Ausgabe 
28.5.1906
 
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1906

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Mitteiloie Mädchen.

Roman von H. Ehrhardt.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.) ,, I

Ich werde den Oberregierungsrat heiraten, Ruth! I sagte sie, ins Bereich des Lampenlichts tretend,dann I hat alle Not ein Ende." ., 1

Betroffen sah Ruth die Entschlossenheit rn dem welchen I Kindergesicht der jungen Schwester.

Ja, liebst Du ihn denn, Sus?" I

Neiu, ich liebe ihn nicht." ~ ,, I

"Und konntest ihn doch heiraten? Das begreife ich

nicht. Ohne Liebe?"

Suses Lippen zuckten spöttisch auf.

Liebe ist unnötiger Gesühlsballast!

Sie hatte das mal irgendwo gelesen und sw tote form- | lich stolz auf diese Errungenschaft. .

Ich denke mir, entweder vertragen sich zwei Menschen vder"sie vertragen sich nicht. Wenn sie hu­

mider passen, das bringt auch die Liebe nicht ms Gleiche sieh Mr Brockhaus an - die haben sich aus purer Ver­nunft zusammen getan und niemand kann bestreiten, daß | ihre Ehe jetzt nicht die denkbar glüalichste ist.

Ruth schüttelte leise abwehrend den Kopf.

Kind !" sagte sie, mit entern zärtlichen Blick Me junge, blühende Erscheinung der Schwester umfaugerw,solch eme Ehe ist ein gewagtes Experiment manchmal gluckts, manchmal nicht - Du kennst Mertens o iventg noch, Du weißt nur, daß er sehr reich ist - es wäre getviy ver­lockend für uns alle, solch em Schwager aber nem, so lange ich noch einen Finger rühren kann, sollst Du Dich nicht verkaufen. Ich werde morgen zu Tietzheml gehen unb meine Arbeit für ebenso billiges Geld anbieten, wie

Kch^Ruth, das könntest Du? Wo Dein Talent so groß ist? Ist Mr das nicht schrecklich^

Leicht wird mir's nicht, Sus. Man hat doch schon seinen Künstlerstolz, der sich dagegen empört, so niedrig bewertet zu werden, in jeder Dilettantin eme gefährliche Konkurrenz sehen zu müssen, aber weißt Du einen anderen fRct ?/z

Sie wies auf Walter, der eingeschlafen war und dessen Gesicht in der Ruhe noch hohlwangiger und elender wirrte, und fuhr ^-gungen willen würde ich ja zu Tante Hertz­berg meine Zuflucht nehmen sie hat so vielei Derbm- dungeii und ich habe da mal so etwas gehört von Freistellen in Knabenpensionen an der See so nach Art der Ferienkolonien. Sie weiß sicher etnen praktischen Rat, ich will morgen von TietzheiM aus gleich ^ol zu ihr fahren.

Suse ließ sich müde m emenStiihl sinken und ver­schränkte die Hände unter dem lichtblonden Kops. Ihre

Gedanken flogen zti dem fernen Geliebten. Eine heiße Sehrt- sacht, dasMorgen", diesen letzten tvag, voll zu genießen, zitterte durch ihr junges Herz.

Nimm doch die Jungen rmt und bleib über den Wend dort ich werde vor zehn llhr wohl kaum zu Haus sein - und Tante Hertzberg fteut es doch sehr, wenn Ml nicht nnr auf einen Sprung kommst. Deshalb könnt Ihr ja immer allein das Nötige besprechen."

Wird fteS nicht übel nehmen, Sus, wenn wir vhns '^J, woher denn, mich hat sie jetzt oft genug genossen.

Im übrigen - vielleicht ist der Ober-Bonze da, dem schad>9 nichts, wenn er sich mal nach mir sehnt. Die Liebe ist hinterher umso größer."

Sie verdrehte die Augen gen Himmel und machte em schwärmerisches Gesicht, das Ruth mit einem leisen Lächeln ^^Jch'kann's ja tun!" sagte sie dann, dem Masendett Bruder das lockige braune Haar ans der Stwn streichend, Walter hängt so sehr an Tante Hertzberg abep ^^Ein Schattten breitete sich über ihr schönes Gesicht und eine neue Last senkte sich auf ihre Seele., ,

iWo Heinz jetzt immer so lange bleibt!" meinte si« ^b^^Er sprach von einem guten Freunde, mit dem ex die. Abende verlebt."

Ruth seufzte schwer auf. .

Wenn's nur in Wahrheit em guter ist!

Ach, Ruth, Du siehst auch immer schwarz!

Hab' ich Grund, das Leben rosig anzusehen? Ich dächte, wir alle haben immer im Schatten geftanben._

I Die Augen der beiden Schwestern trafen sich. Heiß schoß die Glut innerer Erregung in Suses Gesicht.

7Ich nicht!" sagte sie Plötzlich,nein, ich Nicht. Ich

I weiß doch, daß es eine Sonne gibt."

Ein angstvolles Mißtrauen, eine vage Ahnung regis fi* in RuthV aber da sie eben den Mund zn einer schwer­wiegenden Frage öffnen wollte, schlug Walter durch, emq j hastige Bewegung der Schwester geweckt die Augen ans und I Mhuelte schlaftrunken in das Helle Lampenlicht.

I Mr den Ohren des Knaben war die Frage Ruths nicht mit mebr auszusprechen, so unterblieb sie.

I 0 Du wirst ins Bett gehen, mein Liebling! sagte Ruth mit nüitterlicher Zärtlichkeit und der große Junge Wang.

I die Arme um ihren Hals und im Gefühl seiner Hinfälligst | feit bettelte er wie einst als kleines Kmd:

'Leg' mich schlafen, Ruth!"

1 Schmerzlich bewegt tat sie ihm den Willen.

Und als sie dann an seinem Bette saß, feine magerg Zand in der ihren haltend, flüsterte er leise:

5 Du bist so gut, Ruth, und ich ärgere Mch so oft. Ich I will's gewiß jetzt nicht mehr tun ich weiß, Du hast I Kammer, nicht wahr? Heinz kommt immer betrunken nach