Ausgabe 
31.12.1906
 
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Madame Labonrache (wütend zu ihrem Gatten):Na, du sollst niich noch einmal anfsordern, am Sonntag aufs Land zu fahren!" _____________

Dasaltbewährte" Gymnasium.

Geh. Justizrat L. P a s s a r g e in Jena, früher Obcrlandes- gerichlsrat in Königsberg i. 'Br., hat feino stpreujzij ch e s I u g e n d l c b e n, Erinnerungen und Kultiirbilde r" (Leivzig, Verlag von B. Etlicher Nachfolger) soeben in zweiter Auflage erscheinen taiiin können. Ein für alle akademisch Gebildeten interessantes und anuiiaiües Buch. Em Nachtrag, geschrieben im 81. Lebensjahre des Verfassers, berichtet, das; die sehr trüben Schilderungen ans seiner Schulzeit, die er in Königsberg auf dem Gymnasium unter Männern durchmachte, deren Namen in der Getehrienwclt etwas bedeutet: Gotihold, Lübeck und Lehrs, daß diese Schitderiiugeu einerschmerzlichen Episode in seiner jngend- liehen Entivicklung ein geivisses Aufsehen gemacht haben." Er schreibt:Vielleicht darum, ivcil ich eine Wunde berührte, daran unser ganzes Unierrichtswesen krankt. Ich habe", fügt er hinzu, freilich von Schülern nur wenige Zuschriften erhalten, wohl aber von einer groben Zahl von 'Männern, namentlich solchen, deren Söhne am heutigen Gymnasium gescheitert lind; noch mehr uon Lehrern, die ohne jede Ausnahme sich mit meiner Dar­stellung und mit meinen Vorschlägen einverstanden erklärt haben. Denn ivie sehr auch beute die Schüler unter dem herrschenden, längst veralteten System leiden, das Elend ist ein noch viel gröberes bet den Lehrern selbst. . . . Auch bemerke ich schließlich, da« mein Urteil über das heutige Gymnasium sich nicht bloß auf das von nur Erlebte, also auf eigene Wahrnehmungen, gründet, sondern auch auf die Mttteiluiwen von meinen drei Söhnen, die in der Zeit von 186g bis 1886 zwei Gymnasien in Königsberg und das in Insterburg besucht haben. Vielleicht noch strenger als mein Urteil lautet das von verschiedenen yremiben in ganz Deutschland."

Tas Buck, glänzend geschrieben, von geivinneiider Wahrhaftig­keit und Gefühlsivärme erfüllt, recht.unterhaltsam in seinem zweiten Teile, in dem er n. a. sehr hübsche Charakteristen von hervor­ragenden Königsberger und Heidelberger llutoersitäts-Lehrern ent- wirst, ist im ersten Teile eine der n ä r t e tt e n Anklage n gegen das angeblichaltbewährt e." G y m n a s i u m, und zwar aus dessen vermeintlicher Blütezeit. Man wird bem Greise, der noch nach 00 bis 70 Jahren. das Grausen an feilte goldene Jugendzeit", die er auf dem Gymncmum verlebte, nicht loswerden kann, kein übereiltes, teichiiertiges Urteil vorwer'en dürfen. Geh. Instizräte haben ein Vorrecht darauf, ernst ge­nommen zu werden.

9lur einige Sätze, die besonders beachteiiswert erscheinen:

Nun febe man untere heutigen Gumuasiasten, die womöglich schot, vom je.hsten Lebensjahre ab die Vorschule besuchen, ein- gepsercht in traurige, oft licht- und litstlose Räume, zum Turn- unterricht widerivitlig geführt, weit freudlos, träge it n d kraftlos, nichts »v t j s e u d, als iv a s ihnen ein- gepaukt wurde, ohne jede Kenntnis des Lebens, krankhaft nach einer Erlösung verlangend aus einem Kerker, nicht selten sich mit Selb ft mordg^ da n k e n tragend. Tie m eilten v o n ihnen haben das Aussehen von 'Mehlwürmern, tote jemand es treffend nannte; meint sie aber die Schute wirklich durchgemacht haben, ivas nur wenigen gelingt, sind es ost nur bebrillte Krüppel. Schon Zwingli nannte solche Unglückliche: Cadaverosos vultis circum f-rentea, Studie si epera in Höre extincti, ö. h.Umtvandelnde nut Leichen- ge sich kern, durch Lernen und Arbeiten in der Blüte erstickt" . . , Ich habe es erlebt, da« ein unbegabter, aber h ö ch st steiniger Schüler in der Tertia namens Wolfersdorf vor U e b e r a n st r e n g u ii g wahnsinnig wurde . . . Tas Gymnasium mühte aufhören, ein Vrokr u st esbe11 zu sein. . . . Denke» lehrt nicht die Schule, sondern das Leben und die eigene Geisteskraft ganz von selbst. Vor allem dar! der V e r st and des Schülers n i ch t d u r ch v e r s r ü h t e s Renten u n b Grübeln verwirrt werden.

Am 23. September 841 bestand er sein 9tbiturienteneramen, am 17. April 1845 fd.lt ihm ein Wort aus Horaz ein : Beatus ille «der er schrieb es in fernem Tagebuch nicht zu Ende, sondern die Worte:Doch nein I Keine Erinnertmg an die Schule l"

Gramenohantaficn Quälen noch jetzt den Greis in schweren Träumen. Die Schule erscheint ihm in der Erinnerung als ein Schlammbad".

Stierem

ManitelundKüteSchnitzer,MeiiteFreuitdin Von nebenan und andere Skizzen. Verlag Dr. P. Langen­scheidt, Groß-Lichterfelde-Ost. Preis 2 Mk. Dieses Buch ver­einigt die besten Arbeiten eines Schriftsteller-Ehepaars. Was die beiden zu sagen haben, ist aus einer heiteren Weltanschauung und aus liebevoller Beobachtung des Lebens heraus erwachsen: es sind Geschichten, die in anmutiger Form, zuweilen überhaucht von leisem Spott, von den kleinen Komödien und Tragödien des Menschenherzeus erzählen. Die hübsche, in dem Bande enthaltene dramatische SzeneEin Mann, der geliebt wird" hat im Dresdener Residenztheater Erfolg errungen.

* Au s dem Simpliz i ffi mirs. Meine Schwiegermutter ist sehr ängstlich, was ihre Gesundheit anbelangt. Einmal kam ich nach Haufe und fand sie in Tränen ächzend und stöhnend. Wortlos wies sie mir ihren Unterarm, auf dem drei rote Flecke brannteit.Mückenstiche!" sagte'ich. Da wurde sie empört. Sie sah in den Flecken Symptome einer furchtbaren Krankheit, Masern mindestens. Ich mußte auf der Stelle nach dem nächsten Arzt telephonieren. Gottlob hakle sich vor kurzem einer in unserer nächsten Nähe niedergelassen. Er kam nach zwei Minuten, besah sich den Arm und wiegte seinen Kopf hin und her:Es war die allerhöchste Zeit, daß Sie mich, gerufen haben", sagte er. Meine Schwiegermutter griff erbleichend zum Herzen. Und aus ihren feuchten Augen schoß ein Blick voll schweren Vorwurss zu mir hinüber. Auch ich war betroffen. Wenn ich noch ge­wartet hätte, dachte ich und ärgerte mich. . Laut sagte ich, ernst und besorgt:So?"Ja", fuhr der junge Doktor fort, zwei Minuten später und man hätte von dielen Mecken nichts mehr gesehen . .

Keife».

Egypten und Palästina Iverden auch im Jahre 1907 das Ziel mehrerer Studienfahrteil bilden. Die 20. Reise beginnt am 16. März in Genua uitb führt über Neapel, Korinth, Athen, Smyrna, Rhodos, Beirut, Damaskus, See Genezareth durch Galiläa nach Jerusalem, woselbst die Teilnehmer während des Osterfestes weilett, und weiter nach Unter- und Oberegypten bis Luxor-Assuan. Wer nicht die ganze Tour mitmachett will, kann eine der im Programm vorgesehenen Teiltvüren wählen. Die Sommerreifen beginnen am 10. Juli, 8. August und 19. September. Kleine Separatdampfer werden nicht benutzt, sondern fast ausschließlich die großen Schiffe der regulären Linien deS Norddeutschen Lloyd, u. a. die SalondampferTherapia",Schles­wig" undHohenzollern". Sämtliche Fahrten, an denen auch Nichtlehrer teilnehmen, iverden bon dem Veranstalter dieser Studienreisen Herrn Jul. Bolthausen in Solingen persönlich ge­leitet. Ausführliche Programme iverden auf Anfrage kostenfrei zugesandt. __

Zur ZckhkcSVeude.

Mit der ÖMoctcn Feierklaage Set gegrüßt, o nettes Jahr; Aus des Herzens tiefstem Drange Bring ich meme Wünsche dar:

Neige liebreich dich zur Erde, Last des Friedens Palmen roelm. Tast das Wort zur Wahrheit werde Botz der Völker Wohlergehii.

Gib nnS sestes Gottvertraueu, Schenk dem Herzen woben Muk, Tast ivir hoffend aufivärts schauen Zit des Glaubens Hmrmelsgut,

Schwebe tröstend in die Räume, Wo der Dulder seufzt und ringt, Dag ihm ut die wirren Träume Auch ein Strahl der Hoffnung dringt.

Sende allen frohe Tage, Spende Segen für und für. Doch hab' ich die bange Frage: Neues Jahr, was bringft du mir?

Gießen, Silvester 1908. Theodor LooS.

Reujahrs-ArrLhmoZrlph.

Nachdruck verbot!"

1 2 4 4 5 Stoff für Kleidungsstücke.

2 6 7 5 4 musikalisches Instrument.

3 2 6 8 Waffe mancher Tiere,

4 5 3 6 bekannter Rennfahrer.

5 7 5 6 Stadt in Böhmeit.

6 5 3 flinken Tier.

7 5 6 altdeutsche Waffe»

& 6 4 5 ein Baum.

3 5 8 8 5 ein Geflügel.

5 8 7 5 4 überirdisches Wesen.

8 2 6 8 5 8 nordische Göttmen.

Die Anfangsbuchstaben der gefundeneit Wörter bezeichnet Etwas, was.wir unfern Lesern zum Jahreswechsel wünschen.

Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung des Versteckrätsels in voriger Nmnmerr Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr alles setzt für ihre Ehre.

Redakttont Ern st Heß. Rotatwnsdruck und Verlaa der Brühl'icden ÜI^rsitäE^Ind^^d^'eret. R.