Ausgabe 
27.6.1906
 
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Schulz stehende Kurorchester vergrößert, das Theaierbudget erhöht werden, ebenso die nur 19 000 Mk. betragende Summe fiir Balle, Saisonseste, Illuminationen, Reunions ustv. Der Wunschzettel des Kurdirektors Freiherrn von Maltzahn enthüllt ein Stück hinter den Kulissen dieses deulfch-englifchen Weltbades, in dem gar manches tatsächlich innerlich und äußerlich der Renovierung bedarf. Hom­burg in all seiner Herrlichkeit, in all seiner wundertätigen Heil- krast reprnsidicrt ein entzückendes Stückchen Deutschland, das er­halten und in modernem Sinne verschönt werden muß. Reichen hierzu die Mittel der Stadt, die es an Opsersähigkeit nicht hat fehlen lassen, nicht nn§, dann hat der Antrag des Freiherrn von Maltznhn, Homburg möge ein Staatsbad iverden, volle Berechligung, beim" Hombiirq soll und muß uns in seiner ganzen Schönheit er­halten bleiben zum Wohle der Menschheit, die hier Freude und Genesung sucht. _ , , , , , , ,

TaS dem ausgestorbenen F u r st e n g e s ch l e ch t Ho m burg- H es sen geweihte Denkmal ivird voraussichtlich Ende August enthüllt werden, mid zivar in Gegenwart des Kaisers. Dieser bat übrigens kürzlich einen Saal im Homburger Schloß mit den Porträts der Landgrafen von Hessen-Homburg auSmalen lassen. . _ . , . _

Die Errichtung noch eines neuen Denkmals wird in Homburg geplant, ja sic ist schon gesichert, und die bei bett Herrscher, die sich zum Bau dieses Monuments vereint haben, sind Kaiser Wilhelnt und König Eduard von England. Es hat hiermit folgende Be- wandnis: .

Die Kaiserin Friedrich hatte den Wunsch, der L a n d g r a f t n Elisabeth vonHessen, die als Tochter des Königs Georg III. von England geboren würbe und am 10. Januar 1840 gestorben ist, ei» Denkmal zu setzen. Landgräsin Elisabeth hat sich um Homburg ganz besonders verdient gemacht, imb die Errichtung eines Monuments für diese ihr verwandte Fürstin aus englischcut Königshause war der Kaiserin eine Herzenssache. Sie übergab int Jahre 1900 dem Kurdirektor Frhrn. v. Maltzahn zu diesem Zivecke 600 Mk. mit berAeußeruna, daß sie ihre Verwandten ebeiisalls für diese Sache interessieren wolle; der inzwischeit verstorbene Herzog von Cambridge steuerte ebenfalls 500 Mk. bei und der König von England erklärte während seines letzten Homburger Aufenthalts im Jahre 1901, daß er nach seiner Rückkehr die Denktnals-An- gelegenheit in die Hand nehmen wolle. Der König hat aber Hom­burg nicht mehr besucht. Während seines letzten Aufenthaltes in Biarritz (nb König Eduard bett Kurdirektor v. Malizahn zu sich und erklärte ihm, baß ihnt sehr viel daran liege, den Wunsch seiner kaiserlichen Schwester erfüllt zt> sehen; er betonte, daß bie Kosten für bas Denkmal nicht durch öffentliche Samutlmigen, fon- dern von den Verwandten der Latidgräfin Elisabeth, und zwar voin Prinzen von Wales, von der Großherzogin von Mecklenburg -Strelitz, vom Groß Herzog von Hessen und vont Herzog" von Sachsen-Koburg und Gotha zu erbitten resp. auizubringen seien. König Eduard stellte einen er­heblichen Betrag in Aussicht, machte jedoch zur Bedingung, daß in erster Reihe Kaiser Wilhelnt hierüber Vortrag gehalten tverde, und betonte, daß er ohne den Willen seines kaiserlichen Neffen, der die Bestimmung über die Art der Ausführung und den Ort der Auf­stellung deö Aiomunents haben müsse, nichts unternehmen würde. Der Kaiser gab sofort feine Einwilligung zur Errichtung des Elisabeth-Denkmals int Sinne der Kaiserin Friedrich und des Königs von England, beaustragte Frhrn. v. Maltzahn, lediglich von den genannten Fürstlichkeiten Beiträge zu erbitten, erklärte sich bereit, die etwa fehlende Summe zu zeichnen, und bestimmte, daß das Monument bie Landgräfin Elisabeth in ganzer Figur sitzend zeigen, daß es in Bronze gehalten sein und am Ferdinandsplat; gegenüber der englischeit Kirche errichtet und daß mit seiner unverzüglichen Ausführung der Berliner Bildhauer Gerlh beauftragt werbe. So gehen Kaiser Wilhelnt unb König Eduarb, da eS sichnm die Erfüllung eines Wunsches der Kaiserin Friedrich handelt, H and i n H a n d.

Wie wundervoll liegt dieses Homburg, umgeben vom Kranz der sanften Höhen und der uralten, tvttrzigen Wälder, wie atmet hier alles Ruhe und Friedett, wie ladet hier alles 51111t Verweilen und zum Genießen ein!

Noch gibt es int Kurhause von heute Beamte, die hier schon zu Zeiten der Spielbank angestellt waren und bett ganzen Rummel und Prunk miterlebt haben," aber sie fühlen sich jetzt wohl und sicher, und sie gedenken ohne Wehmut der versunkenen Pracht. Jin Roulettesaal, in dem es einff um Zehittausende ging,gibts heute bas Pferdchenspiel mit 50 Pfennig Einsatz, und der glückliche Ge­winner erhält fein Geld, sondern darf sich einen der zur Schau gestellten 3 Mark-Gegenstänbe aussuchen, in dem gleißenden Gold­saal, in dem dem Trente et quarante gehuldigt wurde, und der eigentlich eine neue Vergoldung redlich verdient, ist heute Terp­sichore bie Herrscherin.

All der Glanz ist verblichen und nur, was der Macht der Natur entspringt, hat auch hier seinen unvergänglichen Reiz be­wahrt, und wenn man von der wie ein prächtiges Parkett in enteilt entzückenden Naturtheater aiügebauten Kurhausterrasse hinüber- blickt zu den von feinem blauem Dunst zart verhüllten Regionen de§ Taunus und deS Haardlwaldes, weint matt den herrlichen Park ttn warmen, strahlenden Sonnenlicht vor sich ansgebreitet sieht,

dann empfindet man das Menschliche und das Ewige, das von dieser Stätte ausgeht. Alfred Holz bock imBert. Lok.-Anz.*

Etwas über bemalte Bildsäulen.

Unter dieser Sp-itzmarke schreibt Direktor E. Högg-Bremm in der Architektonischen Rundschan: In Bremen, wo der klassisch schöne Roland als Sinnbild bürgerlicher Kraft und Freiheit neben Lüder b. Bentheims berühmten Rathaus das Marktgewimmeh überragt, hat sich ein Unglücksfall ereignet, von dein die gierige Tageschronik weiter keine Notiz genommen hat: den Roland, den aus Quadern grün-grauen Sandsteins geschichteten mächtigen Riesen haben sie bunt bemalt. Grund: Ursprünglich, vor so und so viel hundert Jahren, war dieser Roland auch bunt bemalt gewesen! Er fiel also demselben Gedankengang zum Opfer, aus dem heraus Jung St. Peter in Straßburg von oben bis unten angemalt wurde, der die Schönheit desschönen Brumtens" in Nürnberg unter dicker Vergoldung erstickt hat und dem wir die tragikomischen Jnnenräume des Friedrich-Banes im Heidelberger Schloß verdanken. Als ob unsere Zeit nicht das Recht auf einen andern, feiner entwickelten Farbensinn hätte, als ihn das Mittel- alter besaß, dessen Farbenstimmungen uns eine Zeit lang, heute auch schon nicht mehr unbedingt nur deshalb vorbildlich waren, weil wir sie vomalles heilenden Zahn der Zeit" benagt und gemildert kennen lernten und in dieser abgedämpften und ver­wischten Art nachahmteit. Der Farbensinn deS Mittelalters war naiv primitiv. Der unsrige ist kompliziert, feinfühlig, jeden­falls entwickelter. Vor allem haben wir die Schönheit des Ma­terials, der natürlichen Patina auf dem Baustoff erkennen gelernt, die das Mittelalter nicht gesehen hat, weshalb es wohl sogar; zu Mitteln griff, die den modernen Menschen empören, wie z. B. das Uebertünchen von Sandsteinfassaden und Aufmalen von imi­tierten Quadern und dergleichen mehr. Immerhin war dann Einheitlichkeit in einem solchen Vorgehen, die Farbenfreudig­keit tauchte alles in buntes Gewand, nickst nur den Roland aus dem Marktplatz, sondern auch die Häuser um diesen Platz herunt und die Menge, welche die Straßen und Plätze füllte. Wenn wir aber heute ein buntes Werk mittelalterlichen Geschmacks aufstellen, so steht es als grelle bäuerliche Vogelscheuche in dem saft farb­losen Bilde, das u'itfer modernes Empfinden sich geschaffen hat. Die neuzeitlichen Bestrebungen, wieder mehr ausgesprochene Farbe in die Städtebilder zu bringen (erinnert sei an die Steiiizeug- fassaden in Hamburg), bewegen sich auf einem ganz andern Wege, als die des Mittelalters, und werden den Gegensatz nur noch steigern. Also es ward beschlossen: Roland, den Riesen am Rathaus zu Bremen, wieder zu bemalen, die antiquarische Richt­ung triumphierte, die Leute praktischer Kunsterfahrung trauerten. Denn was zu erwarten gewesen, traf ein: als die Hülle von dem getünchten Standbilde fiel, da war der Riese mit einem Male um gut ein Drittel kleiner geworden. Es war gar kein Riese mehr, sondern eine bunte, sehr große Puppe! Und doch hatte man von den Fehlern anderer wohl etwas gelernt haben können. In Bern, der Stadt der schönen Brunnen, hat nämlich das ver­irrte historische Gewissen schon früher Aehuliches verbrochen und alle diese entzückenden kleinen Meisterwerke ' der Bildhauer ainst vergangener Tage genau so knallbunt wieder angemalt, tote sie zur Zeit, als Holbein seine Fafsadenmalereieu schuf, wahrschein­lich ausgesehen haben. Schon hier ließ sich die unglückliche, ver- kleinerude, puppenhafte Wirkung, der Verlust des monumentalen Eindrucks durch diese Art von Uebermalung studieren und er­kennen. In Bern sehen die Farben betrübend dauerhaft ans, in Bremen scheinen sie weniger wetterfest, und es iswzu hosten, daß das sehr regnerische Nordseeklima in ein paar Zähren den guten alten Zustand wiederhergestellt haben wird. Bis dahin haben wir dann wohl die retrospektive Krankheit vollends überwunden, die einer aufstrebenden Kunst unwürdig ist.

Bilderrätsel.

Nachdruck verboten.

Ate'

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Buchstabenrätsels in voriger Nuinmer: Fahnenflucht Reinerz Albatros Nicolai Luckervogel, Franz Liszt.

Redaklionr Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gieße«»