Ausgabe 
28.4.1906
 
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wältigten sie ihn und trugen ihn in den Käsig hinein, an deni grosse Pappschilder angebracht waren, ans denen zu lesen stand, dass er für ungebührliches Benehmen bestraft werde. Der Käsig war von innen erleuchtet, und so fuhren sie den Unglücklichen durch alle Straßen der Stadt, während andere Klubnütglicder ihn zu beiden Seiten begleiteten und dabei mit allerlei Musikinstrumenten einen infernalischen Lärm ver­übten, der natürlich fnicht verfehlte, eine dichte Menge von Zuschauern herbeizulochen.

* D i e Küchen der Fürsten und der amerikaN. Krösusse bergen große Reichtümer. Namentlich trifft dies für den englischen, russischen, spanischen und persischen Hof zu. Die Küche deS englischen Königshauses in Windsor enthält fast für 40 000 Ml. Kupfergeräte und für 146 000 Mk. Silber- und silber- beplaltete Gerate. Schon Georg III. gab 200 000 Mk. sür Ein- richtungsgegenstände aus, die meist mt§ Eichenholz sind und sehr im Werte gestiegen sind. Weit kostbarer aber ist die Küche des Zaren. Bald nach seiner Thronbesteigung gab Kaiser Nikolaus I. 1600 000 Mk. für die Umgestaltung und Einrichtung der .Küchen im Winterpalast in Petersburg aus. Alle Geräte siiid aus gedie­genem Silber; darunter bcsinden sich vierzig Schmorpfannen, von denen jede einen Wert von 800 Mk. besitzt. Die Gewürzkästchen sind aus massivem Gold, und das kaiserliche Wappen ist daraus eingeschniue». Die Kochherde und Bratöfen sind mit Silber ein­gefaßt. Die Kosten für den Umbau der Küchen betrugen 600 000 Mk., da durchweg reiner, schwarzer Marmor zur Verwendung gelangte. Zu der Ausstattung der Küche gehören dreitausend Silberlössel und ein goldener Bralrost, ivelcher schon unter Katharina II. gebraucht worden sein soll. Der Küchenchef bezieht ein jährliches Gehalt von 160 000 Mk., seine sechs Nnterköche haben Gehälter von 20 000 bis 80 000 Mk. Insgesamt belaufen sich die jährlichen Küchenkosten deS Zaren aus 2 400 000 Mk. Die teuerste Küche nach dieser hat der spanische Ho>. Die Kochgeräte haben dort allein einen Wert von 300 000 Alk. Die wertvollste Küche der Welt besitzt jedoch der Schah voll Pclsien in Teheran. Sogar die Kochtöpfe sind mit Gold überzogen, und die an der Tafel' des Herrschers gebralichten Teller und Schüsseln sind aus echtem Gold und mit (Sbetfteincn besitzt. Man schätzt ben Wert der gesamten Küche>reinrichtnng aus mehr als 20 000 000 Mk. Neben diesen fürstlichen Küchen kommen an Kostbarkeit höchstens noch die der anlerilanischen Milliardäre in Betracht. Die Einrichtung der Baiiderbiltschen Küche in Ncw- Borf soll 2 000000 Alk. gekostet haben, fast die Halste dieser Summe lst sur Kochherde und Kochgeräte ausgegebe.il ivordcu. Diese 33er- {a)iDei:biiitg ivird indessen von John ?lshburr;, einem kalisornischen Aliillnnilliouär, noch übertroffen, Ashbury baute sich einen präch­tigen Wohnsitz in der Nähe von Philadelphia, und gab sür Küche und Keller allein 6 000 000 Alk. aus.

- Studentenfutter oder Sludenlenkonfekt heißt be- tannüich die Mischung von Mandeln »iid Rosinen. Ter Ausdruck ist cnisiallend, weit jene Näscherei, die gewöhnlich am Schlüsse voii Gastinählern gereicht ivird, in dem eigentlichen Studentenleben, wenigstens in dem heutigen, scheinbar gär keine Rolle spielt. Erich Schmidt hat in einer Abhandlung in der Zeitschrist für Bolks- innde zur Erklärung dieser Bezeichnung Stellen angeführt, unter anderem an? Zedlers Universallcxilon vom Jahre 1744 die Stelle: vStudentenlonfelt ivcrden Alandeli! und Rosinen genannt, iveil von solchen die Geivüptzkrämer sonderlich guten Abgang haben." Zur Begründung dieses guten illbsatzes iveist nun im ne>iesten, 'oebe>> erschienenen Host der Zeitschrift für Deutsche Wortforschung I. Etosch auf das Lied aus Goethes Diivan (Schenkenbuch 14) nm, m dein irische - andeln al? Mittel gegen den Katzenjammer genannt werden:

Schenke:

Welch ein Zustand, Herr, so späte Schleichst du heut aus deiner Kammer: Perser nennens Bidamag Luden, Deutsche sage»: Katzenjammer.

Dichter:

Laß miet) jetzt, geliebter Knabe!

Mir will nicht die Welt gefallen, Nicht der Schein, der Duft der Rose, Nicht, der Sang der Nachtigallen.

Schenke:

Eben das will ich behandeln. Und ich denk, es soll mir klecken; Hier, genieß hie frischen Mandeln, Und der Wein wird wieder schmecken usw.

-lls Stosch von diesem Gedicht zu Freunden sprach, wurde ihm erzählt, daß noch heute in manchen Zecherkreisen dem Genüsse von Ilandelu eine günstige Wirkung zugeschrieben werde, aber mct)t gegen den Katzenjammer, sondern gegen den Rausch. Daher sollen ut manchen Studentenverbindungen den Füchsen Mandeln Kommers mitgegeben werden. Auch in BrantsNarrenschiff" tiscl t der Wirt den Schlemmern Atandeln auf. Die Rosinen sind wohl nur ^hmzugkingt, um die trockenen Atandeln genießbarer zu machen, So werden auch bei Brant die Mandeln zusammen mit

Feigen gegeßen. Daher laßt sich wohl begreifen, warum Mandeln und Rosinen schon tun die Mitte des 18. Jahrhunderts bei den Studenten so großen Absatz fanden, daß sie deshalb Studenten, futter oder Stiidentenkonsekt geimnnt wurden. Und noch ein zweites durfte sich erklären, weshalb nämlich dieses sogenannte Sludentenfutter bei Gastereien oft den Nachtisch bildet: die Mandeln sollten rirsprimglich den Rausch vertreiben, den sich in arobianischen Zeiten die Gäste bei Tische zu holen vflegten. Mit dieser Erklärung des oft gebräuchlichen Nachtisches dürste Stofch das Richtige getroffen haben.

Literarisches.

Illustrierte Geschichte der Deutscheu Lite­ratur von Pros. Dr. A. Sälzer. 18. und 19. Lieferung. Boll- standrg in etwa 25 Lieferungen ä, 1 Mk. Allgemeine Verlags- Gesellschaft in. b. Sq. in München. In diesen Lieferungen führt uns der pivrscher in die wichtige 7. Literaturperiode ein. Diese Emlesiungen zu den einzelnen Hauptabschnitten gehören zu den besonderen Vorzügen des Salzerschen Werkes; sie sind klar, über­sichtlich, geistreich, und mitunter neu und original in der Anf- fnjsung. Wie Salzer hier die Ensivicklung der deutschen Rc- uasilance-Dichtung darstellt und wie er ihrem Grüiider, dem Schlesier Märtin Opitz, unter wägender Verteilung von Licht und Schatten gerecht wird, zeigt, wie er den gewaltigen Stoff be- herrscht und ihn lebendig zu gestalten weiß. Daß er die Historie und Kulturgeschichte mehr in den Rahmen seiner Betrachtungen gezogen hat, als das gemeinhin geschieht, kommt der Arbeit wohl zugute. Illustrativ reiht sich dieses Werk den besten Dar­stellungen der Literatur, die wir besitzen, ebenbürtig an; cs ent­spricht hier den höchsten Anforderungen, die an die moderne Bibliographie gestellt lverden können. Die zahlreichen Repro­duktionen der wichtigsten Schriftdenkmäler sind mit peinlicher Genauigkeit ansgeführt. Einzelne der ganz- und doppelseitigen Tafelbilder, z. B. eine Doppelseite aus der kostbaren Lieder­handschrift der Kgl. Bibliothek zu Berlin, können an Neberein- stimmung mit deni Original und an Farbenpracht kaum noch überboten sverden. Die Initialen am Anfang eines jeden Kapitels sind nach berühmten Originalen geschnitten; erhalten wir doch, dadurch ein Bild der mittelalterlichen mönchischen Kunstausbildnng. Nehmen wir alles in allem, so findeil wir in dem Werke eine große Fülle des Anregenden und Belehrenden, so daß wir seinem Fortgänge mit wachsendem Interesse entgegensehen.

Kunst.

Albrecht Dürer. Bon Dr. Rudolf Wustmami, (Aus Natur- und Geisteswelt". Sammlung wissenschaftlich-gemeinver­ständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens 97. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. (VI. u. 100 'S.) Oktav. Geb. 1.25 Mk. Dieses Büchlein ist keine Bio­graphie. Vielmehr will der (Verfasser, unterstützt durch eine Reihe Abbildungen, eine knappe, zusammenfafseude Erzählung von Dü­rers Schaffen geben. Zu diesem Zweck gruppiert er' die Werke deS Meisters nach bestimmten Gesichtspunkteil, sucht sie dem ästhetischen Empfinden des Beschauers nahe zu bringen und aus Dürers künstlerischer Entwickelung zu erklären. . So werden dessen Selbst- und Angehörigenbildnisse, die Zeichnungen zur Apo­kalypse, die Darstellungen von Mann und Weib, des Marienlebens, die Stiftungsgemälde, die Radierungen von Rittertum, Trauer und Heiligkeit sowie die wichtigsten Werke aus der Zeit der Reife behandelt. Auch 'Dürers literarische Arbeiten sind in die Darstellung einbezogen. Wer in das seelische und künstlerische Vermögen des Meisters einzudringen wünscht, der wird in diesem Büchlein einen trefflichen Führer finden.

Giiterrätsel.

In die Felder neben« stehender Figur sind die Buchstaben aa.aa.ccd deeeeeeeoeggi iiilllmmmmnnn unnrgsssttvv derart einzutragen, daß die senkrechten und wagerechten Reihen gleichlautend Fol­gendes ergeben:

1. Amerikanischen Staats­mann.

2. Sagenhafte Königin.

3. Geschiehtzum Wohleder Allgemeinheit.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bexirbilds in voriger Nummer:

Der Fuchs steckt unmittelbar über dem liegenden Jungen, die Schnauze nach oben gestreckt, der buschige Schweif bis zum Spaten links unten reichend.

Redakuon: Ernst Heß. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniverstlätZ-Buch- und Eteindruckerei, R. Lange, Dießen.