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der «Aufklärung, d .h. aus dem 17. und 18. Jahrhundert stamme. Wenn die Reformation tatsächlich nicht Schulen fürs Volk ins Leben gerufen hätte, so wäre das ein bedenklicher Punkt für ihre Beurteilung, denn dann wäre ein wichtiger Gedanke reine Theorie geblieben, nämlich der, daß man die großen Kräfte des Evangeliums in die weitesten Kreise des Volkes bringen müsse; so müsse man die Begriffe über die Reformation sehr ändern.
Tie Anschauung, die Volksschule sei ein Produkt des Pietismus und der AUsklärung findet sich in den meisten pädagogischen Schriften, besonders in der Geschichte des Volksschulwesens von Heppe. Nach ihm ist die Volksschule im 18. Jahrhundert entstanden. Wenn es schon zur Zeit des 30jährigen Krieges Schulordnungen gegeben hat, so waren diese ohne jede Verwirklichung in der Praxis. Ist wirklich aber Schule gehalten worden, so geschah es durch Handwerker, Tagelöhner, Bauern usw. — Diese Anschauung ist nach Ansicht des Redners verdächtig, weil ausgehend von einer unzutreffenden Beurteilung der Zeit des 30- jährigen Krieges. Es ist diese Zeit nicht allgemein eine Epoche des Niedergangs, sondern nächst den Tagen der Reformation eine Zeit regster wissenschaftlicher Arbeit gewesen, besonders die Jahre 1634—1640. Man bemüht sich zu retten, was noch zu retten ist. Gerade die falsche Beurteilung der Zeit des 30jährigen Krieges führt zu dem Satze: wenn 1634 eine großartige Ordnung über das Volksschulwesen herauskommt, so ist die Ausführung unmöglich gewesen. Tie Bücherkataloge der die Frankfurter Messe in jenen Jahren beziehenden Buchverkäufer, die noch vollzählig zu haben sind, zeigen dem aufmerksamen Forscher die merkwürdige Tatsache, daß vor dem 30jährigen Kriege fürs Volk verhältnismäßig wenig geschrieben wurde, daß aber in den Jahren 1634—40 eine förmliche Hochflut von Volksbüchern auf den Markt gebracht wird: Gesangbücher, Katechismen, Spruchbücher mit und ohne Bilder. Wenn ein solcher Nachdruck auf Schulbücher gelegt wurde, so müssen unbedingt auch Leute dagewesen sein, die sie kauften, d. h. sie brauchten.
Von besonderer Wichtigkeit für die zu behandelnde Materie aber ist das Buch eines alten Gießeners, Johann Justus Winckelmann über die „Grundzüge der Erziehung". Nach diesem Büchlein gibt es überall Schullehrer. Ter Verfasser tadelt es, daß reiche Leute ihre Kinder nicht in die vorhandenen Schulen schicken, sondern sich den Luxus eines Hauslehrers gestatten, als ob ihnen die bestehenden Schulen nicht gut genug wären. Aus diesem Büchlein, das in die fragliche Zeit fällt, geht also auch unzweideutig hervor, wie sehr man sich gerade damals für die Frage der Erziehung interessiert hat.
Menn Heppe in dem genannten Werk aus deu Akten der großen Kirchenvisitation 1628 herausgelesen hat, daß es damals noch keine Volksschule gegeben hat, so haben jahrelange, eingehende Studien des Redners das gerade Gegenteil bewiesen. Im Jahre 1628 berichten sämtliche Pfarreien von Oberhessen, Katzenelnbogen, Langenschwalbach, St. Goar, von Marburg und dem Hinterland bis auf verschwindende Ausnahmen über eingerichtete Schulen mit einem wohl geschulten Lehrerstaud, auch eine große Anzahl von Filialorten genießen denselben Vorzug. Ja aus den Kirchenbüchern ergibt sich die Tatsache, daß die Bauern ganz rebellisch wurden, wenn sie keine Schule auf ihre Vorstellung hin erhielten, da sie sich dann als Stiefkinder betrachten; wenn sie Steuern und Abgaben entrichten müssen, so verlangen sie dafür auch Schulen.
Ter Schulbesuch ist freilich verschieden. Hier werden die Knaben geprügelt, wenn sie die Schule versäumen, dort ist man zufrieden, wenn sie nur im Winter konuueu, auch die Mädchen haben 1628 regelmäßig die Schule besucht. Auch die Ansicht, daß, je weiter man zurückgehe, umsomehr in den Schulen geprügelt worden sei, ist als unbegründet zurückzuweisen; zumeist ist der Stock von den Theologen benutzt worden.
Ein Gradmesser für die Wertschätzung der Schulen im Volksleben ist, ob sie würdige Lokale haben. Aus den Visitationsakten von 1628 geht mit unfehlbarer Sicherheit hervor, daß alle Pfarrorte und Filialen ein gutes Schullokal haben. Somit läßt sich also mit wissenschaftlicher Begründung sagen, 1628 gab es schon eine gut organisierte Volksschule mit einem praktischen Schulzwang. Ws 1635 die soziale Not durch Pest und Teuerung stieg und man von den Filialen aus nicht in die Pfarrorte gehen konnte, haben auch fast alle Filialen sich; ihre Schale zugelegt,
darunter die kleinsten Orte. Menn die Schulakten kaum Neugründungen von 1650—1800 erwähnen, so müssen ja alle 1800 vorhandenen Schulen auch 1650 schon bestanden haben, und die Lehrergehälter im Jähre 1800 sind noch dieselben wie 1650. Wo aber kommen nun die Schulen 1628 her? Als Hessen evangelisch wurde, gab es nur an wenigen größeren Orten Lateinschulen. Von 1628—1600 rückwärts sind wenige Schulen gegründet worden, die meisten sind schon bis zum Jahre 1580 vorhanden.. Von 1560 an ist das Bestreben vorhanden, das ganz« Hessenlaud mit einem Netz von Schulen zu umspannen. Was sind das nun für Schulen und was für Lehrer? In Oberhessen gibt es nur wenige Orte, in betten man die Schule einem besonderen Lehrer übergibt; zumeist ist es der Glöckner oder Opfermann, der vom Pfarrer ausgebildet wird und die Kenntnis des Lesens, Schreibens und Rechnens an die Kinder weitergibt. Ganz anders lagen die Verhältnisse in der Grafschaft Katzenelnbogen, der heutigen Umgegend von Darmstadt. Hier galt es für durchaus unwürdig, daß der Lehrer zugleich Glöckner ist oder ein Handwerk bekleidet. (Letzteres ist 1628 auch in Oberhessen kaum der Fall.) In der Grafschaft Katzenelnbogen steht man auf dem Standpunkt, daß der Lehrer ein vollständiges theologisches Studium hinter sich haben mnß. Diesen Gedanken hat der Superintendent Hoh. Angelus durchgeführt. Dieser Gelehrte, der auch an der Gründung der Gießener Universität mit beteiligt war, ist in Hessen der Vater des Volksschulwesens gewesen und hat die Programme ausgearbeitet. Er war Pfarrer in Groß-Gerau. Für ihn ist selbstverständlich, daß Knaben und Mädchen die Schule besuchen, daß jede Pfarrei ihre eigene Schule hat und jeder Lehrer seine besondere Ausbildung genossen hat. Bei seinem Tode 1608 war in der Tat die ganze Grafschaft Katzenelnbogen mit Schulen übersät, in jedem Torfe war ein Lehrer mit dem Magistertitel, dem heutigen „Toktor"titel entsprechend. Die Gehälter waren gute, auch für Witwen war gesorgt. War der Lehrer, der also Theologie studiert haben mußte, 10 bis 15 Jahre lang tätig gewesen, so konnte er ins Pfarramt übergehen, mußte aber erst durch ein schwieriges Examen nachweisen, daß er die Zwischenzeit zu fleißigem Studium benutzt batte. Als 1604 Oberhessen hessisch wurde, wollte Angelus sein großartiges Programm auch hier durchführen, aber der Plan scheiterte an der Armut seiner Bewohner. So erklärt es sich, daß im Jahre 1800 die rhein- hessischen Lehrer noch den dreifacheit Gehalt ihrer oberhessischen Kollegen hatten.
Wenn Angelus und mit ihm gleichzeitig auch ander« Superintendenten die entwickelten Ideen hatten, so kann das nur daher kommen, daß man um 1560 dazu kam, die Gedanken der Reformation praktisch durchzuführen in Hessen. 1539 hatte Martin Bucer die Konfirmation in Hessen eingeführt, ausgehend von der Idee, daß jedes getaufte Kiud auch eine christliche Erziehung bekommen müße. Nach 1539 wird Philipp der Großmütige in die schweren politischen Kämpfe seiner Zeit verwickelt, er gerät in Gefangenschaft, die schönen Anfänge neuen Lebens in seinem Laude brechen zusammen. Erst ttach seiner Freilassung 1552 fängt man allmählich an, das längst Beschlossene wirklich dnrchznsetzen. Nachdem die Universitatsge,etze durchgeführt tourben, ist ein starker theologischer Nachwuchs vorhanden. Für die Kousirmatimtspraxts wird gesorgt, und da bei der Konfir- matton bestimmte religiöse Kenntnisse verlangt werden, so mußte eine Schule durchgemacht werden. So muß das Problem der Schulgründungen in die Hand genommen iverben, als man Ernst macht mit der Kvnfirmalion: dtese ist also eigentlich bte Wurzel der Volksschule gewesen. Damit ist der Nachweis erbracht, daß die he,stsche Volksschule nicht ein Kind des Pietisnms oder der Aufklärung ist, sondern ein rechtes Stiub der hessischen Reformation in dem Sinne, daß sie ins Leben trat, sobald man fähig war, mit dem großen Gedanken der Reformation tn Hessen auch in der Praxis Ernst zu machen.
Ein neues Lustspiel.
Aus Düsseldorf wird uns geschrieben:
Unter dem weiten Mantel des Wortes Komödie hat allerlei Platz, auch ein Stück, das euphemistisch „Lustspiel genannt Wirb und doch nichts anderes ist, als eine Poste, und sogar eine recht derbe. Den Stoss zu seiner „Nacht in Florenz bat Paul Ernst aus einer der altitaliemschen Novellen, geschöpft, die er übersetzt und im „Insel-Verlag" hat erscheinen


