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bemerkt, das seine Begleiterin erregt hatte. Ein ver- stöhlen er Blick streifte ihre junge biegsame Gestalt, die das einfache blane Tuchkostüm mit vollendeten: Chik trug. Seine Frau hatte nicht übertrieben, sie war entzückend. Keine Schönheit, aber Inas viel mehr inert war, es lag Rasse in ihrem Gesichtchen, Leidenschaft. Tie flimmernden Augen, der heiße rote Mund, das trotzige Kinn verrieten es. Ihre augenblickliche Schüchternheit täuschte ihn nicht. Er würde jede Wette eingehen, daß die in ein paar Stunden wie weggeblasen sein würde.

Hui) der Hauptmann hätte die Wette gewonnen. Trotz­dem die Cousine sie im Beisein der fremden Gäste, eines jungverheirateten Gutsbesitzerspaares, begrüßt, findet Suse sich mit ihrer alten Keckheit rasch in die Situation.

Zudem gibt Melas bekanntes Gesicht ihr ein gewisses Heimatsgefühl, das durch ihre ganze Umgebung noch ver­stärkt wird. Sie hat so oft und so zuversichtlich von Glück und Reichtum für sich geträumt, daß ihr alles förmlich selbstverständlich erschien, das behaglich und vornehm aus­gestattete Zimmer, in dem es nicht wie daheim schlechte Tapeten und schadhafte Möbelbezüge zu verbergen gab, der hübsch gedeckte Kaffeetisch mit den papierdünnen, zier­lichen Täßchen, dem silbernen Kaffeegerät und den vielen, süßen, kleinen Küchen, die sie so gern mochte und au denen sie sich zu Hause nie halte satt essen können, der in Livree gesteckte Bursche, der später merkwürdig geschickt mehrere hohe Stehlampen unter roten Seidenschirmen entzündet, der weiche, bequeme Sessel, in dem man sich, ohne nach­lässig zu erscheinen, doch so bequem lehnen konnte, ja es war imrklich so schön, wie sie sich's gedacht. Zuerst begnügt sie sich mit aufhorchenden Augen still zuzuhören, wie die beiden Ehepaare sich über gemeinsame Bekannte, über den abendlichen Zapfenstreich und die morgige Parade unter­halten. Alles rst ihr neu und fremd und sie beginnt end­lich in ihrer Unwissenheit über inilitärische Tinge Fragen zu stellen, die besonders die Herren köstlich amüsieren.

Ter Hauptmann, dessen Anwesenheit sie jetzt durch-- aus nicht mehr stört, erbietet sich galant, sie in die Ge­heimnisse des königlichen Dienstes einzuweihen, aber sie meint lachend, daß tlir am ganzen Militär nur die .Leut­nants interessant wären. Es ist plötzlich ein Funken in den ernsten grauen Männeraugen, als der stattliche Offizier sich zu ihr herabneigend leise sagt:

Ta bedauere ich aufrichtig, kein Leutnant mehr zu sein." Ms Suse verblüfft über die schmeichelhafte Bemerkung seine Augen sucht, ist der Ausdruck darin erloschen. Und so sagt sie ohne Befangenheit:

Ach, unter Leutnants meine ich eben alle Offiziere- ich verstehe dock noch gar nichts von den verschiedenen

Chargen / Hilst er ein und sie spricht es allerliebst! wichtig nach.

Dann verabschieden sich die Gäste. Der Hauptmann begleitet sie, da er noch einmal in einer Dienstangelegen-- heu nach der Kaserne muß, und die beiden Cousinen bleiben allein.

Frau Meta fragte nun mit ein wenig erzwungenem Jn- ieresse nach Suses Angehörigen und diese gibt bereitwillig Bescheid und erzählt vertrauensselig von der häuslichen Misere, deren Größe man den Verwandten damals mög­lichst verborgen hatte. Sie erzählt, wie jeder Wunsch, jedes Hoffen stets an der Tatsache zu scheitern pflege, daß nicht Geld genug vorhanden war, wie große Sorgen Ruth hatte, ihre, Suses, Toilette zu dieser Reife so herzurichten, daß es wenig kostete, und zum Schluß all dieser Eröffnungen fällt sie der blassen, kühlen Frau in jubelnder Dankbar­keit um den Hals und küßt sie herzhaft.

Fast verlegen wehrt diese den Ansturm ab. Sie kennt solche Gemütsausbrüche nicht, sie benimmt sich immer ganz korrekt, auch im intimsten Familienkreis.

Der retne Eisblock!" denkt Suse unwillkürlich fröstelnd, mit der werde selbst ich nie warm werden, e r scheint mir wirklich der Nettere von beiden zu sein."

Als echte Evastochter fühlte fie bereits, daß der Haupt­mann ihrem Aufenthalt in seinem Hause durchaus günstig gegenüberstand.

Sie hatte auch gemerkt, daß Meta ihren Mann, soweit ihre kalte Natur es zuließ, abgöttisch liebte und sicher alles tat, was er für gut befand, das gab ihrem Hiersein Sie glänzendste Perspektive.

(Fortsetzung folgt.)

Dem Wakren, Gdl'm, Schönen.

Ein Großstadtroman von Fedor v. Zobeltitz. (Nachdruck verboten.)'

(Fortsetzung.)

15.

Hammer schaute kopfschüttelnd auf das Blatt Papier, das über der Türklingel befestigt war. Es stand da: «Bitte nicht klingeln, nur klopfen/ es mußte schlimm stehen da drinnen . . .

Priestaps Diener Daniel öffnete. Er kannte Hammer und zog auf dessen erste Frage die Schultern sehr hoch. Besser wird es gewiß nicht mehr, Herr Baumeister/ flüsterte er,aber es kann sich ja noch immer hinziehen. Ich habe es seit Jahren kommen sehen . . /

Ist eS überhaupt möglich, den Herrn Baron zu sprechen/ Treten der Herr Baumeister ein, ich werde Herrn Im­hoff benachrichtigen oder die Frau Baronin. Es ist auch der Doktor da; vielleicht erlaubt er es . . /

Eine allerliebste kleine Billa im Tiergarten, in der Nähe der Hitzigstraße, war das neue Berliner Heim Priestaps. Aber als ein dem Tode Geweihter hatte der arme Junge es be­treten, auf einer Bahre war der Schwerkranke die Treppe hinaufgetragen worden.

Er wußte wohl, daß er sterben würde. Die Keime seines schleichenden Leidens ruhten seit langem in ihm, und damals in Biarritz, als der Arzt ihm gesagt hatte: gehen Sie für ein paar Jahre nach Aegypten da war er zum ersten Male stutzig geworden, und das heimliche Spiel mit dem Tode hatte begonnen.

Er wehrte sich auch jetzt nicht gegen die dunklen Ge­walten; er sah sie nahen und erwartete sie mit lichten Augen und sanftem Lächeln. Fast drei Jahre des Glücks waren vorübergerauscht: mehr als er jemals erhofft hatte. Nun konnte es zum Ende gehen.

Ja, er war sehr glücklich geworden mit Nina. Dies kleine, ungebildete und oberflächliche Geschöpfchen hatte etwas, was er brauchte, was er lange nicht gespürt hatte, und was ihm seines kurzen Schmetterlingsdaseins letzte Jahre unend­lich versüßte: ein gutes Herz. Sie war seine Frau und doch mehr seine Geliebte, er führte sie wie int Triumph durch die Welt und schenkte ihr, wonach sich ihr Sinnen trug, und da war sie wieder des Glückes voll. Ihre Koffer füllten sich, große Sendungen gingen nach Berlin; Priestap ließ sie ge­währen. Was galten ihm die vielen Tausende, die er für den bunten knitternden Plunder verstreute!

Im Fluge ging es durch Italien, durch die Alpen, durch Spanien und den Orient, in die Seebäder und dann nach Paris. Da wurde Halt gemacht. Priestap konnte nicht weiter.

Er hatte seiner kleinen Frau alle Schönheiten der alten Welt wie in einem großen Kaleidoskope zeigen wollen und nun warf ihn die Hetzjagd danieder. Ruhe, so hätte der Arzt gesagt, sonst ist im Umsehen die Wendung zum Schlim­men da. Man mietete sich in Auteuil ein Schlößchen. Auf die Freuden von Paris mußte Nina vorderhand verzichten. Das tat sie gern; sie hatte ihren Bubi lieb, auch war der Frieden von Auteuil eine erquickliche Abwechslung für sie. Da spielte sie nicht die elegante Modedame, sondern das fröhliche Landmädchen. Sie holte selber frische Milch aus dem Stall, denn ihr Bubi sollte sie kuhwarm trinken. Der lag tagsüber in einem Zelt im Park, und die wunde Brust wurde immer schmerzender; in dem hageren Gesicht waren die Augen unnatürlich groß geworden, und ihr schimmerndes Perlgrau hatte sich verdunkelt, als spiegelten sich da schon die Schatten wieder, die das Sichtbare vom Unsichtbaren und Ewigen schieden. Er litt schwer, aber geduldig und ruhig und sprach nicht davon. Längst hatte er sich an die Todesgedanken gewöhnt und wollte nur, daß sie Nina nicht spürte, daß er eines Tages, ihre Hand in der seinen, die Augen schließen könnte, klagelos, mit einem Lächeln des Glückes . . .

Die Blätter der Platanen im Park begannen sich schon