638
einem Blicke, an den er sich später erinnerte, und zwar mit geheimer Furcht.
„Ich hasse gut," sagte sie dann, „niemand haßt besser wie ich; und ich glaube, ich könnte ebenso gut lieben, wie ich hassen kann. Wenn ich einmal sage, ich werde Euch lieben, so denkt daran, daß Ihr besser tätet, eine wütende Löwin zu reizen, als mich in Wut zu bringen. Ihr werdet mir mein ganzes Leben lang treu sein müssen."
„Aber, Betsy, wen in aller Welt könnte ich überhaupt nur halb so lieb haben? Warum sollte ich dir nicht treu sein? Ich habe überhaupt nie eine andere geliebt und werde es auch nie."
Betsy legte ihre kräftige Arbeitshand auf die seinige.
„Ich hatte dich lieb," sagte sie ruhig, „vom selben Tag an, wo ich dich zuerst gesehen. Ich sage also ja, ich will deine Frau werden."
klud Jack küßte das blühende, frische Gesicht seiner Liebsten und glaubte sich beinahe im Himmel. Keinen gäb's in der ganzen weiten Welt, erklärte er, der so glücklich sei wie er.
27. Kapitel.
»Hübsche Geschenke nehine ich auch gern."
Sie waren jetzt gerade einen Monat verlobt gewesen, und Kate Jefferies hatte in dieser Zeit ihren Sohn kaum gesehen. Sie wußte, daß er irgend einer in der Nachbarschaft den Hof machte, — wer diese eine aber ivar, hatte Jack ihr bisher noch nicht anvertraut, sie wußte es von acsälliaen Nachbarinnen.
Sst war in gewissem Grade dankbar, da sie überzeugt war, daß er über dieser Freierei, die sein Interesse so ausschließlich in Anspruch nahm, die ganze Geschichte mit Werner vergessen würde. Aber sie irrte sich hierin — diese Kleinigkeit war nur aufgeschoben; Jack hatte damals gerade etwas anderes zu tun.
Eines Tages spazierte er mit Betsy durch die Gemeindewiese; er plauderte unaufhörlich auf sie ein, während sie nur sehr einsilbige Antworten gab. Plötzlich fuhr sie aus ihrem Brüten auf und wandte sich an Jack.
„Jack," sagte sie, „ich habe all meinen Leben lang nur eine einzige Freundin gehabt, aus der ich mir was machte, und das war Lizzy Seymour; und weißt du auch, daß Lizzy Seymour sich jetzt auch verheiratet?"
„Recht so," sagte Jack, „je mehr Heiraten, desto mehr Glück."
„Ihr Schatz hat ihr gestern auch einen Ring gegeben — einen Ning mit schönen roten Steinen drin; sie zeigte ihn mir, und eine Kette, alles von Gold."
„Er hat sie nichts lieber, als ich dich," sagte Jack eifersüchtig.
„Hm, ich weiß doch nicht. Hübsche Geschenke nehme ich auch gern. Ich möchte auch wohl einen Ring haben — aber einen bessern wie sie."
Jack zermarterte sich schon heimlich den Kopf, wo er wohl einen Ring hernehmcn solle, und wieviel der wohl kosten würde, denn der Gedanke, daß Betsy etwas haben wollte und daß er es ihr nicht gleich geben konnte, war ihm Gift und Galle — war wirklich unerträglich.
„Du sollst einen Ring haben, Schatz," sagte er; „und sollst ihn mir mit Küssen bezahlen."
»Das werde ich machen, wie's mir gefällt," sagte seine Schöne schnippisch; „aber denk mal, Jack, es muß doch sehr nett sein, wenn man einen Bräutigam hat, der einem Ringe und Ohrringe schenken kann."
Jack sah sehr düster und eifersüchtig drein.
„Hast du solche Sachen denn so riesig gern?" fragte er schließlich mürrisch.
„Gewiße Alle Mädchen und Frauen haben solche Sachen gern, und ich bin nichts anders tote d.ie andern."
Also beschloß Jack, komme was da wolle, sie solle sie Haben. Er verlangte von seiner Mutter Geld, aber Kate sagte ihm kurz und bündig, sie könnte nichts mehr her- geben, er hätte ohnehin in letzter Zett schon mehr wie miet ausgegeben.
„Schass' mir was daher", sagte er, „wo du deins herkriegst."
Und Kate Jefferies' Gesicht wurde wieder blaß vor Furcht über diese unerwarteten Worte, doch hielt sie's für's Klügste, sie zu überhören und keine Antwort darauf zu geben. —
Jack hatte keine Ruhe, keinen Frieden, kein Glück, erbrütete Tag und Nacht über dem Problem, woher er das Geld nehmen sollte. Zuletzt- beschloß er, an Werner zu schreiben.
In Elton war ein Goldschmieds-Laden, wo er für drei Guineen einen Ring mit soviel roten Steinen darauf kaufen konnte, wie er nur wollte, auch Ohrringe, die wie die Sonne strahlten und funkelten.
Werner mußte ihm drei Guineen schicken. Jack schrieb also und ersuchte ihn därum, und der Brief kam nach Kenninghall, wo Werner noch da war.
Er schickte wirklich das Geld, froh, den Wunsch seines Bruders erfüllen zu können, obwohl er — er mochte tun, was er ivollte — diesen Bruder nicht in dein Maße lieben konnte, wie sein zartes Gewissen cs ihm anbefahl.
Jack ging stracks zum Goldschmied und kaufte die ersehnten Schätze; er hatte sich gelobt, daß er Betsy nicht eher wiedersehen wollte, als bis er ihren Wunsch erfüllen konnte. Jetzt stand es in seiner Macht, und leichten Herzens eilte ex den wohlbekannten Weg zur Farm, Ihr Jubel und ihr Entzücken schienen ihm das Allerschönste, das er Zeit seines Lebens gesehen. Betsy, die sonst so spröde, so sparsam mit ihren Gunstbezeugnngen war, schlang ihre Arme um seinen Nacken und küßte ihn ab, bis ihm die Wangen ordentlich brannten.
„Du bist ein Schatz, Jack! Diese Sachen sind doppelt so schön, wie Lizzy ihre! Was soll sie für Singen darüber machen! O, wie freu' ich mich, was bin ich stolz!"
„Du sollst noch schönere Sachen haben, wie diese, Betsy, später mal", sagte er; denn ihr Lob entzückte ihn.
Nie in seinem Leben war er so entzückt, so geschmeichelt, so hingerissen, ja, berauscht gewesen. Es war etwas ganz Neues für ihn, daß man ihn nobel nannte und sich für Geschenke bei ihm bedankte. Eine Art stolzer Genugtuung schwellte ihm die Brust.
„Ach, Betsy", sagte er großspurig; „du hast doch bessere Aussichten als Lizzy Seymour, alles in allem genommen. Sie wird doch nur eine Krämersfrau, und was dir alles noch blühen kann, das weiß man noch nicht."
„Was ist's?" fragte sie begierig.
„Ich darf ditts nicht sagen", erwiderte er; „aber was meinst du wohl, wenn du die Frau eines feinen Mannes würdest, der von seinen Renten lebt und wir alle beide gar nicht niehr arbeiten brauchten, he?"
„Das gefiele mir wohl", sagte sie, „Landwirtschaft ist schließlich nicht so angenehm. Ich würde sicher ebenso gut eine feine Dame vorstcllen können, wie jede andere."
„Biel besser", rief Jack begeistert. „Ich hab' noch keine seine Dame gesehen, die so glänzende Augen hatte, wie Du, Betsy."
„Jack", schmeichelte sie, „willst du mir nicht sagen, wie das mit dein Reichsein und von Renten leben ist?"
„Das kann ich jetzt noch nicht; ich glaube nur, ich bin nicht ganz sicher, merk' dir, — ich glaube, ich bin einem Geheimnis auf der Spur."
„Ein Geheimnis!" rief Betsy, und ihre schwarzen Singen schossen Biitze. „O, Jack, sag's mir!"
„Ich weiß es selbst noch nicht, ich vermute nur, wie es sich verhält. Wenn ich's herauskriege, Betsy, so werde ich's dir erzählen, darauf kannst du dich verlassen."
„Aber wie soll dich das zum Rentner machen, und daß wir gar nicht arbeiten brauchen?" fragte das Mädchen eifrig.
„Wegen des Geldes, das ich dafür kriegen werde. Wenn es das ist, was ich glaube, Betsy, so werden die Leute mir gerne Tausende bezahlen, nur, damit es noch ferner Geheimnis bleibt."
„Ich verstehe Jack", flüsterte sie geheimnisvoll. „Ist cs ein Mord?"


