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Dem Wahren, Edlen, SGönen.

Ein Großstadtroman von Fedor v. Zobeltitz.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Der dicke Giesecke, der die Leitung des Schauspiels über­nehmen sollte, mar von Chemnitz herübergekommen. Er hielt seinen Zylinderhut vor dem Magen; aber die starke gelbe Bürste seines aufrecht stehenden Haares schützte ihn vor dem Sonnenstich. Er spielte selber längst nicht mehr, galt jedoch für einen tüchtigen Regisseur aus der Meininger Schule. Dicht hinter ihm stand seine erste Liebhaberin, die ihn nach Berlin begleitet hatte, Fräulein Tora Held, die geschiedene Gattin eines österreichischen Generals, wie sie erzählte, und Tochter eines hohen Staatsbeamten aus dem Trento, wie sie auch gern erzählte: eine schöne Blondine mit vollem blühendem Antlitz. Herr v. Seeben in weit offenem Ueber- zieher, unter dem man auf weißer Brustseite ein paar farbige Halsdekorationen fah, plauderte mit Arigo Rafaöli, dem ersten Kapellmeister. Rasatzli war ein geborener Italiener, lebte aber seit Jahren in Deutschland und hatte hier auch seine OperWarte" zuerst aufführen lassen: eine mystische Dichtung mit eigentümlicher Begleitmusik, über deren Wert die Ansichten verschieden waren, die jedoch allgemein els sehr talentvoll galt. Es war ein schlanker blasser Mensch mit wirrem schwarzem Haar und Lippen, die wie rot gefärbt erschienen.

Alles stand in Gruppen umher; nur Frehlinghaus blieb allein. Dem Prinzen machte cs Spaß, bald mit diesem, bald mit jenem ein paar Worte zu wechseln. Er ließ sich durch Priestap Nina Imhoff vorstellen, die erst große Augen machte und dann einen unendlich tiefen Knicks; mit einer leibhaftigen Durchlaucht hatte sie noch nie gesprochen, und um ganz fein zu sein, sagte sie immerDürchlaucht" und brachte dies häufig an. Tie Unterhaltung der beiden erregte den Neid von Tora Held, die ihre prachtvolle Figur reckte und Arenstein scharf fixierte, um auch angeredet zu werden. Währenddessen kämmte Graf Frehlinghaus seine Favoris mit den Fingern und zeigte ein gewisses wohlwollendes Lächeln, über das er nrcht hinauskam. Populär machen konnte er sieh nicht; es widersprach auch seinen Ansichten.

Imhoff hatte noch zu arrangieren. Er jagte mit flatterndem Havelock bald hierhin, bald dorthin, machte einen Schutzmann daraus aufmerksam, daß ein paar neugierige Kinder über den Bretterzaun geklettert seien, raunte Seeben zu:Herr Direktor, eine Souffleuse hab' ich, ff," stolperte beinahe über einen Haufen alter Ziegelsteine und bekam dann Herrn Jofef Berndal zu fassen. .Herr Berndal," wisperte

er,ich habe mit Hammer gesprochen: Teppiche, Läufer und Vorhänge liefern Sie . . ."Gut/ sagte Berndal,unb wie ist'S mit der Wäsche für das Restaurant? ..."DaS nehmen wir in den Vertrag mit dem Pächter auf . . Gott, was ich zu tun habe! . . . ."Hören Sie, Imhoff," fuhr Berndal fort und schaute sich um, ob seine Frau in der Nähe seiaber sie plauderte gerade mit Giesecke, noch etwas. Ich habe da ein hübsches Talent entdeckt ..."I was . . sehen Sie mal anl"Ein hübsches Talent, ein Fräu­lein Eberhard. Das müssen Sie mir engagieren Machen wir, Herr Berndal. Als was? ....Als Naive . . ."Machen wir, Herr Berndal: die Naive eines Herrn vom Aussichtsrat ist von vornherein engagiert. Wie viel Gehalt?" ....Das ist Nebensache; Fräulein Eber­hard legt das Hauptgewicht auf künstlerische Beschäftigung." . . .Um so besser, Herr Berndal, solche Naiven lob' ich mir . . . Er raste weiter, um Hammer ein Zeichen zu geben, daß nunmehr alles versammelt sei, und sein Havelock flatterte.

Hammer stand neben dem Grundstein. In diesem Augenblick teilte sich die Weihe der Stunde gewissermaßen auch seinem Aeußeren mit. Von feinem Gesicht war das gewohnheitsmäßige liebenswürdige Lächeln geschwunden. Er sah sehr ernst uuS. Er hatte den Hut abgenommen rmd seine freie runde Stirn erschien plötzlich höher und bedeutender und seine klaren Augen leuchteten in hellem Glanze.

Er ivar kein großer Spreckier. Er hatte auch vergessen, sich vorzubereiteu. Jetzt erst fiel ihm ein, daß man von ihm wahrscheinlich eine schöne Rede erwarten würde. Ter Kreis der Gesellschaft hatte sich verengert. Man umgab den Stein in Ringform; nur Herr Sven Trusen stand außerhalb des Kreises, das Monoele in der Augenhöhle, ein kaum merkliches Lächeln um den Mund. Alles schaute auf den Baumeister, der beit Hammer erhob und das Eisen auf den Grauitbloü fallen ließ. Dabei rief er mit lauter Stimme:

Dem Hanse der Grundstein der Kunst ein Eckstein;

der Schönheit ein Schmuckstein! . . ."

Tas war alles. Aber die drei Schläge tönten weithin. Tie Spatzen flogen erschreckt davon. Auf dem hübschen dummen Gesicht der Frau Anita Berndal malte sich große Enttäuschung; sie hatte etwas viel Schöneres erwartet. Graf Frehlinghaus zuckte bei jedem Hammerschlage nervös zusammen. Herr Sven Trusen trat langsam näher.

Ter Baumeister gab den Hammer an Herrn von Seeben. Aber Herr von Seeben war vorbereitet. Er hatte seinen Paletot ausgezogeu und über den '?Irm gehängt, steckte die linke Hand in die Hosentasche und die rechte in den Westen­ausschnitt und begann, den Hut auf dem Kopfe, mit raschen Worten, wie gleichgiliig hingeworfen, seine Rede. Tann änderte er plötzlich die Pose, nahm den Hut ab und ließ die Stimme anschwellen und zeigte eine bedeutungsvoll^