessor Gerhardt den hallenarligen dämmerigen Flur des Gutshauses, von dem aus eine breite mit rotem Plüsch belegte Treppe in das obere Stockwerk führte.
Vor einem der in die eichene Wandtäfelung eingelassenen Spiegel brannten zwei Kerzen. Der gut geschulte Diener widmete sich aufmerksam der Toilette des Ankömmlings, nahm ihm den Mantel ab, bürstete den tadellosen schwarzen Salonanzug, die blinkenden Lackschuhe Und überreichte ihm, ohne eine Miene seines glattrasierten Gesichtes zu verziehen, aus einer ihm vom Kutscher übergebenen flachen Schachtel, den glänzenden Zylinderhut.
Tann schritt er, auf leisen Sohlen gleitend, voran und öffnete vor dem Besucher im Hintergründe der Halle, eine der großen braunen Flügeltüren.
Der Negierungsassessor sah sich dem Besitzer von Balldorf gegenüber. Durch die unverhüllten Fenster fiel eine grelle Nachmittagssonne in das mit gediegenem Komfort ausgestattete behagliche Herrenzimmer. In diesem schonungslosen Licht bemerkte man deutlich, daß der Rittmeister Kronau kein junger Mann mehr war. Zwar entbehrte seine große schlanke Gestalt noch nicht der soldatischen Straffheit, aber sein kurz geschnittenes dunkles Haupthaar war bereits arg gelichtet und wies da, wo es noch vorhanden war, an Schläfen und Hinterkopf, einen starken Silberschimmer auf.
Er war viel und weit gereist und stand im Ruf eines sehr flotten Lebemannes.
Sein gerötetes, von vielen kleinen Fältchen durchzogenes Gesicht zeigte denn auch die verheerenden Einflüsse unge- sunden Klimas und aufreibender Genüsse.
Es war direkt häßlich, mit slavischen Zügen, unrubig flackernden hellen Augen und vollen sinnlichen Lippen, die ein rotbrauner Schnurrbart nicht verdeckte. Trotzdem machte seine ganze Erscheinung einen durchaus angenehmen Eindruck.
Sehr herzlich kam er dem Eintretenden entgegen.
„Sie sehen, ich erwarte Sie bereits, mein lieber Assessor!" sagte er familiär, die Rechte ausstreckend.
Ter jüngere Mann ergriff diese in sichtlicher Erregung.
„Sie machen mich unendlich glücklich, Herr Rittmeister!" erwiderte er etwas heiser, „denn ich entnehme Ihrer Begrüßung, daß Fräulein Hanna Sie bereits vorbereitet hat auf das, was ich von Ihnen zu erbitten wage. Nichts geringeres, als die Hand Ihrer liebreizenden Nichte. Dars ich hoffen, daß Fräulein Hanna sich entschließen kann, meine Frau zu werden?"
Ter Rittmeister lächelte, ein feines diskretes Lächeln.
„Nicht so ungestüm, mein lieber Freund!" sagte er und wies einladend 'auf einen der bequemen mit gepreßtem Leder bezogenen Eichenstühle, „ich habe zuerst eine sehr prosaische Frage an Sie zu richten, ehe ich Ihnen in: Namen meiner Nichte antworte. Aber dazu setzen wir uns wohl zuerst — bitte." Und als sie sich dann gegenüber saßen, fuhr er, den jungen Mann mit seinen unruhigen Augen scharf musternd, fort: „Kennen Sie die Verhältnisse, rn denen mein leichtsinniger Bruder seiu einziges Kind zuruck- ließ? Wissen Sie, daß meine Nichte nach Beschaffung erner angemessenen Ausstattung, nicht so viel zurückbehält, um von den Zinsen dieser Summe auch nur die geringsten ihrer Toilettenbedürfnisse bestreiten zu können?"
Ter Regierungsassessor hob den Blick. Seine blauen Augen leuchteten in freudigem Glanz.
„Ich weiß es, Herr Rittmeister!" bekannte er freimütig, „aber diese Tatsache kann mich in keiner Weise beeinflussen. Ich bin in der glücklichen Lage, bei der Wahl meiner Frau auf jede Mitgift verzichten zu können. Jedoch, auch wenn ich weniger besäße — ich liebe Hanna und ich würde all


