Ausgabe 
27.1.1906
 
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»affen Es ist eine anmutig-graziöse Erzählung, ganz und gar italienisch und echtester Renaissancegeschmack, die sich betitelt: Von der Liebe zwischen Ippolito de Buondelmonte und Lwnora de Bardi. Aus dem 15. Jahrhundert." Der Autor ist un­bekannt. Das Grundmotiv der Erzählung ist das Montccchl und Capuleti-Thema: Familienzwietracht trennt zwei Liebende Von Shakespeare inRomeo und Julia" alS tragisches Motiv benutzt, wird es hier ein Lustspielmotiv, dessen kichernd ironischer Ein­schlag den Verfasser vonEine Nacht in Florenz" vorzugsiveise zu der derben Keckheit seines Stückes gereizt Haven mag. Um den novellistischen Stofitern herum rankte er ein burleskes Nebenspiel, das seine buntschillernde Farbigkeit aus der Zeit und dem Milieu empfängt und in die Idee des Ganzen eine in ethischen! und stilistischem Sinne wirkende moderne Note, die einer fröhlich bejahenden Lebensauffassung, hmemträgt

Ippolito Buondelmvuti ist mit einer schar mnger Edelleute in die Kneipe des Wirtes Niccolo cingekehrt. Er sitzt abseits und hängt seinen Gedanken nach, weltschmerzücycn Gedanken, die nur noch schmerzlicher werden, als er durch das Fenster ein schönes Mädchen in einer Nonnenpvozession vorübergehen sieht. Kaum hat er erfahren, das; das Mädchen, zu dem er m raher Liebe entbrennt, eine Bardi ist die Buvndelmoutt und Bard:, die beiden vornehmsten Familien in Florenz des 15. Jahrhunderts, leben in stündigem Zwist so sucht er sich zu erstechen. Ver­wundet wird er in ein nahegelegenes Koster gebracht, dessen Aebtissin, eine hochbejahrte, kluge und welterfahrene Dame, dem jugendlichen Hypochonder ernstlich ins Gewissen redet: aber von dem Schmerze des untröstlichen Jünglings wird sie so gerührt, das; sie eine Begegnung der beiden Liebenden m der Form gewährt, daß Ippolito hinter einem Vorhang versteckt seine angebetete Lionora sehen soll. Natürlich zieht Ippolito, während Lionora der Arbtstsui die Konjugation vonamo" aufsagt, den Vorhang fort, und alsbald liegen sich beide in den Annen. Ippo­lito wird von der Acbii'sin hinausgejagt, aber Lionora hat ihm bereits zugeflüstert, er solle abends bor ihr Fenster kommen, das dem Grabe des Schneidermeisters Dolcibeni gegenüber liegt. Als Ippolito mit einer Leiter erscheint, begibt sich etwas sehr Merkwürdiges. Aus ver Dolcibeni-Grust steigen zum Entsetzen der herbeicilenden Wächter allerlei Gestalten, die sich gegenseitig für vom Tode Amfcrstandene oder für Geister halten. Das ist eine Folge der Ereignisse, die nebenher im ersten M gespielt haben. Da haben die zechenden Edelleute nämlich dem Brüder- Paar Dolcibeni, den Söhnen des verstorbenen Schneidermeisters, eingeredct, daß der eine von ihnen, Pino, tödlich verwundet und gestorben sei, der andere aber als Räuberhauptmann Bona- I miet ein von der Polizei sehr gesuchter Verbrecher sei. Außer I diesen beiden entsteigt der Gruft aber noch Ippolitos Freund | Currado, den seine Geliebte, um sich nicht zu kompronlitticren, I dahin gebracht hatte weil sie ihn für tot hielt. Und endlich wird I der gestorbene Vater Dolcibeni von all dem Lärm um ihn herum I so empfindlich in seiner Ruhe gestört, daß er es vvrzieht, das | Lokal,' in dem er so friedlich lag, zu verlassen. Er packt seine I Söhne etwas unsanft am Ohr und schleppt sie nach Hause, i Ippolito und sein Freund Currado werden als vermeintliche I Di st- und Einbrecher dem Henker überantwortet. Mer im letzten Ar "icke werden sie durch das tapfere Eingreifen der Frauen , i, und so schließt das Stück mit der glücklichen Verlobung von Ippolito und Lionora. __

Bon einem Wirbelwind grotesker Einfälle und Situationen qeiagt» ziehen die färben- und sinncnfreudigen Bühnenbilder an dem Zuschauer vorüber. Di: Absichten des Dichters werden von dem Gestrüpp derber, toller Komik erstickt. Das ist besonders um der sprachlich und stilistisch ausgezeichnet geführten Szenen willen zu bedauern, in denen sich eine Bernard Shaw und^Frank Wedekind verwandte Stilkunst kundgibt. Dera Erftstge des Stuckes bei der heutigen Uraufführung im Düsseldorfer Samuspielhause kam es zustatten, daß der Autor Dramaturg des Dumoutschen I Theaters ist und als Herausgeber derMasken" em, von vor- herein empfängliches Premierenpublikum hatte, das mit starkem Beifall nicht kargte und den Dichter wiederholt rief. A. st.

HnMsrisLZHches.

K i n d e r m u n d. Papa und Mama treten eine Reife an und verabschieden sich von ihrem Töchterchen. Mama:Adieu, süßes Kind, bleib mir hübsch gestmd I" Wärterin zum Kinde:sag: Du auch, liebe Aiama." Töchterchen:Du auch, liebe Mama." Papa:Adieu, mein Töchterchen, sei hübsch artig und gehorsam l" T ö ch t e r ch e »:Du auch, lieber Papa 1"

Diese Fremdwörter! Sitzen zwei in einer Versamm­lung und lauschen den estrigen Auseinandersetzungen des Redners au! dem Podium, Sagt der eine:s'ist hier schlechte Akustik" Und der andre draus mit schnüffelnder Rase:Ich rieche nichts--".

Humor des Auslandes.

* Polizist (stim Vagabunden):Ich wünsche Ihren Rainen und Ihre Adresse." Vagabund (sarkastisch):So wirklich? Niin, mein Name ist John Smith und meine Adresse Nnmmer 1

in der krischen Luit. Wenn Sie mich besuchen, machen St« sich nicht die Müde, erst anzukiopien, treten Sie nur so ein I

Tut mir leid aber alle meine Töchter sind bereit- vev- [obt/Ah, nun, das macht nichts; ich werde wieder vor­sprechen, wenn eine Vakanz da ist."

Sie haben ja eine gewaltige Sammlung von Romanen, Smithers."Ja, eine gat>z anständige. Meine Frau schafft st« an, um einen recht poetischen Namen für unser Baby herauszu­suchen "Ah, und wie haben Sie es genannt?"Susann«!"

Junge Frau:Frau Alten hat zivei neue Kleider ge­habt in der Zeit, wo ich eins bekommen habe. Junger Ehemann:Ganz recht, Schatz ; aber Frau Alten hat auch zwei Männer gehabt gegen deinen einen."

Zu Küisersgek'urtstag.

Die Glocken läuten, und die Fahnen wehen, Kanonendonner kündel's weit ins Land: Dem deutschen Volk ist neues Heil, geschehen. Den Kaiser schirmte uns des Höchsten Hand! Und Millionen treuer Herzen flehen Vom Alpengau bis hin zum Nordmeerstrand i Du treuer Gott, behüte ibn in Gnaden Auch fernerhin au! seines Lebens Pfaden!

Au diesem Tage sei nur ein Verlangen, Nnr e i n Gefühl in deutschen Herzen wach: WaS wir iin Kaiser von dem Herrn empfangen, Dem denke jeder stifl in Demut nach!

Vorüber ist das Hangen und das Bangen, Vorüber ist die Zeit der Not und Schniach l Em Kaiser waltet über Deutschlands Gauen, Wir dürfen mutig in die Zukunft schauen l f

Darum gelobe sich zu edler Treue Ein jeder seinem kaiserlichen Herrn, Daß sich in allen inniglich erneue Des deutschen Wesens wundervoller Kern, Tab sich der Zwietracht letzte Spur zerstreue Und Brnderliebe walte nab und fern!

Dann wtrd uns dieser Tag zum Segen werden, Und Friede, Friede wird es sein auf Erden!

Wie unter Donner, Sturm und Blitzgeschmetter Der Herr zu Israel berniederstieg, Co nahte er auch unferm Volk im Wetter In Feindesland im opferreichen Krieg.

Dort ward er uns zum Heller und Erretter, Vor dessen Stimme alles zitternd schwieg. Vergebt es nicht, daß er Lnifens Sodne Dort selbst auis Haupt gesetzt die heit'ge Kron«!

Gebrochen ist das Herz des edlen Greises, Dem Gott gegründet seinen Kaiserlhron; Roch bebt durch unser ganzes Volk em leises Wehklaget! um den hochgesinnten Sohn.

Wie wir um ihn geweint der Himmel weiß «S, Drum ward auch uns'rer Treue Hoyer Lohn: Den jungen Kaiser voller Kraft und Leben Hat er in Gnaden unserm Volk gegeben!

Drum wollen wir in hehrer Feierstunde

Voll froher Hoffnung auf den Kaiser lehn: Em Sturm der Liebe foll aus aller Munde Frohlockend beut' durch Deutschlands Gaue weht«, Und alle wollen ivir aus Herzensgründe Zum Himmel <iiv sein teures Leben stehn!

Mn Staunen sotl's die gairze Welt erschauen, Wie fest wir Gott und unserm Kaiser trauen! Gießen. Albert Kleinschmidt.

Arithmogriph.

Nachdruck verboten.

1 8 6 6 ein Geschichtsschreiber.

2 12 2 1 fränkischer Herrscher.

8 6 1 6 5 demscher Dichter.

16 6 Nebenfluß der Donau.

4 6 8 5 4 5 weidmännische Bezeichnring.

622 1 6466 Ort m Württemberg.

6 5 2 1 italienische Stadt.

16 6 14 ein Eigenschaftswort. °

5 4 4 5 ein Ackergerät.

Die Ansangsbnchslaben der gesuudenen Wörter ergeben der Reihe nach, von oben nach unten gelesen, eine Ftgtir aus einem Goethe'fchen Drama.

Auflösung in nächster Ntmuner.

Auflösung der Altägyptischen Hieroglyphen in voriger Rummerr Das Leben ist ein Kampf.

Redaktion; Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Umversitäls-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, GießM,