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erstehen könnten. Rührend war es später in Bastln, als im Gefängnis, ich weiß nicht wodurch, Herauskam, daß ich Helfenbergcr Hühneraugenpflaster besäße. Ich bekam der Reihe nach von allen Wärtern teilnehmenden Besuch in meiner Zelle, bis ich endlich beim Wäschewechseln bei dem strengen Chef außer den vielen Büchern und Skripturen fast mein ganzes Inventar loseiste und hierbei auch jenes Pflaster mit auf meine Zelle schmuggeln und den Wärtern zur brüderlichen Verteilung übergeben konnte.

Meine Behandlung von feiten des Chess des Gefäng­nisses und der Wärter in Ajaccio war später tadellos, nachdem ich mich mit ersteren gelegentlich der Jnstruktions- erteilung gehörig auseinandergesetzt und wir unsrem Herzen gegenseitig Luft gemacht hatten, und zwar so laut, als ob wir beide äußerst schwerhörig wären. Zum Schluß bediente ich mich als Uusrusuugszeichen einer mit aller Wucht zugeworfenen Gefängniszellentür, wenig anerzogener preußischer Subordination entsprechend.

Die erste Nacht mußte ich in einer Zelle verbringen, durch deren zerbrochenes Fenster eiskalter Januar-Ostwind hineinblies. Es war ein Wunder, daß ich mich nicht auf den Tod erkältete. Ich hatte den Hut über die Ohren ge­zogen, um mich nur einigermaßen zu schützen. Daß ich mich 16 Tage nicht waschen und kämmen konnte, Ivar nicht die Schuld des Chefs, denn die in Freiheit dressierten korsischen Gefangenen wuschen sich Kopf und Körper auf dem Gefängnishofe unter dem Wasserhahn trotz der winter­lichen Kühle. Einen Kamm kannten sie kaum, da sie kurzes, ungescheiteltes Haar trugen.

Daß ein Kamm und Spiegel im Ajaccioer Gefängnis existierten, konnte ich feststellcu, als ich für das Pariser Verbrecheralbum photographiert wurde. Damit ich mich recht ähnlich frisierte, brachten mir die Wärter den Scherben eines , Spiegels und einen vollzähnig gewesenen Kamm herbei. Später genehmigten die hohen Ajaccioer Behörden, daß mir mein Reisegepäck mit den Waschutensilien aus dem Hotel in meine Zelle gebracht wurde, und nachdem ich mich gründlich rasiert, mit Seife mehrmals gewaschen und die Haare etwa eine Viertelstunde durch gekämmt hatte, sodaß mir die Kopfhaut wund war, fühlte ich mich nach Wochen wieder einmal als Mensch. Später fragte mich der Chef aus, ob ich damals nicht von der Breiten Salario- straße abgegangen wäre. Ich antwortete ihm darauf, daß, wenn man eine vierstündige Tour vor hätte, bei der es späterhin auf einem Maultierpfade steil zu steigen gäbe, man gleich am Anfang unnütze Sackwege unterließe. Außer­dem hätte ich gar nicht gewußt, daß der Schuldirektor M. jenen Spaziergang beabsichtigt hätte oder sich dort befände. Selbst wenn ich ihn unterwegs noch auf der Salario- straße gesehen oder eingeholt hätte, würde ich ihn nicht jene Promenade des Pins hinaufbegleitet haben, ich hätte ihm vielmehr von diesem Spaziergange abgeraten, da die 'Aussicht oben verwachsen wäre und der Aufstieg in keiner Weise der aufgetoenbeten Mühe verlohnte. Ein andermal bemerkte mir der Chef, daß ich meinem Rechtsanwalt ruhig es gestehen könnte, wtznn ich ivirklich der Mörder wäre, denn die Advokaten wären eidlich verpflichtet, solche Mit­teilungen zu bewahren. Mich würden Briefe an meinen Rechtsanwalt nicht amtlich geöffnet und durchgesehen. Ich erwiderte ihm, daß selbst meine geheimsten Briefe gelesen werden könnten, man dürste sich nur nicht über die Mn- sichten, die ich von den Ajaccioer Verhältnissen hegte, auf» regen. Er sollte doch endlich den widersinnigen 'Argwohn aufgeben. Ich hätte in Magdeburg eine bis auf Nähtische, Stiefelknecht und Fußbank komplette fünfzimmerige Wirt­schaft und eine Bibliothek von mehr als 100 Bänden bei einem Spediteur lagern, außerdem 7500 Mark Anwartschaft auf ein fünfstöckiges Haus und ein Vermögen von über 50 000 Mark bei dem Magdeburger Bankverein hinterlegt, würde also über kurz öder lang nach Deutschland zurück- kehren. Es wäre unter solchen Umständen kaum anzu­nehmen, daßich solche Dummheit gemacht hätte, um mir inneren und äußeren Frieden zu stören. 'Auch würde keiner der befreundeten Professoren und Pastoren zu meiner Ver­teidigung einen Finger rühren, wenn mein Charakter die geringste Möglichkeit dazu Böte, daß ich den Raubmord begangen haben könnte. Jedenfalls sei es Bequemet, "an seine Bank ejine 10 Cents-Postkarte zu schreiben,schickt wir sofort 1000 Franken", als sich erst einen Revolver und Munition zu kaufen, schießen zu lernen und einen alten, lieben Landsmann zu ersnorden, der, wie er mir erzählte,

acht Kinder, die sämtlich noch von ihn: unterhalten wurden, besaß, also jedenfalls feine Reichtümer mit sich herum- schleppte

(Fortsetzung folgt.)

Komörrrg.

Direkt von der Bahn gehts hinein in das Getriebe liebenswürdigen Kleinstadt und eines sashionablen Weltbadcs. _ ,e Hotels haben sich frisch heransgeputzt, sie fhtb von den hohen Preisen, die sie, da Homburg der Schauplatz des Gordon-Bennett- Rennens war, den Fremden auserlegt hatten, herniedergestiegen, sie harren der Gäste, die da kommen sollen, nnd für deren Em­pfang sie alles vorbereitet haben. Es ivar vielleicht nicht geschäfts- klug, aber immerhin erklärlich, daß die Homburger die Tage des Gordon-Bennett-Rennens, die ihnen reiche Gäste au§ aller Herren Ländern zuführten, nach Kräften aiisnützteii, beim gar mancher mag das, ivas damals in den Preise>r doch nur Ausnahme war, als Regel angesehen haben.

Die Pflege des Rasensports in dieseni entzückenden Taiinusbad ist ein Verdienst der Engländer, ebenso die Errichtung des Golf­klubs und eines hiermit verbundeneii Klnbhanses. Der Golfklnb bildete und bildet aud) heute noch ein Bindemittel zwischen Eng­land und Honiburg, fast jeder hier weilende Engländer gehört ebenso wie der vornehme Teil der deutschen Babegesellschaft diesem Klub an, der zu seinen Ehrenmitgliedern beit König von England», ben deutschen Kronprinzen, die Prinzen Adalbert und Joachim Albrecht von Preußen u. a. zählt.

Homburg äst ein Jahrhuitderte altes Heilbad, seine Quellen, seine Bäder siiw berühmt und doch Homburg ist in seiner Ent­wicklung als Weltbad stehen geblieben. Währeiid fast alle Bäder des Taunus imb des Rheins in den letzten Jahren einen Auf­schwung genommen haben, ist für Homburg ein Stillstaiid zu ver­zeichnen. Ziffern beweisen auch hier. Int Jahre 1883 betrug die Frequenz 12 951, zwanzig Jahre später 12 4=49 Personen. Wen» auch England nicht mehr so bevorzugt wie ehedem, so kamt doch der Rückgang de§ englischen Besuches nicht ausschließlich diese» Stillstaiid veranlaßt haben.

Der Kurdirektor Freiherr Albrecht v. Maltzahn, der seit Jahre» an der Spitze der Badeverwaltung steht, dem das Wohl des deutsch- englischeit Weltbades am Herzen liegt, und der, wenn es Homburg gilt, nichts verschleiert und beschönigt, sonderit alles offenherzig sagt und tut, ivas deut Gedeihen Homburgs bienen kamt, hat in einerDenkschrift über bie Verstaatlichung be§ Homburger Kur­hauses mutig klargelegt, tvoran bie Entwicklung dieses HeilorteS krankt.

Honiburg steht nämlich, gleich Wiesbaden, unter städtischer Verwaltung, aber, ivas Wiesbaden, dieser reichen, ausblühenden Stadt, möglich ist, baS kann Homburg bie kleine, beschauliche Stabt, nicht, und barunt bekennt Freiherr von Maltzahn in seiner haupt­sächlich für die dortigen Stadtväter bestimntten Denkschriit, daß Hombnrg nur bann einen Aufschwung nehmen könne, meint aus beut Stadtbad ein Staatsbad würde. Er legt dar, wie die staatlichen Bäder, tute Ems, Langenschwalbach, Schlangenbad, Oeynhausen unter diesem Regime sich entwickelt haben, und man erhält einen nicht uninteressanten Einblick in das Verwaltungs­wesen der königlichen Bäder, ivenn man erfährt, daß deut kleine» Staalsbade Nenndorf 671 000 Mark und dem großen Bade Oeyn­hausen 826 000 Mark in den letzten Jahren von der Staatsregie­rung an Subsidien geivährt wurden. Und so kommt es, daß z. B. Oeynhausen das alte Homburg an Besucherzahl überflügelt hat. Freih. v. Maltzahn erzählt, wie man, als am 31. Dez. 1872 bie Roulettekngel zmn letzten Male im Kurhause von Hornburg rollte, allgemein die Befürchtung hegte, baß bas Ende des Glück­spiels auch das wirtschaftliche Ende des Badeortes bedeute. Und in der Tat sank die Besucherzahl, bie int letzten Spieljahre 21000 betragen hatte, int nächsten Jahre ans 9187. Aber allmählich wurde aus dein Spielbad ein Heilbad, das die Abenteurer, die Kokotten und ähnliche Elemente erfreulicherweise mieben; was aber in bem Spielbab Schönes und Prunkvolles entstanden war, ivie das iittim-vornehnte Theater, die großen Badehältser, vor allen Dingen aber das herrliche Kurhaus, das kant nun deut Heil­bade zugute.

Aber bie aus den Zeiten der Spielbank herrührenden Pracht­stücke bedürfen einer Auffrischung und Modernisierung. Die Stabt Hornburg, der int Jahre 1873 ber preußische Staat bas ge­samte Kurwesen, sowie einen von beit Spielpächtern Gebrüber Blanc aufgesammelten Kursoitbs von 800 000 Talern übergab, hat, ivie die Anlage des komfortablen Kaiser Wilhelm - Bades, die Erschließung neuer Brunnen und verschiedene Neueinrichtungen beweisen, für das Bad getan, was in ihren Kräften stand. Um ein Geschäft zu erweitern, tun es auf der Höhe zu erhalten, d. h. um es zeitgemäß auszugestalten, dazu gehört Geld, (Selb,, Geld, und schließlich soll auch ein Bad heutzutage wie ein Geschäft verwaltet werden, in das man Geld hineinstecken muß. Das Kurhaus, das eine veraltete, gesundheitsschädliche Lustheizimg besitzt, müßte eine moderne Dampfheizung erhalten, das Inhalatorium modernisiert, eilt Schwimmbad erbaut, die Erschließung einer heißen Quelle veranlaßt, der Hauptplatz am weltbekannten Elisabeth-Brunnen umgestaltet, das unter der vortrefflichen Leitung des Kapellmeisters