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schienen, „Tas Wassergericht". Literarisch und kulturell wertvoll ist seine Abhandlung „Die Volksschrift und die Volksschriftsteller", die 1867 das „Zentralblatt für deutsche Volks- und Jugendliteratur" veröffentlichte. Glaubrechts Leben und Wirken hat I. G. Diegel in der Einleitung zu der schon erwähnten Sammelausgabe seiner Schriften liebevoll gewürdigt. Merkwürdigerweise weiß das Brockhaussche Konversationslexikon im Gegensatz zu Meyer nichts von Glaubrecht-Oeser zu berichten, entschieden eine der Ausfüllung bedürftige Lücke. Ernst Arnold.
VeNrnZsehKes.
* Das Schlafen bei offenem Fenster. Daß es heute noch Menschen gibt, die glauben, die Nachtluft sei schädlich und sie deshalb im Schlafzimmer ängstlich von sich absperren, muß man leider immer 'wieder erleben. Solche Luftscheu wird aber erklärlich, wenn man lesen muß, daß ein Arzt über die Nachtluft schreibt, sie sei „feucht und kühl und reich an Kohlensäure" — daher sei schon aus diesem Grunde das Offenlassen der Fenster eines Schlafzimmers zu widerraten. Bon der Kohlensäure, die der Schläfer im kleinen Schlafzimmer ausatmet, den schädlichen Folgen verdorbener Luft in engen Schlafräumen scheint der luftscheue Ratgeber nichts gehört zn haben. Sonst könnte er nicht die Parole ausgeben, die freie Nachtluft zu fürchten. Oder hat man schon erlebt, daß jemand nachts an Kohlensäurevergiftung zugrunde gegangen ist, weil er sich in baumreichen Gärten oder im Walde aufhielt? Das Publikum sollte sich durch derartige Angstmeierei nicht abhalten lassen, die staubfreie Nachtluft, die auf jeden Fall ärmer an Kohlensäure ist als die verbrauchte Atmungslust unserer Wohn- und Schlafräume, in vollen Zügen zu genießen und durch die Fenster hereinzulassen. Man gebrauche doch nur seine eigene Nase und vergleiche die erquickende Außenluft mit der Zimmerluft. Wer sich aber an Luft gewöhnt, verliert seine Empfindlichkeit gegen Zug und braucht nicht jeden Windhauch zu fürchten. Also für gute Lufterneuerung bei Nacht durch das mehr oder weniger geöffnete Fenster sorgen, das ist eine bessere Gesundheitsregel als die Luftabsperrung.
O diese Fremdwörter. „Nun, wie sind Sie mit dem neuen Erzieher Ihrer Söhne zufrieden?" — „Er gefällt mir ganz gut, der junge Mann, er hat ein recht sympathisches Fox- terieur."
Billiger. „Siehst du, Männchen, trenn ich nach Ostende gehe, werde ich jede Nacht von dir träumen!" — „Lieber wäre es mir, wenn du hier bliebest und von Ostende träumtest!"
Der Reiter von Orleans.
(Originalbeitrag der „Gießener Familienblätter".)
Man spricht so gern von großen Schlachten.
Doch was da Einzelne vollbrachten. Wird überhört und leicht vergessen. Vergessen auch bei uns, den Hessen?
Vor Orleans gabs ein blutig Ringen.
Die welsche Macht dort zu bezwingen. Gelang ja nur den schwersten Streichen, Doch Frankreichs Heer geriet ins Weichen.
Nur kämpften noch des Feindes Truppen Wohl da und dort in kleinen Gruppen, Um sich gedeckt, jedoch mit Ehren Bis auf den letzten Mann zu wehren.
Da kamen drei Reiter; sie sollten erspäh'n, Ob da oder dort noch Feinde zu seh'n.
Da pfiffen die Kugeln ganz nah ihre Lieder Und streckten eines der "Pferde nieder.
Und ehe die Feinde noch recht erkundet. War auch ein deutscher Mann verwundet; Doch war er der letzte, noch gut beritten Und bald am Feind nach Reitersitten.
Und er allein, der tapfere Reiter,*) __Entwaffnete die welschen Streiter,
*) Ein Oberhesse, Kbnrad M. aus G.
Und in Berichten ist zu lesen:
„Es sind dreihundert Mann gewesen."
Dreihundert Mann hat er bezwungen!
Die kühne Tat sei hier besungen.
Und wir nur wollen diesem Helden
Voll Ehrfurcht unfern Gruß vermelden. L.
Literarisches.
■— Von den in regelmäßiger Folge erscheinenden' Nummern der bekannten „B i b l iv t h e k de r G e s a mtl i t e r a t u r" (Verlag von Otto Hendel in Halle a. S.) liegt uns wieder eine neue Serie vor, deren erstes Bändchen die „Unheimlichen Geschichten" von Friedrich Gerstäker bilden. (Preis broschiert 1 Mk.) Den Stoff zu diesen Erzählungen hat Gerstäcker den« Uebersinnlichen entnommen. Anders das zweite Bändchen, die „Hinterwälder-Geschichtcn" desselben Verfassers (Preis 1 Mk.). Der Schauplatz dieser kleinen Erzählungen ist meistens Arkansas im wilden Westen Amerikas, wo Gerstäcker selbst längere Zeit als „Hinterwäldler" gehaust hat. Ein Merkchen des heute vor 100 Jahren in unserem Gießen geborenen rühmlichst bekannten Volksschriftstellers O. Glanbrecht wird uns in einem weiteren Bändchen geboten: „Der Kalender mann vom Veits berg" (Preis geheftet 0,50 Mk.), ein Volksbuch in des Wortes edelster Bedeutung, das in keiner Volks- und Jugendbibliothek fehlen sollte.
Hausinschriftöu aus Ortschaften des.Kreises Kirchham.
(Originalbeitrag des Gieß. Anz.)
15. (Ost angebracht.) Renoviert im Jahr, Als ich noch lustig war. -p
16. Ich habe hier aus dieser Welt Ein kleines Haus und wenig Feld, Doch habe ich ein schönes Weib Und dainit großen Zeitvertreib.
17. Wenn ich tausend Ochsen hätte Und ein schönes Weib im Bette Und brauchte keine Steuern zu geben, Dann könnt ich ohne Sorgen (eben.
18. Trau keinem Mädchen auf gruniger Heide, Trau keinem Juden aus seinen Eide, Trau keinem Schmer au! sein Gewissen, Sonst wirst du von allen dreien be— trogen.
(Urtext drastischer.)
*
19. Eilt guter Trunk, ein guter Bissen, Ein fröhlich Herz, ein gut Gewissen, Em schönes Bett, ein junges Weib Erquickt dem Mann das Herz im Leib.
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20. Ein Mairn ohne Geld
Ist schlimnr dran in der Welt, Der aber ist noch viel übler dran, Der sei» Weib nicht bändigen kann.
Bilderrätsel.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer: R 8 0 heb a h e
R h a b arber 8 c h a 1 u p p 0 Oberursel b p s e p e r e 1
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl 'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,


