Ausgabe 
31.8.1906
 
Einzelbild herunterladen

- Ms -

Nvrdaus Expektorationen sind nicht immer sympathisch; ttt einem aber wird man ihm mit Freuden zustimmen:Die Ge­sellschaft mutz dahin gebracht werden, es als eure Schmach zu empfinden, daß innerhalb eines zivilisierten Gemeinwesens em Weib, sei es jung oder alt, schön oder häßlich, Not leiden kann.

Vermischte».

* Weibliche Gärtner. (Aus der praktischen Wochen­schriftFürs Haus".) Die Gärtnerkunst bietet den Frauen em echt weibliches Gebiet der Erwerbstätigkeit und es haben sich schon seit längerer Zeit auch in Deutschland Gartenbauschulen sür Frauen der Ausbildung von Gärtnerinnen gewidmet. In England sind weibliche Gärtner schon mit gutem Erfolge m Tätigkeit ge­treten. Auf der letzten Jahresversammlung der landwirtschaft- lichen Mädchenschule zu Swanlev wurde festgestellt, daß 48 der dort ausgebildeten Mädchen als selbständige Gärtnerinnen ihr gutes Einkommen haben. Teilweise sind sie als Aufseher der Anlagen von öffentlichen Gebäuden angestellt. Für angehende Frauen von Kolonisten ist ein besonderer Kursus eingerichtet worden, der noch das Einmachen von Obst und Gemüsen, Bienen­zucht und andere derartige Kenntnisse in sich schließt.

* Vom Dienstmädchen zur Schriftstellerin. Aus Stockholm wird derVoss. Ztg." geschrieben: Am schwedischen Parnaß ist eine Dichterin aufgetaucht, die einen recht merkwürdigen Entwicklungsgang aufzuweisen hat. Christine Nilsson, so heißt das neue Gestirn, ist die jüngste Tochter eines mit zehn Kindern gesegneten Kleinhändlers, der aus einem Gute in Schonen lebte. Im Alter von acht Jahren verlor sie ihre Mutter, und sie lebte nun mit ihrem Vater allein, denn die Geschwister waren in die Welt gegangen, um ihr Brot zu verdienen. Wer diese traurige Einsamkeit, in der sie ohne Spielgefährten war, trug dazu bei, ihren Gedankeugang zu entwickeln und zu vertiefen. Sie baute Luftschlösser und ersann die schönsten Sagen. Jsidessen mußte sie frühzeitig das elterliche Heim verlassen und in den schonenschen Dörfern als Dienst­mädchen ihren Unterhalt suchen. Dabei versäumte sie aber nicht, ihren Wissensdrang zu befriedigen. Die Bibliothek des Kirchspiels studierte sie von Anfang bis zu Ende durch. Mit 20 Jahren veröffentlichte sie im Blättchen des Ortes einige kleinere Erzählungen, die ihr allerdings weder Gold noch Ehren einbrachten. Dann trat ein Wendepunkt ein. Sie mußte, da die Aufwärteriu ihres Vaters gestorben war, nach Hause, um den Haushalt zu besorgen, und nun konnte sie ungehindert die Volksschilderungen, mit denen sie sich in Gedanken beschäftigt, uiederschreiben. Daneben arbeitete sie auf den Rübenfeldern, uni den Unterhalt für sich und ihren Vater zu verdienen. Jsizwischen wurde eine adlige Dame auf das Talent des Dienstmädchens auf­merksam. Sie gab dem Mädchen gründlichen Unterricht im Schwedischen und stand ihr auch sonst mit Rat und Tat zur Seite. Bald konnte Christine eine erste Auswahl ihrer Erzählungen herausgeben, die unter dem TitelAus schonenschen Dörfern" erschienen. Ter Erfolg wär ein un­erwarteter. In 14 Tagen hatte der Verleger die Auflage verkauft, und auch die zweite Auflage fand reißenden Ab­satz. Ein weiterer Erfolg des übrigens sehr guten Buches war, daß die Dichterin von einer Adelsfamilie eingeladen wurde, bei dieser als Gast zu leben. Hier vollendete sie ein neues Werk, das unter dem TitelZwei Frauen" im Herbst erscheint, und später soll eine Schrift über die Dienstbotenfrage herauskommen, in welchem Gegenstand die Verfasserin jedenfalls Sachverständige ist.

Literarisches.

Tas Blaubuch, Wochenschrift für öffentliches Leben, Literatur und Kunst, begründet von Albert Kalthoff, herausgegeben von H. Jlgenstein und H. Kienzl. Einzelpreis 30 Pfg. Inhalt der Nummer 33:B. B." von Eduard Goldbeck.Gedanken über Egoismus und Altruistnus" von Ellen Key.Aphorismen" von VauvenargUes.Ein Schuster und ein Schneider" von Peter Rosegger.Kornej Vasiljev" von Leo Tolstof.Theater" von Hermann Kienzl. Freie Aeußekung".Neue Bücher."

Kurt Aram, Pastorengeschichteu und anderes. Deckenzeichnung von O. Gulbransson. Preis flexibel in Leinen gebunden mit Oeffner 2.50 Mk. Verlag von Albert Langen in München. Kurt Aram, einst ein hessischer P f a r r e r, jetzt Schriftsteller in München, pflegt in seinen satirischen Novellen das Genre Otto Erich

Hartlebens und Ludwig Thomäs. Wie diese beiden pflegt er mit ehrbarer Miene seine Schnurren zu erzählen, und immer sitzt ihm der Schalk im Nacken. Er ist kein Viel-, schreiben. Mer die wenigen Bücher, die er veröffentlicht hat, haben ihm einen weithin bekannten Namen gegeben. Wie himmelweit unterscheiden sich Wams' Geschichten davon, was sonst sinter dem TitelHumoresken" gedruckt wird! Aram stellt um der Komik willen die Dinge nicht auf den. Kopf und hascht nicht nach Pointen. Er zeigt die imma­nente Komik der Dinge, und die ist wahrhaftig groß genug, als daß man sie zu übertreiben brauchte. Man sieht sofort, der Verfasser kennt die Leute, die er da schildert, durch und durch. Sie sind meist aus seiner hessischen Heimat geholt und reden auch im hessischen Dialekt.,

Hojo Takuji, Professor des Dschiu-Dschitsu. Die. Kunst der Selbstverteidigung bei tätlichen Ain- arisfen nach dem japanischen Dschiu-Dschitsu. Eine aus­führliche Beschreibung, wie die Japaner durch geschickte Handgriffe und ausgesuchte Vorteile selbst den stärksten Gegner zu überwinden vermögen. Mit 40 Abbildungen. Leipzig, Modern-Medizinischer Verlag (F. W. Gloeckuer u. Co.). Preis 2 Mk. Der Vorzug dieses Buches liegt be­sonders darin, daß es die berühmte japanische Kunst der. Selbstverteidigung, das Dschiu-Dschitsu, systematisch lehrt, und nicht nur eine kurze Beschreibung der Tricks gibt. Nach den Anweisungen dieses Buches ist man tatsächlich in der Lage, sich im Dschiu-Dschitsu auszubilden, wozu ein ge­wisses Trainieren des Körpers gehört, wäs aber jeder leicht ausführen kann, wenn er nach dem vorgeschriebenen System zu Werke geht. Die Resultate sind aber dann auch währ- hast wunderbar, und es ist darum nur zu wünschen, daß das Dschiu-Dschitsu von allen Turnvereinen ausgenommen werde, wie es einige schon getan haben. Dieses Buch gibt allen Turnern und Freunden körperlicher Uebungen die beste Anleitung, den stärksten Gegner, selbst wenn er be­waffnet ist, im Nahkampfe zu überwältigen, und gerade schwächliche Personen sollten nicht versäumen, sich diese Kunst anzueignen.

Reisen.

M ünchen, Führer und Ratgeber zur dauernden Ansiedelung. Herausgegeben vom Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs in München und im bayerischen Hoch­land (e. V.). Diese mit Illustrationen ausgestattete Schrift ist nicht nur ein praktischer Führer für den, der der Bayern­residenz einen kurzen Besuch abstattet, sondern insbesondere ein Ratgeber sür jedermann, der sich in München dauernd niederzulassen beabsichtigt. Wie man in München lebt, was! die Stadt an geistigen und künstlerischen Genüssen bietet, wo man sein Heim dauernd aufschlagen kann und soll, welche Bildungsmöglichkeiten für die Kinder einer Familie in Betracht kommen, über Sport und Vergnügen, über Dienstboten und Steuern über alles das und noch vieles' andere gibt dieses Schriftchen Auskunft, erteilt es Winke und Ratschläge. Dem Büchlein ist ein Umgebungsplan von München beigegeben, der zeigt, wie nahe ausgedehnte Wälder an die Stadtgrenze ringsum heranreichen und Ivie die Villenviertel, die sich hauptsächlich für die Ansiedlung eignen, in diese Waldzonen sich hineinverteilen. Inter­essenten erhalten die Schrift vom genannten Verein in München, Weinstraße 8M zum Preise von 20 Pfg. zu­gesandt. ________

Werst-Riitsel.

Nachdruck verboten..

Sius jedem der folgenden Wörter sind der Reihe »ach zwei zusammenhängende Buchstaben zu entnehmen, sodaß sich daraus ein geflügeltes Wort" vom Fürsten Bismarck ergiebt:

Heinrich Schildknappe Forellen Wanderbursche Kiefer Durchmesser Nachtfalter Augenbinde Pho­netik Emden Leibkutscher Kirschen Zeichnenhcft Druckerschwärze Pfennig Thema Felsengrotte

Steine Schottland.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nummer: RUBIN URAL

BAN I L N

Redaktion: Ernst Setz. Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'schen Universitäts.Buch. und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.