Ausgabe 
27.10.1906
 
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triofil ie von der Höhe, worauf Schönheit und Anmut 1 sie aestellt, sich zu ihm werde herunterneigen können.

Kein Hindernis stand dieser Heirat entgegen; der Earl und Lady Romsey hatten mehr tote einmal gewünscht, er möge früh heiraten, und er wußte, feine Wuttee liebte Elfte Wayne. Lady Romsey hatte gelegentlich, da sie von lf)1 ^Wem?^ich gan?England zur Auswahl hätte, so würde meine Wahl auf Elfte Wayne fallen. Die meisten W Milien haben ihre Skeletts, ihre schwarzen Schafe, ihre Kreuze und sonstiges Unglück, das sie sorgsaltig vor dem Auge der Oeffentlichkeit zu bergen suchen. Die Waynes haben nichts der Art, stets waren sie em einfach-vornehmes, ehrenhaftes, loyales Geschlecht, auf dessen Namen kein Makel ruht. Aus dem Grunde und weil ich glaube, daß Ehre und Ehrenhaftigkeit erblich sind, mochte ich, daß Balduin Elsie Wayne heiratet."

Wenn der junge Lord auf das Mädchen seiner Liebe blickte, war ec also stets davon überzeugt, seine Heirat mit ihr würde denen, die er am liebsten hatte, die größte Freude machen. r , ,

Gewinnen oder verlieren entweoer oder! sagte er sich eines Morgens.Henke will ich Elsie fragen, ob sie mich will." r ,

Er wartete den ganzen Tag die Gelegenheit ab; endlich des Abends kam sie.

Sie schlenderten beide in der Nähe des kleinen See» mitten im Park in einer buschigen Allee. In leidenschaft­lichen Worten flüsterte er ihr von der neuen Freude, die jetzt erst seinem Leben den größten Reiz verliehen, von seiner Liebe für sie.

Elfte", sagte er mit zitternder Stimme,könntest du mich wiederlieben?"

Ich möchte es wirklich wohl mal sehr ernstlich ver­suchen", sagte Elsie, mit den anmutigsten Grübchen um ihre' schelmisch lächelnden, frischen jungen Lippen.Ich habe schon viele schwierige Aufgaben in meinem Leben bemeistert, Bald."

Der alte vertraute'Name ivar ihr unwillkürlich entschlüpft. War es doch erst so kurze Zeit, daß sie noch Kinder gewesen. Auch jetzt waren sie wieder Kinder, wo sie Hand in Hand vor den ewigen Toren der reinsten Seelenharmonie, der Liebe, -standen.

Elsie," sagte Lord St. Gilbert,gib mir deine beiden Hände, Liebling, und sprich:Ich reift dein Weib sein, Bald!"

Das sind so schreckliche Worte," sagte Elsie,so feierlich." 9(l§ sie aber den schmerzlichen Zug in seinem Gesicht

gereahrte, gab sie nach.

Bald, ich reifi dich lieben, ich rein dein Weib sein."

Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne übergossen sie mit goldenem Schein, Duft, Glanz, Pracht und Schönheit umgab sie überall.

Seht hin auf das schöne Gesicht des jungen Mädchens, wie sie schüchtern die Zärtlichkeit ihres Liebsten duldet; man sollte sagen, das schönste Leben, die hellste Zukunft, das glück­lichste Schicksal seien ihr vorbehalten.

Und doch, hätte einer der unheimlichen Schwarzkünstler, wie man sie vor alters kannte, dort mit seinem Zanberfpiegel gestanden, was hätte er darin gesehen?

Dunkle Wolken des Unglücks, des Kummers und der Schmach; eine Hand rot von Blut, den Kerker, den Schatten des Blutgerüstes, und Tod.

25. Kapitel.

Jack Jefferies.

Jack Jefferies hatte sich zu keinem besonders einnehmenden jungen Manne entwickelt. Er war lang aufgeschossen, plump gebaut, stark, wie ein junger Bär, mit großen muskulösen Armen und sehr groben und roten Händen. Sein Gesicht allerdings nicht häßlich, im Gegenteil, in gewisser Be­ziehung nett, worauf er nicht wenig stolz war war eine merkwürdige Mischung von Scharfsinn und listiger Verschmitzt­heit. Man sah auf den ersten Blick, daß ihm nicht zu trauen war. Die dunklen, halbgeschlossenen Augen sahen einen nie­mals mit dem offenen Blick einer ehrlichen, freimütigen Natur an, und doch lag eine gewisse Macht darin. Der Haupt­

eindruck, den Herr Jack Jefferies bei jedermann hinterließ, war der, daß er jedes verschlagenen niedrigen Streiches fähig sei.

Leuten von einigermaßen feinerer Bildung war er geradezu ekelhaft. Die Prahlerei und vulgäre Aufschneiderei, das ab­geschmackt affektierte Wesen, worin er sich gefiel, widerstrebten den anerersten Elementen des guten Geschmackes.

Es war Jacks Ehrgeiz, einfeiner Kerl" zu sein, und dies suchte er dadurch zu erreichen, daß er ein möglichst winziges Spazierstöckchen trug und möglichst wüste Fluchworte gebrauchte, einen großen, ordinären Ring an der nicht allzu reinlichen roten Hand, und seinen Hut unternehmend aufs Ohr gerückt trug, als ob er schon dadurch andeuten wolle, daß erpatent" undhelle" sei - um in seiner Sprache zu reden. .

Bist großem Behagen warf er überall nut den neuesten und abgeschmacktesten Mode-Schlagworten um sich, hatte auch eine Auswahl gemein-komischer Lieder vorrätig, soivie Anek­doten, die, gelinde gesagt, sehr zweifelhafter Natur waren. Der Gipfel des Vergnügens aber war, wenn er des sonn­tags eine billige, sehr starke Zigarre rauchen und ohne Hand­schuhe um seine Ringe zu zeigen im Dorfe umyer- spazieren konnte, wobei er sich beständig mit dem Stückigen an die Stiefel klopfte und unverschämt bewundernde Blicke auf jedes nette Mädchen schoß, das ihm in die Ouere kam.

(Fortsetzung folgt.)

Max Stirner.

Am 25. Oktober 1806 wurde zu Bayreuth Caspar Schmidt geboren, der nachmals unter dem Pseudonym Max Stirn er das WerkDer Einzige und sein E i g e n t u m veröffentlichte. Dieses Werk, das als Maß aller Dinge das souveräne Ich prot- lamiert, hat den Versasser zu einer europauchen Berühmtheit ge­macht. Man hat in ihm den Vorläuier Nietzsches und einen b er theoretischen Begründer des individualistischen Anarchismus gesehen. Obivoht sein Werk im Geistesleben der Neuzeit e'neu entscheidenden Abschnitt bildet, ivar es lange Fahre hindurch iast gänzlich ver­schollen. Erst um die Wende des leisten Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts erschieneii ein paar neue Ausgaben, und, lehr hat Dr. Anselm Ruest ein Stirner-Brevier unter dem^UelDie Slaike des Einsamen" (Stirners Individualismus und Egoisinus mit feinen eigenen Worten wiedergegeben) und außerdem eine rechk umiängliche Monographie, im Berlage von Öerin. eeentmm Nacht, in Berlin NW. 87 erscheinen lassen, in der fern Leben, Seme Welt­anschauung und fein Vermächtnis eingehend behandelt werden.

Von Stirners Leben ist Wenig Posttrees bekannt. Nachdem er seine Studien in Berlin und Erlangen absolviert hatte, sungterte er in Berlin als Lehrer an einer höheren Mädchenschule. 1837 ver­heiratete er sich zum ersten Male; seine Frau starb nach dreiviertel Jahren an einer zu frühen Entbindung. Nach dieser Zeit begann Stirner in einem Kreise zu verkehren, der sichdie Freien nannte. Das Haupt dieses Kreises ivar Bruno Bauer, der wegen freisinniger Anschauungen gemaßregelte Theologe und spätere reaktionäre poli­tische Schriftsteller.Die Freien" standen sowohl wegen ihrer Anschauungen wie wegen ihres Lebenswandels unter der Bürger­schaft nicht im besten Rist. Auch Damen verkehrten hier. So lernte Stirner Marie Dänhardt kennen, die er als 2o fahriges Mäd­chen 1843 heiratete. Bei der Trammg ging es seltsam zu. «öte fand in Stirners Wohnung statt. Sie Gäste erwartet«, den Pastor beim Kartenspiel; die Braut erschien m Straßentoilette; eine Bibel wurde für den Pastor eifrig gesucht, aber nicht gefunden., Ais der Geistliche beim Rmgivechsel angekomme» war, stellte sich heran.', daß man keine bestellt batte; Bruno Bauer half aus der K enime indem er, rasch entschlossen, die Mesnngrmge von ferner ©etWmJe abzog, die dann den Brautleuten auf den Ringfinger gestülpt

Die Ehe war nicht glücklich. Zwar widmete Stirner seiner Frau - freilich nicht als solcher, sondern als "feinem Liebchen - sein Hauptwerk; aber die mnere Gemeinschaft fehlte doch. Daß es ihm an Talent gebrach, zu uerbieuen, wird ihm m ihre» Augen nicht vorteilhaft gewesen sein. Er versuchte durch Nebersetzungen Geld zu erwerben und probierte es auch nut einer industriellen Unternehmung: der Errichtung einer Alilchlieferungsanstalt für Berlin. Alles war aufs schönste organisiert d.e Milch käm m Hütte und Fülle; aber sie wurde sauer, weil sich keine Kunden em- fanden, und mutzte i» den Rinnstein gegossen werden. Acre Ver­mögen seiner Frau ivar zum größten Teile braufgegmigen. ©te »eeiieB ihn und begab sich nach England, ivo sie noch viele ^ahre bis ins hohe Alter lebte. An Stirner bewahrte sie eine bittere Erinnerung. Sie >var ganz zur Betschwester geworden imd ver- weigerte dem Biographen, der sich an sie wandte, lebe Auskunft, bn sie die Zeit, die sie an Stirners Seite verbracht hatte, nur noch als eine Verirrung betrachtete.