Ausgabe 
29.8.1906
 
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Aus ber Inschrift wie aus den alten Steinbacher Kirchen­büchern ist ersichtlich, daß Pfarrer Christoph Buff 50 Jahre lang zu Steinbach in feinem Amte tätig war. Hier wurde ihm auch am 20. September 1711 als dritter Sohn erster Ehe fein Sohn Henrich Adam geboren, der nachmalige Ordens-Comthurei-Verwalter zu Wetzlar und Vater der am 11. Januar 1753 daselbst geborenen Lotte Buff. Dieser wurde von dem eigenen Vater in der Kirche zu Schiffen­berg getraut. Die im Steinbacher Kirchenbuche befindliche Urkunde lautet:

1760 d. 6 t. Tbr. (September) als Dom. 15. Trin.: habe ich meinen Sohn, Henrich Adam Buff, Teutschen Ordens Verwalther zu Wetzlar, mit Jungfer Magdalena Ernestina, Herrn Haublmann Pfeilers Tochter zu Wetzlar, in der Schiffenberger Kirche ehelich copulieit D. T. 0. M.: ipsis benedicat 1"

Wenige Jahre später muß der schon hochbetagte Pfarrer in das Kirchenbuch eintragen:

1752, den 13. t. Febr. ist mein des Pfarrers Gottseelige, ge­treue u. liebe 2 te Ehegattin Maria Margretha, eine gebohrne Seippin von Reichelsheim'*), im Herrn Seelig entschlaffen, u. den 16. t. hujas christlich zur Erde bestattet worden; wodurch inich der Allmächtige in meinem 78. jährigen Alter sehr gebeuget hat. Aet. 63."

Vier Jahre darnach ist er selbst abberufen worden. Seine Grabrede hielt Pfarrer Brückzmn Rödges" über 1. Petr. 1, V. 24; die Sterb- und Begräbnis-Urkunde ist ge­schrieben von der Hand seines Sohnes Johann Georg Buff, damaligen Pfarrers zu Oueekborn bei Grünberg, späteren Metropolitans zu Gladenbach, woselbst er i. I. 1773 ver­storben ist.

Der Vater dieses langjährigen Steinbacher Pfarrers Christoph Buff, also Lotte's Urgroßvater, war der Pfarrer Henrich Buff zu Münzenberg i. d. Wetterau, zugleich Tauf- pathe ihres Vaters. Die Ehefrau desselben, Lotte's Urgroß­mutter, eine geborne Köhler Vorname in den Steinbacher Kirchenbüchern nicht erwähnt stammte aus Crainfeld, im Vogelsberg und war Tochter des dortigen Pfarrers Köhler, dessen Sohn Friedrich Wilhelm Köhler gleichfalls Pfarrer zu Crainfeld wurde. Auch Pfarrer Henrich Buff, Lottes Ur­großvater, stammt wahrscheinlich von Crainfeld; wenigstens wird als eine der Pathinnen des ältesten Sohnes des Pfarrers Christoph Buff genannt:Frau Susanna Maria, Herrn Johann Paul Buff, Oberschultheiseic zu Crainfeld, uxor" ( Ehefrau), und später als Pathe eines anderen verstorbenen Sohnes:Herr Johann Conrad Paul Buff, praetor Crain- feldensis" also der Gemahl jener.

Lotte's zweiter Urgroßvater väterlicherseits, d. h. der Vater ihrer Großmutter, war Johann Adam Haberkorn, Förster zu Windhausen, Kreises Alsfeld. Dieser war zu­gleich der zweite Pathe ihres Vaters, welcher von ihm den NamenAdam" erhalten hat. Seine Ehefrau, Lotte's Ur- großniutter, hieß Christina. Ihr Familienname wird nicht erwähnt.

Als Pathen späterer Kinder zweiter Ehe des Pfarrers Christoph Buff werden noch erwähnt:Herr Georg Henrich Buff, p. t. Ambtsschreiber zu Steinfurth", ferner Herr Mag. Simon Henrich Buff, Praecept. Classicus Gissensis, Frater mens, endlichHerr Joh. David Buff, 88. Theologiae studiosus.

Ein wenige Tage nach der Hochzeit von Lotte's Eltern von dem Großvater in der Kirche zu Steinbach mit Anna Elisabetha Magretha,weyld. Herrn ArchivRath Wagners zu Giessen rel. ehl. Tochter," getrauter Sohn war der Advocatus Regim. Friederich Christoph Buff zu Giessen. Eine Tochter, Marie Christina, heiratete den Pfarrer Sar­torius zu Maar.

Ich darf annehmen, daß vorstehende Notizen auch für weitere Kreise nicht ohne Interesse sein werden. Zu ein­gehenderen genealogischen Auskünften bin ich gern bereit.

Steinbach b. Gießen Haacke, Pfarrer.

*) T. des dortigen Pfarrers.

Komöurger Hochsaison.

Wer jemals behauptet, Wiesbaden und Homburg Machten sich Konkurrenz, befindet sich im! Irrtum! .Es

gibt in Deutschland feine zwei Bäder, die einen ver­schiedeneren Charakter haben und verschiedeneres Publikum wenigstens in der Hochsaison anziehen, als diese beiden Taunusbäder. Homburg ist jetzt, im August, eine englische Enklave in Deutschland, und wer nicht durch und durch englisch ist, wer nicht einProfessional" im Tennis), ein gewandter Golfspieler ist, wer nicht zum mindesten gci Willi ist, der Vierte in einer langausgedehnten Bridgepartie, zu sein, der besuche im August nicht Homburg! Er wird! sich innerhalb Deutschlands so fremd fühlen, als wenn er zum ersten Male den englischen Boden betritt, er wird als) ein Outsider zwar alles beobachten, aber nichts mitmachen! können, er wird finden, daß er in den meisten Hotels hinter den Engländer zurückgesetzt wird, und, falls er eben ein! Nicht-Sportsmann ist, bald entdecken, daß in Homburg der Tag seine wohlgezählten vierundzwanzig Stunden hat! Lediglich mit Beobachtungen desEnglish smart fei" kann er feinen Tag hinbringen, wenn er nicht vorzieht, alss einsamer Wanderer die Wälder zu durchstreifen aber diese Beobachtungen sind immerhin interessant genug! Wer England, englische Gewohnheiten, englische Charaktere, eng-c lische Sitten nicht kennt und hier in Homburg seine erste; Bekanntschaft mit anglosächsischem Wesen macht, erhält eine ganz falsche Vorstellung von den Britten. Sie sind in Honft» bürgoit holidays", das heißt alles Steife, Konventionelle fällt von ihnen ab, um dem Gegenteil Platz zu machen! Wenn sie unter sich sind (und wann sind sie hier nichv unter sich?), so sind sie ausgelassen, kindischc-klndlich der-«, gnügt; sie entwickeln Temperament in ihrer Unterhaltungj über die Chaneen derChampions" im Tennisturnier^ die jungen, aus der Musterschule Eton hervorgegangenen Engländer lassen sich in ungeniertester Weise gehen (wass man auf deutsch als Flegelhaftigkeit bezeichnen würde),; die prüden jungen Mädchen zeigen, daß England das! Mutterland des Flirt ist und haben polyglotte Anwand^ lungen, eineentente eordiale" mit Angehörigen anderer Nationen zu schließen, dieto flirt",flenreter" oder flirten" buchstabieren. Ter Engländerabroad" ist eben ein ganz anderes Individuum als der Engländerat Home".; Dem englischen Saisoncharakter Homburgs Rechnung trw, gend', gruppiert sich das ganze Badeleben ausschließlich um die Tennisplätze, obgleich die ganz vorzüglichen, ouf König Eduards Initiative angelegten Golf-links das Inter­esse des Beobachters wohl verdienen. Und der Nicht-Sport­treibende muß zugeben, daß ein fröhlicheres, farbenfreudig geres, von kräftigerem, pulsierendem Leben durchdrungenes Bild nicht auszudenken ist, als diese lustige Farbensymphonie der inmitten schattigen Grüns liegenden Tennis-eourts, dep weißgekleideten Spielern, den Hellen Toiletten der Zuschauep auf den lenchtendroten Stühlen und den roten Jacken dep mit unermüt^ichem Ballsuchen beschäftigten tennis-boys.

Zurzeit ist es besonders interesfant auf dem Tennisg- platz, denn die Spieler bringen sich für das morgen beginn nende internationale Tennisturnier, das bekanntlich einen' Weltruf besitzt,in Form" und sind heuteau der Arbeit". Eine Arbeit muß man diesen im Uebermaß betriebenen Sport bezeichnen, wenn man diese ausgemergelten, aus Sehnen, Muskeln, Haut und Knochen bestehendenchampion-players" sieht! Dort plaziert Ball-Greene, dessen scharfes Profil jeder kennt, mit mathematischer Berechnung seine Ballet et erweckt den Eindruck, daß Nachdenken jeden Ball be­gleitet. Sein Partner ist der junge, auf Wiesbadens Sport­platz wohlbekannte Wilding, der ihm mit weniger Be­rechnung, aber schärfster Kraft und katzenhafter Geschwindig­keit serviert. Im Nebeucourt spielt der Kronprinz von Griechenland mit einer schönen jungen österreichischen Gräfin, und dort wieder spielt einer der besten deutschen Spieler, Baron Lersner, der Freund des Kronprinzen, mit Toupie Lowther, der Meifterschaftsspielerin von England, die durch ein Plus an bewundernswerter Geschicklichkeit und Kraft ein kleines Minus an weiblicher Grazie ersetzt. Hill-, yard, Sirnond, Rhodes, Miß Douglas, Mrs. Hillyard gelten unter den Engländern, Schindler, Froitzheim, Baron Bisfing, die Damen Neresheimer, Kirch, Mirdener, Seligmann und Feiudel unter den deutschen Spielern als die vermutlichen Sieger in dem morgen beginnenden Turnier. Mit kolossaler Ausdauer und Leidenschaftlichkeit sieht Alt- und Jung-Eng­land den Spielern zu, mit lebhaften Ausrufen einen be­sonders gutenshot" begleitend, oder bildet eine Gruppe aus Spielern, die gerade ihrsei" beendet haben und sich in ihre langen, weißen, bis zur Erde reichenden Mäntel