63
bKsfle Sorte — Henau weiß ich Vie Zahlen nicht, aber so un- sefahr wird e§l schon stimmen — etwa den zehnten Teil. Na also • wenn Vre neue steuer den Preis des Tabaks verdoppelte, was ia nicht beabsichtig-t ist, dann Wäre Michel immer noch besser dran als Jacques Bonhomme.
Mer ich habe gesagt, der Preis sei es nicht so sehr, der mich ärgere. stimmt: was mich ärgert, ist die Tatsache, daß ich überhaupt reicht den Tabak bekommen kann, den ich gern hatte. Inj Deutschland kamr ick alle Tabafforten kaufen, die «s. mff der Welt gibt. In Frankreich gibt es in den kleinen und mittleren Städten gerade zwei Sorten Tabak, nicht mehr und nicht weniger, und ebenso steht es auch in Paris, was die sogenannten exzentrischen Stadtviertel anlangt. Aus dein Montmartre rind E Quartier latm bekommen Sie auch sonst keinen als den Tabak dieser beiden Sorten, und nur auf den Boulevards gibt es einige wenige Tabakläden, die auch ausländischen Tabak führen
Denn alles, was mit Tabak zusammenhängt, ist ein Monopol der Regierung, und . bie Regierung läßt keine Konkurrenz auf- fabriziert den schlechtesten und teuersten Tabak, die schlechtesten und teuersten Streichhölzer in der Welt, und alle und lebe Konkurrenz muß vor der chinesischen Mauer der Landesgrenze Halt machen. Streichhölzer! Tas ist auch ein Thema, ^^utMen mit seinem traurigen Lose aussöhnen könnte. Ern abscheulich und ichlecht zusammengeleimtes' Pappschächtelchen, das teiner ffHofft nach 60 schwedische Streichhölzchen ent»
Halten soll, in Wirklichkeit aber selten mehr als 50 faßt, von Elchen 25 nicht anbrennen, kostet acht Pfennig. Eine schlechtere Sorte, die alten schweselhölzer, die es in zivilisierten Ländern überhaupt nicht mehr gibt, kostet vier Pfennig, und dafür brennt von dieser Sorte nur der vierte Teil an. Wahrscheinlich glauben übertreibe. J$6er ich schwöre bei meinem Bart, daß wt»" Wahrheit rede, so oft ick im Kaffeehaus einen neuen Ankömmling, einen deutschen oder Engländer sehe, der sich bemüht, ein^Streichhölzchm anznreiben, verklärt mich innere Herzens- freude Tenn Sie müssen wissen, daß Erfahrung und Uebunq Mm Anreiben eines französischen Streichhölzchens gehört. Diese Erfahrung und Uebung besitze ich, und Iffaft ihrer gelingt es ?tu' and mitunter sogar die Hälfte der von mir
benutzten Streichhölzchen zum Brennen zu bringen. Leute aber ohne Erfahrung reiben erfolglos zehn oder fünfzehn an und when sich dann „hiffeslehmd nack dem Kenner um. Entweder springen die Koche ab, oder das Hölzchen zerbricht, oder aber der Kopf reibt sich, sanft und mählich weg, ohne Feuer zu fangen.
sas nun lasten sich die Bastillmstürmer ruhig gefallen und meinen, es muffe so sein. Eines bessern dürfen sie nicht belehrt, werden, denn fürchterlich haust die Megäre Justiz, wenn man in ohrmi Besitze ausländische Streichhölzer findet. Tas fft genau „ebenso, schlimm, wie wenn Sie falsches Geld gemünzt hatten. Hüten Sie sich also, wenn Sie nach Frankreich kommen, nehmen «ie das Joch des französischen freien und brüderlichen ?on^üers auf und lächeln sie dazu, wehmütig der verlassenen deutschen Flenchtöpfe gedenkend.
mit den guten Streichhölzchen steht es'auch mit dem guten Tabak Man kann ihn nickt bekommen. Tas heißt, hier muß ich doch eine Einschränkung machen: die französischen Streich>- yolzchE find schändlich teuer und schändlich schlecht: der frcm- roslsche Tabak aber ist mir angesichts des schändlich hohen Preises schlecht. Davon abgesehen, ist er recht gut. Unangenehm ist nur, daß er sich auf zwei Sorten beschränkt und daß mir diese zwei Sorten nicht genügen.
-, 75 Jahren erbot sich Ludwig Börne, irgend einen beut»
Men Fürsten für anderthalb Pfund beutschen Tabaks zu loben. Warum? Weil Börne die lauge Pfeife rauchte. Ter Franzose aber lennt bieses Werkzeug himmlifcher Freuden nicht. Er raucht Zigaretten, etwas weniger an Zigarren und ganz wenig Pfeife, aber kurze Pfeife aus Holz oder Ton. Bon dem Prachtgebilde unserer langen Pfeife mit dem herrlichen Porzellankopf, dem dito Waisersäck, dem duftenden Weichselrohr, dem zierlich gebrech,elten Mundstück, dem bunten Quasteiifchmuck hat er keine Achtung und folglich auch nicht von dem Tabak, der in den bauchigen Porzellanbehälter gehört. Ich habe versucht, den fein- geichnittenen Tabak in der langen Pfeife zu rauchen, aber es geht mcht. Ich muß deutschen Tabak haben. Was ist da zu tun? Erstens, zweitens und drittens fluche ich fürchterlich, und wenn tu) damit fertig bin, schreibe ich allen deutschen Bekannten und rZreunden, bet etwaigen Reisen nach Paris ja nicht zu vev- steinn, mir ein Paket holländischen Knasters rnitzubringen. Durch oen.L>ou wird zwar mein Knaster gerade viermal so teuer, wie n llA Deutschland ist, aber wenigstens habe ich ihn bann doch.
.'Cv nrr.eutCv fe6e ich nun, wie sich die Deutschen strauben, Iveil sw ihr Paket Tabak künftig nicht mehr mit 25, fOTtbeen mit 30 Pf. bezahlen sollen. Und da soll ich Mitleid habens Fallt mir gar nicht em! Mich kostet dieses Paket doch immer eine Mark, und da ist es mir einerlei, wenn ich auch
’ $f. drauszahle. Es ist haarsträubend, iras die frant- zosische Regierung mit ihrem Tabak verdient. Ein Heiden- und Sündengeld. Ich habe die Frage studiert und kann Ihnen Be- scheid geben. Horen Sie und staunen Sie und — frohlocken Sie, baß Sie für baS nämliche Geld vier volle Pfeifen rauchen! wnnm, wofür der Franzose vier winzige Zigarettchen raucht.
Seit dem Jähre 1811 hat VaS Tabaksmonvpol dem fran-
zosischkn Staate „rund 15 Milliarden eingetragen, und seit fünfzehn Jahren tragt es ledes Jahr dreKindert Millionen ein Rechnen wir, daß es m Frankreich zehn Millionen Raucher gibt so kommen wir zum, Schlüsse, daß jeder von ihnen jährlich drcimg Frank steuer für sein Rauchvergnügen zahlt, und wenn der Raucher em Arbeiter ist, der im Jahre tausend Frank ve» drent, so liefert der Mann 3 v. H. seines Einkommens allein für das Rauchen an dm Staat ab. Im Durchschnitt kostet diesem das Kilogramm Tabak nicht ganz zwei Frank, und be- zahlm laßt er sich dafür etwas mehr als zehn Frank. Das ist em Geschäft, das sich die deutschen Tabaksfabrikanteii wohl gern gefallen ließen, und vermutlich würde sich auch der deutsche Staat so was gefallm lassen, wenn er es erreichen könnte. Wenn man bedenkt, daß Frankreich vierzig, Deutschland aber sechzig Millionen Einwohner hat, so kann man leicht ausrechnen, daß das Monopol in Deutschland nicht 300, sondern 450 Mill abwerfen würde.
Nicht nur die Fabrikation, sondern auch der Verkauf von Tabak ist Sache des' Monopols und des Staates. Tie Folge ist, daß man in Paris eine halbe Stunde laiig spazieren gehen kann, ohne einen Tabaffaden zu sehen. In Berlin sieht man mitunter an dm vier Ecken einer Straßenkreuzung ebciisoviele Zigarrenlädm, in Paris ist kein Tabaksladen dem aiidern näher als dreihundert Meter, und in den französischen Dörfern gibt es nie mehr als einen einzigen Tabaksladen. In ganz Paris gibt es em paar mehr als taufend Tabaksläden, also kornnit einer auf dreitausend Einwohner. Und diese Läden sind Vie schmutzigsten, engsten und abschreckendsten Buden, die man sich vorstellen kann. Da es eine Konkurrenz nicht gibt, hat der Inhaber nicht nötig, die Käufer durch angenehme Ausstattung des Ladens anzuziehen. Ebensowenig hat et nötig, höflich und zuvorkommend zu sein. Mitunter können Sie zehn oder fünfzehn Minuten warten, ehe sie bedient werden. Beschweren Sie sich, fa werden Sie einfach auSgelacht.
Es ist selbstverständlich, daß ein Pariser Tabaffaden, der zentral gelegen ist, im Laufe des Jahres für mehrere Millionen umsetzt, und daß der Inhaber eines solchen Ladens ein Bombengeschäft macht. Ter Tabaksladen ist also ein Hauptmittel geworden für die jeweilige Regierung, die dem Baterlande oder der Partei geleisteten Dienste zu belohnen. Es gibt Witwen von Generalen und von Gesandten der Republik, welchen zur Erhöhung ihrer Pension ein Tabaksbureau verliehen worden ist. Bon den „ hundert Beispielen, die ich anführen könnte, wenn mein Gedächtnis besser wäre, fällt mir im Augenblick nur die Witwe des im Sudan von dm Hauptleuten Boulet und Chanoine ermordeten Obersten K'lobb ein, der ein solches Bureau zur Entschädigung für den Verlust ihres Gatten gegeben tinrrbe. Natürlich brauchen diese Leute nicht selbst im Laden zu sitzen und die Kimdeit zu bedienen. Es genügt, wenn sie den Profit einstecken, und gewöhnlich einigen sie sich mit einem Unternehmer, der ihnen dafür eine bestimmte jährliche Summe ablieftrt.
Nun bedenkm Sie alles, was ich Ihnen da erzählt habe: der billigste Tabak kostet 10 Mark das Kilo, eine halbe Stunde können sie laufen und suchen, bis Sie einen Laden finden, int Laden werden Sie unverschämt und schlecht bedient, den Tabak, den Sie eigentlich haben möchten, können Sie überhaupt nicht bekommen — das alles bedenkm Sie und sagen mir bann, ob es Ihnen nicht besser geht trotz der drohenden Erhöhung der Tabakssteuer. Seien Sie also friedlich, zahlen Sie gütlich und trösten Sie sich 'mit dem größeren Leiden des Nachbars.
* In zwei Minnten von Frankfurt a. M. nach München — dieser Weltrekord, der wohl kaum gebrochen werden kann, wird auf dem Ersten deutschen Automobil-Ball, den ein Sportwitzblait am 7. Februar int „Neuen königl. Opern-Theater" zu Berlin veranstaltet, viel zum Amüsement der Besucher beitragen. Das Fest wird in humoristischer Form den Berlauf der nächstjährigen Herkomer» Konkurrenz parodieren. Vom ersten Saale, der den Start in Frankfurt a. M. in naturgemäßer Weise vorstellt, werden elektrische (geruchlose) Automobile nach dem Hauptsaal München fahren und so den Weltrekord aufstellen.
e Ein Orchidee, bieroie eine Bulldogge aus» sieht, ist der neueste Triumph der Blumenzucht, die auf der großen Blumenausstellung, die in London eröffnet wurde, allgemeine Bewunderung erregt. Man findet diese’ Aehnlichkeit in dem eigenartigen Aussehen ber Blüte, die fast vollkommen rund ist, eine für eine Orchidee sehr merkwürdige Erscheinung. Auch die Stellung der Kelchblätter und die Breite der Blütenblätter unterstützen diesen Eindruck.
* „Prinz essin Alices" H o chz ei tsge sch enke. Aus Newyork wird berichtet: Die Amerikaner, diese guten Demokraten, erleben jetzt eine Sensation, an der sie sich für das Fehlen fürst- lichm Glanzes! in tfrecm svnst so vollkommenen Lande schadlos


