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erzählt Siegbert Satter über das Verhältnis des Dichters »um Millionär: Niemanden wird es wundern, daß Heinrich Heine mit besonderer Vorliebe die blanke Klinge fernes Witzes einem solchen Manne zu fühlen gab, von dem er überdies wußte, daß er sich seine Bekanntschaft nicht vermitteln ließ, um den berühmten Dichter der Rersebrlder und des Buches der Lieder kennen zu lernen, sondern weil er in ihm den Neffen des „alten soliden Hauses Salomon Heine in Hamburg, unseres Salomon Herne, wie er sich ausdrückte, begrüßen wollte.
Man erzählte sich in den Salons der Geldaristokratie und den kleinen Soireen der Künstler des damaligen Paris eine Unzahl drolliger Anekdoten über das ewrge Wrtz- aeplänkel, "das Heine gegen den Baron in Szene setzte. In einem alten Jahrgang des Daheim berichtet ern ungenannter Autor eine ganze Reihe dieser Geschichtchen. Einige davon mögen hier mitgeteilt werden. „
Einst, in einer jener Gesellschaften, die Rotschrld häufig zu geben Pflegte, und wo er alles zu vereinen wußte, was durch Verdienst, Rang oder Namen hervorragte, unterhielt man sich über das innerhalb des Pariser Stadtgebiets so trübe und schmutzige Wasser der Seine. Da erzählte der Finanzkvnig, daß er den Strom in der Nähe seiner Quelle gesehen habe und daß dort sein Wasser klar und hell wie Kristall fei.
„Ihr Herr Vater soll auch em rechtschaffener Mann gewesen sein, Herr Baron", warf Heine mit trockener Bissigkeit dazwischen, ohne daß Rothschild die versteckte Bosheit dieser Worte zu verstehen schien, während dre Gaste sich auf die Lippen bissen. ,
Ein anderes Mal befand sich Herne mit Fröderic Souliö, einem damals v-elgelesenen Novellisten und Bühnendichter, in einer Abendgesellschaft, als eben der Baron eintrat. Die meisten der Anwesenden erhoben sich bei seinem Erscheinen von ihren Plätzen und verneigten sich tief vor dem mächtigen Manne, der, wie Balzac höhnte, „dem Ministerium die Deputierten und den Türken die Griechen verkaufen würde", wenn das seinen Plänen förderlich wäre. ,
„Sehen Sie", sagte Souliö, „das neunzehnte Jahrhundert betet das goldene Kalb an."
„Hm!" meinte Heine, „Kalb!? . . . Der Baron ist nrcht mehr so jung, wie Sie glauben."
Weihnachts-Literatur.
— In erste Berührung mit Kunst und Literatur kommt das Kind durch das Bilderbuch und die Jugendschrift. Erst die neueste Zeit hat den großen erziehlichen Wert dieser beiden erkannt und sich ihrer angenommen, und es sind nicht pädagogische Kreise allein, die sich für die Entwicklung unseres deutschen Bilderbuch- und Jngendschristenwesens interessieren. Die neue Bewegung hat seit einigen Jahren schon nicht nur einen Teil des deutschen Berlagshandels ergriffen, eine nicht unbeträchtliche Zahl von Künstlern und Dichtern hat ihre Kunst in den Dienst der Jugenderziehung gestellt. Vor allem der Verlag von Hermann und Friedrich Schaff st ein in Köln a. Rh. hat viele Künstler dazu angeregt, und so erscheinen dort fast Jahr zu Jahr Bilderbücher und Jugendschriften, die nach Inhalt und Ausstattung zu den besten gehören, was heute auf diesem Gebiete erscheint. Auch in diesem Jahre hat der rührige Verlag den Büchermarkt reichlich beschickt. Eins der schönsten seiner Bilderbücher für den Weihnachtstisch, ja eins der schönsten, das von dem deutschen Buchgewerbe je produziert wurde, ist Strabautzerchen. Bilder und Reime von Hans v. Bolkmann. Preis in Pappband gebunden 5Mk. Der berühmte Künstler Hans v. Volkmann, einer der größten Künstler unserer Tage, verzichtet auf allen überflüssigen Krimsgrams, vermeidet alles, was die Kinder verwirren und von der Hauptsache ablenken könnte, unter strenger Anlehnung an die Natur bringt es nur die wichtigsten Erscheinungen in Hof und Garten, Wiese und Feld, Dorf und Stadt. Breite Flächen und starke Konturen prägen sich dem kindlichen Geist am besten ein, und in allen Kompositionen spielt ein liebenswürdiger Humor. Die niedlichen Verse werden die Kleinen schnell erlernen und im Gedächtnis behalten. Kann es etwas Packenderes geben als das Bild Gewitter mit dem dunklen wolkenschweren Himmel,
aus dem der Blitz herniederzuckt? Die Source beleuchtet aus einem kleinen Spalt das rotbedachte, von Pappeln umgebene Häuschen, während im Vordergrund Bruder und Schwester unter dem roten Regenschirm nach Hause eilen. Freundlich lacht der Sonnenschein in dem Bilde „Die Post'* über den farbensatten Felderrr und der gelben Postkutsche. Hinter dem Verdeck des von hinten gesehenen Wagens sieht man nur die hervorgestreckte Peitsche, und dem kleinen Beschauer bleibt es überlassen, wie sich seine Phan- taste den Kutscher denkt. Aehnlich wirken auch die anderen Bilder, z, B. das Reh, die Eisenbahn, der Tannenwald usw. Sehr glücklich ist auch das Vorsatzpapier mit den kleinen gelben Vögelchen gewählt. Strabantzerchen ist das Söhnchen des Künstlers, an dem der Vater die Wirkung seiner Bilder zuerst erprobte. Diesem ersten Erfolge werden noch viele weitere folgen. — Ein zweites Bilderbuch, „Sportund Spiel" von K. F. v. Freyhold, erinnert an die Struwwelpetermanier. Ohne Text oder, Verse sind die verschiedenen kindlichen Spiele und Sportübungen in einer drolligen, sehr bunten und ganz einfachen Ausführung behandelt. Wir zählen 12 solcher ganzseitigen Bilder. Die bekannten Figuren aus den Spielzeugschachteln haben dem Zeichner als Vorbild gedient. Unter den Spielen, die der Stift des Künstlers festgehalten hat, nennen wir das Drachensteigen, das Stelzenlausen, das Reifspiel, unter den Sportvergnügen das Reiten, das Radeln, das Schwimmen, das Schlittenfahren^ das Rudern, das Fahren und andere. Das hübsche Buch ist für die Allerkleinsten bestimmt.
— Der Pfälzer R o b i n s o n. Resten, Abenteuer und türkische Sklaverei des Atichael Heberer ans Bretten 15-2—88, von ihm selbst erzählt. Neu herausgegeben von Albrecbt Thoma, Professor in Karlsruhe. Verlag von Moritz Schauenburg in Lahr. Preis in Leinwandband Alk. 8.—. Ein liebenswürdiges krobes „Pkalzkind" hat die abenteuerlichen Fahrten und Begebenheiten erlebt und erzählt, die in diesem Buche beschrieben werden. Als Weihnachsgabe wird das Buch viele Freude bereiten.
Neue Kalender.
Eine waritte Entpsehlung verdient der „R e u t e r - K a l e n d e v“ (Herausgeber Karl Theodor Gaederh. Illustrationen von Johann Bahr. Verlag Theodor Weicher-Leipzig). Ter verdtenstvolle Reuter- Biograph will auf dem Kalenderwege die Tentichen, die noch abseits vom Reicktnm Reuterscher Dichtung stehen, zu dem großen Httinoristeu hinsübren. Wenn einer, so ist Gaedertz der rechte Alaun für diese Aufgabe. Der Kalender ist denn anch mit seinem reichen Inhalt von und über Reuter tind denl interessanten bildlichen Ma- tertal ein guter Anreger, sich mit Rettter zu beschältigen. Besonders Wert erhält er durch bisher ungedruckte Gedichte imb Geschichten aus Reuters Nachlaß.
Königspromenade.
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Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der^ Weise mit einander verbittdett, daß ntan — wie der König cuif dem -Lchach- brett — stets von einem Feld nn§ aus ein benachbartes übergeht.
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Auflösung in nächster Nummer.
Auflöstmg des Krerizrätsels in voriger Nummerr A K H
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Äebafnon: Ernst L> e ß. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh l'scheu Unwersttäts-Buch- und Siemdruckeret. R. Lang«, Gietze«.


