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fallen und nach der Festung Braunau am Inn verbringen zu lassen. Hier wurde Palm vor ein Kriegsgericht gestellt und nach dem Namen des Verfassers gefragt. Er war aber durch nichts zu bewögen, denselben zu nennen. Am 26. Aug. 1806, also heute vor 100 Jahren wurde Palm auf Befehl Napoleons erschossen. Er hat das Geheimnis mit ins Grab genommen, und erst im Jahre 1860 erfuhr man durch den praktischen Arzt Dr. Preu in Hersbruck bei Nürnberg, daß der Verfasser der Schrift der Rektor Adler in Llltdorf war. Tiefe Gewalttat verübte Napoleon in einer freien deutschen Stadt. Der gekrönte Mörder Palms verfuhr so auf deutschem Boden ohne Mitwirkung einer deutschen Obrigkeit, ohne irgend eine herkömmliche Form des Rechts. Er wollte damit schrecken; aber, was jeder voraussehen konnte, dieser Mord schreckte nicht ab, sondern er reizte und steigerte die Erbitterung in allen besseren Deutschen, und wie Hofers Blut, das Blut der Schillschen Offiziere unauslöschlich au Napoleon klebt, so auch das Blut Palms gleich einem Mordgeruch, der die Größe seines Genies und seiner Taten für immer verpestet.
Vermrschtss.
* lleberdie Genießbarkeitund Zuträglichkeit frisch geschlagenen Ochsenfleisches hat das öftere. Reichskriegsministerinm interessante und umfangreiche Versuche anstellen lassen. Es sollten zugleich Methoden der Zubereitung ermittelt werden, nach welchen frisch geschlagenes Fleisch für die Truppen im Felde genießbar und verdaulich gemacht werden könnte. Stabsarzt Dr. nred. et Phil. Hladik, welcher der Kommission angehörte, berichtet über ihre Tätigkeit und Ergebnisse in der von Robert Koch, Flügge und Gaffky herausgegebenen Zeitschrift für Hygiene und Infektionskrankheiten. Die Kommission setzte sich mit der Ersten Wiener Mtien-Großschlächterei ins Einvernehmen. Täglich wurde bei dieser Anstalt um 8 Uhr früh ein Ochse ausgewählt, und um 9 Uhr vormittags befand sich die Kommission bereits im Besitze des schlacht- tvarmen Fleisches. 'Absichtlich wurde niemals ein gutgenährtes Rind ausgesucht, sondern stets minder genährte ältere Tiere, Weidenvieh, da auch im Kriegsfälle auf 'abge-, zehrte, durch die Strapazen des Feldzuges herabgekommene Rinder aller Gattungen zu rechnen ist. Der größere Maßstab der Versuche bezog sich auf die Zahl der Versuchs- Personen (mindestens 23). Aus den genau beschriebenen Versuchen geht hervor, daß frisch geschlagenes Fleisch in entsprechender Zubereitung genießbar, ja zumeist genau so wohlschmeckend ist, wie abgelegenes. 'Als Zubereitungsart empfiehlt sich am meisten Kochen in kleinen Stücken mit den üblichen Zutaten, wie Grünzeug, Julienne, Reis, Kartoffeln und zum Schluffe Salz oder Dünsten in Form von Gulasch, stets in kleinen Stücken deshalb, weil das Fleisch dann sicher in 2y2 Stunden weich wird. Ein Faschieren ist zur Herstellung dieser Speisen durchaus nicht notwendig. Das Faschieren ist jedoch notwendig, wenn man das Fleisch braten will. Niemals wurden nach dem Genüsse solcher Speisen irgendwelche Verdauungsbeschwerden seitens der Kommissionsmitglieder oder der Versuchspersonen beobachtet, trotzdem sehr reichliche Mahlzeiten täglich hintereinander — einmal durch 5 Tage — immer von denselben Personen zu sich genommen worden waren, und es wurde auch das Fleisch eines unmittelbar nach einem längeren Triebe geschlachteten Ochsen in reichlicher Menge genossen. Rohes, frisch geschlagenes Fleisch — so wird bestimmt erklärt — ist jedenfalls nicht schwerer verdaulich als abgelegenes; nach Len Versuchen, welche mit Verdauungsflüssigkeit angestellt wurden, scheint es hierdurch sogar in den meisten Fällen schneller aufgelöst zu werden als abgelegenes Fleisch.
* D i e Vielseitigkeit der Fremd Wörter. (Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.) Jahn sagt einmal in seinem Deutschen Volkstum: „Es ist merkwürdig, daß die Deutschen an ein Kunstwort, aus einer fremden Sprache eingeschwärzt, . nicht den kleinsten Teil der Forderungen machen, wie an ein einheimisches. Dort gilt ein leerer Schall als genug zur Bezeichnung; hier kann es nie genug und nicht genug ausdrücken. Mögen die krittelnden Wortmäkler und Sachwalter der fremden Schleichwaren nicht vergessen, daß ein Kunstwort immer em Wort bleibt, keine Abhandlung der Sache werden PPP, sie nur entsprechend andeuten soll." Ja wahrlich, leerer Schall ist es nur allzu häufig, was uns das' Fremdwort mit
seiner vielgepriesenen Vielseitigkeit bietet, von allem ein bißchen und daher nichts gründlich; wieviel reicher aber und vielseitiger ist da meist unserer deutschen Sprache unausschöpflicher Wortschatz, wenn wir ihn nur recht zu gebrauchen wissen. S. B. Buffet — bald bezeichnet es einen Schrank, bald nur einen Tisch, bald ein Ding, das beides zugleich ist; bald ist es ein Schenktisch — so verdeutscht schon der übersetzende Lessing das französische buffet —, bald ein Anrichte-, bald ein Speisetisch, bald überhaupt nur das, was darauf zu haben ist, nämlich kalte Küche, und bald wieder ein ganzes Zimmer: ein Erfrischungssaal, oder ein Erfrischungszimmer, oder eine Scheukftube. (Wülfing, Was mancher nicht weiß. Sprachliche Plaudereien. Jena 1905.) — Und was bezeichnen wir alles mit „Entrse"? Das Eintrittsgeld, den Beitrag, den Einlaß, den Zutritt, den Eingang, die Auffahrt, die Zufahrt, die Einfahrt, das Vorzimmer, die Vorhalle, den Vorsaal, den Anfang, die Eröffnung, das Auftreten, die erste Nummer, die Vorspeise, das Vorgericht usw. — Ferner „Toilette", das heißt Anzug oder Kleidung, Putz (in Zusammensetzungen, wie Toilettenartikel, für: Putzgegenstand), daneben Ankleidezimmer oder -Raum. Waschraum, Waschtisch, Nachttisch, Putztisch, Ankleide- oder Kämmspiegel, „Kappe" (bei Tuchen) und — Bedürfnisanstalt oder Anstandsort, wofür es im Französischen überhaupt nicht benutzt wird. (Nach F. W. Eitzens Kaufmannsdeutsch. Berlin, Sprachverein, 1905.) — und ebenso ist es mit Interesse, interessant, (Komfort, cvrnfortabel, Milieu und hundert anderen Fremdwörtern, die zwar vielseitig und „furchtbar bequem" sind, aber dem, der sich kraftvoll, schlagend und echt deutsch ausdrücken will, gerade wegen ihrer unechten, schillernden Vielseitigkeit viel zu matt, dürftig und nichtssagend erscheinen müssen vor der reichen Pracht des deutschen Sprachschatzes. ______________
LLteVaNisches.
— Ein natur wissenschaftliches Volksbuch, wie bisheräus dein Gebiete der Geologi e und Petrographie kein ähnliches existierte, ist das in zweiter vermehrter und verbesserter Auflage erschienene Werk „Tie wichtigsten Gesteinsarten der Erde", zugleich Einführung in die Geologie für Freunde der Natur. Von Dr. Theodor Engel. Mit zahlreichen Holzschnitten und farbigen Illustrationen. Tie Vorzüge dieses volkstümlichen Buches bestehen vornehmlich darin, daß es nur das bringt, was jeden Gebildeten, der nicht Petrograph und Geolog von Fach ist, interessiert, daß es ansprechend geschrieben, bei aller Gründlichkeit und Gediegenheit niemals in einen, trockenen, lehrhaften Ton verfällt, daß Wort und Bild, durch Anschaulichkeit ausgezeichnet, dazu angetan sind, Sinn und Freude an der Natur und ihren Schönheiten zu fördern, Verständnis für Entstehen und Werden, für Herkunft und allmähliche Entwickelung der mannigfaltigen Gesteinsarten in weitere Kreise zu tragen. Insbesondere bildet das Buch ein Hilfsmittel, um die einzelnen Gesteinsarten auch nach ihren äußeren Merkmalen zu erkennen und unterscheiden zu lernen. Ter Verfasser hat die Gabe, durch lebendige Schilderung, durch gemeinverständliche Ausführungen den Laien zu fesseln. Engels Werk „Tie wichtigsten Gesteinsarten der Erde" ist geeignet, vielen Belehrung zu bringen, namentlich denen, die in sommerlichen Tagen im Gebirge zu weilen pflegen und dort auf ihren Touren auf Schritt und Tritt den vielerlei Gesteinsgebilden begegnen, über deren charakteristische Eigenschaften sie sich informieren iuofüen. Das. Buch, das im Verlage von Otto Maier in Ravensburg erschienen ist, kann durch jede Buchhandlung (drosch. 5 Mk.) bezogen werden.
Charade.
Nachdruck verboten.
Recht viel schenk' dir der Himmel von den Ersten Beiden, Bewahre dich vor Trübsal und vor bösen Leiden.
Wenn Kummer nur und Sorgen arg dein Herz beschweren, Kannst du bisweilen dich der Drei-Vier nicht erwehren.
Sind alle Silben nun zmn Ganzen eng verbunden, So hast du unverhofft ein großes Glück gesunden. m
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Diamanträtsels in voriger Nummer:
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Cap Stuhl 15 a u p a c h
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Redaktion: P. W i ttko. — Rotationsdruck und Verlag der B röh l'scheu Universitäts-Buch-und Steindruckerei. N. Lange. Gießen«


