128
sucht er sich aus, was itfin für feilte Zwecke geeignet erscheint, alles übrige verfällt der Vernichtung.
Ein anderer modns prvcedendi ist folgender: Der Züchter entdeckt etwa in einer wildwachsenden Pflanze eine besondere Eigenschaft, die er auf die von ihm gepflegte Rasse zu übertragen wünscht: er kreuzt also die betreffenden Varietäten. So erhielt Burbank eine Reihe von Formen ivether Brombeeren („white biackberries"). Die weiße Farbe stammte von einer Varietät der kalifornischen Brombeere, die da und dort im Freien wachst. Höchst Merkwürdige Produkte dieser Kreuzungskunst. sind der stach ellose Kaktus und die steinlose Pflaume. Sellen finden sich Opuntien, die keine Stacheln besitzen; sie werden mit den gewöhnlichen großscheibigen Sorten gekreuzt und der^Selektion unterworfen. Burbank verfolgte mit der Züchtung dieses stachellvsen Kaktus einen bestimmten Plan: die Opuntien wären ein vorzügliches Viehfutter, wenn sie keine Stacheln trügen, und iHv: Kultur würde in den Wüsten Südkaliforniens auch ohne Bewässerungsanlagen möglich sein. Gelingt es also, stachellose Käk- teen im großen zu züchten, so würde ein bisher unbrauchbares! Land nutzbringend angebant werden können. Die Pflaume ohne Kern bezw. Stein geht auch aus eine Kreuzung zurück. Burbank hörte, daß einst in Frankreich eine „prune saus nopau" gezüchtet, aber dann wegen der Kleinheit ihrer Früchte vernachlässigt worden sei. Er verschaffte sich einige dieser Bäumchen und kreuzt: sie mit solchen, hie große Früchte tragen. So erzielte er eine Sorte, bei der der Same nackt int Fruchtfleisch liegt, höchstens findet man hier nnd dort noch einige winzige Ueberrestje des Steinkernes! Vor, sodaß man diese Frucht ohne Gefahr für die Zähne durchbeißen, kann. Diese Pflaume ist noch nicht int Handel, weil sie inbezug auf ihre Größe den Anforderungen Burbanks noch nicht entspricht. 1
Am imposantesten stellte sich eine andere Gruppe Von Versuchen dar. Das Prinzip, nach dem dabei verfahren wird, besteht in folgendem: die Variabilität wird durch vielfache Kreuzungen soweit wie irgend möglich gesteigert, teilt» aus den Tausenden verschiedener Individuen werden immer nur die besten ausgewählt. So hat Burbank 300 000 Pftaumen-Hhbriden her- gestellt, die in Gruppen auf größeren Bäunten ausgepfropft sind: jeder einzelne Baum trug 40 bis 50 verschiedene Arten von Früchten. Seine Brombeeren sind aus 60 000, seine Rosen aus 15000, sein Lilium tigrinum aus 100 000 Hybriden ausgewählt. Nachdem er aus den 60 000 Brombeeren die besten ausgesucht hatte, wurden alle übrigen in voller Frucht ausi- gervdet, auf einen Haufen gebracht und Verbrannt: der Hausen war über 20 Meter lang und 10 Meter hoch.
Es würde zu weit führen, hier noch! mehr auf Einzelheiten! emzugehen. Aber die große wissenschaftliche und praktische. Be--, deutung der Versuche des kalifornischen Züchters wird auch aus diesen Mitteilungen klar geworden sein. Die Carnegie-Institution in Washington hat denn auch Burbank einen jährlichen Zuschuß von 10 000 Dollars unter der Bedingung bewilligt, daß die Methoden seines Vorgehens auch- anderen zugänglich gemlacht werden. Vielleicht richten auch die Kreise Deutschlands, die es angeht, ihren Blick mit gesteigerter Aufmerksamkeit auf die Art, wie Luther Burbank seine Neuzüchtungen zustande bringt.
*• D ie Kopfgröße des Mannes und der Frau. Der Kopf des Mannes und des Weibes ist schon häufig verglichen worden. Nicht nur das rein wissenschaftliche Interesse drängt zu einer vergleichenden Betrachtung der Größen und Gewichtsverhältnisse des männlichen und weiblichen Gehirns und Schädels. In den letzten Jahren hat diese Frage auch praktische Bedeutung erlangt. Die wirtschaftliche Emanzipation der Fran hat die Erörterung ihrer Leistungsfähigkeit und der physiologischen Grenzen ihres Könnens in Gang gebracht, nnd da die naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden besonderes Vertrauen genießen, lag es nahe, das Problem mit Vorliebe von der anatomischen oder anthropometrischen Seite zu beleuchten. Neuerdings hat Dr. Rose au nicht weniger als 70 000 Personen Kops- und Gesichtsmessungen vorgenommen. Darunter befanden sich 45 000 Schüler m;nd Schülerinnen deutscher, schwedischer, dänischer, holländischer, belgischer, böhmischer und schweizerischer Schulen. Nach einer Mitteilung der Blätter für Bolksgesmidheits- pflege ergab die Untersuchung, daß die Küaben überall größere Köpse hatten als die Mädchen. Diese Ueberlegenheit der Knaben ist nicht etwa durch ihre bessere allgemeine Entwicklung und eine beträchtliche Körpergröße zu erklären, Röse konnte vielmehr die schon von anderen Forschern festgestellte Tatsache bestätigen, daß die Mädchen etwa vom neunten Lebensjahre an bis ans Ende der Schulzeit die Knaben an Gewicht und Körpergröße überflügeln. Trotzdem sind ihre Köpfe stets kleiner als bei den schlechter entwickelten Knaben. Kopf, Gehirn und Gesicht bleiben beim Weibe auf einer Entwicklungsstufe stehen, die dem kindlichen Typus angenähert ist. Da die Mädchen früher reifen als die Knaben, bringen sie oft bessere Leistungen zustande, wenn aber der Mann seine Vollreife erlangt hat, so übertrifft
er das Weib an geistiger und körperlicher Kraft. Dies soll natürlich, wie Röse ausdrücklich betont, nur für den großen Durchschnitt gelten und dadurch zu erklären sein, daß die Frau im Dienste der Fortpflanzung größere Aufgaben zu erfüllen hat als der Mann. Die Natur konnte sich nicht auch noch den Luxus erlauben, dem Weibe gleiche Körper- und Geisteskräfte zu verleihen wie dem Manne.
Ae ^ibnung. *)
Von Fritz Reuter.
„Ja", feggt de Knopwirt Friedrich Deichert/) De mit en schönes Inventar Bi uns in Bramborg mäunig Fohr Für nnse Stadt un Gegend krängert,^ „Mein lieber Freund, Du kannst mir glaube Und wirst die Freundschaft mir erlauben. In seligen Zufriedenheiten Mik die Gedanken zu verwirren.
In eig'nen Umständ'n und in Zeiten — Das wirst Du v!uch wall wissen — kann sich Der Mensch in seiner Ordnung irren. Denn jeder Mensch, der hat es an sich. Doch ich, für mich für meine Selbstperson Komm nie nich aus der Ordnung 'raus. Mag los hier sein in meinem Haus Konzert und Ball und Abcndkollatschon; ü la bonheur! — Mir sehr erfreut!
Muß Alleus sein in Richtigkeit, Das Essen in Hinlünglichkeit, Bedienung, Hausknecht, All'ns komplett. Doch ich für mich hab meine Zeit Punkt Schlag halb elf, dann geht's zu Bett lind denk Dir mal, wie sonderbar Und richtig dies schon manches Jahr, Mit meiner Selbstbetrachtuug stimmt. Daß Kvllhoff zu der Zeit sich immer Den Hut und Stock vom Nagel nimmt Un mit „Gu'n Nacht" verläßt das Zimmer. Das ist mir nun schon zur Natur Und nie vom Irrtum eine Spur." — Na schön! De Knopwirt set't sik dal Und rallögt^) irst noch en pormal 11 n slöptt) denn sacht un selig in. — Nu müßt ’t taufällig äwerst sm, Dat Kvllhoff tidrigO) kamen deiht, Un dat hei ttdig toerre6) geilst, Dat is so gegen halwer acht;
Hei nimmt den Haut un feggt „Gu'n Nacht! Dünn richt't de Knopwirt sik en End: „Das is doch gut, 1 Wenn man den richtigen Zeitpunkt kennt." Un huhjahnt tut7) Un reckt sik ut:
Um halwig elbn») kam ik doch werte. Na, nu gaud Nacht ok, mine Herre!"
*) Diese bisher ungedruckten Verse aus dem Nachlaß Fritz Reuters entnehmen wir dem reichhaltigen, vortrefflich ausgestat- teten Fritz Reuter-Kalender auf das Jahr 1907, den der bekannte Reuter-Forscher Karl Theodor Gaedertz im Dieterrchschen Berlage (Theodor Weicher, Leipzig) herausgegeben hat.
i) der wiederholt, n. a. in „Läuschen un Rimels" (Hei möt 'e 'ran), erwähnte Fritz Reichert, Besitzer des alten, rm Juni 1905 abgebrannten Hotels zur goldenen Kugel („Knop") zu Neubrandenburg. Am besten ist Gastwirt Reichert geschildert in der kulturgeschichtlich interessanten Beschreibung des Festessens zum Bürgermeisterjnbiläum des Rat Brückner, abgedruckt rn Reuters sämtlichen Werken, herausgegeben von Gaedertz, Bd. XU, S. 215 f. 2) die Wirtschaft (den Krug) führt. 3) verdreht die Augen. *) schläft. 6) zeitiger. 6) zeitig wieder. 7) gähnt taut. 8) halb elf. 1
Dechiffrir-Aufgabe, (Nachdruck verboten.) Ft hjfcn ovs fjo hmvfdl: Ejf Qgmjdiu, Ovs fjofo usptu: Ejf bscfju, Ovs fjofo hfovta: Ebt tdipfbf. Carmen Sylva.
Auflösung in nächster Numiuer.
Auflösung des Homonyms in voriger Nummer: Ocker.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'jchen Universitäts-Buch» und Stemdruckeret, R. Lange, Vtehrn-


