Ausgabe 
31.8.1906
 
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Sie dort-

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Im Jahre 1738 sind Tauszeugen: v. Trillitz, Herr t>. Lesch, Frau v. 3

Merlau.

mit

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zu rechter Sie sollen Berlin, in

an ein dem hatte über mich, sönlichkeit. mir richtig

vor einigen Tagen bereits getan. Ich habe an meinen Agenten geschrieben, diesmal ganz selbständig . .

Kann Ihnen denn niemand behilflich sein?" fragte er mit unruhigem, fast ungeduldigem Ton.

Nein, Herr Graf! Diese Welt ist allen denen fremd, die in Liebe und Freundschaft zu mir stehen. Aber es bedarf dessen nicht, ich kenne sie jetzt. Ich kenne sie mit allen ihren Schwächen, mit ihren Intrigen, ihren: Neid, ihrer Unzuverlässigkeit, ihrer Eitelkeit, ihrem Leichtsinn, aber auch mit ihren Vorzügen, ihrer Arbeit, ihrem Ernst, ihrem Reiz und ihren gewaltigen Strömungen und Erregungen: das zu verkörpern, das nachzuschaffen und mit eigener schöpferischer Kraft zu durchdringen, maZ unsere Größten und Besten ge­schaffen, die in Wahrheit Auserkorenen! Wer vermöchte uns das nachzufühlen, was in uns ausersteht an Abenden wie an jenen, die Sie in Berlin miterlebt haben?"

Ec seufzte schwer auf.

(Fortsetzung folgt.)

Aie Ireiherrn V Wrede, ehemaliger Besitzer der Burg zu Lindes (Klein-Linden).

Charlotte von Merlau. ~

1740: Ludwig Leopold von Wrede mit Fraulem von Seebach.

1777: Ludwig August von Wrede, Kaiserl. russischer Maior, Adelheid von Löwenseld. , ,L .

1780: August Ludwig v. Wrede, Komgl. britannischer Maior,

von Hill. m

Im Jahre 1773 wurde auf der Burg dem ehemaligen Kon- sistorialdirettor zu Darmstadt, Herrn Johann Gottlieb Jan und seiner Gemahlin Eleonore Luise v. Wrede, eine Tochter geboren und Gevattern waren Generalin von Schwalbach, Major Karl von Wrede aus Daripstadt und der Kaiserlich russische Maior Friedrich von Wrede. , t

Trauungen sanden statt in derFreiherrlich adeligen Ka­pelle" beim Friedhof. Diese Kapelle war 1613 von Herrn von Wrede erbaut und später der Gemeinde überlassen worden. Sie hat der Gemeinde bis zum Jahre 1864 als einziges Gottes­haus gedient und mujjte. zuletzt wegen Baufälligkeit abgebrochen tvcibeti.

* 1734 wurde darin getraut Johann Gottfried v. Wrede

Ebenbürtige, Gleichberechtigte war ich neben ihm geworden. Ich galt auf meinem Gebiete das, ivas er auf dem seinen. Ich war eine Erste geivorden, von jenem Abend in Mailand ' Star, wie es in der Kunstsprache heißt. Trotz- eu in gewissem Sinne ein großes Uebergewicht Ich stand unter dem Einfluß seiner starken Per- Ich ging auf alles ein, ivas er mir riet, weil es schien, nur meiner. Kunst zu leben, um sie ganz

und heiterer schaute er auf die vor ihm Sitzende.

Sie wissen nicht, wie wohl Sie mir getan haben. Ich kam hierher . . . nochmals wollte ich Ihnen den Schutz der Giersdorfs anbieten. Nicht wie damals, aber um Sie einer Situation zu entreißen, die, wie ich fürchtete, Ihrer nicht würdig war. Eine unsagbare Furcht erfaßte mich, hin zurückkehren zu sehen . . . dorthin, wo er . .

Sie lächelte wehmütig.

Seien Sie unbesorgt, Herr Graf! Ich habe

eine schreckhafte Vorstellung abwehren.

Das hat mich niedergeworfen."

Und wenn Sie wieder zurückkehren?"

Ein angstvoller Ton klang aus seinen Worten.

Ich bin genesen, Herr Graf! In jeder Beziehung. Zn furchtbar nahe habe ich das Schreckliche gesehen. Wie in Todesgefahr! Ich weiß jetzt, wohin es führt, sich mehr zu dünken als andere . . . mir schaudert! Der Beklagenswerte. Eine gewaltige Begabung ist an dem Wahngebilde des Ueber- menschentums gescheitert. Titanisch sich dünken und so jämmerlich klein zu sein!"

Er sah sie bewundernd an und sagte leise:

Aber Siel Della! Wie ist Ihr Geist gewachsen in diesen Lebenskämpfen. Sie ragen hinaus über das Gewöhn­liche, nicht nur als Künstlerin, auch als Weib. Sie sind groß ..."

Doch nur, weil ich in diesen Wochen der Nachdenklich­keit und Ueberlegung gefunden habe, wie klein, wie unendlich klein ich bin!"

Und wollen Sie zur Bühne zurückkehren?

.Ja Herr Graf! Ich habe die erforderlichen Schritte

Wie aus der Ortsgeschichte vo» Klein-Linden hervorgeht, ging die Gründling des Dorfes vonder Burg" aus, dem ehe­maligen Wohnsitz der Freiherrlich adeligen Familie v. Wrede. In einer Urkunde vom Jahre 1280 geschieht der Burg unter dem Namen niinor Villa dicta Lindes zmn ersten Male Erwähn­ung Im Laufe der Zeit, namentlich zu Anfang des 19. Jahr­hunderts, hat dieser alte Herrensitz durch Abbruch umfangreicher Gebäude vieles von seinem Burgcharalter eingebüßt. Das Wohn­haus welches ieM zu freundlichen Wütschastsräumen eingerichtet ist, war um ein Stockwerk höher. Ein Seitenbau, der nut der Burg in Verbindung stand, diente dem Bnrghofmann als Wohn­ung. Von den Scheunen und Stallungen, sowie dem an der Wetzlarerstraße gelegenen Unterhof ist bis auf wenige Mauer­reste nichts mehr vorhanden. Ein weiteres Wohnhaus, das ober­halb der Burg, im sogenannten Bnrggarten stand, wurde auf Abbruch nach Groß-Rechtenbach verkauft

Der für Wirtschastszwecke terrasienformig angelegte Burg­garten bietet jetzt im Sommer mit seinen schattenspendenden Bäumen einen angenehmen Aufenthaltsort. .

Daß dieFreiherrlich adelige Familie von Wrede",,wie sie in den kirchenamtlichen Protokollen immer genannt wird, in ihren besseren Zeiten in hohem Ansehen stand, beweisen die freund­schaftlichen und verwandtschafttichen Beziehungen, nut, denen sie Zn den anderen hessischen Adelsfamilien stand. Bei einer Taufe im Jahre 1735 sind als Paten auf der Burg anwesend: Gräfin von Laubach, Frau Hauptmann v. Hill, Fräulein von Merlau, Leutnant ö'. Graß und Hauptmann v. Schwalbachaus Gießen.

Im Jahre 1738 sind Tanfzeugen: Herr ». Merlan, Maior v Trillitz, Herr v. Lesch, Frau v. Reinkönig, Fran v. Korst, Fräulein v. Schrautenbach, Fräulein v. Wattenheim, Fraulem

zu besitzen.

Nur lose war in dieser Zeit mein Zusammenhang mit der Heimat, selbst mit dem Elternhaus.

Fürchtete er, daß eine Heimkehr eine Abkehr bedeutete?

Vielleicht! Jedenfalls hielt er mich fern, und selbst mein Auftreten in Berlin verzögerte er deshalb von Jahr zu Jahr! Und so hatte er mich wirklich isoliert. Um so inniger schloß ich mich ihm an. Ob wir nun zusammen waren oder durch unsere Engageinents getrennt, er mar im Geiste immer bei mir. Und ich muß bekennen, daß ich ihm unendlich viel danke, wie für meine künstlerische, auch für meine geistige Entwicklung."

Sie ruhte einen Augenblick und, als sie des Grafen Augen wie in banger Neugier auf sich gerichtet sah, fuhr sie fort:

Wittelsbach ist eine äußerst empfindliche Natur allen Eindrücken, allen Sensationen, allen Strömungen leicht zugänglich. Ein Mensch, ganz modern im Fühlen und Denken, wirkte er naturgemäß auf mich ein, die in der Eigenart ihres Lebens längst nervös und reizbar geworden war, ohne es selbst recht zu wissen. Mit hinreißender Beredsamkeit wußte er auch mich in diese Gedankenwelt einzuführen und mich für Dinge anzuregen, die dem Geiste Bildung und Reife geben. Ich glaubte nicht anders, so, wie unser Leben fei, müsse es sein. Wir! Die Auserwählten I Und so stand ich neben Wittelsbach nur so!"

Ich danke Ihnen", sagte er einfach und nahm ihre Hand, auf die er einen ehrerbietigen Kuß drückte. Es war, als ob eine Last von seiner Seele genommen wäre. Freier

Charlotte v. Seebach. ~

In dec alten Friedhofskapelle befand sich auch die Fa­miliengruft des Freih. v. Wrede. Bei Abbruch der Kapelle wur­den die Grabsteine an die Innenseite der Umfassungsmauer des alten Friedhofs angelehnt, wo sie heute noch stehen.

Ueber eine Beisetzungsfeierlichkeit aus dem Jahre 1765 be- richtel das Kirchenbuch:Der Hochwohlgeborene Herr mibtotg Leopold Karl v. Wrede, Sr. Hochfürstlichen Durchlaucht zu Hessen- Darmstadt, hochbestallter Herr Obristwachtmeister und Mmor bei dem Löblichen Infanterie-Regiment des Durchlauchtigsten Prinzen Georg Wilhelmus in der Stadt und Festnng Gießen, verwechselte Sonntags, als den 13. January das Zeitliche mit dem Ewigen^ als er ohnvermutet mit einem Schlagfluß überfallen wurde. Der entseelte Leichnam wurde Dienstags, als den lv. standes­gemäß allhiero beigesetzt, wobei der Herr Professor Bechihold

Zeit erkannt, welchen Gefahren ich ausgesetzt war. auch das wissen. Schon vor meinem Gastspiel in den letzten Wochen, die ich in Wien zubrachte, wo Wittels­bach zurzeit engagiert ist, merkte ich eine Veränderung in seinem Wesen, und dann in Berlin . .

Sie bedeckte das Antlitz mit der Hand, als wolle sie