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Redaktion: Ernst Hetz. — Rotationsdruck und Verlaa der Brübl'icken Unwersitäts-Bnch- und Steindruckeret. ist. Lange. Gieße«»
Magisches Quadrate
Nachdruck verboten.
In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben A A A A D I) D D E M M R R R ü U derart eiuzntragen, das; die ivagercchten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten: 1. Poetische Sammlung.
2, Wichtiges Verdauungsorgan.
3. Nebenfluß der Donau.
4. Asiatischen Strom..
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Vilder-Rätsels in voriger Nummer;
Wissenschaft ist Macht.
hinunterrauscht, und den Blick ans die blühenden Main- ufer, die vielgeliebte Stadt ivarf. Noch heute grüßt den Fremden, wenn er drüben von Sachsenhausen f)ertöntmt und in den mit grünen Fichtenkränzen behangenen Aepfel- Weinwirtschaften — benannt der „Allirte", die „Schö Fraa", der „Vogelfänger", der „Kitzehipper", der „Aprikefi" — zur Vesperzeit bei Brot und Käse oder noch besser bei „Solwerknoche un Derrflasch" pflichtschnldigst das „Stoffche", beit Eppelwein, gekostet hat, auf der Brücke gleich am Ufer mit engen, winkeligen, hügeligen Gassen, übereinander- geschobenen Giebeln uttb krummen, spitzen Giebeln, auf denen die Spatzen ihre Nester bauen, ein Stück Mt-Frankfurt. Man sieht am Kai Schopenhauers Wohnhaus, windet sich durch die Gäßchen bis zum Dom, kommt ferner an dem vor einigen Jahren renovierten „Römer" vorbei, dessen westlicher, bis zur Buchgasse reichender Anbau mit dem hohen Turm jetzt im Volksmunde nach dem Vornamen des Oberbürgermeisters „der lange Franz" genannt wird, kommt an der versteckten runden Panlskirche vorüber, wo Deutschland vergeblich seine Einignngsversnche machte, kommt auf den Roßmarkt, wo ans der ehemaligen Hanpt- wache ein reizendes Cafe, natürlich im Biedermeierstil, gemacht lvorden ist, das nun erst recht durch diesen Stil an seine in die 1830er Jahre fallende revolutionäre Vergangenheit erinnert, wo au einem Aprilabend ein Haufen junger Leute mit schwarz-rot-goldenen Schärpen sich ans die Mannschaft der Wache stürzte, ihr das Gewehr abnahm und von den Frankfurter Bundestrnppen den blutigen Lohn dafür bekam. Hier schweben vor den Augen des Alt- Frankfurters. Wehmut in ihm weckend, noch allerlei humorige .Käuze herum — „die uarrige Tande", die „Tande Fuchs", der „Kanuix" und der kleine, dicke, krummbeinige Davidsburg nicht zu vergessen mit seinem Hansierertasten und seinen freundlichen Offerten: „Seife für Ihre werten .Hände", „Strumpfbänder für Ihre geehrten Beine" usw.
Auch von der alten Bürgerwehr ist noch manches Ge- schichtchen lebendig, so, wie der Oberst v. Ellrodt dem Major Rotenburger bei einer Revue am Grindbruuneu durch die hohle Hand zurief: „Herr Major, was mache Se dann Widder for dumm Zeug?" und Major Rotenburger auf dieselbe Weise antwortete: „Wann Se's besser kenne, mache Sie's!"
Man kommt zum Goethe-Denkmal, bei dem ein Frankfurter Schneider — und die Frankfurter Schneider sind Autoritäten in ihrem Fach — hernnsgefunden hat, das; der Dichter seinen Rock verkehrt zugeknöpft hat, und endlich tritt man, luie immer, so oft inan nach Frankfurt kommt, wieder in das Haus am großen Hirschgraben eilt; Seit ein paar Jahren sind darin einige neue Räume er- schlvsseu worden, ein kleines nach dem Hof und Garten gelegenes Musikzimmer mit Spinett, Stehflügel und Laute, ein imposantes Speisezimmer und die sehr interessante ! Küche, in der eine komplette ausgewachsene Pumpe mit j einem richtigen, von einer glänzenden Messingkugel besetzten Schwengel steht. Das Interessanteste in dem Raum ist eine Anzahl Teller, die auf einem an der Wand hängenden Tellerbrett aufgereiht sind. Sie sind nämlich mit Versen geschmückt, und wer weiß, Ivelcheu verdienstvollen Anteil sie daran haben, daß der junge Johann Wolfgang so gut das Dichten lernte? Einige dieser Poesiens lauten: „Mein Herz ist erfreid — Wenn ich Dich seh zu jederzeit", oder „Gute Regeln, weise Lehren — Mnß man üben, nicht nur hören", oder „Wein und Wurst — Löscht Hunger und Durst".
sich manche alten Frankfurter noch heute hartnäckig bekennen, der aber die gleichfalls von Berlin herbeigeflogenen Adelsprädikate, Orden und Titel schon ohnehin so manchen Stoß verseht haben, dahiuschlvindet.
Wenn früher von Frankfurt die Rede war, so wurde als eines besonderen Clous der durch den Glanz ihrer Laden I und ihren großen Verkehr berühmten Zeil gedacht. Die Läden sind seitdem noch glanzender, der Verkehr noch reger I geworden. Aber trotzdem — Straßen wie die Frankfurter | q e j l gibt es in deu deutschen Städten heute zu Dützen- I den, und nichts ist für ihre erreichte Blüte mehr bezetch- uend, als daß, was einst Frankfurt in dieser Hinsicht zu I einet vielbestaunten Ausnahme machte, heute in Dentfch- land allgemeiner Zustand ist. Ohnedies hat btc Zeit m Frankfurt ihre Paraderolle längst an eine andere Straße abtreten müssen, nämlich an die vom Bahnhöfe ausgehende imposante Kaiserstraße, wie denn überhaupt der Bahnhof, einer der großartigsten des Kontinents, und m dem jetzt täglich 250 Personenzüge verkehren, wohl den .Haupt- I sächlichsten Schwerpunkt bildet, nach dem das moderne Frankfurt gravitiert. Hier, dem Bahnhof gegenüber, erhebt sich auch der neue glänzende barocke Monnmentalban des Mert Sch it m a n u -Th e a t e r s, dessen äußerer Pracht auch die innere entspricht, und das sich int Laufe eines einzigen Tages — wieder ein Triumph der heutigen Technik — in eine« Zirkus mit vollständiger Manege verwandeln läßt. In dem Leiter des Theaters, das jetzt dem Varisto diente, konnte ich eine nicht nur mir, sondern wohl in ganz Europa und Amerika bekannte Persönlichkeit begrüßen, den Löwenbändiger Julius Seeth. Ich fragte ihn, wo seine fünfundzwanzig Löwen geblieben Wären, die er vom Sitltan mm Abessinien geschenkt bekommen. Er hatte sie „vermietet" an einen Unternehmer ln Odessa: vermietet, aber nicht verkauft, weil man ja nicht wissen konnte, was man für Geschäfte mit dem Theater machen würde, und etwaigen- salls den „Kittel" von neuem anziehen mußte.
Wie genugsam bekannt sein dürfte, bildet das Kapitel „Theater" einen der wunden Punkte von Frankfurt. Keine zweite Stadt in Deutschland von auch nur annähernd der Größe Frankfurts, die so wenig mit dramatischen Unter- haltungsstätten versorgt wäre, wie die Goethe-Stadt, da sie außer den beiden städtischen Instituten überhaupt kein nennenswertes dieser Art besitzt, und alle Versuche, dem Mangel abznhelfeu, daran scheitern, daß jene Bühnen int Betrieb einer Aktiengesellschaft sind, deren Mitglieder durch ihren Einfluß in der Stadtverwaltung sich jede Konkurrenz vom Leibe zu halten wissen.
Wie tu den meisten anderen deutschen Städten hat auch in Frankfurt die Erbauung von eleganten Wohn- und Villenvierteln ihren Weg nach Westen genommen, schon weil die Statur hier durch daS Taunusgebirge einen herrlichen Hintergrund geschaffen hat. Hier befinden sich der Pülmengarten, der Neubau der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften und zahlreiche andere VereinigungspNnkte der Frankfurter Kultur, Der Umstand aber, daß der Hauptgüter- und Personenbahnhof sich gleichfalls int Westen befindet, hat bewirkt, daß die Industrie sich dem Zuge nach dem Westen anschloß Und in den westlich gelegenen Vororten Bockenheim, -Rödelheim, Griesheim sich in großen Blöcken, angesiedelt hat, die im Frankfurter Bvlksmunde wegen ihres schlvarzen Anstriches „Kamerunviertel" genannt werden. Während so im Westen, gestützt auf dis Nähe der Bahnlinien, eine großartige Entwicklung nahm, blieb der Osten Frankfurts "infolge der für ihn sehr ungünstig gelegten Staatsbahnlinie vom Verkehr fast völlig abgeschlossen/ Ein Projekt, dessen Verwirklichung auch bald bevor steht, geht nun dahin, an Stelle des alten, nur dem Lokalverkehr dienenden Ostbahnhofes einen großen Güterbahnhof zu errichten und unter Herstellung einer Verbindung mit dem westlichen Güterbahnhof den Osten Frankfurts der Industrie zu erschließen. Mit diesem Ostbahnhof soll ein von der Stadt zu erbauender Osthafen zusammenhängen, ein Industrie- und Handelshafen, dem sich mainaufivärts noch ein Ftoß- handel angliedern soll. Auch ein großer Ostpark für die Arbeiterbevölkeruug soll hier geschaffen werden.
„Und des is alles unser", sagte der Alt-Frankfurter, wenn er auf der alten Sachsenhäuser Brücke stand, unter der zwischen den engen Pfeilern der breite gelbe Strom


