62
mit
Es ist
des Lichtes
uns hier mit dein Tabak
Akr W6aK irr AranKreich.
Von Karl E u g e n Schmidt (Paris).
„Allmacht", stöhnte Imhoff, „Sie wollen Ihren Bau doch nicht etwa Prinzeß Luisen-Theater benennen!?"
„Das fehlte mir gerade. Wer etwas Prinzliches ist dabei. Passen Sie auf! . . ."
Er nahm den Löffel von der Tasse Imhoffs und schlug damit an sein Glas. Jrn Augenblick verstummte das Stimmengeräusch und das Klirren von Messern und Gabeln. Aller Augen wandte sich Hammer zu.
(Fonsekung folgt.)
Ta schlug Imhoff sich vor den Kopf. Herrgott, hatte der Baumeister bei der Grundsteinlegung wahrhaftig die Hauptsache vergessen! Er drängte sich zu Hammer hindurch, vorsichtig in der Hand seine Tasse Mockturtle balanzierend, und flüsterte ihm zu:
„Baumeister, um die Weit — Sie haben ja noch nicht den Namen unseres Theaters Verkünder!"
„Absichtlich nicht", entgegnete Hamnier, sich nmwen- benb; „aber es wird kommen. Nämlich, mein Lieber: ich habe mit der Idee gewechselt. Wir dachten zuerst an Metro- pol-Theater. Tas sagt nicht genug. Hinter dem Mahren, Schönen, Ebleu' mutz ein großer Patron stehen —"
„Allmacht", stöhnte Imhoff, „Sie wollen Ihren Bau
Tie Bauurkunde wurde in den Grundstein versenkt: dann war die kleine Feier zu Ende. Nun fand sich auch die Alltagsliebenswürdigkeit auf dem Gesicht des Baumeisters Schuck; er bat die Herrschaften zu einem schlichten Frühstück hinüber in das Restaurant Tressel.
, Tie meisten folgten. Ter dicke Giesecke trocknete sich Stirn und Wan geil und erklärte, ein Glas Bier würde ihm momentan das liebste fein. Graf Frehliughaus verabschiedete 'ich..und sagte Hammer, er würde nicht ermangeln, seiner gnädigsten Prinzeß „Bericht zu erstatten". Hammer drückte d^vl Grafen verbindlich die Hand und sah ungeheuer beglückt aus; aber es war eine physiognomische Lüge. Prinz Heros hatte Lust, noch ein Stündchen mit der niedlichen '".‘ftt "Vsuhoff zu plaudern und begleitete sie zu Tressel. Mit finsterem Gesicht schritt Priestap hinterher. Seine weißen Glacees tour beit ihm plötzlich unbequem. Er riß sie streifeu- toeife von den Händen und warf sie fort.
kleinen Saal des Restaurants Tressel war ein Bufett ausgestellt worden. Mail hatte beit Tag zur Nacht gemacht, die Persie,tuen geschloffen und bas elektrische Licht entzunbek. «.er alte Tressel, als gastrosophisch gebildeter Macen, war selbst zur Stelle und gratulierte Hamnier. „Merci, lieber Tressel", erwiberte ber Baumeister, „hoffent- ^ßehen Ihre Wünsche in Erfüllung. Und nun ein Glas OE! Was haben Sie kalt gelegt?..." „Burgeff unbi Sltquot , sagte tressel . . . „Also Cliquot", rief Hammer; M habe es ausprobiert, Tressei: wenn ich das Glück fesseln will, muß ich leichtsinnig sein können. . ."
„Bravo", sagte ber Herr hinter ihm. Hammer toanbte unwillkürlich wurde sein Besicht finster.
verbeugte sich. „Ich habe Ihre liebenswürdige Einladung ^angenommen, werter Herr Baumeister", begann miidS6 ^v"vcle fallen zu lassen, „weil ich mich glücklich fchatzen wurde, bet dieser Gelegenheit noch ein paar Worte mit Ihnen wechseln zu dürfen "°ÜJ em „©eßr liebenswürdig, Herr Trusen: aber nicht in
Hinter ihm stand Fräulein Tora Held und reuig mit großer Sorge. Dreimal hatte ihr Giesecke, noch int Eisenbahncoups, die Rede vorgelesen — tadellos, mit Schwung und dialektfrei — und nun sächselte er doch wieder. Es lag etwas so Würdeloses in dieser Sächselei.
Mit Gieseckes Ansprache waren die offiziellen Reden erschöpft. Ter Bürgermeister begnügte sich mit den drei Schlägen. Tann griff einer nacb dem anderen der Antoesen- den zum Hammer; auch die Tarnen. Nun klangen die metallencit Töne durch die warnte Frühlingsltift: wie Helle Jauchzer, tote Kriegsrufe, wie Gelöbnisse. . . Herr Sven Trusen stand jetzt mitten im Kreis der übrigen. Tas Gesicht des Baumeisters verfinsterte sich. Dieser Mann war ihm widerlich; er wußte nicht, weshalb. Er kannte ihn nur oberflächlich, aber er ging ihm gern aus dem Wege. Wie kam er hierher? Er war nicht geloben. Himmeldonnerwetter, wollte er etwa auch zum Hammer greifen?! —
Ja, das tat Herr Trusen. Er schlug kräftig auf den Grundstein, und er sah dabei so herausfordernd aus, als habe er hier mitzusprechen, als gehöre er auch „zum Bau". Imhoff. Merle vor heimlicher Wut. Er schwankte: sollte er dem Tingeltangel-Spekulanten den Hammer entreißen ?1 Wer schon fegte Sven Trusen ihn wieder lächelnd fort und trat zurück...
I einer ähnlichen Angelegenheit, wie Sie sie neulich atk- I regten —"
„Herr Baumeister, gehen wir darüber hinweg. Wt Ihren Plänen will ich nicht rütteln. Wer Berlin hat viel Platz. Und die strenge Kunst herrscht nicht allein. Es ist wie auf dem Büchermarkt: auch leichte Ware findet ihr Publikum. Berlin könnte recht gut noch ein großes Spezialitätentheater vertragen — in monumentalem Stile — ein. Riesenhaus mit —"
! Doch der Baumeister 'chnitt dem Sprechetiden das Wort ab. „Ich baue keine Tingeltangel, Herr Trusen", sagte er kurz und wandte sich um.
Sven Trusen verneigte sich höflich und ging an das Büfett, um sich mit Hingabe und Appetit für Rebhuhn- pastete, Belugakaviar und das Mosaik einer Galantine zu infereffieren. Es genierte ihn gar nicht, daß niemand mit ihm sprach. Er stellte sich an die Wand und frühstückte im Stehen und ließ sich ein Wasserglas mit Champagner stillen.
Im Saal waren kleine Tische gedeckt. Aber noch schwirrte alles umher. Ter Prinz wollte Nina servieren und fragte nach ihrem Begehr. Sie bat um Hummer; sie hatte noch nie Hummer gegessen. Wenstein baute ihr ein Stilleben auf einem Teller auf, während Priestap grollend daneben stand. Es war ihm, als fiebere er. Hammer, der bald hier, bald dort war, auffordernd, plaudernd, scherzend, zu- trinkend und dankend, freute sich darüber, baß Nina den Prinzen zu bevorzugen schien. Es war die Schadenfreude eines Nebenbuhlers. Wer der Baumeister würde hellauf gelacht haben, hätte man ihm derlei gesagt. Tie Weiber, ließen ihn kalt; das wußte alle Welt. . .
Ter Zeilen-Knappe hatte die allgemeine Einladung auch auf sich bezogen. Er hatte sich sofort am Büfett postiert und sich vorgenommen, vorläufig hier zu bleiben. Er war ein berühmter Esser. Wer er atz wahllos und unfein und alles durcheinander: Kaviar, Cremetorte und getrüffelte Pute zusammen mit einem Berge Pncklcreis. Kauend und schmatzend fragte er gelegentlich Imhofs r „Großer Troubadour, wie soil denn nun eigentlich Eure neue Bude heißen? . . ."
Mimik: alles ungefähr fo wie Barnay als Antonius im „Julius Cäsar". Er sprach sehr gewählt und ungeheuer trivial; aber es machte Eindruck. Auch feine Hammer- schlöge drangen dröhnend durch die Lust. Und bann gab er ben Hammer nicht' weiter, sondern warf ihn mit schneller Bewegung auf ben Block. Tas sollte irgenb etwas Symbolisches bedeuten.
Nun kam der künftige Direktor des Schauspiels, Herr Giesecke, an die Reihe. Er zog ein abgegriffenes. Stück Papier ans ber Tasche unb las feine R Be ab. Ein Redak- teur des Chemnitzer gemeinnützigen Anzeigers hatte sie ihm angefertigt. Wahrend ber dicke Giesecke las, Begann er unverhältnismäßig stark zn schwitzen. Große Perlen sammelten sich auf |einer Stirn und rannen über die feisten Wangen herab in ben Kragen. Er transpirierte immer so heftig in erregten Momenten unb spielte deshalb auch nicht mehr. Er war zu Zeiten, da er noch weniger zu Embon- pomt geneigt, ein ganz guter Romeo gewesen; aber das Transpirieren unb auch ber leichte sächsische Anklang int Organ, ben er nicht los würbe, hatten ihm die ausübende Kunst verleidet.
Es ist eine gar traurige Sache mit dem Tabak in Frankreich- und wenn es wahr ist, daß Paris die Bille Lumiöre, die Stadt des Lichtes ist, so möchte ich die Tabakstage als den einzigen: dunkeln Schatten in diesem Lichtmeer bezeichnen. Daß er schändlich teuer ist, könnte ich am Ende noch vergessen, obgleich auch darüber schon ein bewegliches Klagelied anzustimmen wäre. Wie ich sehe, soll in Deutschland die Tabaksteuer erhöht werden und das geduldige deutsche Volk macht ein böses Gesicht dazu. Da es nun dem Leidenden ein Trost ist, Genossen im Leide zu haben, will ich , versuchen, das deutsche Volk zu trösten. Nicht nur! trösten will ich,es, sondern es soll Hurra schreien vor Entzücken! über die beabsichtigte Tabaksteuer. Tenn was ist diese drohende Steuer gegen die Steuer, die uns hier in Frankreich drückt? Ein Strohhalm'tzsegen einen Mastbaum! So entsetzlich, wie es ~..LJ geht, wird es dem Deutschen in den nächsten hundert Jahren nicht ergehen.
... Wissen Sie, was der billigste Tabak in Frankreich kostet? Vierzig Pfennig für vierzig Gramm. In Deutschland kostet die


