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begann mit einem Rückblick auf die Geschichte der Welser, jenes oberdeutschen GroßlaufmanuSgeschlechtcS, dessen Namen weiteren Kreisen wohl nur durch das romantische Schicksal der berühmten Philippine Welser bekannt ist, und gab dann eine eingehende Darstellung der Rolle, die das Welseriche Handelshaus im Mittelalter inncbatle. Es betrieb hauptsächlich den Safranhaudcl im Großen und besaß ausgcbrcitcte Niederlassungen im ganzen Süden von Europa, besondere Zweiggeschäfte auf der spauisch-portugicsischen Halbinsel. Der Safran war in jener Zeit einer der wickitigstcn Farbstoffe und einige Plätze der spanischen Halbinsel bildeten damals die Hanptstapelplätze für ihn. Durch den Handel mit Safran zu außerordentlichem Reichtum gelangt, halten sich die Welser bald nach der Entdeckung Amerikas und des Seeweges nm das Kap der guten Hofsnnng nach Ostindien an Portugiesischen und spanischen tiberseeifchcn Unternehmungen beteiligt nnd schließlich begründeten sie als LcbnSträgcr der Krone Spanien im nordwestlichen Teile von Südamerika einen ganzen Staat: das bcntige Venezuela. Der Vortragende schilderte dann in eingehender Weise die Geschichte dieser Gründung nnd die Entdeckungszügc der Wclserischen Feldhauptlente in das Innere, so den berühmten Fedcrmannschcn Zug über das Hochgebirge der Anden nach dem sct ätzcreichen Hochlande der Tschibtscha, im heutigen Colombia. Der Verlauf des Prozesses, den die Welser in Spanien führen mußten, fem Ausgang, der ihnen den Verlust ihres K olvnialstaateS bi achte, sowie eine Würdigung ihrer Verwaltung der Kolonie und der weltgeschichtlichen Bedeutung dieses ersten überseeischen deutschen KvlonialnnternchmenS bildeten den Schluß des nach Inhalt rind Form gleich ausgezeichneten Vertrags, dem die zahlreich erschienene Zuhörerschaft mit der größten Spannung folgte und am Schlüsse lebhaften Beifall spendete.
"Sie: „Wie ich höre, hat Herr HawkinS Pech init seiner Liebe gehabt. Warum ihn das öirioel denn wohl nicht geheiratet hat?" — Er: „Sie lat Das ist ja gerade sein Summer."
Mer ne praktische Ratschläge.
— Härtet die Kinder ab! Diese Mahnung kann den Eltern nicht ost genug zngcrnfen werden, und wer von ihncn sie nicht beachtet, der wird die Folgen davon zii seinem größten Leidwesen jetzt bei der kalten Jahreszeit bald au seinen Lieblingen beobachten können. Schnupfen, Husteu und sonstige Erkältungen sind in den meisten Fällen auf Verweichlichung zurückzusübren, herbeigeführt durch zu warme Kleidung, die möglicher Weise schon im Sommer bis an den Hals zugeknöpft ist. Auch das Waschen der Kinder mit warmem Wasser ist durchaus zu verwerfen, man gewöhne sie vielmehr daran, sich Hals, Brust und Gesicht auch im Winter mit kaltem Wasicr zu waschen und frische rote Backen und ein gutes Wohlbefinden werden die Folge sei». Geradezu zu verwerfen ist eS, wenn man den Hals der Kinder, um sie vor Erkältungen zu schützen, mit dicken Schals einwickelt. Gerade daS Gegenteil, was damit bezweckt wird, tritt ein. Der Hals wird vcrweia liclit und heftige Erkältungen stellen sich bei dem geringsten Luftzug ein. Uni? dann halte inan die Kinder nicht ängstlich tut warme», womöglich überheizten Zimmer, sondern lasse sie sich auch bei Schnee und Kälte lüchlig un Freien tummeln. Das macht den Körper gesund und widerstandsfähig und wirkt tvohltnend auf den Geist ein. Wenn irgend, so gilt bei der Jugend das Wort, daß nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnen kann. Man klagt soviel über Blutarmut unter den Kindern, aber gerade diese ist eine der schlimmsten Folgen der Verweichlichung. Wer seine Kinder lieb hak, der sorge bet Zeiten dafür, das; sie sich abbärten und dadurch frische Geschöpfe werden, sich selbst, den Eltern und andern zur Freude!
LLtevarifehss.
— Haydn, Mozart, Beethoven. Von Prof Dr. C. Krebs in Berlin «„Aus Natur und Geisteswelt" Sammlung wisfenschafllich- gemeinverstäudlicher Darstellungen auS allen Gebieten des Wissens, 92 Bändchen Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Mit vkcr Bildnissen ans Tafeln. |IV n. 120 ©.]' 8. geb. 1.25 Mk. — Der Vorzug des vorliegenden Bändchens liegt darin, daß cs mit wenigen, aber möglichst scharfen Strichen ein Bild der menschlichen Persönlichkeit nnd deS künstlerischen WescnS der drei Heroen der neueren Musikgeschichte zu geben sucht, nnd inSbesiiidere bervorheben will, was ein jeder aus seiner Zeit geschöpft und was er ans eignem hinzugebracht hat. So wird Haydn charakterisiert als der, der „alles, n as im Gebiete der Musik seine Zeit bewegte, alles, was au neuen Strömungen die alten Gewässer durchfloß, an sich zog, eS auf- uabm und ihm den vollendetsten Ausdruck itttb die typische Form gab" olä der, von dem Mozarts Wort gilt: „Keiner kann alles, schäkern und erschüttern, Lachen erregen und liefe Rührung, und alles gleich gut, als Haydn." Mozart wird als der Justruinentalkomponist nach WagnerS Worten gezeichnet: „er hauchte seinen Instrumenten den sehnsuchtsvollen Atem der menschlichen Stimme ein, der sein Genius mit weit vorwaltender Liebe sich zuneigte" und alS der größte Charakteristiker als Opernkomponist, „der <S tun i p dvS Charalterisiifa e in Melodie umzuwandeln, der m dieser Kunst ganz alleiti dasteht." Beelboven endlich wird als der dargestellt, der die Worte „Von Herzen — möge es wieder zu Herzen gehen", die er auf bie erste Seite seiner großen „Messe" schrieb, vor jedes seiner Werke hätte setzen können. „Tenn in Vie! höherem Maße, als irgend ein anderer Tonsetzer, hat er alles, was er schuf, mit dem Blute seines Herzens erfüllt." Das Büchlein, das mit charaku Milchen Bildnissen der Komvonisten geschmückt ist, darf somn allen Musikfreunden, die eilt tiefere«? Verständnis derselben erwerben wollen, empfohlen werden.
Aussprüche «vor Kunst.
Von W i l h e l m Steinhaufen (Frankfurt a. M.).
Es muß ja alle Kunst aus dem Erlebten kommen.
Mögen wir allem Aeusserlichen auch die größte Wichtigkeit betlegen: Em mnerlicker Aufbau ist nötig. Dies innerliche Werden must durch Wahrnehmen alles Geistigen geschehen.
Alle Kunst, wenn sie mehr will, alZ nur dem Augenblick dlenen, tote alle Religion sind aus Sehnsucht geboren.
Die Grundstiiumung aller Kunst ist Sehnsucht.
Das ist ein Kennzeichen grosser Kunst: Sie offenbart ihre grosse Gewalt vvnr ersten Augenblick an. Ein Geheimnis fesselt uns gleich an sie. Das ist ihre Macht. Ohne dieses Gehelmnis ist das Kunstlvcrk wertlos. Ohne das Unergründliche wurde die Künst nicht bestehen.
Alles, iua3 er sieht, muss dem Maler zur Freude gereichen. Er kennt nichts Hässliches. Die ganze Welt der Erscheinungen ist seine Vorratskammer — er kann überall Schätze, entdecken. Ueüerall da, wohin! idas Licht dringt, offenbart es ungeahnte Schönheiten.
Grosse Kunstwerke öffnen da§ Auge. Es schaut Gegeuden, die eS J>i3 dahin nicht erreicht. Wie von einem Berge sieht c5 wette strecken, das gelobte Land Kanaan, das deö Menschen Fuss nie betritt, — aber es sieht den Horizont, auf dem dex Himmel ruht.
Ein grosser Reiz des Bildes liegt ausserhalb des Bildet Ate Saite vibriert und tönt, aber das Echo antwortet von überall her.
Maß ivird die Ausstellung bringen? Vielleicht daS Bild, das du suchst? Irgendwo in der Welt wird eS doch sein. Es hielt sich nur versteckt. Es wird da? Bild sein, welches dir mit einem Male alle die Freude gibt, die du brauchst, damit dein ganzes Leben erhellt wird. —
Was für Eigenschaften wird denn das Bild haben, das du suchst?
Ich denke, es wird dich an eine schöne Stunde deines Lebens erinnern, an die Zeit, da wir wach waren, die Schönheit der Welt ringsum zu sehen, da die Landschaft, die Bäume, die Blumen Ausdruck gewannen. Oder wirst du nicht den Menschen wieder erkennen wollen, den du liebst, der dir daS Gute zeigte nnd daS Schöne?
In einer Zeit, welche dem Berstands, den sogenannten exakten Wissenschaften, dem Rechenexempel, dem Experiment so viel Macht einräumt, ist, wie eS scheint, das Begehren unserer Seele, ihre ungestillte Sehnsucht nm so grösser, sich den Geheimnissen der Kunst hinzugeben.
_ Ohne Zweifel ist die heutzutage ost so leidenschaftlich sich äussernde Knnsttiebe aus solcher Quelle zu erklären. Und wie eigentümlich, — gerade die schweigsame Malerei scheint jetzt in der lärmenden Zeit eine um so grössere Anziehungskraft aus- zuüben. ____________
Bexirbild.
Nachdruck verboten..
Wo ist mein Freund, der junge Maler? Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nunnner: Guadalquivir — Antilope — BeHeibtmg — Eimer — I-erch« Snn()evib;
(Babelsberger.
Redaktion: Ernst tzeb. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'Icheu UmversttälS-Buch- und Stetndrnck-rei. N. Lange, Gießen.


