Ausgabe 
31.10.1906
 
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Er lachte laut auf.

Nein, nein! Was für eine Idee, Betsy! Nichts der­gleichen."

Du sagst es mir doch sicher, wenn du es selbst weißt?"

Darauf kannst du dich verlassen", sagte Jack.

Vor der Frau, die er liebt, hat ein Mann überhaupt kein Geheimnis", sagte Betsy schmollend und hielt ihm die Wange wieder zum Kusse hin.

Dann änderte sich ihre Stimmung plötzlich.Aber wenn du es probiertest und vor mir was geheim halten wolltest", | sagte sie,so würde ich's dir entreißen, und sollte ich dir I selbst das Herz damit ausreißen." j

Meine schöne Tigerin!" erwiderte Jack und strich ihr kosend über das schivarze glänzende Haar.

Das Mädchen lächelte wieder.Da hast du gerade den | richtigen Namen für mich gefunden", sagte sie;eine Tigerin, ! ja, das bin ich. Es liegt in mir, alles Verzweifelte und I Grausame zu begehen, wenn ich dazu getrieben würde."

Di, würdest nie grausam gegen mich sein", sagte Jaek, I weil ich dich liebe."

Nie, so lange du mich wirklich liebst; hintergehst du I mich aber, so sieh dich wohl vor." !

Unb seltsam genug, anstatt dadurch abgestoßen, ängstlich 1 zu werden, liebte Jack sie nur umsomehr. Sie, die stolze, I halb wilde Schönheit, die niemand sonst zähmen konnte, sie I liebte ihn. Es war etwas, worauf man wirklich stolz sein I konnte.

Aber von diesem Augenblicke an ergriff ein anderer | Geist Besitz von Jack Jefferies. Er mußte seine Prahlerei Betsy gegenüber verwirklichen. Bisher war seine herrschende ! Leidenschaft Faulheit gewesen, jetzt war es Ehrgeiz. Es war I ihm jetzt nicht mehr so sehr darum zu hin, sich ohne Arbeit ! durchzuschlagen, als vielmehr darum, Geld zu haben, um | Betsy zu blenden, sie an sich heraufsehen zu lassen, um mehr von jenen köstlichen Lobsprüchen und Schmeicheleien I zu hören, die ihm Herz und Pulse höher hatte schlagen lassen, ihm die Brust vor Stolz und Genugtuung geschwellt hatten.

Geld! Geld! das war der einzige Ruf, der ihm Tag und Nacht aus der Brust auf die Lippen stieg. Bei hellem Tage träumte er davon; er schlich sich dann gern davon aus dem Hause und in die Wiesen, legte sich in den Schatten eines breitästigen Baumes und gab sich einer Art visionären Wach­schlafes hin.

Was er alles tun würde, wenn er Geld hätte; wie er ein großes Haus kaufen es einrichten und ausmöblieren würde wie er dann Pferde, Wein, und alles was ihm nur gefiel, dazu kaufen, wie er dann Betsy heiraten und sie mit schönen Kleidern und Schmncksachcn überhäufen würde! Wie er als großer Herr über die übrige Menschheit befehlen und was er sich alles für Vergnügen machen würde! Dann wurde er gewöhnlich wach und erinnerte sich, daß es nur ein Traum war.

Seine ganze Seele lechzte mit feurigem Verlangen nach Geld. Er mußte es haben einerlei wie er's bekam, lind wenn er einem Menschen herzen das LebenZblut auspressen I mußte, es mußte dennoch sein werden.

Seine einzige Schivierigkeit war, wie er seine Opera­tionen anfangen sollte. Was das betraf, seiner Mutter zu­zusetzen, so sah Jack, daß es ganz und gar nutzlos sei; er würde sie einfach zu Tode erschrecken, aber nichts damit er­reichen. Sie würde nie etwas enthüllen, unb wenn sie nun wirklich vor Schreck stürbe, wie war es dann mit dem Ge­heimnis?

Jack wurde schmal und blaß; es war ihm unerträglich, daß hier alle seine Gewitztheit nichts verfing; aber auch ein Klügerer wie er hätte sich vergebens den Kopf darüber zer­brochen, wo und wie wohl der Hebel zur Entdeckung eines so wohl verwahrten Geheinmisses anzusetzen.

Er versuchte seine unbestimmten Gedanken in Ordnung ' zu bringen. Sein Verdacht richtete sich auf Werner daß Werner nicht fein Bruder, nicht der Sohn seiner Mutter, sondern der Sohn von jemandem sei, der für die Bewahrung

des Geheimnisses anständig zahlte. Das wars, was er arg­wöhnte, vermutete, wie sollte er nun heranssinden, ob es wirklich so war?

Es gab niemanden in Ferryhill, noch in Elton, der über­haupt etwas von seiner Mutter gewußt, bis sie sich hier niedergelassen hatte. Sie war mit zwei kleinen Kindern nach Elton- gekommen, das wußte ein jeder. Eins war ein kleines Kind auf dem Arme gewesen, das andere ein kleiner Junge, der noch nicht allein laufen konnte, nicht ganz ein Jahr hatte zwischen ihnen gelegen.

Er hatte diese Geschichte sehr oft gehört; sie tonnte ihm nichts nutzen. Falls irgend ein Geheimnis über Werner schwebte, so datierte das ans der Zeit, bevor seine Mutier nach Elton gekommen.

Er mußte also ausfindig machen, wo sie früher gewohnt hatte, mußte sich dahin begeben unb Nachforschungen anstellen. Aber wie es ausfinbig machen? Seine Mutter zu fragen, war einfach nutzlos; sie hatte sich offen geweigert, es ihm zu sagen. Er konnte tun, was er wollte, bas wußte er int voraus, die Mitteilung würbe er nicht bekommen. So staub also gleich zu Anfang seines Plaues biese Schwierigkeit vor ihm, wie eine steile, glatte Mauer, bie er roeber übersteigen noch worüber er einen Blick Hinwegwerfen konnte.

28. Kapitel.

Jacks Plan.

Dieser Mantel ist ganz genau dasselbe," fagte' Jack Jefferies und musterte sich, wohlgefällig in dem kleinen ge­sprungenen Spiegel seiner Schlafkammer.Wie sagen sie doch, wie heißt der Schneider des Prinzen von Wales? Poole. Na, also Poole hätte nichts Besseres zustande bringen können."

Ein großes Ereignis in Jacks Leben hatte sich begeben er hatte einen Ueberzieher. Er brauchte dies Kleidungsstück notwendig zur Ausführung seiner Pläne, und er hatte bei feiner Mutter abwechselnd geschmeichelt, gedroht, überredet, kurz, alles versucht, bis sie zugestimmt. Das Ergebnis war nun dies Meisterstück, wovon er so hoch entzückt schien.

Er schmeichelte sich nunmehr, daß feine Kleidung ganz tadellos fei; jeder, der ihn sah, mußte ihn notwendigerweise für einen Gentleman halten, und als solchem würde ihm natürlich auch alle diesem Titel gebührende Achtung unb Huldigung gezollt werden.

Schließlich", sagte Jack unb vielleicht nicht so ganz mit Unrechtmachen Kleiber doch Leute; man mag sagen, was man will".

(Fortsetzung folgt.)

In der sozialen Fürsorge für Arbeiierinnezr

ist, wie Eliza Jchenhaeuser - im zweiten Heft ber, illustrierten Zeitschriftlieber Land unb Meer" (Stuttgart, Deutsche BerlagÄ- Austait) ausführt, von unfern großen industriellen Unternehm­ungen nach verschiedenen Richtungen hin ein glücklicher Anfang gemacht worden. So haben mehrere große Fabriken Einrichtungen getroffen, durch die den Arbeitern und Arbeiterinnen innerhalb der Fabrik selbst in großen Speisesälen Speisen zu billigen Preisen», verabreicht werden. Ich habe mich, schreibt die Berfasserin, bei beit Kabelwerken an der Oberspree persönlich von der Qualität des Essens überzeugt und gesunden, daß für 25 Pfg. eine große Portion Bohnen, Kartoffeln und Rindfleisch, für 30 Pfg. Würst­chen, Kartoffeln, Linsen unb Kompott, für 40 Pfg. Rindfleisch mit Sauce und so weiter, für 10 Pfg. ein großer Napf Suppe, für 8 Pfg. eine Flasche Brauselimonade, für 5 Pfg. eine Flasche Selters und so weiter verabfolgt wird. Selbstverständlich legen die Fabrikleitungen hierbei einige tausend Mark zu. Desgleichen haben verschiedene der großen Unternehmungen Kurse zur Weitere ausbildnug in den diversen Fächern, in denen die Arbeiter be­schäftigt sind, leider sind sie abe- beinahe ausschließlich für die männlichen Arbeiter. Mit Kindergärten sind ebenfalls Versuche gemacht worden, so von der Firma Spindler. Zwei geprüfte Kindergärtnerinnen beschäftigen wöchentlich von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 2 bis 4 Uhr nachmittags etwa 80 drei- bis sechsjährige Kinder von in Spindlersfeld tätigen Personen. Für jedes Kind werden monatlich 50 Pfg. erhoben. Auch eine Verleihung von Büchern findet an vielen Orten statt, und für llnterhaltungs- unb Erholungszwecke für Arbeiter und Arbeite­rinnen wird z. B. bei Spindler durch VolkÄmterhaltungsabenÄe