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einem Buche trägt, in dem anberen Felde den „Tob der Maria". Die entschlafene göttliche Mutter' liegt auf einem Bett; ausdrucksvoll, milb unb frieblich sind bie Züge der Erlösten. Eine überaus Weiche Linienführung, zeichnet diese Figur aus. Vor dem Bett erblicken wir zwei Frauengestalten, auf der anberen Seite desselben eine Apostelgruppe, unter ihnen Petrus. Ein ernster, schmerzlicher Zug ist den sprechenden Gesichtern eigen. Seitlich, etwas erhöht, nimmt das Auge die Gestalt des Erlösers wahr. Auf dem linken Arm trägt er die Seele der Heimgegangenen, während die rechte Hand segnend emporgehoben ist. Das Ganze ein Bild von fester Geschlossenheit in der Komposition, feierlicher Ruhe und tiefem Ernst im Ausdruck. Vielleicht gelingt es, noch die eine oder andere Darstellung in der Turmkapelle so freizulegen, daß eine Erneuerung möglich ist.
Durch ein von viereckigem Holzrahmen mit schöner Schnitzerei umgebenen, streng geschlossenen Chorgitter vom Jahr 1659 oder 1679 tritt man in den spätgotischen Chor. An Stelle ber, seither flachen Decke ist ein Gewölbe getreten, das die architektonische Wirkung erst vollendet. An der Nordwand des Chors befindet sich ein sehr schönes gotisches Sakramentshäuschen, während an der Ostseite sich ein monumentales, im Renaissancestil ausgeführtes Grabdenkmal erhebt. Gräfin Ursula von Gleichen ließ es im Jahre 1616 ihrem int Jahr 1610 bei Molsheim gefallenen und in Heidelberg begrabenen Gemahl Otto errichten. Der Chor diente als Grabstätte einer Reihe solmsischer Fürsten und Fürstinnen. Es ruhen hier Gräfin Ursula (f 1625), Graf Philipp (f 1628), Graf Friedrich (t 1628), Gräfin Juliana (f 1628), Graf Konrad (f 1628), Graf Reinhart (f 1630), Gräfin Juliana (f 1630), Sophia Eleonora (f 1673), Moritz (f 1678), Karolina Katharina (t 1785). — Auch im Chor zeigen sich Reste alter Malereien, so eine hübsch entworfene Tafel mit der Jahreszahl 1518. Es dürfte jedoch nicht angängig sein, mehr als die eben erwähnte Tafel und den teilweise erhaltenen Zahnzack um die Fenster wiederherzustellen. An die Stelle der bisherigen Fenster treten solche mit farbigen Scheiben, darunter ein Fenster mit einer Darstellung aus dem Evangelium.
Das Schiff wurde zu Anfang des 17. Jahrhunderts durch Graf Otto den Jüngeren im Renaissancestil erbaut. Die jetzige Orgel wurde im Jahr 1875 aufgestellt und kostete 7650 Mark.
An Schiff und Turm angelehnt, wurde auf der Nordseite der Kirche im vorigen Jahre eine Sakristei angebaut. In dem sich darunter befindenden Keller hat vor kurzem der Kessel für die Dampfheizung Aufstellung gefunden.
Nicht unerwähnt dürfen die vier Glocken bleiben, von Nicht unerwähnt dürfen die vier Glocken bleiben, von denen drei ihre Klänge zu einem selten schönen Geläute vereinigen. Die vierte, die aus dem Jahre 1707 stammt, ist zersprungen. Die größte der Glocken führt den Namen S u s a n n a und wurde 1452 gegossen. Wegen ihres herrlichen Klanges war sie so berühmt, daß die Stadt Frankfurt an Kaufgelb soviel Krontaler bot, als die zweitgrößte Glocke aufzunehmen vermöchte. Diese stammt aus dem Jahr 1697 und trägt folgende Aufschrift:
Die Schlaffenden wek ich Die Suender schreck ich Des juengsten Gericht erinnr ich In Gottes Namen slos ich Dilman Schmid von Aslar gos mich Gotfrid Leurer K. B. M. 1697.
Die kleinste Glocke ist die älteste; auf ihr sind die Namen der Evangelisten Matheus, Markus, Lukas, Johannes verzeichnet. — Schon lange Zeit dient der Glocken metallener Mund dem Zweck, den Schiller in den Worten bestimmt: Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango (die Lebenden rufe ich, die Toten begrabe ich, Blitze breche ich). Im eigenen Hause mußten sie der Elemente zerstörende Gewalt verspüren, als im Juli 1888 ein Blitzstrahl in den Turm herniederzuckte und im Jahre 187'6 ein heftiger Sturm einen Teil des Kirchendaches am Westgiebel zerstörte.
In frühester Zeit gehörten die Kirche und die Stadt Hungen zur Abtei Hersfeld. Später stand die Pfarrkirche zu Hungen nebst ihren Filialen Villingen, Langsdorf, Non- nenroth und dem ausgegangenen Meßfelden unter dem Dekanat Friedberg und mit diesem unter dem Archidia- konat Mainz. Die d r ei Altäre, die die Hungener Kirche
vor der Reformation besaß, waren der Jungfrau Ma- ria, der hl. Katharina und dem hl. Sebastian geweiht. Der Marienaltar wurde am 26. Febr. 1382 gestiftet und von Braunfels, später von Lich dotiert. 1405 wurde der Katharineualtar gegründet. Das Marienstift oder die Kollegiatkirche dieses Namens zu Lich, dem die Verleihung des Priesteramtes an diesem Altar zustand, trat das Patronat an Katharina, die Witwe des Gerhard Schott zu Frankfurt ab. Sie besserte das Einkommen des Altaristen mit 400 Gulden Kapital auf, dessen Zinsen einen Besoldungsteil des Priesters bildeten. Dieser war dafür verbunden, wöchentlich drei Frühmessen zur Seelenruhe der Schottschen Familie zu lesen. Die' von dem Kapital abgeworfeneu 20 Gulden Zinsen wurden Schottsches Stipendium genannt. 1527 überlassen Kaspar und Lukas Schott das erwähnte Kolleaturrocht dem Grasen Bernhard III. zu Solms-Braunfels. Durch Vertrag zwischen Braunfels und dem Marienstift zu Lich gelangt das Schott- sche Stipendium 1580 an Lich. Die evangelische Lehre sand jedenfalls noch zu Lebzeiten Luthers Eingang in unsere Stadt. 1586 trat an Stelle der lutherischen die reformierte Auffassung (Dr. Olevianus).
Die Renovation unserer Stadtkirche geht rüstig ihrer Vollendung entgegen. Kirche, Gemeinde und Standesherr- schaft im Verein lassen das altehrwürdige Gotteshaus so würdig Herrichten, daß es bei seiner Bestimmung, als Er- bnuungsstätte zugleich ein Künstmal der Stadt und Umgebung sein wird. Staubach>,
Jem Ander;Ken Klaubrechls,
(Original-Artikel der „Gieß. Fam.-Bl").
Ter heutige 31. Oktober mahnt, eines echten und rechten Wolksschriftstellers zu gedenken, der am 31. Oktober 1807, also vor 100 Jahren, in Gießen geboren ward und am 13. Oktober 1859 zu Lind heim in der Wetteran gestorben ist. Rudolf Oes er, als Schriftsteller bekannter unter seinem Pseudonym Otto Glaub recht, verbrachte seine Schul- und Universitätsjahre in der Vaterstadt Gießen^ war nach Beendigung seiner theologischen Studien von 1831 bis 1833 Hauslehrer in P f u n g st a d t, dann Pfarr- assistcnt zu Rod heim in der Wetterau und von 1835 an bis an seinen Tod Pfarrer von Lind heim. Ditz Literaturgeschichte schätzt Glaubrecht als einen unserer besten' Volksschriftsteller ein. Ihm eignen treffliche Darstellungs-i weise, flüssiger und edler Stil, viel Witz und köstlicher; Humor. Ferner sind ihm gutdeutsche Gesinnung und Liebe zum Volke, gepaart mit inniger Kenntnis des Volks- und Landlebens, der Sitten und Sprache des Volks mit seinem! Sprichwortreichtum und anderen Eigenarten nachzurühmen. Glaubrechts, schon durch die Wahl dieses Namens gekenn-j zeichnete evangelische Frömmigkeit dürfte allerdings mitunter weniger in den Vordergrund treten und minder pietistisch gefärbt sein. Seine Schriften haben zumeist wiederholte Auflagen bis in die Gegenwart herein gefunden und bilden wertvolle Jnventurstücke vieler Schul- und Volksbibliotheken. Sieben Jahre nach seinem Ableben gab Glaubrechts Verleger dessen „Ausgewählte Schriften" in mehre- kannte Wüten des H e x e n p r o z c s s e s weit hinter sich rechts erste Werke: „Anna, bie Blutegelhündlerin" (1841) und „Die Schreckensjahre von Lindheim", die 1842 erschieneüf und in fesselndster Weise das schändliche, alles sonst bekannte Wüten des H e x e n P r o z e s s e s weit hinter sich lassende, entsetzliche Treiben des Schultheißen Georg Ludwig Geiß, des „Scheusals von Lind heim" schildern., Dieser Veteran aus dem 30jährigen Kriege, ein rohere fanatischer und habgieriger Kerl ohne Bildung, bar allen; menschlichen Fühlens, hat vor einem Viertel Jahrtausend durch seine grausige Hexenverfolguug entsetzliches Elend über zahllose Familien der Wetterau gebracht, und lebt deshalb seine Geschichte und Sage fort als eine der abscheulichsten Schandsäulen der Menschheit. Weiter sind folgende Werke Glaubrechts hervorzuheben: „Heimkehr", 1848; „Die Zigeuner", 1851; „Die Goldmühle", 1852; „Erzählungen aus dem Hessenlande", 1853, „Die Heimatlosen",- 1858, und endlich, 1860 nach dem Tode des Verfassers er-


