Montag den 29. Hktoöer
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Zm Manne des Heßeimnisses.
Roman von H. v. Raesfeld.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Jack hatte eine eingewurzelte Abneigung gegen Arbeit.
„Ich habe Kopf", sagte er gewöhnlich, „und Leute mit Kopf müssen sich nicht abplacken".
Jack Jefferies hatte nämlich seit langen Jahren einen Gedanken in seinem Gemüte Wurzel schlagen und wachsen lassen, und zwar die Idee, daß ein Geheimnis vorhanden sei, ein Geheimnis, das mit Werner in Zusammenhang stehe, und das ihm die Mittel zum Leben gewähren solle. Hunderte von kleinen Nebenumständen nährten und befestigten diesen Gedanken.
In erster Linie stand die Tatsache, daß seine Mutter nie den Namen des Ortes erwähnte, noch erwähnen wollte, wo sein Vater gelebt hatte und gestorben war.
„Das ist nicht natürlich", sagte sich der scharfsinnige junge Denker; „alle Weiber schwatzen gern, unb wenn sie nun nichts sagt, so ist unzweifelhaft ein sehr guter Grund dafür vorhanden".
Tie Besiätigrmg seines Verdachtes war seine lebhafte Erinnerung an Marians Besuch.
„Eine mittelaltrige Person", so pflegte er zu grübeln, „die hereinkam, um Werner zu sehen, und über ihn weinte — wer war es wohl, und was hatte sie mit Werner zu tun?"
„Heber mich hat noch nie so eine mittelaltrige Person geweint"; sagte er sich dann mit gewissem Neid weiter; „und ich wist wissen, was das bedeutet. Falls überhaupt etwas aus der Sache zu machen ist, so werde ich es daraus machen".
Mit der ihm eigenen Verschlagenheit hatte er alle diese Gedanken sorgfältig für sich behalten. Nie hatte er die Tatsache des Besuchs der Dame irgend jemandem gegenüber erwähnt. „Ich werde meinen Handel damit machen", sagte er sich, „wenns Zeit ist", und Jaek war ganz zufrieden, zu warten.
Aber die Zeit verging, und Jack begann den Druck der Umstände zu fühlen. Selbst billige Ringe und schlechte Zigarren kosten Geld, und da er sich bereits entschieden hatte, nicht zu arbeiten, so mußten diese Sachen sich eben auf andere Weise beschaffen lassen. Zu allererst mußt er ausfindig machen, ob sein Verdacht auch wohl begründet war.
Kein Feldherr rüstete sich wohl sorgfältiger zur Schlacht, als Jack sich zum Kampfe mit seiner Mutter vorbereitete. Die Art und Weise, wie er das Gefecht eröffnete, machte ihm Ehre.
„Mutier", sagte er eines Morgens plötzlich, als er beim Kaffee saß, „bist du auch sicher, daß mit Werner alles stimmt?"
Kate Jefferies sah auf, mit etwas wie Neberraschung in ihren freundlichen Zügen.
„Wieso stimmt; was meinst du, Jack?"
„Nun, die Wahrheit zu sagen, ich habe die letzte Zeit ein paar merkwürdige Träume gehabt und bin nicht recht ruhig mehr."
„Merkwürdige Träumei" wiederholte Kate, „was meint der Junge nur?"
Sie stellte ihre Kaffeetasse wieder auf den Tisch und sah ihn mit verwunderten Blicken an.
„Du bist so nervös; ich mochte cs dir eigentlich gar nicht sagen. Reg dich nur nicht darüber auf und werde krank; aber, wenn — wenn Werner vielleicht etwas mit einem Geheimnis zu tun hat, so sollte ich es doch wissen."
Kates gutmütiges rotes Gesicht wurde blaß, als sie diese Worte horte.
„Siehst du, Mutier, wenn jemanden immer und immer wieder dasselbe träumt, das macht ihn doch stutzig, nicht wahr?"
„Ich weiß nicht, Jack; ich verstehe dich nicht."
„Na, die Sache ist die, ich habe einen Traum gehabt, und der kommt immer und immer wieder."
„Was ists damit, erzähl ihn mir", sagte Kate.
„Also es ist immer dasselbe — eine Dame, _ die in unsere Schlafkammer kommt. Ich hab so oft von ihr geträumt, daß ich sie dir ganz genau beschreiben kann. , Sie ist so in mittleren Jahren, hat so'n nettes, gemütliches, freundliches Gesicht, dunkle Haare, hat einen langen grauen Mantel an und trägt einen Schleier. In meinem Traum int sie auch immer ein und dasselbe — kommt also in unsere Schlafstube und steht an Werners Seite, dann fängt sie an zu weinen. Aber was mich so bange macht, ist, daß sie sich dann nach mir hindreht und mit so merkwürdiger mummeliger Stimme sagt: „Es ist ein Geheimnis da, ein Geheimnis mit Werner; mach dus ausfindig, machs ausfindig I"
„Himmel, sei mir gnädig I" schrie Kate Jefferies. „Was kann das bedeuten?" ,
Und der verschlagene Jack, der mit heunlichem Blmzeln den Erfolg seiner Schauergeschichte beobachtete, sah, daß das Gesicht seiner Mutter blaß wie der Tod geworden war und die qualvollste Angst ihr aus den Augen sah.
,O, Jack, Jack!" 'jammerte sie, „was bedeutet das? • „Da haben wir's ja! Ich hab's ja gewußt, daß du. dich wieder so aufregst, und dabet ist gar kein Grund, absolut kein Grund dafür da. Der Traum hat mich! bange gemacht, und ich habe $n dir erzählt. Ja, wenn du KZ


