Ausgabe 
29.10.1906
 
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Der Loisk, der ausgetrunken hatte, gab' Wieder mit einem behaglichen Knurren seine Einwilligung. Das war ja schneller gegangen, als er gehofft hatte. Ja, ja, man Muß so einem alten Madel nur a bissel 's Koderl kratzen. Dann schaut sie g'schwindherewärts". Er gab etliche tüch­tige Stücke Zucker tn die Kaffeesupp'n und 'meinte nach einer Weile nachdenklich:

s Doppelte is wohl viel g'sagt!"

Da hast du dir dös Viech wohl noch nit g'nau an- tz'schaut!" erwiderte die Zischga.

Oh, i hab' sie guat g'nua g'sehen beim' Tränken! Auf achtz'g Gulden, wenn sie noch recht fleischig is, könnt's einer schon steigern!" meinte der Loisl.

Dös is die Tschekate in fünf Jahr' noch wert!" ergriff die Zischga die Partei ihr^r Kuh.

Der Loisl entschloß sich zu einem großen Trumpf: Menn einer an Hunderter gab', nachher zahlet er wohl Wia a Graf!"

Naa, naa!" meinte die Dirn.Um Hundertzwanz'g wär' sie noch g'schenkt!"

An Zehner würdest schon Nachlass'»!" rief der Loisl.

Auf an Zehner geht's ja schließlich bei so a Schatzung Nit z'samm'!" gab die Dirn nach.Dafür is die Blaß ihre zwoahundert Wert. Und die Acker sein sonnseitig. Am Häusl fehlt sich nix. Schulden fein koane drauf. A bissel a Sparkassageld is auch da. Die eine Hälfte g'hört ja dem Verlader. Aber es is die andere Hälfte auch noch g'nua!"

Der Loisl horchte gar nicht mehr recht hin, was die Dirn erzählte. Jetzt galt es rasch, die Gelegenheit beim Schopf zu packen.

Alsdann hundertzehne die Tschekate" sagte er.

Ja, und die Blaß, 's Hails und der Grundt' Unterbrach ihn die Dirn.

Der Loisl erhob sich:Da könnten wir ja Handelseins werd'n!"

Wann du's halt redlich meinst!" Und die Zischga trocknete sich die Hände an ihrem Schurz ab.

Freilich mein' i's redlich!" versicherte der Loisl.I hab' dir's schon g'sagt, daß i's nit über's Herz bringen könnt', a hilfloses Madel zu betrüag'n! Schlag' ein! Es glt!" Er streckte ihr seine Rechte hin, in die die Zischga ästig einhieb.

I Möcht' mir halt a guate Behandlung ausbitt'n!" meinte die Dirn.

Ah, da fehlt sich nix!" versicherte der Loisl, der im Geiste schon die tschekate Kuah schlachtete und nach allen Regeln der Kimst zerlegte.Da passiert nix! Dös is g'schwind vorbei! Alsdann können wir's morg'n in der Früah gleich angeh'n!"

Morg'n in der Früah?" rief die Zischga erstaunt.

>,Dös geht ja nit. Was sageten denn d' Leut'!"

Dös geht doch d' Leut' nix an! Morg'n in der Früah is's am g'scheutesten! Js's gleich überstanden!" meinte der Loisl.

Aber was fallt dir denn ein, Loisl!" sagte jetzt die Dirn ganz verwirrt.Wir müass'n doch zuerst zum Pfarrer geh'n!" .

Zum Pfarrer?" fragte der Loisl verständnislos.Zu was brauch'n wir denn dazua an Pfarrer?"

Ja, Loisl!" rief die Zischga entsetzt.Bist denn auf vamal a Heid' word'n! Der Pfarrer muaß doch dabei sein zum Einsegnen!"

Der Pfarrer?" meinte der Loisl.Zum Einsegnen? Dös .Viech wird Wohl nit verhext sein!"

Was für a Viech?" frug die Dirn.

Ja, die tschekate Kuah!" ries der Loisl.

Wer red't denn von der tschekaten Kuah?fi fragte die Zischga.

Wir reden doch schon die längste Zeit nix anders 'als von der tschekaten Kuah!" der Loisl.

Bon der tschekaten Kuah?" die Zischga.

Was denn sonst?'- Wir sein ja Handelseins worden wegen der Kuah auf hundertzehn Gulden! Morg'n in aller Früah hol' i's, und da wird sie gleich g'schlag'n!"

Wer?"

hast alles haarlloan wissen müass'n von weg'n dem Heirat'»j Und iatz möcht' er sich auf oamal auf die tschekate Kuah! außi« red'n, weil's ernst wird ! Du Lump, du spottschlechter! Und' so einer möcht' a hilfloses Madel glaub'n mach'n, daß er; sie nia betrüag'n könnt'! Halt' du andere für an Narren, du Lugenbeutel, du höllischer! Metzgertuifl, malefizischer!"

Der Loisl riß zu seiner Rechtfertigung mehrere Male; den Münd auf. Er vermochte aber nicht zu Wort zu kommen, I will dir außizünd'n, daß d' nimmer einerfindest!" Mit diesen Worten ergriff die Dirn den Kessel mit betttl Waschwasser am Herd. Der Loisl wich in einer dunklen Vorahnung unwillkürlich ein paar Schritte gegen die Kncheltiir zurück.I will dir die tschekate Kuah eintränken, du Sakra, du damischer!"

Noch ehe der Loisl ausweichen konnte, ergoß sich die ganze Flut des Waschkessels über ihn.

Himmelsait'n noch amal eini!" schrie er. Im nächsten Augenblick glaubte er einen derben Fußtritt zu verspüren und stolperte aus der Küchel in den Haustzang. Unter der Kucheltür hätte er bald den Kaschper über den Haufen gerannt, der gerade aus dem Stall kam und auch noch etliche Spritzer aus dem Waschkessel abbekam.

Mir scheint, heut' hat sie wieder ihren guat'n Tag!" meinte der Knollen Kaschper lakonisch, ohne sich weiter aufzuregen.

Der Tuifl soll di' hol'» mitsamt deiner tschekat'n Kuah!" rief der Metzger Loisl, der an seinem ganzen Körper die warme Flüssigkeit spürte, indem er sich im Hausgang erbittert umdrehte.

Da sah er, wie hie Dirn aus einer Ecke einen höl­zernen Kübel mit einer noch verdächtigeren Flüssigkeit holte. Ein rascher Blick belehrte ihn, daß es der Schweinstrank war. Die Zischga hob die Butt'n drohend in die Höhe, Da war aber der Loisl mit ein paar verzweifelten Sprüngen schon bei der Tür draußen.

Er sprang bis zum nächsten Heuschober und wälzte sich einmal ordentlich darin, um etwas trocken zu werden. Glücklicherweise war es schon fast dunkel geworden, sodaß er sich heimlich nach Hause drücken und dort wieder einen appetitlichen Menschen aus sich machen konnte.

Als ihn der Metzger Kruft am nächsten Morgen fragte, wie denn der Handel um dre tschekate Kuah der Knollen Zischga ausgegangen fei, meinte er:Gehs selber handeln! Zieh' dir aber ja koa Feiertagsg'wand dazua an!"

Eingegangene Bücher.

Roeßler, Arthur,Vom Dichter der toten Stadt und andere Essays". Leipzig 1906. Verlag von Friedrich Roth- barth.

SpruchWörterbuch". Sammlung deutscher und frem­der Sinnsprüche, Wahlsprüche, Jnsprüche usw. usw. unter Mit­wirkung deutscher Gelehrter und Schriftsteller herausgegeben von Franz von Lipperheide. (Erscheint in 20 monatlichen Lieferungen zu 60 Pf.) 14. Lieferung. Berlin 1906, Expedition des Spruch­wörterbuches.

Bilderrätsel.

Nachdruck verboten.

Auflösung in nächster Nummer.'

Auflösung des Diamanträtsels in voriger Nummer: G K e in A r r a n

Gert r ti r!

Birne Dur d

Die tschekate Kuah!"

Oh, du Loder, du verdammter!" kreischte die Zischga. -,Weg'n der tschekaten Kuah sein wir Handelseins worden? Hast nit umadum g'red't vom Güetl und vom Bfech und

Redaktion: Ernst Heß, Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buck- und Sleindruckerei. R. Lange, Gießen.