Montag den 1. Zuli
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Aunken unter der KsHe.
Ronmn von M. Projznitz (M. Nörcnberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. (Fortsetzung.)
Tie Baroneß tvurbe förmlich' nervös bei dem klingenden Lachen, das der graziösen Fredine fortwährend von den brennend roten Lippen perlte. Sollte er wirklich in die plumpe Falle gehen? Wie sehr mußte sich dann sein Geschmack gegen früher geändert haben. Freilich — es war eine lange Zeit seitdem verflossen und das Menschenherz ist wandelbar! —
Sie preßte sekundenlang die feinen Lippen zusammen. Es Wäre schade um ihn! . . . Da rief der Herzog sie an.
„Baroneß, wie finden Sie eigentlich die neuste Aufnahme von meiner Mutter? Radach hat sie heute morgen geschickt."
Er deutete auf eine große Photographie, die int Mnsiksaal auf einer reichgeschnitzten Staffelei stand. Tagmar erhob sich voll Interesse und folgte dem voranschreitenden Herzog zu dem Bild.
Spöttisch sah die Gräfin Lindström ihnen nach. Ta suhlte sie Uchdorss Augen auf sich ruhen. Mit ihrem unschuldigsten Gesicht wandte sie sich zu ihm. „Welche schöne Mgur die Baroneß doch hat!"
Lauernd fuhr ihr Blick zu ihm hin.
„Ja," (antwortete der Rittmeister einsilbig, ihm gab das Lächelit der Gräfin zu denken.
„Ich finde das Antlitz Ihrer Hoheit vorzüglich ähnlich, aber die Haltung des Oberkörpers erscheint mir unvorteilhaft!" meinte Tagmar nach kurzer Ueberfegung zu ihrem Begleiter.
Ter Herzog lachte und wandte sich lebhaft um.
„Uchdors, hören Sie mal, Baroneß Rolfsen ist auch Ihrer Meinung." Und als der Rittmeister eilig herbeikam, fuhr er scherzhaft fort: „Dieser große Amateur hat mir nämlich gestern einen eingehenden Vortrag über die Kunst des Abkonterfeiens gehalten." <
Tagmar lächelte, ihr gewohntes, höflich freundliches Lächeln.
„Sie haben viel photographiert, Herr von Uchdors?"
„Allerdings, Baroneß. Besonders während meines Aufenthaltes im Auslande. Es find diese Bilder 5och eine greifbare Erinnerung an viele schöne Tinge, die mjan sonst vielleicht längst vergessen hätte. Außerdem lernt man, grade durch das gebotene, vorsichtige Uebertegen beim Abtypen Menschen und Tinge schärfer und wohl auch richtiger beobachten."
Langsam hob Tagmar die Augen von dem Bilde. Sie sah Uchdors an. Seltsam ernst und bedeutungsvoll erklangen ihm Plötzlich ihre Worte.
„Trauen Sie sich wirklich so viel Menschenkenntnis zu, Herr von Uchdors?"
Unwillkürlich schweiften ihre Angeil zu Fredine hin, die mit schlecht verhehlter Ungeduld den Bemerkungen der Herzogin Stand hielt, zu welcher jetzt auch noch Seine Hoheit trat. Mechanisch waren Uchdorfs Blicke Dagmars Augen gefolgt.
„Sie unterschätzen die Gräfin — als Feindin," warnte er huf einmal mit eigentümlicher Dringlichkeit.
„Sie überschätzen die Dame," klang es herb zurück.
Und plötzlich verstand er — verstand er den tiefen Sinn der Frage, die ihre Augen ihnr dabei unbewußt gestellt hatten . . „■ Seine schlanke, sehnige Gestalt richtete sich straff empor, als er leise, doch deutlich vernehmbar entgegnete:
„Ich weiß wirklich nicht, Baroneß, aus welchem Grunde Sie mir urplötzlich allen Ermstes einen so" — er zögerte leicht —•: „so wenig vornehmen Geschmack zutrauen."
Sekundenlang war Dagmars dlntlitz in lichte Röte getaucht. Blitzschnell flammte ein Heller Freudenschein über ihre eben noch so ernsten Züge, aber ebenso rasch wie er gekommen war, verschwand der glückliche Ausdruck auch wieder, um der gewohnten Verschlossenheit und anscheinenden Ruhe Platz zu machen.
„Man sieht nicht gern jemand ins Unglück gehen," flüsterte sie zaghaft, wie um Entschuldigung bittend.
Doch Uchdors hatte genug gesehen. Jetzt ließ er sich nicht mehr täuschen! Langsam fuhr er sicht mit der Hand über die Stirn. So hatte ihn die leise Stimme feines Herzens also doch nicht getrogen!
O, über das jubelnde Glücksgefühl, das ihn jetzt durchflutete. Am liebsten hätte er Tagmar in seine Arme genommen und ihr holdes Antlitz mit heißen Küssen bedeckt!
Gewaltsam riß er sich endlich zusammen. Um Gotteswillen nur kein Aufsehen erregen. Das was sie beide einander zu sagen hatten, ging keinen andern etwas an. Er stockte einen Augenblick. Auch Wettlingen nicht? Tann hob er siegessicher das Haupt. Hier galt das Recht des Stärkeren! —
Tagmar schwieg. In leiser Unruhe spielten ihre schlanken Hände mit dem kleinen, kunstvoll verzierten Schildpcittsacher, dessen goldene Initialen sie mit einer Genauigkeit betrachtete, als sähe sie die heute zum erstenmal.
Ta erhob Uchdors von neuem feine Stimme. Gedämpft, doch eigentümlich eindringlich tönten seine Worte zu ihr hin.
„Grade Sie, Baroneß, sollten mich doch genugsam kennen, um' zu wissen, daß ich nur echte Perlen begehre."
Es war das erstemal feit ihrer Verlobung, daß Uchdors so deutlich aus die Vergangenheit anspielte.
Tagmar erschrak.
„Nur echte Perlen," wiederholte der Rittmeister nachdrücklich, „Heute so wie damals." Er sah sie bedeutungsvoll an. Eine bange Pause entstand ...
Schwindelnd schloß Dagmar einen Augenblick die Lider'. 0, wie die Gedanken aus sie einstürmten! Tie süßen, verführerischen Gedanken, die ihr schmeichelnd zuraunten: „Ergreife das Glück! Pack' es mit starker Hand, um es festzuhalten fürs ganze lange Leben." Tenn mit schreckenerregender Deutlichkeit sah sie in diesem Augenblick auf d!as äußerste gesteigerter Seelentätigkeit ein, daß jenes Gefühl, welches sie für Veltlingen hegte, sich nie und nimmer mit dem leidenschaftlichen Empfinden messen! konnte, das urplötzlich mit rasender Gewalt für Uchdors in ihr enrporloderte.
Wild und unbändig lehnte sich diese Leidenschaft Sauf gegen die Stimme des Gewissens, die ernst und nachdrücklich dagegen sprach:


