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Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'ichen Unlversttäts-Buch- und Steindruckeret. R, Lange. Dießen«
übertrage».
* Die beiden reichsten Leutedcr Wett sind Amerikaner, yantteS, natürlich: ist doch Nordamerika allgemach das klassische Land der Riescn- vermögcn geworden. Washingtons GeburtZstaat, Virginia, wurde einstmals die Wiege der Präsidenten genannt; jetzt aber kann man die ganze Union „die Wiege der Milliardäre" nennen. Nirgendwo blühen die Riesenunier- nehmnngcn derart, wie in Amerika; in gefährlicher Weise haben sich die Trusts entwickelt; aus der sormcllcn Demokratie droht eine kapitalistische Oligarchie zu werden. In der amerikanischen politischen Literatur der letzten Jahrzehnte spiegelt sich die Furcht vor den Folgen einer übermäßigen KapitalSkonzentartion wieder; Bcllamh zwar in seinem vielgelesenen, ja Verschlungenen „Rückblick" betrachtete die Kapitalskon-emration trotz aller ihrer Schattenseiten als die Vorstufen einer harmonischeren Gesellschasts- orduung; Donelly dagegen zeichnete in seinem Roman „CäsarS Denkfaule" ein fürchterliches, dock realistischer Darstellungskraft nicht ermangelndes Schaucrgemälde von dem Untergang der Kultur, den nach seiner Meinung die Anhäufung der Riesenvermögen im Gefolge haben muß. Seitdem freilich hat man gelernt, nüchterner zu denken; die mächtigen Arbeiterorganisationen bilden sich zum Gegengewicht der Kapitalsmagnaten, aus und die Gesetzgebung, nicht unbeeinflußt vom tatkräftigen Roosevelt, beginnt, obwohl schüchtern noch und tastend, den Mißbräuchen der Trnstentwickelung entgegcnzntreten. Immer aber noch bleibt Amerika das Land der Milliardäre; New-Uork die Siadt und die berühmte „fünfte Avenue" die Straße der Milliardäre. Bergwerke, Eisenbahnen, Eisenwerke, Zucker, Petroleum, Zeitungen sind „vertrustet" und im Besitz der ungekrönten Kapitalskönige, deren Reichtum, ja deren reale Macht manches gekrönte Haupt in den Schatten stellt. Sin der Spitze der amerikanischen Milliardäre, der Carnegie, Schwab, Astor, Morgan und wie sie sonst heißen mögen, marschiert John Nockescller, derPetroleumlönig. Seine jährlichen Einkünste — seine Einkünste wohl verstanden, nicht etwa sein Vermögen — belaufen sich auf sage und schreibe 160 00000V — einhuiidertsechzig Millionen — Mark. Die reichste Frau der Welt, Rockefellers Landsmännin, Frau Hel»; Green, muß sich schon mit einer beträchtlich kleineren Summe jährlicher Einkünfte, nämlich mit zehn Millionen Mark, zufrieden geben. Auch
Fürs Haus.
* Gegen knarrende Stiefel. Zn den kleinen Leides des menschlichen Lebens gehören anch di« knarrenden Stiefel.. Nicht allein machen sie den Träger selbst ängstlich und unsicher, indem sie .ihm das Bewußtsein geben, daß er die Aufmerksamkeit in ärgerlicher Weise aus sich lenkt, sondern sie beleidigen auch die Nerven unzähliger, ganz unschuldiger Leute. , Erklärungen für den Uebelstand sind schon in großer Zahl geschrieben worden. Die Einen behaupten, die Stiesel knarren, wenn sie nicht bezahlt sind, und überschätzen damit ganz entschieden -die geistigen Fähigkeiten dieser Kunstproduktivn, andere schieben das Knarren auf die Schlechtigkeit des Leders und unterschätzen damit die Zuverlässigkeit des Schuhmachers, der sie als beste Arbeit vom besten! Material verkaufte. Sie haben beide Unrecht, denn das Knarren hat weder mit der Zahlung noch mit der Güte des Materials etwas zu tun, vielmehr sind seine Ursachen folgende: Jede Stiefelfohle ist aus zwei verschiedenen Ledersorten gebildet. Benn Gehen reiben sich diese aneinander, trotzdem sie fest zusammengenäht sind, und daher entsteht das Geräusch. Mancher Stiefel knarrt anstatt an der Sohle an der Ferft^ dann kommt dies' von dem sog. Steifledcr, d. h. trott dem Material,, das eingelegt wird, tun die Ferse steif zu halten. Sobald diese lose sitzt und beim Gehen bewegt wird, entsteht das knarrende Geräusch. Das beste Mittel dagegen ist, daß man die eine Sohle herauSnchmen und zwischen beide Schichten etwas Weiches einlegen läßt; ist die Ferse schuld, so miß man ebenfalls die Oberschicht, d. h. das Afterleder entfernen, etwas Talkum einstreuen, und dann das. Steifleder herannähcn lassen, so daß die Reibung vermieden ward. Ein viel einfacheres, aber nicht immer unfehlbares Mittet ist, daß man krmrrende Stiefel 24 Stunden lang in Oel oder Petroleum stellt. _
* Ausbessern von Bettdecken. Werste Prkee-Bett- becfen' kann man sich nach einem in der praktischen Wochen, chrrft „Fürs Haus" mitgetertten einfachen Verfahren jahrelang erhalten durch Aufsteppen eines neuen Stofflappens, worauf große Brichstaben gestickt werden. Gerade in der Mitte werden die Decken durch das tägliche Auf- und Älbdecken so dünn rind schadhaft, daß sie bald unbrauchbar werden würden. Die cme Teck« erhält den AnfarigSbuchstaben des Namens des Hausherrn, dre andere den der Hausfrau.
davon läßt sich schließlich einigermaßen anständig leben. Bemerken wolle« wir übrigens, daß Frau Hetty Green zwar Witwe, aber einer Wiederverheiratung durchaus abgeneigt ist, daß es also keinen Zweck hat, ihr mit — HciratSanträgen zu kommen. Man büßt dabei nur das Porto ein.
halten. Alice Roosevelts Hochzeit mit dem Kongreßnntgked Lvng- tvorth steht bevor, und dieses Ereignis beherrscht das allgemeine Interesse durch das gaiize Land. Alle Vorbereitungen ivcrden von der Presse mit Sorgfalt verzeichnet, und vor allem kann man sich nicht genug tun in den Schilderungen der zahllosen und kostbaren Geschenke, mit denen die Braut überhäuft werden wird. Der Verlobungsring, der Diamanten von nngewohnucyer Eröste besteht, ist von einem Juwelier in Washington gekauft. Der Preis soll, wie mit lAeheimnisvoller Miene versichert wird, ganz ungeheuer lwch sein; aber "iemand kennt ihn gernm, der Juwelier ist verschwiegen wie baS Grab. Eme Anzahl Hochzeits- geschenke, darunter mehrere goldene Präsentierteller, smd bereits im Weißen Hause eingetroffen. Die Mitglieder dA beiden Familien Roosevelt und Longwvrth schenken nur Scymucksachetl. Der Präsident selbst wird seiner Tochter neben anderen Geschenken ein Stirnband mit Diamanten überreichen Mer auch der Kaiser von Japan befindet sich unter den Geschenkgebern: er scyrckt durch den neuen japanischen Botichaster eme Gabe,, über die aber noch nichts Mheres verraten wird. Dl« Hochzeit wird mit großem Gepränge gefeiert tverden. Am Hochzeitstage ivird em Empfang stattsinden zu dem 5000 Einladungen ergehen werden. Die Form dieser Einladungen war schwierig; aber der Zeremouien- mcister, der die Etiketteftagen im Weißen Hause ficyer zu regeln weiß, entschied dahin, daß auf den Einladungen geschrieben wird: Mr lind Mrs. Roosevelt bitten um das Vergnügen, ihre Freunde anwesend zu flehen". Die Einladungen tragen den goldenen Adler, das Privatabzeichen des Präsidenten, das er mir gebraucht, während er im Amte ist. .
* Ein pfälzischer Pfarrer als Borsahr bour- ' " " ' "in Ena von Batten-
bonifcher Könige. ~~..... - - - ■ ■■ ■ ■ ■.
berg die Gemahlin Alfonsos XIII. wird, können längst verblichene pfälzische Landpfarrer den Anspruch auf eine» Platz m der Ahnengalerie künftiger spanischer Könige erheben. Der Prinzessin Vater Prinz Heinrich von Battenberg War ein jüngerer Sohn des als süddeutscher Bundesfeldherr von 1866 bekamiten Prinzen Alexander von Hessen und der russischen Hofdame Komtesse Julie Hauk«. Die Gemahlin dieses hessischen Prinzen Alexander aber war die Tochter des polnischen Grafen Morttz Hauke — des Kriegsministers des ehemaligen „Kongreßpolen". Graf Hauke war von ursprünglich deutscher Herkunft und der Nachkomme evangelischer Pfarrer in der Pfalz. Er blieb selbst zeitlebens evangelisch und ließ seine Kinder in derselben Konfession erziehen, was dann die Vermählung seiner Tochter mit dem lutherischen Prinzen Alexander von Hessen erleichtert hat. Jetzt freilich wird die Enkelin dieses Ehepaares als Königin von Spanien den römisch-katholischen Glauben annehmen müssen, und ihre Patin, die vormalige französische Kaiserin Eugeine, hilft ihr den Uebertritt erleichtern. Jene vielgeprüfte frühere Souverünin hatte die englische Prinzessin Beatrix als künftige Schwiegertochter betrachtet, wenn ihr und Napoleons III. einziger Sohn einmal französischer Kaiser werden sollte; aber bekanntlich siel der 23 jährige Prinz am Pfingstsonntag 1879 als engt. Offizier in Südafrika bei einem Streifritt gegen die aufständischen Zulus. Die Kaiserin hat dann ihre Liebe auf die Kinder der Prinzessin Beatrix aus jener battenbergischen Verbindung
HNmsrLMsches.
Wink. Gattin: „Dein Prinzip, Paul, ist es doch, immer jeden Raum auszunützen . . . und in meinem Kleiderschranke da ist noch für ein neues Kleid Platz!"
Eine V e r st ä n d i g e. Auktionator zu einer Dame: „Nun kommt ein Kleid dran, welches Marie Antoinette einst trug!" — Dame: „Das habe ich mir schon angesehn, aber es ist mir doch ein bissel zu sehr aus der Mode!"
D a r u m. A., zu B.: „Wie, du kannst Rezepte lesen?! . . . Hast du denn mal Medizin studiert?" - B.: „Nein ! ... Aber mit Hieroglyphen habe ich mich früher mal besaßt !"
Humor des Auslandes.
* Der Gast: „Das hat aber lange gedauert mit dem Kaffee. Was haben Sie denn ft> lange gemacht?" —Kellnerin: „Nun, wenn Sie es wissen müssen, ich habe einem alten Herrn m de» Ueberzieher geholfen, drei Herren auseinandergesetzt, daß ich sie am Sonntag nicht treffen könne, meine Kündigung erhalten und einen Heiratsantrag abgelehnt. Das ist doch wohl ein ganz anständiger Rekord für vier und eine halbe Minute, nicht wahr?"
Magisches Dreieck.
Nachdruck verboten.
__________________ In die Felder nebenstehender "Figur sind
I die Buchstaben aaffffhhnnoorr _____! t derart einzutragen, daß die einander entsprechenden wagerechten und senkrechten ----- Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten:
____ 1, Einen Baum.
2. Name mehrerer Strandseen.
--- 3. Unbestimmtes Zahlwort.
4. Teil von Obersranken.
— 6. Einen Buchstaben.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: l(me — Pippin — Heine — Inn — «ehege — Eppingen —
Nept — Innig — Egge;
Iphigenie.


