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Zahl 200 bis 300 Stück von jedem Weibchen, auf einen im Wasser schwimmenden Gegenstand, auf ein Stückchen Holz, aus einen Halm oder ein Blatt, und nach wenigen Tagen schon schlüpfen die Larven aus, die sich von den im Wasser befindlichen, fein zerteilten pflanzlichen Stoffen ernähren und sich wahrend der Zeit ihres Wachstums dreimal häuten. Am hinteren Körperring trägt die Larve eine kleine Röhre, durch welche sie Luft in ihren Körper aufnimmt; sie bringt daher von Zeit zu Zeit die Mündung dieses Atemrohres mit der Lust über dem Wasser in Verbindung. Durch die immerwährende Bewegung ihrer Kinnbacken und Fühler erzeugt die Larve einen kleinen Strudel im Wasser, der ihr die im Wasser schwimmenden Schmutzteilchen als Nahrung zuführt. Die schlangenförmigen Windungen ihres Körpers, das Gewimmel der Larven in ihrer Gesamtheit, kann man in einem Regenfaß oder in einem Bassin mit Regenwasser deutlich beobachten, wenn nach einem warmen Regen das Wasser ein paar Tage darin stehen bleibt. Nach kurzer Zeit verpuppt sich die ausgewachsene Larve. Auch die Puppe hat ihre Atemröhren, durch welche ihr Luft zugeführt wird. Zehn Tage fristet sie ihr Dasein, nur der durch die Ateinröhren ihr zugeführten Luft benötigt, dann erhebt sie sich etwas über den Wasserspiegel, in einer Längsspalte zwischen den Luftröhren berstet die Haut, und das Müclchen kommt herausgekrochen, ans dem leeren Puppenbalge sitzend, bis ihm die Flügel hinreichend gewachsen und getrocknet sind, um inr Fluge dre Geburtsstätte zu verlafsen.
Tast bei dieser Entwickelungsweise inehrere Bruten im Jahre Zustandekommen, ist außer Zweifel,'wie viele aber, hängt wesentlich von den Witterungsverhältnisfen ab; denn das Brutgeschäst wie das Ausschlüpfen der fertigen Mücken setzen warme, ruhige Luft voraus, ^die in den Pfuhlgewölben allerdings immer vorhanden ist. Tausende von Mückenlärven und Puppen gehen zu Grunde, weil sie anderen Insekten zustr Opfer fallen oder durch Austrocknen der Pfützen und Lachen ihres Lebensclementcs beraubt werden, abertausende werden von insektenfressenden Vögeln verzehrt, und dennoch werden uns 'die Stechmücken durch ihr austerordentlich^zahlreiches Auftreten so überaus lästig.
Von den Stechmücken ist allgemein gefürchtet ihr Durst nach Blut, allgemein bekannt ihr Singen und die in großen Gesellschaften aufgeführten Tänze. Die Blutsauger sind vorwiegend Weibchen, die Tänzer Männchen. Mit dem Stiche läßt die Mücke ihren ätzenden Saft ausfließen, der die Entzündung der Haut und das empfindliche Jucken erzeugt; zur Abend- itnb Nachtzeit ist der Blutdurst der Stechmücken am größten. Das Summen und Singen, das uns zur schlafenden Nachtzeit häufig noch lästiger uckd störender ist 'als das Stechen, entsteht durch die Flügelbewegung und die Luftlöcher mir Mittelleibe.
Die Kenntnis der Lebensweise deS Insektes gibt uns zugleich auch die Mittel zur Bekämpfung an die Hand. Das Verbrennen der im Winter an den Decken der Pfuhl-, Ktzller- und Brückengewölbe sitzenden Weibcheir mittels Fackeln, mit denen man einfach an den Decken und Wänden, in den Ecken nnd Wiiikeln hin- sährt, sowie das Eingießen von' Petroleum in die stehenden Wasserlachen und vor allein in die Aborte und in den Pfuhl, letzteres zeitig im Frühjahr gemacht und im Laufe des Sommers einige Mal wiederholt, sind leicht aiisznftihrende, wenig Kosten verursachende Arbeiten, nur ist es dabei unbedingt erforderlich, daß sie gründlich nnd allgemein geschehen. Das Petroleum schwinimt oben auf dem Pfuhl oder dem Wasser und verhindert bei Larverr und Puppen die Atmung, indem es die Atemröhre vev- ichließt; ferner bleiben die Weibchen, die ihre Eier auf Gegenstände inr Wasser absetzen wollen, mit den Flügeln im Petroleum hängen rind finden so ihren sicheren Tod. Nötig ist es ferner, uach 'einem Regen auch alle größeren Wasserlache^ die nicht so rasch wieder austrvcknen, mit Petroleum zu begießen, ebenso die Regenfässer und die Bassins zur Aufnahme des RegeMvassers Uach einem Regen bald zu entleeren. Wenn diese wenig müh- sameir und wenig kostspieligen Arbeiten nicht gescheut, sondern gewissenhaft und allgemein einige Jahre hindurch ausgeführt werden, so muß die Plage bald ein Ende nehmen. In Rhein- Hessen, wo bei der großen Wasserarmut des Landes die stehenden Tümpel und Wasserlachen selten sind, muß die Bekämpfung im Sommer hauptsächlich auf die Muhlgewölbe, wie sie dort bei feder Hofreite sind- und auf die Regenwasserfässer gerichtet sein; hier aber, wo die Wasserlachen und stinkenden Gräben in der Nahe der StaR und in der Stadt selbst im Sommer nicht ganz eliitromien, noch künstliche Brutstätten anzulegen, ist der Sache Nicht dienlich. Darum wiederholen wir die Forderung in dem erwahilleu Emgesandt des „Gieß. Anz.": Fort mit den küiist- V^^^MEen der Stechmücken im herrlichen Philosophenwalde ! Es ist besser, dem Ungeziefer die Gelegenheit zur Gerablage zu entziehen, als später die Entwickelung der Larven zu kontrollieren und sw zu töten. Dagegen forbern wir auf zu einer Entfernung der Wassertümpel und Wasserlachen in der nächsten Umgebung der Stadt und zum' öfteren Uebergießen mit Petroleum überall da, wo man die Gräben usw. nicht zuwerfeii kann. Wenn diese vorgeschlagenen Mittel zur Anwendung kommen und den ^rhofftM Mvlg bringen, dann ist'Heu Zweck dieser Zeilen erreicht!
Auf der Aarm der „Nruderlrönigin".
größte Landbesitzerin der Welt kann wohl Mrs. Helen M. King gelten, die in Texas eine riesige Rinderfarm von etwa einer Million Acres besitzt. Sie dürfte nicht viel weniger reich sein als die berühmte Hetty Green, die Finanzi- größe von Newyork, da der Wert ihres Laiidbesitzes allein auf 18 Millionen Dollar geschätzt wird und gerade jetzt durch verbesserte Bewässerung bedeutend gehoben wird. Ihre Farm hat auch noch die Besonderheit, daß zur Beaussichtignng und Wartung der Hunderttausende von Rindern nicht, wie im ganzen Westen üblich ist, „Cowboys", sondern „Cowgirls" beschäftigt werden. Mrs. King ist heute nicht mehr jung; aber sie führt noch immer ein straffes Regiment auf ihrer Farm, sie ist noch heute ein vorzüglicher Schütze und reitet jedes Pferd, so widerspenstig es sich auch zeigen mag. Sie ist im Westen groß geworben und hat während ihrer Ehe mit Kapitän King, der die Farm begründet hat, nun aber schon seit 15 Jahren tot ist, ihren schweren Beruf erlernt. Es war danilals noch eine rauhe Zeit in Texas. King, der ein Mann von gewaltigen Körperkräften und unerschrockenem Mute war, beschäftigte auf seiner Farm Desperados, mit denen sonst uicmatid fertig werden konnte. Er wußte sie jedoch zu zwingen- und sie mäßigten aus Furcht und Achtung vor ihm ihre wilden Sitten und ihre Trunksucht und arbeiteten ganz zuverlässig. Auf dem Gebiet der Farm hausten auch mehrere Jndianerstämme- die deni Mr. King treu ergeben waren und ihm jedesmal halfen, wenn es galt, die Mordbanden abzuwehren, die zahlreich ort der mexikanischen Grenze umherschwärmteit. Als er eines Tages eine längere Reise unternommen hatte, sah seine Frau, die gerade mit der Reinigung ihres Revolvers 'beschäftigt war, plötzlich einen berüchtigten mexikanischen Banditen vor der Tur vom Pferde steigen. Sie wußte sofort, was komme» würde, aber sie hatte nicht Zeit, die Waffe wieder zusammenzusetzen und zu laden, und so wollte sie rasch aus dem Nebenzimmer eine Pistole holen, die in der L-chublade des Tisches lag. Ihre Hand berührte schon den Griff, da sah sie eilten Schotten neben sich nnd drehte- sich uM. Ter Bandit stand am Fenster. „Ich will das Geld des Kapitäns, und zwar rasch," sagte er und hielt zwei Revolver auf sie gerichtet. Sie suchte ihn zunächst durch Fragen Hinzithalten- aber als alles nichts nutzte, meinte sie schließlich: „Sie könnenj ja das Haus durchsuchen, aber ehe Sie eintreten, wischen Sie' doch bett Schmutz von Ihren häßlichen grünen Stiefeln ab!" Der! Bandit, der wohl wußte, daß er keine grünen Stiefel anhatte, sah doch unwillkürlich an sich hinab, und in demselben Augen-- blick hatte Airs. King auch den Revolver herausgerissen und ab- gcdrückt. Mer schon einen Moment vorher war der Mexikaner mit einem gellenden Schrei, das Gesicht nach vorn, zusammen-, gestürzt. In seinem Schädel steckte ein Tomahawk, nnd als Mrs. King in die Türe trat, mH sie zwei Indianer, die unter Freundschaftsbezeugungen auf sie zukamen. Sie hatten von fern den Mexikaner gesehen und sofort erraten, was ihn zu Mrs. King führte, und sie waren ihm gefolgt, um im ensscheidenden Augenblick einzugreifen. . . Als King starb, wurden die Cowboys, die nur feine starke Hand'niedergehalten hatte, bald wieder nachlässig, ergaben sich dem Trunk, und man legte ihnen verschiedene Räubereien und Todschläge zur Last. Da alle Warnungen nichts halfen, sah sich Mrs. King gezwungen, alle zehn Mann zu entlassen. Sie wagten zwar nicht, sich an ihr und ihren Angehörigen zu vergreisen, aber sie schüchterten jeden Cowboy, der neu an gestellt wurde, so ein, daß einer nach dem andern bald wieder verschwand. Da entschloß sich die unerschrockene Fran kurzerhand, „Cowgirls" anzustellen, und nach 14 Tagen hatte sie von fern und nah ein Dutzend junge kräftige Frauen, meist Witwen, engagiert, die reiten und schießen konnten und keine Gefahr fürchteten. Seitdem hat sie fast nur Friauen auf ihrer Farm beschäftigt, und heute hat sie 20 „Cowgirls", bte nach ihrer Meinung ebensogut arbeiten wie die Männer. Nur eine Klage hat auch sic, daß nämlich ihre „Cowgirls" begehrenswerte Partien für die Männer der Umgegend sind und daher bald weggeheiratet werden. Einiger Mut freilich gehört für einen Mann dazu, sich um eine biefeti verwegenen Reiterinnen zn bewerben. Oft genug haben sie sich den Spaß gemacht, wenn sie einen einzelnen Mann entdeckten, ihn zu umringen und zu hänseln und schließlich zu peinigen- sodaß er froh war, wenn er endlich dftvongejagt wurde. . - Mrs. Kings Besitztum ist in den Jähren ständig gewachsen. Außer schweren Rindern, für die gute Preise erzielt werden, züchtet sie Pferde, Mustangs, Texasponys, und zwar nur vorzügliche Rassen. Tas Land, das früher einen Wert von 50 bis 20 Cents für bett. Arte hatte, gilt tetzt das Hundertfache, 15 bis 20 Dollar. Diese Steigerung hat Mrs. King selbst 'durch wohlüberlegte Schenkungen hervorgerufen. Sie hat der „St. Louis, Brownsville and Mexican Railway" 35 000 Acres geschenkt, um sie zum Bau einer Bahn zu ermutigen, und dadurch den Wert ihres Landes außerordentlich erhöht. Schon lange sollte in der Gegend ihrer Farm eine Stadt gegründet werden; sie selbst hat jetzt 30000 Acres dazu hergegeben, und eine Stadt ist 'in schnellem Aufblühen; ganzj kurze Zeit nach ihrer Gründung zählt sie bereits 500 Einwohner. Mrs. King hat aber jauch schon manche wohltätige Stiftung gemacht, und sie gewährt allen alten Angestellten gute Pensionen, gibt ihnen eine kleine Farm und Vieh von ihrer Zucht, um selbst eine eigene kleine Wirtschaft zu begründen.


