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hier angekommen. Als ich Sonntag oben war. um ihm zu danken, sagte er:Also dann auf Wiedersehen in Berlin." Da sie nichts hierauf erwiderte, fügte er hinzu:Gewiß werden sie auch in die Oper gehen, da sie gerade da sind."

Weshalb ist er hier?"

Er hat Geschäfte zu erledigen, wie er sagte."

Und seine Frau? Begleitet sie ihn immer, wenn er verreist?"

Er sah ganz erstaunt ans bei dieser Frage.

Ach, wohl nein I Ich glaube nicht. Weißt du, Dellchen, seit Graf Guido geheiratet hat, wissen wir nicht mehr so gut Bescheid oben. Ich komme selten hinauf, Mutter gar nicht, und die Giersdorfs kommen, wenn sie unten sind, auch nie mehr 'ran. Zu uns nicht und auch zu PhysikussenS nicht. Das hat sich alles geändert, seit die junge Gräfin ihren Einzug gehalten hat. Die ist sehr stolz und zurückhaltend und für die frühere Zeit und die alten Menschen, die mit Giersdorf verwachsen waren, interessiert sie sich nicht."

Das ist nicht anders, Papa!" antwortete sie mit herbem Ton.Jeder geht eben seine eigenen Wege im Leben 1"

Aber es war doch früher so nett. Muttchen meint auch, es wären ganz andere Zeiten gewesen."

Verflossene Zeiten, Papa," kam es träumerisch über ihre Lippen.Das ist 'mal so. Bis zu einer geivissen Weg­strecke marschiert man zusammen, so im frischen Mut und Uebermut der Jugend, dann trennt man sich, zieht nach hierhin, nach dorthin, und jeder känipft seinen Daseinskampf allein, ist allein auf dem Kriegsschauplatz seines Lebens. Da nützt die Gemeinsamkeit von früher nur wenig, lliib merk­würdig, die am dichtesten nebeneinander standen, entfernen sich am weitesten."

Er hatte ihr nachdenklich zugehört.

Du magst recht haben, Kind. Schön ist es aber nicht. Auch Graf Alfons und Karl Viktor lassen sich kaum noch sehen. Allerdings kommen sie immer nur ganz flüchtig nach Haus und sehr selten, um die alte Gräfin zu besuchen."

Was macht die alte Gräfin?"

Sie ist oft leidend, meist ganz teilnahmslos, fast schwer­mütig. Der Kreisphysikns sagt, die Heirat Guidos habe nicht gut auf sie gewirkt."

Ja . . . ja, ist denn Graf Guido nicht . . . nicht glücklich?"

Das kann niemand wissen. Ec ist schrecklich ernst und zurückhaltend. Wie ein glücklicher Mensch sieht er nicht aus. Die junge Gräfin, nee . . . mein Geschmack wäre sie nicht, Dellchen. So was Kaltes, Hochnäsiges, und Kinder haben sie auch nicht. Nein, weißt du, ich hätt' Guido was Besseres gewünscht. Er war doch ein prächtiger Mensch, und diese Heirat hat ihn wie verivandelt. Und alle Giersdorfs. Die Fürstin Helene war seit drei Jahren auch nicht mehr da."

Adele war bleich geworden, als er vom Grafen Guido so bedauernd sprach. Darin erhob sie sieh.

Ich glaube, Pachen, du wirst nun aber doch etwas ausruhen wollen. Ein kleines Schläfeheu nach dem Früh­stück. Das rvird dir gut tun. Ich selbst will arich noch einiges erledigen, dann schreiben ivir an Muttchen, und nachher fahre ich mit dir ein bischen umher und zeige dir die Stadt. Nachmittag kommt Tante Hannehen mit Lueie."

Sie sah nach ihrer Uhr.

Bald zwölf Uhr. Wie die Zeit läuft, wenn man sich so viel zu sagen hat!"

Sie nahm seinen Arm in den ihren und führte ihn nach dem nebenan gelegenen Zimmer.

Hier, Papa, wirst du Ruhe haben. Mache es dir auf der Chaiselongue bequem. Und um zwei Uhr fahren wir aus.

Aber Dellchen, kann man denn in einem Hotel mehrere Zimmer haben?"

Gewiß, Papa, wenn man sie bezahlt. Ich habe drei. Den Empfangssalon dort, hier mein Boudoir und daneben das Schlafzimmer. Dorthin will ich mich zurückziehen, damit du ungestört bleibst. Adieu, Papa!" sie küßte ihn auf beide Augen,und schlaf' ordentlich und ruhe aus. Die nächsten

Tage werden auch an deine Kräfte besondere Anforderungen stellen."

Kopfschüttelnd sah er ihr nach, als sie ihn verlassen hatte.

Das ist meine Della und dann ist sie es wieder nicht", sprach er vor sich hin und befühlte die Decke der Chaise­longue, auf die er sich legen sollte.

Nobel, sehr nobel ... . zu nobel für mich. Aber sie will es doch und sie scheint's jetzt wirklich gewöhnt." Vor­sichtig, als ivolle er die feine Decke nicht verderben, streckte er sich aus.Ich darf sie nicht kränken und es ist ja auch kein altes Sofa da, auf das ich mich legen könnte . . ." Er zog sein Taschentuch heraus und breitete es unter seinen Kopf.So . .. das schont den Ueberzug. Und dieses seidene Gewebe ist wohl zum Zudecken?" Bewundernd betrachtete er das weiche Muster eines persischen Schals.Es ist nichts anderes hier . . . ach, diese Künstler . . . ja . . . und wie schön Della ist . . ." Die verschiedenen Eindrücke, die seit gestern auf ihn einstürmten, hatten ihn müde gemacht. Ec wac entschlummert.

(Fortsetzung folgt.)

Aurn lOOMngett Geöurtstage von Ar. Lorenz Arcferllurch.

2 9. Juli 190(5.

(Original-Artikel der Gießener Familienblätter.) Bon Adolf Bergheimer in Lanbach.

Einem der bedeutendsten Schüler unserer alma mater Ludoviciana, dem späterhin berühmten Sprachsorscher und hervorragenden deutschen Dichter seien am heutigen Tage diese Zeilen zur Erinnerung gewidmet.

In Oberhessen, in Ostheim bei Bntzbach, wurde als Sohn des dortigen Pfarrers Diefenbach, der später in Leydhecken in der Wetterau starb, am 29. Juli 1806 L o re nz Diesenbach geboren. Von dem Vater wurde er schon in frühester Jugend in den verschiedenen romanischen Sprachen unterrichtet und seine hoch gebildete Mutter machte ihn mit dein klassischen Altertum bekannt. Der sehr begabte Jüngling bezog schon im 15. Lebensjahre die Universität Gießen, um sich theologischen und philosophischen Studien zu ividmen. Besonders übte hier Professor Dr. Sch mitt Henner be­deutenden Einstuß ouf ihn aus, mit Eifer beschäftigte er sich mit der Naturphilosophie Hegels. Als Pfarrerssohn ividmete er sich dem theologischen Berufe. Die Freiheitsideen, die da­mals die studentische Jugend beseelten (infolge der Karlsbader Beschlüsse ivaren die Universitäten unter die Aufsicht besonderer Negierungsbeamten gestellt) verleiteten ihn zur Beteiligung an den Gießener Studentenkrawallen, infolge derer ihm, als ec 1823 die Universität verließ, dec Eintritt in den hessischen Psarrdienst verschlosseir blieb. Zur Ausbildung in den modernen Sprachen ging er einige Jahre nach Frankfurt a. M. Fünf Jahre später gelang es ihm, in Pcivatdiensten als Rektor der Lateinschule in Laub ach, im folgenden Jahre 1829 als Assistent des Inspektors Rauch Stellung zu finden. Am 9. Januar 1831 wurde ihm von dem damaligen Grafen die zweite Psarrstelle übertragen und er zugleich als Ver­walter der umfangreichen gräflichen Bibliothek bestellt, die ihn zcir schriftstellerischen Tätigkeit anregte. Auch fand er hier die Gefährtin seines Lebens, die Tochter des reich begüterten Hofrats Sander (Wohnhaus Ecke der Wettergasse), der ec alsder geliebten Genossin seines Lebens und Strebens" den zweiten Zyklus seiner Novellen widmete. Seine hiesige Tätigkeit unterbrach er 1838 und 1841/42, um vorüber­gehend zu Studienzivecken in Heidelberg (eine Reihe seiner Gedichteans dem Heidelberger Schlosse bei Musik vom Turm" entstand hier), später in Bockenheim, Groß-Steinheim seinen Aufenthalt zu nehmen. Immer mehr entfernt er sich von dec positiven Richtung, er spricht sich inder Natur und ihre Symbolik" folgendermaßen ans:

Tritt hinaus, belausche die Natur Genügsam groß selbst i i der kleinsteir Spur. Sie baut ihr Schloß in Alpenherrlichkeit Besieht sich leuchtend in der Seen Spiegeln