— 499
bin ich in meinem
Palms Tod am 28. August 1868.
Während die Rheinbundfürsten sich ihrer Rettung iit dem allgemeinen Umsturz des Reiches und des vermehrten Glanzes ihres Hauses, ihre Hosleute und Siaatsdiener sich ihrer durch Frankreichs Politik erhöhten Stellung freuten und den Schutzherrn Napoleon, als das Licht der Welt, als den großen, unvergleichlichen Mann des Jahrhunderts priesen, lvaren andere Männer, wte der Dorfpsarrer Gottfried Pahl, der Professor Dr. Salat zu Landshut, der Rektor der Stadtschule zu Altdorf, Heinrich Adler, und der Buchhändler Palnr zu Nürnberg über den Gang der geschichtliche!: Ereignisse und die Zukunft des deutschen Vaterlandes doch anderer Meinung.
Diese Männer und andere aus ihrem Kreise sehen in dem neuen Schutzherrn: Deutschlands dessen schlimmsten Feind; in dem Rheinbunde, der die Söhne Deutschlands Napoleon für seine Krieger hingab, eine entehrende Dienst- baif®ter Buchhändler Palm hatte die Flugschrift „Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung" in seinem Verlage erscheinen lassen und verbreitet. Sie war ohne den Namen des Verfassers erschienen und Napoleon bekam Kenntnis! davo::, und das erregte namentlich seinen Zorn, daß bie französische Fremdherrschaft darin als eine Schmach und Schande bezeichnet war, gegen, die sich jeder, der noch deutsches Nationalgefühl besitze, mit aller Macht stemmen müsse. Noch war Nürnberg eine freie Stadt unter etgenen Gesetzen, noch war es nicht an Bayern übergeben.
Napoleon besaß die Dreistigkeit, mitten im Frieden :n der deutschen Stadt durch französische Soldaten den Verleger jener Flugschrift, deu Buchhändler Palm, zu über-
Leben" (Velhngen ... . ... , .. .....
1903, S. 101 ff.) der Angabe Biedermanns gutgläubig befolgt, was ich hiermit, wie geschehen, berichtige.
Daß Goethe auf seine Orden nicht unerheblichen Wert gelegt hat, ergibt sich aus manchen einzelnen Zügen. So daraus, daß er sich in: späteren Lebensalter ein Petschaft hat schneiden lassen, auf dem alle fünf Orden dem Wappen angehängt sind. Nach dem Vorstehenden ist auch meine damalige Angabe zu berichtigen, dieses Petschaft müsse vor dem 28. August 1827 entstanden sein, weil der Bayrische Michaelsorden nicht darauf sei. Es ist vielmehr umgekehrt sicherlich nach diesen: Tage entstanden, weil der Verdienstorden der Bayrischen Krone darauf angebracht ist. Ein anderer Zug, aus dem das Gleiche, wie oben, zu folgern: ist, ist der, daß er sich über eine „goldene Schnalle, woran seine Orden im kleinsten Format mit venetiaui- schen Kettchen befestigt waren", die ihm Marianne von Willemer geschenkt hatte, lebhaft gefreut hat.
Andererseits ist es klar, daß er sich ebenso weit voi: übertriebener Wcrtschätznng fern hielt. Für gewöhnlich trug er überhaupt keine Orden, wie er einmal selbst bezeugt hat, auch den Stern des Falkenordei:s trug er nur: „an einen Frack an- gcnäht, welchen ich nur bei besonderen Anlässen trage."
Höchst bezeichnend ist in dieser Hinsicht eine Aeußerung, die er an: 29. August 1827, dem Tage nach dem erwähnten Besuche des Königs voll Bayern, tat, als von der, bei dieser Gelegenheit erfolgtei: Ordensverleihung die Rede war: „Nun, wenn ich m:ch auch rücksichtlich Preußens nicht einer solchen Ehre zu erfreuen habe, so bin ich doch Ihrem Vaterlande den größten Dank für den Schntz schuldig, den es mir in Beziehung ans mein Eigentum, das heißt auf die Herausgabe nieiner Werke gewährt hat". Er forderte nunmehr seinen Sohn ans, die Urknilde zu holen, in welcher das sämtliche Privilegium ausgefertigt sich befand, und die von Sr. Majestät dem Könige lind denl Generälpostmerster v. StLgler unterschrieben war. Er hielt dieses Privileglum in einer prächtigen Rolle verwahrt, und sagte nnr, indeiil er cs es öffnete: „Sehen Sie, das ist der beste Orden."
Mehr 'scherzhaft ist die Aeußerung, welche aus dem Ende des Monats Juli des Jahres 1814 berichtet w:rch Goethe verweilte damals in Wiesbaden und hatte dadura) Anstoß erregt, daß er, „trotz der damaligen Berfehmung alles Napoleo- nischen", den Orden der Ehrenlegion angelegt hatte. Jemand unternahm es, ihn, von der allgemeinen Mißstimmung Kenntnis zu geben, worauf Goethe mit den Worten Faust s zu Mc- phistopheles: „das Pentagramma macht Dir Pein?" den Orden abnahui und in die Tasche steckte.
Am Merkwürdigsten aber ist v:elle:cht ferne Bemerkung ans dem Anfang Mai des Jahres 1827 zu Moritz Oppenheim, den Goethe gefragt hatte, ob er einen Titel oder einen Orden haben wollte, und der antwortete, daß er sich, offen gestanden, aus beiden nichts mache. „Sie tun unrecht, mein Lieber! Trtel und. Orden halten manchen Pnff ab im Gedränge."
Hier ist es der Lebenskünstler, der spricht.
an Hugo Bernard Maret, späteren Grafen, dann Herzog von Bassano, vom 14. Oktober 1808, und an den dainaligell Großkanzler der Ehrenlegion, Berimrd Germain Etienne de la Ville-Sur-Jllon Grafen de Lacdpede, von: 12. November des gleichen JahreZ, sind erhalten und veröffentlicht, aber in diescin Zufaminenhange ohne besonderes Interesse. Dagegen darf die Gelegenheit nicht unbenutzt gelassen werden, einen konüschen Irrtum in der Anmerkung der großen Weimarer sogenannten Sophien-Ausgabe zu den: Briefe an Maret zu berichtigen. Es heißt hier näinlich, der Herzog fei „einer von Napoleons Marschällen, später Kriegsminisier" gewesen, während der genannte Publizist und Staatsmann, ursprünglich Zeitungsschreiber, dann Diplomat, weiter Korrespondenzsekretar des Kaisers, schließlich Minister des Aeußercn usw., unter der Restau- ration verbannt, unter Louis Philipp wiederunl für kurze Zeit Minister, nie Soldat geweseir ist.
Die nächste Ordensauszeichnung, welche Goethe erhielt, ivar das Kommandeurkreuz des Oesterreichischen Leopold-Ordens. Zu dieser Angelegenheit sind vier Schriftstücke von Wichtigkeit, welche deshalb in: Wortlaut folgen mögen.
Metternich an den Kaiser.
„Euer Majestät haben bey Allerhöchst Ihren: vorigjährigen Au'enthalie in Weiinar dem Herzog die Verleihung eines Ihrer Ordenszeichen an den geh. Rath von Göthe zu versprechen geruht. Seitdem drängt der Herzog täglich auf die Erfüllung dieser Aussicht. Ich unterfange mich untertänigst auf die Verleihung des Commandcur-KrelltzeS des Leopold-Ordens anzutrngen, welches ich dem Ex. v. Göthe im Falle der gnädigsten Gewähruug des Antrages mit einem angemessenen Schreiben im Allerhöchste» Namen zufchicken würde. Wien, den 15. Nov. 1814. Metternich"
Der Kaiser an M e tternich.
„Ich verleihe den» geheimen Rathe von Göthe das Komman- deurkreuz des Leopoldordcns, welches sie demselben in Meinenr Namen mit einem abgemessenen Schreiben übermachen werden und erlasse hiermit unter Einen: an Hcürath Oßivalder bei: befehl solches zu überschicken. Speyer den 28. Juny 1815, Franz m. p/
Metternich an Goethe.
„Hochwohlgeborener Herr! Seine Kaiserlich-Königlich Apostol. Majestät mein allergnädiaster Herr haben an Höchsteigener Be- wegung acruhet, dencnselbcn durch Allerhöchstes Handbillet, ddo. Spcicr den 28. Juni 1815, das Kommandeur-Kreuz des Kaiserlichen Leopold-Ordens zu erteilen. Inden: ich anliegend dencn- sclben die Dekorationen dieses Ordens zu übcrmachen die Ehre habe, benütze ich die Gelegenheit dieser ehrenvollen^ Anerkennung ihrer ausgezeichneten Verdienste un: die deutsche Sprache und Litteratur, um- dencnselben den Ausdruck meiner persönlichen Hochachtung zu erneuern. Mögen Euer Hochwohlgeboren auf Ihrer langen und ruhmvollen Laufbahn eine besondere Belohnung deßeu, was Sie für die Ausbildung des Geistes und d:e Veredlung des Geschmacks in Deutschland geleistet haben, darin finden, das Seine Kaiser!. König!. 'Majestät unter den: Drange der Geschäfte in Allerhöchsten: Feldhoflager, und unter der unausgesetzten Sorge für das Glück Ihrer Völker, diese Auszeichnung zu beschließen geruhten. Empfangen Euer Hochwohlgeboren die Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung. Paris den 16m Julius 1815. Fürst v. Metternich."
IV.
Carl August an Goethe.
...... Empfange meinen besten Glückivunsch zum heiligen Leopold. Es freut mich, daß er angelangt ist, schon seit einen: Jahre ivar er mir versprochen worden......" (28. Juli 1815.)
Es verdient, im Anschlüsse an das Vorstehende noch hervorgehoben zu werden, daß, nach den Ordenssatzungen (6:8 zum Jahre 1884), die Inhaber dieser, hoch bewerteten, Ordensaus- zeichnunz den erblichen oesterreichischen Freiherrenstand erhielten, wenn sie darum nachsuchten. Ob Goethe diese Bestimmung nicht gekannt oder aus welchen sonstigen Gründen er darum nicht nachgesucht hat, entzieht sich der Kenntnis. Die Anerkennung des Oesterreichischen Freiherrenstandes im Großherzogtum Sachsei: hätte ja für Goethe keinerlei Schwierigkeiten haben können. Seine Enkel Johann Wolsgang und Walter Wolfgang haben später, am 29. August 1859, bei Gelegenheit des 110 jährigen Geburtstages des Dichters den Sachscn-Weimarischen Freiherrcn- stand erhalten.
Sehr bald nach dem Leopoldsorden erhielt Goethe seinen vierten Orden, diesmal wieder ein Großkreuz, nämlich von seinem Landesherrn dasjenige des Falkcnordei:s, und zivar sofort nach dessen „Erneuerung", die durch Satzung von: 18. Oktober 1815 erfolgt war, und zwar bei der ersten Ordensfeier am 30. Januar 1816. Bei dieser Gelegenheit hielt Goethe selbst eine feierliche Dankesrede, die in allen großen Ausgaben seiner Werke nachgelesen werden kann.
Deu letzten Orden, wiederum ein Großkreuz, erhielt Goethe am 28. August 1827 unter besonders ehrenden Umständen, da König Ludwig I. von Bayern eigens dazu nach Weimar gekommen war, um es dem Dichter in dessen Hause zu überreichen. Es war aber nicht das Großkrenz des St. Michaels-Ordens, wie der Freiherr Woldemar von Biedermann im 6. Bande des Werkes: „Goethes Gespräche", S. 179 angegeben hat, sondern
das Großkreuz des Verdienstordens der Bayrischen Krone, wie ich kürzlich auf Grund amtlicher Auskunft festgestellt habe. Leider Aufsätze: „Eine heraldische Episode aus Goethes und Klasings Monatshefte, Heft 7 vom Mürz


